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Ein Leben wird besichtigt: In der Welt der Eltern von Wolf Jobst Siedler

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
ISBN: 3886807045, Erscheinungsdatum: Sept. 2000, Auflage: 3
Produktgruppe Bücher
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Produktbeschreibung

Wolf Jobst Siedler war sieben, als Hitler die Macht ergriff, und er erinnert sich genau, wie die Familie die Autokavalkade Hindenburgs und Hitlers bei der Rückkehr vom "Tag von Potsdam" sah. Siedler erinnert sich seiner Kindheit und Jugend, als Deutschland auf den Krieg zuging, den aber kaum jemand voraussah. Sein Vater, ehemals ein kaiserlicher Diplomat und inzwischen ein Industriesyndikus, entstammte der Welt des konservativen Bürgertums, war aber als Anhänger der Demokratischen Partei entschieden gegen die neuen Machthaber. In dieser Atmosphäre konservativer Liberalität wuchs der Sohn auf, erst in den Schulen und Gymnasien Berlins, dann in Internaten in Schloss Ettersburg und in Spiekeroog, wo der Sohn Ernst Jüngers sein bester Freund wurde. Zur Jahreswende 1943/44 verhaftete man die beiden Siebzehnjährigen als Rädelsführer einer jugendlichen Widerstandsgruppe. Gemeinsam verbrachten sie mehrere Monate im Gefängnis, bis sie zur "Frontbewährung" begnadigt wurden. An der italienischen Front fiel der Freund in den ersten Tagen, offensichtlich auf einem Himmelsfahrtkommando; Siedler verbrachte nach seiner Verwundung einige Monate in verschiedenen Lazaretten in Italien. Fronterlebnisse, Gefangenschaft und Jahre in Afrika schließen Siedlers Jugendzeit ab. Ende 1947 kehrt der Zweiundzwanzigjährige in seine zerstörte Vaterstadt Berlin zurück. Als Siebzehnjähriger ging Wolf Jobst Siedler zu Gustaf Gründgens ins Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und zu Heinrich George ins Schillertheater. Dort sah er Grabbes "Hannibal" Der punische Feldherr trinkt den Giftbecher und beantwortet die Frage seines schwarzen Sklaven, was wohl nach dem Trunk sein werde, mit dem Satz "Was soll schon sein? Aus der Welt werden wir nicht fallen, wir sind einmal drin." Das war das Lebensgefühl des jungen Siedler zwischen Gefängnis und Front, von dem der A ...

Aus der Amazon.de-Redaktion

Verehrte Leserin, verehrter Leser: Lieben Sie die Berliner? Man fürchtet uns wohl eher, nicht wahr? Der Hauptstadtumzug hat das nicht besser gemacht, viele, die es beruflich hierher verschlagen hat, tragen Kunde von brutalen Erfahrungen gen Westen.

Das vorliegende Buch ist hervorragend geeignet für ein kleines "'schuldigung!" an verschreckte Besucher, die gerade zusammengenießt worden sind von irgendeiner Subalternität, sei's Verkäuferin, Beamter oder Busfahrer. Es wäre auch ein charmantes Begrüßungsgeschenk für zaghafte Ankömmlinge und ein nobles "Auf Wiedersehen!" für -- aufatmend oder traurig -- Davonfahrende.

In Berlin gibt es mehr Geist, Delikatesse, Weltläufigkeit und gute Manieren als Düsseldorfer Vorurteil und Hamburgs erster Eindruck vermuten wollen. Und, ja, auch mehr Tradition und -- gute -- Traditionen. Neues Berlin? Das alte ist noch nicht ganz verschwunden.

Siedler berichtet von viel Glück: Unsichtbare Hände schützen ihn nach einer Denunziation vor KZ und Todesurteil. Die "Frontbewährung" verschlägt ihn nicht an die Ostfront sondern nach Italien. Er fällt nicht wie der Freund (und so viele aus seinem Jahrgang), sondern kommt ins Lazarett, und die nordafrikanische Gefangenschaft wird zum Bildungserlebnis.

Immer wieder öffnet der Berliner Verleger, während er die eigenen Jahre schildert, Fenster zu Rückblenden und kleinen Exkursen in die Geschichte seiner Familie: Bildungsbürgertum, Adel, Judentum, Preußens Militär. Hier ein Onkel, da eine Urgroßmutter, ein altes Gemälde im Dahlemer Haus, Schulkameraden, Freunde, Beziehungen, Anknüpfungspunkte, geschichtliche Fäden. Blicke, die weit zurück reichen.

Mehr als nur Memoiren: Eine kleine Mentalitätsgeschichte des Berliner Bürgertums im 20. Jahrhundert. Gespannt harren wir der Fortsetzung. Einstweilen packen wir das hier schon mal ein: Weihnachten kommt immer so plötzlich! --Michael Winteroll

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"Ein jeder erzählt sich eine Geschichte, die er am Ende für sein Leben hält." Diesem Ausspruch von Max Frisch folgend (man findet ihn auf der ersten Buchseite) erzählt Wolf Jobst Siedler gleich sehr viele Geschichten, die am Ende seine Jugend ergeben.

Da ist die Geschichte seiner Kindheit in den Zeiten des frühen Dritten Reiches. Seine Erinnerungen an jene Phase drehen sich mehr um persönliche und familiäre Ereignisse denn um Politik. "Dass im März 1933 ein Weg begann, der wirklich in die immer wieder beschworene Geschichte führte, sahen die meisten nicht" -- Siedler als Siebenjähriger schon gar nicht. Es folgt die Geschichte des Schülers Siedler, der zunächst in "Verbannung" auf ein thüringisches Internat, später dann auf eine Nordseeinsel geschickt wird. Der Krieg betraf ihn nun direkt, musste er doch als Flakhelfer dienen. Ein lockeres Gespräch mit Freunden bringt die Konfrontation mit dem NS-Apparat, die Inhaftierung als Widerständler endet in der "Frontbewährung". Nun werden seine Aufzeichnungen zur Geschichte des jungen Soldaten Siedler an der italienischen Front, von der es in britische Kriegsgefangenschaft geht. Die Rückkehr 1947 in ein zerstörtes Deutschland markiert dann den Abschluss von Siedlers Besichtigung des eigenen Lebens.

Viel zu erzählen hat der Mann also. Manchmal fast schon zu viel, denn mehr als einmal verzettelt sich Siedler in zu detailliert geschilderten persönlichen Episoden und schießt damit über sein Ziel hinaus, mit "eigenen Erlebnissen die Stimmung jener Jahre zu beleuchten". Sein Buch kann zwar einen Eindruck vom Aufwachsen im Dritten Reich wiedergeben, Siedler ertränkt es aber fast in den vielen kleinen Geschichten, die sein junges Leben ausmachten. --Joachim Hohwieler

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Wir waren noch einmal davongekommen: Erinnerungen von Wolf Jobst Siedler

Broschiert von Pantheon
ISBN: 3570550117, Erscheinungsdatum: Sept. 2006
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Wolf Jobst Siedler war noch einmal mit dem Leben davon gekommen, und als er nach dem Zweiten Weltkrieg aus englischer Gefangenschaft nach Hause kam, fand er auch das Elternhaus in Berlin Dahlem unzerstört. Keine schlechte Ausgangsposition also für ein unterm Strich doch recht unbeschwertes Nachkriegsleben, auch wenn sich Siedler erst einmal "fremd im Zuhause" fühlte und bei der Suche nach den Orten seiner Kindheit in Berlin dann natürlich doch auch auf die Trümmer stieß, in die der Krieg große Teile der Stadt gelegt hatte. Auch in der Liebe hatte Siedler Glück: Früh fand er die Frau für's Leben. Und was sein berufliches Fortkommen anbelangt ? auch hier bleibt er von größeren Rückschlägen verschont.

Getreu dem Herzog von Marlborough zugeschriebenen Motto "Der kommt am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht", ergeht sich Siedler in nicht unbedingt sehr zielscharfen Studien, schreibt bald für den "Monat" und die "Neue Zeitung", wo er eine feste Anstellung bekommt, und erhält, als die "Neue Zeitung" eingestellt wird, mit der schon zur Gewohnheit gewordenen Portion Glück, eine feste Stelle beim "Tagesspiegel", wo man ihm alsbald die Leitung des Feuilletons überträgt. Ob zu Fragen der Literatur, des Theaters oder der politischen Kultur -- Siedler führt nicht nur die Redaktion, sondern auch eine weithin beachtete Feder. Von einigem Einfluss sind ? zum Segen Berlins ? seine Kommentare zur Architektur.

Natürlich berichtet Siedler, der seine Bestimmung schließlich als Verleger fand, in seinen Erinnerungen von seinen zahlreichen Begegnungen mit Literaten und Figuren der Zeitgeschichte: Thomas, Katia und Golo Mann, Albert Speer, Konrad Adenauer, Hannah Ahrendt etwa, Richard von Weizsäcker und Günter Grass, um nur einige wenig wahllos herauszugreifen ? hübsche Anekdoten und ein Panoptikum der Zeitgeschichte. "Natürlich", hat ein Kritiker treffend kommentiert, "atmen Siedlers Erinnerungen auch etwas von den Ingredienzien, die zu einem solchen Buch, zumal nach einem solchen Leben, dazugehören: vornehm gepflegte Eitelkeit, angelsächsischer Snobismus, Parfum. Aber es ist wie immer mit dem Parfum, es kommt auf das richtige Maß an, damit es anzieht, statt abzustoßen". Das richtige Maß hat Siedler in der Tat getroffen. Herausgekommen ist die lesenswerte Bilanz eines in schwierigen Zeiten gelungenen Lebens. -- Hasso Greb

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Produkt-Bild: Auf der Pfaueninsel: Spaziergänge in Preußens Arkadien

Auf der Pfaueninsel: Spaziergänge in Preußens Arkadien von Wolf Jobst Siedler

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
ISBN: 3886808696, Erscheinungsdatum: Februar 2007, Auflage: 2
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Auf der Pfaueninsel Spaziergänge in Preußens Arkadien
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Produkt-Bild: Wanderungen zwischen Oder und Nirgendwo: Das Land der Vorfahren mit der Seele suchend

Wanderungen zwischen Oder und Nirgendwo: Das Land der Vorfahren mit der Seele suchend von Wolf Jobst Siedler

Gebundene Ausgabe von Siedler
ISBN: 3886808777, Erscheinungsdatum: August 2007
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Wanderungen zwischen Oder und Nirgendwo Das Land der Vorfahr
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Wider den Strich gedacht von Wolf Jobst Siedler

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
ISBN: 3886808440, Erscheinungsdatum: Januar 2006, Auflage: 2
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Produkt-Bild: Kindheit und Jugend unter Hitler. ( Ein Siedler Buch).

Kindheit und Jugend unter Hitler. ( Ein Siedler Buch). von Wolf Jobst Siedler

Helmut Schmidt (Herausgeber), Willi Berkhan (Herausgeber), Wilfriede Berkhan (Herausgeber)
Broschiert von Goldmann Wilhelm GmbH
ISBN: 344212851X, Erscheinungsdatum: Mai 1998
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Phoenix im Sand: Glanz und Elend der Hauptstadt von Wolf Jobst Siedler

Taschenbuch von btb Verlag
ISBN: 3442755905, Erscheinungsdatum: März 2000
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Produktbeschreibung

Wird Berlin die architektonischen Herausforderungen, die die neue Hauptstadtrolle mit sich bringt, meistern? Wie geht die Stadt eines Schlüter, Schinkel und Mendelssohn mit ihrem historischen Baubestand um? Wolf Jobst Siedler, brillanter Essayist und "Nestor der deutschen Architekturkritik" Der Spiegel zieht eine ernüchternde Zwischenbilanz Großmannssucht und Neuerungswut drohen die Mitte Berlins endgültig zu zerstören. Der Stadt fehlt es im Unterschied zu anderen europäischen Metropolen heute vor allem an einem an der Fähigkeit zum gelassenen Umgang mit sich selbst.
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Produkt-Bild: Berlin zur Weimarer Zeit 1919-1933: Panorama einer Metropole: Panorama einer Metropole 1919-1933

Berlin zur Weimarer Zeit 1919-1933: Panorama einer Metropole: Panorama einer Metropole 1919-1933 von Wolf Jobst Siedler

Ruth Glatzer (Herausgeber)
Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
ISBN: 3886806359, Erscheinungsdatum: Sept. 2000, Auflage: 1. A.
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Produktbeschreibung

Die Metropole Berlin im Glanz und Elend der Weimarer Republik.

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"Nehm' Se dis, da ham' Se was für's Leben!" Lange her, dass Verkäufer von Schrankwänden und Wintermänteln so reden durften. Buch-Rezensenten dürfen noch: Nehmen Sie das hier, da haben Sie was für's Leben!

Wirklich? Bei so einem langweiligen Titel? Zugegeben, Metropole, Weimarer Zeit, Panorama klingt wie Wintermantel, Schrankwand, Leistungskurs. Aber falls Sie etwa schon mal -- eingeklemmt zwischen Touristenscharen -- die Straßen um den Hackeschen Markt durchschwommen haben, etwas ratlos angesichts einander überlagernder Geschichtsspuren und der dumpfen Hässlichkeit der Gegend: Nach der Lektüre dieses Bandes werden Sie die Signaturen der Mauern besser entziffern können.

Glatzers Buch handelt von jener kurzen Epoche -- ganze 15 Jahre --, in der Berlin zu Berlin wurde. Es geht nicht hochtrabend und abstrakt um die Weimarer Zeit, vielmehr sind Berlins Geburtsjahre gemeint. Die deutsche Hauptstadt ist in zwei Schüben entstanden: Straßenzüge und Häuserblocks wuchsen in dem Vierteljahrhundert zwischen 1890 und 1914 aus Sand und Kiefernheide, die Lebensform Berlin aber entwickelte sich 1918-1933 und diesen Vorgang erlebt der Leser hier mit. Ruth Glatzer ist Kennerin. Ihr Werkzeug ist nicht die Feder, sondern das Kopiergerät (oder der Scanner). Dank Glatzers Kennerschaft erwirbt der Käufer eine kleine Bibliothek der hervorragendsten Stimmen deutscher Zeit- und Kulturbeschreibung: Sling (legendärer Reporter und Glossenschreiber der Vossischen Zeitung), Alfred Polgar, Alfred Döblin, der unvergleichliche, heute völlig vergessene Sigismund von Radecki, Bernhard von Brentano und viele andere. Von der Autorin selbst stammen die verbindenden, erläuternden Texte.

Das Buch ist jedoch mehr als ein beliebiger Reader zu den Golden Twenties. Glatzer öffnet entlegene Quellen und hat nicht das Übliche gesammelt, sondern häufig besonders analytische Texte gefunden, gerade auch zur Entwicklung des Verkehrs, der Technik, zu Entstehung und Verlauf der politischen und gesellschaftlichen Krisen.

Was für's Leben: Wann immer Sie hinfahren in diese eigenartige flache Stadt in dieser eigenartigen flachen Gegend östlich der Elbe oder bevor Sie sich abends in das Gewühl der neuen Bars und Kneipen stürzen oder wenn Sie S-Bahn fahren, ewiges, unvergleichliches Sight-Seeing: Ein paar Seiten Glatzer steigern den Genuss! --Michael Winteroll

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Produkt-Bild: Auf der Pfaueninsel. Spaziergänge in Preußens Arkadien.

Auf der Pfaueninsel. Spaziergänge in Preußens Arkadien. von Wolf Jobst Siedler

Broschiert von Btb
ISBN: 3442720346, Erscheinungsdatum: 1996
Produktgruppe Bücher
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Produkt-Bild: Wir waren noch einmal davongekommen: Erinnerungen

Wir waren noch einmal davongekommen: Erinnerungen von Wolf Jobst Siedler

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
ISBN: 3886807908, Erscheinungsdatum: Sept. 2004
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Produktbeschreibung

Als der 21-jährige Wolf Jobst Siedler 1947 aus der Kriegsgefangenschaft nach Berlin zurückkehrt, ist die ehemalige Reichshauptstadt eine in Trümmern liegende Viermächtestadt. Aber selten war das intellektuelle Leben so aufregend, und Siedler hatte daran teil. Im Osten ging er in die Premiere von Bertolt Brechts Mutter Courage, im Westen in die deutsche Uraufführung von Sartres Fliegen und Thornton Wilders Wir sind noch einmal davongekommen, die Sensation der damaligen Berliner Theatersaison.Für noch mehr Furore sorgten damals junge Autoren, und das Buch erzählt von ihnen. Der junge Heinrich Böll besucht Wolf Jobst Siedler in dessen Dahlemer Elternhaus. Siedler verleiht als Juryvorsitzender Martin Walser seinen ersten Literaturpreis für den Roman Ehen in Philippsburg, im Kolbe- Haus trifft er den damals halbverfemten Gottfried Benn, der aus ungedruckten Gedichten liest.Als Panzer den Aufstand vom 17. Juni gerade niedergeschlagen haben, wird Siedler 1953 zum Sekretär des Kongresses für die kulturelle Freiheit bestellt. Mit 29 Jahren leitet er das Feuilleton des Tagesspiegels und wird zu einem Schrittmacher im literarischen und kulturellen Leben der geteilten Stadt.Glänzend erzählt sind seine Begegnungen mit Thomas Mann in Bad Gastein, mit Konrad Adenauer im Hotel am Zoo, er erinnert sich an Hannah Arendt und Verhandlungen mit Martin Heidegger, an Ernst Jünger und an ein Autorengespräch mit Carl Schmitt. Die legendären Berliner Lokalitäten lässt der Autor vor seinem inneren Auge Revue passieren. Episoden wechseln sich ab mit unvergesslichen Begegnungen und prägenden Lektüren.Wenn die Literaturkritik bislang den Berlin-Roman vermisste, hier findet sie ihn freilich ein Roman mit einem strengen Realitätsprinzip. Mit leidenschaftlicher Skepsis hat Wolf Jobst Siedler immer wieder auf Versäumnisse und ...

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Wolf Jobst Siedler war noch einmal mit dem Leben davon gekommen, und als er nach dem Zweiten Weltkrieg aus englischer Gefangenschaft nach Hause kam, fand er auch das Elternhaus in Berlin Dahlem unzerstört. Keine schlechte Ausgangsposition also für ein unterm Strich doch recht unbeschwertes Nachkriegsleben, auch wenn sich Siedler erst einmal "fremd im Zuhause" fühlte und bei der Suche nach den Orten seiner Kindheit in Berlin dann natürlich doch auch auf die Trümmer stieß, in die der Krieg große Teile der Stadt gelegt hatte. Auch in der Liebe hatte Siedler Glück: Früh fand er die Frau für's Leben. Und was sein berufliches Fortkommen anbelangt ? auch hier bleibt er von größeren Rückschlägen verschont.

Getreu dem Herzog von Marlborough zugeschriebenen Motto "Der kommt am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht", ergeht sich Siedler in nicht unbedingt sehr zielscharfen Studien, schreibt bald für den "Monat" und die "Neue Zeitung", wo er eine feste Anstellung bekommt, und erhält, als die "Neue Zeitung" eingestellt wird, mit der schon zur Gewohnheit gewordenen Portion Glück, eine feste Stelle beim "Tagesspiegel", wo man ihm alsbald die Leitung des Feuilletons überträgt. Ob zu Fragen der Literatur, des Theaters oder der politischen Kultur -- Siedler führt nicht nur die Redaktion, sondern auch eine weithin beachtete Feder. Von einigem Einfluss sind ? zum Segen Berlins ? seine Kommentare zur Architektur.

Natürlich berichtet Siedler, der seine Bestimmung schließlich als Verleger fand, in seinen Erinnerungen von seinen zahlreichen Begegnungen mit Literaten und Figuren der Zeitgeschichte: Thomas, Katia und Golo Mann, Albert Speer, Konrad Adenauer, Hannah Ahrendt etwa, Richard von Weizsäcker und Günter Grass, um nur einige wenig wahllos herauszugreifen ? hübsche Anekdoten und ein Panoptikum der Zeitgeschichte. "Natürlich", hat ein Kritiker treffend kommentiert, "atmen Siedlers Erinnerungen auch etwas von den Ingredienzien, die zu einem solchen Buch, zumal nach einem solchen Leben, dazugehören: vornehm gepflegte Eitelkeit, angelsächsischer Snobismus, Parfum. Aber es ist wie immer mit dem Parfum, es kommt auf das richtige Maß an, damit es anzieht, statt abzustoßen". Das richtige Maß hat Siedler in der Tat getroffen. Herausgekommen ist die lesenswerte Bilanz eines in schwierigen Zeiten gelungenen Lebens. -- Hasso Greb

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