... 
Produkt-Bild: Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand

Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand von Shlomo Sand

Gebundene Ausgabe von Propyläen
Angebote bei Amazon: ab EUR 20,89

3,5 Punkte.
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3549073763, Erscheinungsdatum: April 2010
Zoom ± Produkt-Bild: Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand

5 Kundenrezensionen:

Provokante These, jedoch wissenschaftlich widerlegt
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Schade nur, dass die deutsche Regierung der Jahre 1933 bis 1945 Sands Thesen nicht kannte. Hätte sie davon gewusst, dass das Judentum als Volk bzw. Rasse nur eine Erfindung zionistischer Propaganda war, dann hätten sie womöglich sich und anderen viel Ungemach erspart.

Sands Erkenntnisse mögen nur diejenigen überraschen, die die Bibel bisher unreflektiert als Geschichtsbuch verstanden. Die bronzezeitliche Volkwerdung Israels und seine erste Staatsgründung vollzog sich nicht im Hauruckverfahren "Exodus-40jährige Wanderschaft-Landnahme", sondern durch eine langsame Vermischung von Kanaanitern mit geflohenen ägyptischen Sklaven, von denen eine Gruppe als Moses-Gruppe zu identifizieren ist. Das ist seit Jahrzehnten Forschungsstand, vor allem in Israel, wo man ja auch den direktesten Zugang zu archäologischen Zeugnissen hat. (so z.B. auch Hans Küng, der 1991 in "Das Judentum - Wesen und Geschichte" den auch damals nicht neuen Kenntnisstand wiedergab). Diese Mischbevölkerung organisierte sich in mehreren Stämmen und konstituierte sich später nicht zuletzt über einen strikten Monotheismus als Nation. Diese war aber beileibe nie ein exklusiver Club, wie man unschwer im Buch Ruth nachlesen kann.

In der Tat war das Judentum zeitweise für Beitritte deutlich offener, als es heute ist. Die Halacha, das jüdische Recht, reagiert entgegen landläufiger Vorstellung durchaus dynamisch auf die Erfordernisse der Menschen, die nach ihr leben. Übertritte wurde stets als Beitrag zum Erhalt des Judentums als Volk gesehen (ähnlich wie bei den indigenen Völkern Nordamerikas, nur auf freiwilliger Basis). Allerdings ist man heute deutlich vorsichtiger, manche jüdische Gemeinden lassen Beitrittskandidaten zuerst mal von einem Psychologen checken - eine Aufnahmepolitik, mit der in anderen Organisationen viel Unglück verhindert werden könnte, z.B. der an lautstarken "Israel-Kritikern" nicht armen Linkspartei.

Sands Theorie, dass das Judentum im Verlauf der Jahrhunderte durch zum Teil massenweise Übertritte so "durchmischt und durchrasst" sei (die Redewendung stammt nicht von ihm, sondern von Edmund Stoiber), dass es nicht mehr als Nation, sondern nur mehr als Religionsgemeinschaft zu betrachten sei, hat trotz vieler sicher ordentlich vorgetragener Fakten und Argumente zwei tödliche Geburtfehler:

Erstens: Eine Nation primär ethnisch zu konstituieren, ist in der Staatsphilosophie eher die Ausnahme - und zwar eine zumindest gefahrenreiche, oft auch leider unheilvolle. Gerade der völkische Staatsbegriff war prägend für die NS-Ideologie, wenn er auch nicht von ihr entwickelt wurde. Denn gerade Deutschland definierte sich bereits vor 1933 anders als andere Staaten über die gemeinsame Herkunft des Staatsvolkes, und das sogenannte "ius sanguinis" war auch nach 1945 für das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht maßgeblich.
Die Mehrzahl aller modernen Staaten definiert sich hingegen als Staatsnation über das Bekenntnis zu gemeinsamen Wertvorstellungen und Normen, die Abstammung ist sekundär. Und das Judentum definierte sich stets gerade über Wertvorstellungen und Normen - also als "demos" und nicht als "ethnos".

Zweitens: Laut einer 2010 im angesehenen "American Journal of Human Genetics" erschienen Studie weisen jüdische Menschen aus ganz unterschiedlichen Gegenden dieses Planeten gemeinsame genetische Merkmale auf, die eine überwiegend gemeinsame Herkunft belegen. Sands provokante Thesen sind also nicht nur eine Themaverfehlung, sie sind auch objektiv falsch.

Ihre Instrumentalisierung zur Delegitimierung des heutigen Israels geht übrigens an den tatsächlichen Gründen für die neuzeitliche Staatswerdung Israels vorbei. Die erfolgte nicht aufgrund frommer Überlieferung, sondern aufgrund aktueller Notwendigkeit. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts der religiöse Antijudaismus in Europa von einem aggressiven, rassisch motivierten Antisemitismus abgelöst worden war und dessen eliminatorischen Züge letztlich im industriellen Massenmord des Holocaust gipfelten, war die Errichtung eines jüdischen Staates eine nicht mehr weg zu diskutierende Notwendigkeit. Wenn selbst im Land Goethes und Schillers jüdische Menschen nicht sicher leben konnten, so brauchten sie ein eigenes.

Es ginge jedoch deutlich zu weit, Sand in die Reihe der "Referenzjuden" des modernen Antisemitismus (Menuhin jr., Hecht-Galinski usw.) einzureihen. Wissenschaft lebt davon, dass Theorien aufgestellt, geprüft und dann bestätigt oder verworfen werden. Sands Theorie ist als widerlegt zu verwerfen, sie ist aber nicht verwerflich. Sand hat hier einfach nur auf Sand gebaut.

Niemanden darf es aber verwundern, dass das Buch gerade auch unter deutschen Israel-Kritikern ("Man wird doch gerade schließlich auch als Deutscher Israel kritisieren können dürfen müssen...") auf begeisterten Zuspruch stieß: Wenn es kein jüdisches Volk gibt, dann kann es ja auch keinen Völkermord daran gegeben haben. Das macht für die Enkelkinder der Täter die Erinnerung an die Kamine von Auschwitz doch gleich ein wenig erträglicher.

P.S.: Wer ein wirklich vergnügliches Buch über einen israelischen Gründungsmythos lesen möchte, dem möchte ich Stefan Heyms "König-David-Bericht" ans Herz legen: "The One and Only True and Authoritative, Historically Correct and Officially Approved Report on the Amazing Rise, God-fearing Life, Heroic Deeds and Wonderful Achievements of David, Son of Jesse".
gemeinsam über Provokationen nachdenken
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Gerade wir Deutschen haben es schwer wenn es um Israel geht. Schauen wir uns allein die Biografie des Autoren an. 1946 wurde er als Kind polnischer Juden in Linz geboren. 1949 ging die Familie nach Israel. Shlomo Sand studierte Sozialwissenschaften in Paris und lehrt heute an der Universität in Tel Aviv. In seinem Land Israel gehört er zu den führenden Intellektuellen und zugleich zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.

So widmet der Autor sein Buch allen Flüchtlingen die das Land erreichten, und all jenen, die es verlassen mussten. Allein diese Widmung macht bereits den mächtigen Spannungsbogen spürbar in dem wir uns befinden wenn wir auf die über 3000 - jährige Geschichte des Judentums schauen.

Zu Beginn klärt der Autor Begriffe wie Nation und Mythos. Er ist dicht an der Bibel und an Gott und verwundert mich mit revolutionären Gedanken, mit denen er sicher bei vielen nicht gut ankommt. "Ich halte die Juden nicht für ein Volk, denn der heutige Gebrauch des Begriffes zielt auf eine Gruppe von Menschen ab, die ein bestimmtes Territorium bewohnt, auf dem sich eine bestimmte Alltagskultur entwickelt hat . . ." so schreibt der Autor und sieht dies im vorliegenden Falle als nicht gegeben an.

Es kommt noch provokativer. Sand stellt in keiner Zeile seines Buches das Existenzrecht des Staates Israel in Frage, aber den Alleinanspruch auf das Gelobte Land schon. Er bezeichnet die Juden als religiöse Gemeinschaft, keinesfalls als ethnische Gemeinschaft. Das birgt Konflikte in sich. Aber Shlomo Sand steht nicht allein mit seiner Meinung im eigenen Land.

Und er geht noch einen Schritt weiter in seinen spektakulären Überlegungen. Seiner Ansicht nach sind heute viel eher die Palästinenser die ethnischen Nachkommen der biblischen Israeliten.

Wenn der Leser bereit ist mit dem Autoren gemeinsam über solche Provokationen nachzudenken und nachzuvollziehen wie Shlomo Sand zu diesen Überzeugungen gekommen ist, wird er dieses Buch wie einen Krimi verschlingen. Für mich war es das Interessanteste was ich in den letzten Jahren zu diesem Thema auf deutsch zu lesen bekam. Wer über Israel nachdenken will, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Respekt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich will nicht viel drum herumreden. Das Buch ist genial und ich bin froh, dass es auch unter den Juden solche mutigen Revisionisten gibt. Der Autor hat Respekt verdient. Die Eltern des Autors sind vor den Nazis geflohen und in Israel wird dieser Mann aufgrund seines Revisionismus als Nazi beschimpft. Wie pervers ist das denn? Möge sich jeder seine eigene Meinung bilden, was auf der Welt hinter den Kulissen passiert. Aber dieses Buch sollte auf jeden Fall zur Meinungsbildung beitragen.
Streitschrift statt historisches Werk
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Wie stark ist die Kontinuität zwischen den heutigen Juden und speziell den israelischen Juden und den Juden der Antike? Auf diese spannende Frage verspricht Schlomo Steins Buch Antwort zu geben - und scheitert. Der Grund ist simpel: Sand hat über das Thema seines Werkes nie selber geforscht, ist er doch Spezialist für die französische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Stattdessen arrangiert er die Früchte einer eher oberflächlichen Recherche in der Sekundärliteratur zu einer gut geschriebenen Streitschrift, die die Kontinuität des Judentums widerlegen soll. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Eine wissenschaftlich fundierte Analyse wie sie ein Universitätsprofessor seinen Lesern schuldet (Sand lehrt Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Tel Aviv) liefert der Autor nicht. Schade, so ist das Buch wertlos, und Zeit und Geld sind vergeudet für ein Pamphlet.
Gegen den Strom
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Wir Deutschen haben eben ein besonderes Verhältnis zum Staat Israel". Dieser Satz wird nur zu gerne gebraucht, wenn es darum geht, ethnische Säuberungen, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen oder die Praxis der "Verwaltungshaft" Israels kleinzureden.

Als Nächstes folgt dann unverzüglich der Hinweis auf das Existenzrecht Israels. Als Begründung hierfür wird fast immer die Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes im Jahre 135 n. Chr. angeführt, die angeblich zur Vertreibung des jüdischen Volkes aus ihrem Heimatland Judäa führte. Wer etwas anderes zu sagen wagte, der bekam sehr schnell die weltweit reichende Macht der "Anti-Defamation League" zu spüren.

Seit einigen Jahren sind es jüdische Wissenschaftler und Gelehrte, die sich mutig mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen beginnen. Israel Finkelstein und Neil A. Silberman machten mit ihrem Werk "Keine Posaunen vor Jericho" 2003 den Anfang. Norman G. Finkelstein folgte 2005 mit seinem Buch "On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History". Ilsan Pappe veröffentliche 2007 "The Ethnic Cleansing of Palestine".

Nun also Shlomo Sand. Akribisch setzt er sich mit dem Dogma von der Vertreibung des jüdischen Volkes auseinander. Er führt es schnell und überzeugend ad absurdum. Die Juden sind kein Volk, sondern eine Religionsgemeinschaft.

Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass Sands Werk keine kurzfristigen Auswirkungen auf den Nahostkonflikt oder auf die bemitleidenswerte Situation der Nichtjuden im Staate Israel haben wird. Bei diesem Buch handelt es sich nämlich "nur" um eine intellektuelle Auseinandersetzung, die an den Grundfesten des Judentums rüttelt. Macht wird heutzutage aber nicht von Intellektuellen ausgeübt, sondern von Medienmogulen und Politikern.

Dieses Buch ein Muss für all diejenigen, die an einer sachlichen Diskussion zum Thema Judentum interessiert sind.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte

Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte von Norman G. Finkelstein

Broschiert von Piper
Angebote bei Amazon: ab EUR 6,60

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3492249590, Erscheinungsdatum: Juli 2008, Auflage: 2
Zoom ± Produkt-Bild: Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte

Aus der Amazon.de-Redaktion


Schonungslos und mit einer gehörigen Portion Wut prangert der amerikanische Jude und Nachkomme von Überlebenden des Holocausts ein weiteres Mal die Palästinapolitik Israels und seiner amerikanischen Unterstützer an. Wie bereits in seinem umstrittenen Bestseller Die Holocaust-Industrie beklagt der Autor mit dem ihm eigenen Furor, Israel versuche seine völkerrechtswidrige Politik gegen die Palästinenser mit postwendenden Antisemitismus-Vorwürfen gegen jede Kritik zu immunisieren.
"Israels Apologeten reden immer dann von einem 'neuen Antisemitismus'", schreibt Finkelstein in seiner Vorbemerkung zur deutschen Ausgabe, "wenn Israel sich mit einem größeren Public-Relations-Debakel konfrontiert sieht oder wenn der internationale Druck auf Israel wächst, den Konflikt mit den Palästinensern auf diplomatischem Wege zu lösen." Der in den letzten Jahren erhobene Antisemitismusvorwurf falle dabei zeitlich mit einer Politik der brutalen Unterdrückung in den Gebieten im Westjordanland zusammen, die Israel durch seinen völkerrechtswidrigen Mauer-Bau annektiere. Nicht nur gegen Israel richtet sich Finkelsteins Zorn, sondern auch gegen all jene, die sich moralisch einschüchtern lassen. So habe die EU "moralische Feigheit" bewiesen, als sie die Veröffentlichung einer von ihr selbst in Auftrag gegebenen Studie zurückgehalten habe, die zeige, dass "die illegale israelische Mauer jede Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung zunichte macht".
Ohne Frage gibt es sowohl in Deutschland als auch anderen europäischen Staaten nach wie vor Antisemitismus. Dies stellt Finkelstein, dem man dies in Reaktion auf dieses Buch aber zweifellos vorwerfen wird, auch keineswegs in Abrede. Das Ausmaß dieses Antisemitismus werde aber bewusst stark übertrieben, um so die Kritik an Israel im Keim zu ersticken. Wie gerechtfertigt diese Kritik (und die Kritik an den USA, die Israel gewähren lässt) tatsächlich ist, versucht Finkelstein im zweiten Teil des Bandes nachzuweisen. Und angesichts der hier ausgebreiteten Fakten tut man sich schwer, ihm zu widersprechen. -- Hasso Greb
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Aufklärung vom Feinsten
5 Punkte 5 von 5 Punkten

Dieses Buch ist eins von 2 Büchern von Herrn Finkelstein, in denen er zu Recht die Machenschaften der von ihm benannten "Holocaust Industrie" anprangert und damit nicht nur den Zahn der Zeit trifft, sondern auch vielen Menschen, Juden wie Nichtjuden und sogar "echten" Holocaust-Überlebenden, aus aller Welt aus der Seele spricht.

Natürlich war der Aufschrei groß und Herr Finkelstein gehört für den Großteil der eigenen Leute auf die schwarze Liste, aber es bleibt eine Tatsache, dass die Themen "Schuld" und "Antisemitismus" nicht mißbraucht werden dürfen, um egoistische Machtinteressen durchzusetzen und das Leid anderer Menschen zu bagatellisieren.

5 Sterne :-)
Finkelstein ist und belibt das Maß der Dinge
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Es ist interessant, in konzentrierter Form jede Phase des bebenden Mißtrauens zu beobachten, die das Genie beim Mittelmaß hervorruft. Leider liefert das Genie seinen Kritikern immer selbst die Munition, hat es immer getan und wird es immer tun. Und genauso ist es bei Finkelstein, seine Thesen sind immer mit Quellen belegt die jeder nach prüfen kann, zur jeder Zeit, aber trotzdem glaubt man diesem Mann nicht. Natürlich äußert sich Finkelstein kritisch gegenüber Israel, er hat ja auch allen Grund dazu. Viele sogenannte Experten sagen immer wieder das Finkelstein ein '' Outsider'' sei, na wer sich mit der Wahrheit beschäftigt und diese auch noch veröffentlicht wird eben nicht so berühmt und in den Kreis der '' Insider'' aufgenommen. Für mich ist das Buch absolute Pflichtlektüre!!!!
Wie die Deutschen mit der Wahrheit umgehen müssen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Finkelstein sagt oder schreibt eigentlich nur das, was jeder, der bei klarem Verstand ist, bereits schon weiss.

Finkelstein darf diese Meinung vertreten, denn er ist Jude. Wenn ich jedoch, als Deutscher, diese Meinung öffentlich kundtun würde, dann hätte ich ein erhebliches Problem. Meine berufliche Karriere und mein sozialer Status wären in ernsthafter Gefahr und wenn ich diesen "antisemitischen Lügengeschichten" nicht SOFORT Abbitte leisten würde, dann wüsste ich dafür sogar in den Knast.

Wenn ein Deutscher dieses Buch geschrieben hätte, dann würde es in Deutschland NIEMALS publiziert. Aber da es nun mal ein Jude geschrieben hat, MUSS man es zähneknirschend auf den Markt bringen. So ist das nun mal in unserem "freiheitlichsten Staat den die Deutschen je hatten". Man kann davon halten was man will, aber verlogen ist es allemal.

Vergangenheitsbewältigung ist eine Sache, die den Deutschen gut ansteht und ich würde mir wünschen, dass andere Staaten mit den dunklen Stellen in ihrer Geschichte genauso gnadenlos ins Gericht gehen würden. Aber Vergangenheitsbewältigung darf nicht dazu führen, dass man sämtliche Schandtaten der Leute, bei denen man Dreck am Stecken hat, bis in alle Ewigkeit nicht beim Namen nennen darf und bei Zuwiderhandlung dafür sogar mit Strafverfolgung rechnen muss.

Die Deutschen sind ein ungewöhnlich geduldiges Volk, aber sie haben von jeher ein ausgeprägtes Gerechtigkeits- und Wahrheitsbewusstsein. Ich glaube deshalb, dass sie sich nicht mehr so lange vorschreiben lassen werden, was sie denken und vor allen Dingen was sie ungestraft sagen dürfen.

Ist es da also verwunderlich, wenn praktisch über 70% der Deutschen dieser "freiheitlich demokratischen Gesellschaftsordnung" angewidert den Rücken kehren und sich lieber ein anderes politisches System wünschen, wo es ehrlicher und gerechter zugeht?
Enttäuschung
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Norman G. Finkelstein, was haben Sie sich nur bei schreiben gedacht?
Eigentlich ist der Denkansatz vollkommen richtig und sicher hat man schlichtweg die gleiche Wahrnehmung, wenn es um gewisse politische Themen geht und sich mal wieder irgendein Vertreter einer jüdischen Institution zu Wort meldet und seine Meinung darlegt und immer wieder auf die in der Shoa erlittenen Qualen des jüdischen Volkes hinweißt. Auch von mir wird dies häufig als ungerecht empfunden, weil auch ich der Meinung bin, die Schuld ist getilgt.
Das Problem des Buches ist aber, dass es sich in Wiederholungen ergeht immer und immer wieder, als wenn der Autor versuchen würde, einem eine Parole in Hirn zu hämmern. Und die lautet: Israel ist ganz böse, weil es unschuldige Palästinenser umbringt und foltert und wenn jemand was dagegen sagt ist man ein Antisemit oder gar ein Nazi." Auch hier wird sich so mancher sagen: Stimmt doch!"
Leider kommt dies im Buch einfach nicht so rüber, ganz im Gegenteil.
Während der erste Teil des Buches noch so manchen Aberwitz durchaus anschaulich darstellt und man als Leser durchaus noch einen Argumentationsstrang erkennen kann, beginnt im er schon gegen Mitte des 1. Teiles und vollständig im 2. Teil über Israel her zu ziehen. Er zählt an Hand von Beispielen tatsächliche und angebliche Kriegsverbrechen der israelischen Armee auf. Dies hat eher zur Wirkung, dass die Palästinenser als die Guten im Spiel dargestellt werden, obwohl einst die Araber mit Massakern an Juden den Konflikt in den 1930er und 1940er Jahren begonnen haben. Sicher ist Israel eine Besatzungsmacht, sicher sterben Tag für Tag Menschen im (Un-)Heiligen-Land", schlimm genug, aber dann genauso einseitig zu kommentieren, finde ich falsch. Er versucht noch nicht einmal ansatzweise die jüdische Mentalität zu erklären, ich finde es nämlich komisch, dass jede aber auch jede israelische Regierung (welcher politischen Richtung auch immer), mehr oder weniger hart gegen die Palästinenser vorgeht. Und vielleicht sollte man von der europäischen Selbsterfahrungsgruppenmentalität abkommen und schlichtweg praktisch denken. Irgendeiner muss nun mal verlieren, dass waren in den letzten 2000 Jahren die Juden. Verdient es nicht eher Respekt, dass dieses Volk trotzdem ein Volk geblieben ist, trotz Vertreibung, trotz Verfolgung, trotz (fast) Vernichtung. Dieses Volk hat gelernt, man muss hart sein um zu überleben. Und wenn das heißt, traue keinem Araber, dann ist das vielleicht in unseren Augen seltsam, aber in dieser nahöstlichen Region richtig. Falsch ist das jüdische Gruppen immer wieder das Gespenst eines Neo-euro-amerikanischen Antisemitismus" ins Spiel bringen, anstatt darauf zu verweisen, dass Israel ein Brückenkopf unserer abendländische Kultur in dieser Region ist und wir diesen Brückenkopf noch dringend benötigen werden.

Dieses Buch hat mich von einem Skeptiker israelischer Politik zu einem Befürworter gemacht.
Augenöffner
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Jeder, der ein wenig mehr Einblick in den Nahost Konflikt haben möchte und sich dabei nicht nur auf deutsche Zeitungen und TV Sendungen verlassen will, sollte dieses Buch lesen. Es ist erschreckend zu sehen, wie ein kleines Volk eine Großmacht lenken kann und was für Auswirkungen die Waffe "Antisemitismus" hat.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Hitler besiegen: Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss

Hitler besiegen: Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss von Avraham Burg

Gebundene Ausgabe von Campus Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 18,50

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3593390566, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Hitler besiegen: Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss

5 Kundenrezensionen:

Erlösungstat für Juden und Nicht-Juden
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Selten habe ich ein dermaßen "feingeschichtetes" und kompetentes Buch gelesen, von einem integeren Insider, der den Mut hatte sich gegen den von der Israelischen Politik seit Jahrzehnten öffentlich praktizierten Zionismus zu wenden. Indem er die Dinge bei Ihren "WAHREN" Namen nennt und kein Blatt vor den Mund nimmt, beweist er einen Mut, der heute leider nur noch selten zu finden ist.

Avraham Burg wendet sich konsequent gegen die ständige Holocaut-Monopolisierung seitens des jüdisch-israelischen Volkes und tritt offen für ein Ende dieser Überheblichkeit ein. Er brandmarkt die Aussichtslosigkeit des ständigen Lebens in Trauma der Vergangenheit und fordert eine energische Wendung und Wandlung vom völkisch-religiös-separatistischen zum allgemein menschheitlichen Bewußtsein gegen jegliche Gewalt und Diskriminierung und ein beispielhaftes Streben nach allgemeiner weltweiter Integration auf Basis des allgemein Menschlichen.

Im Verlauf seines Buches gelingt es ihm somit Reaktion, Dekadenz und und die heute völlige Unmöglichkeit eines sich auf eine Religion berufenden Staatsgebildes schonungslos offenzulegen und ad Absurdum zu führen, indem er gleichzeitig de facto für eine moderne freilassende Trennung zwischen Religion und Staat eintritt. Auch scheut er sich nicht die althergebrachten, konservativen und engen jüdischen Glaubensformeln umzudeuten und neu darzulegen im Sinne einer menschenbestimmten Göttlichkeit, welches sich vordringlich an den wahrnehmbaren und erkennbaren Werten einer selbsterlebten Wahrnehmung des Göttlichen im anderen Menschen übt.

So ist zu hoffen, daß es ihm gelingt, mit diesem Buch noch möglichst viele weitere Mitstreiter zu gewinnen und dadurch langfristig die aktuelle reaktionäre Beschränkung prominenter Juden und Politiker Israels, zum Wohle der Menschheit zu überwinden. Für jeden der schon immer ein gewisses "Bauchgrimmen" gegenüber aggressiv-reaktionärem jüdischen Selbstverständnis hatte, ist diese Buch eine "Befreiungs-Bibel" und kann zur Lektüre nur wärmstens empfohlen werden. Es muß noch ausdrücklich betont werden, daß es Burg gelungen ist, nach objektiver Sachlage ein bahnbrechendes Buch zu verfassen ohne sich auch nur entfernt dem Makel irgendeines Anti-Semitismus zu nähern.

fi
Endlich einer der sich traut, die Wahrheit zu sagen
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch nicht in einem Durchgang gelesen, weil man zwischendurch auch mal Passagen und Kapitel sacken lassen muß.

Ich finde es toll, daß es endlich auch einmal eine jüdische Stimme gibt, die sich kritisch zur israelischen Politik äußert. Der Holocaust darf nicht Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten sein! Das ist für mich der Kern seiner Aussage und seine Begründungen sind für mich als Nicht-Israeli und Nicht-Jude absolut nachvollziehbar und stichhaltig!

Absolut lesenswert!
Sternstunde
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ab und an gibt es Sternstunden in der Geschichte der philosophischen und politischen Literatur. Avraham Burgs "Hitler besiegen" markiert eine solche. Hier beschreibt ein hochrangiger israelischer Diplomat das historisch-politische Dilemma seines Landes, das aus seiner pathologischen Fixierung auf das jüdische Schicksal in der Weltgeschichte ("die ganze Welt ist gegen uns"), in Sonderheit auf den von den Nazis angerichteten Holocaust, resultiert. Die Juden haben sich, so Burgs zentrales Argument, zu mentalen Gefangenen dieses Schicksals gemacht, unfähig (und offenbar unwillig), sich aus den lähmenden Fesseln ihres Traumas zu befreien, blind für die Einsicht, dass sie sich von der fixen Idee eines Leidensmonopols unter den Völkern dieser Erde verabschieden müssen.
Besser als der (missverständliche) deutsche Buchtitel "Hitler besiegen" bringt der englische Titel "The Holocaust is over: We Must Rise from the Ashes" Burgs emanzipatorisches Anliegen zum Ausdruck: Appell für Neubesinnung, Neubeginn, Neuordnung. Damit redet er keinesfalls einer Verdrängung der jüdischen Geschichte oder einer Exkulpation der deutschen Nationalsozialisten das Wort, sondern plädiert für eine Selbstbefreiung der Juden von einem sie psychisch belastenden und gesellschaftspolitisch schädlichen Komplex. Er möchte, dass Israel "erwachsen" wird und zu einer realistischen Definition seiner Selbst im Verbund mit seinen Nachbarn gelangt. Er will nichts anderes als eine wohlverstandene "Normalität" in Kultur, Gesellschaft und Politik.
Burg ist ein profunder Denker, hervorragender Psychologe und überzeugter Humanist - seiner Zeit weit voraus. Er erkennt wie wenige andere, dass die expansionistische Regierungspolitik Israels der Position des Landes in der Völkergemeinschaft schweren Schaden zufügt.Doch darin liegt just die Crux seines Menschen- und Wirklichkeitsbildes: Es dürfte zu progressiv, zu scharfsinnig, zu vernünftig, zu utopisch sein, um die große Mehrheit seiner Landsleute, insbesondere Israels Politiker und Militärs, überzeugen zu können. Einsprüche gegen das Werk hat es denn auch bereits gehagelt.
hitler besiegen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der Autor ist der Sohn eines deutschen Holocaust - Überlebenden. Er war in Israel beim Militär, engagierte sich in der Friedensbewegung, war Berater von Schimon Peres, war Sprecher der Knesset und gehört heute zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik.

Auch wenn Burg in seinem Buch vor dem Leser sein bewegtes Leben ausbreitet, ist es viel mehr als nur eine Autobiografie oder Lebenserinnerung. Besonders im Kapitel, für mich der Höhepunkt des Buches, "Wem gehört der Holocaust?" wird dies deutlich. Der Autor schreibt nicht nur über vergangenes, wie interessant dies auch sein mag. Burg beschreibt, aus erster Hand, das Israel von heute.

Anliegen seines Buches ist es endlich Hitler zu besiegen. Fast 60 Jahre nach dem Sieg der Sowjetarmee über die Nazis mag das paradox klingen. Avraham Burg jedoch behauptet das Israel noch heute stark unter dem Eindruck des Holocaust lebt, ja dass sogar die gesamte heutige Politik in Israel nach wie vor vom Holocaust geprägt ist. Deutschland sieht er übrigens in derselben Situation.

Als Deutscher dieses Buch zu lesen macht auch heute noch betroffen. Den Gedanken des Autors zu folgen ist nicht schwer. Er schreibt gut verständlich, in wohlgeformten Sätzen, glasklar in der Analyse. Er sagt, Israel muss erst noch den Holocaust überwinden, als wichtigen Fakt zur Geschichte legen um dann sich endlich als Staat zu finden.

Was Burg da beschreibt erinnert mich an den Mahner der im eigenen Land nicht viel gilt. Voll und ganz kann ich mich mit den Thesen und Visionen des Autors identifizieren, ob er allerdings von den politisch Mächtigen in Israel gehört wird und ob sie ihn ernst nehmen, dies bezweifel ich sehr.

Christian Döring
Hoffnung für die Zukunft
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Es gibt sicher sehr viele Bemühungen von den verschiedensten Seiten und Lagern, die sich um den Frieden unter den Menschen bemühen. Das Buch von A. Burg ist ein Meilenstein am Weg in eine friedlichere Welt, es erinnert an Martin Buber. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Gebt den Juden Schleswig-Holstein!: Wenn Deutsche Israel kritisieren - ein Streit - Ein SPIEGEL-Buch

Gebt den Juden Schleswig-Holstein!: Wenn Deutsche Israel kritisieren - ein Streit - Ein SPIEGEL-Buch von Henryk M. Broder, Erich Follath

Gebundene Ausgabe von Deutsche Verlags-Anstalt
Angebote bei Amazon: ab EUR 16,95

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3421044821, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 2
Zoom ± Produkt-Bild: Gebt den Juden Schleswig-Holstein!: Wenn Deutsche Israel kritisieren - ein Streit - Ein SPIEGEL-Buch

4 Kundenrezensionen:

Mal ein Blick auf das Denken von Journalisten mit einer brisanten Thematik
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Broder und Follath stehen für Journalismus, der nicht in der Tradition des Springer-Verlags steht. Sicherlich ist ihr politischer Hintergrund für die heutige junge Generation manchmal schwer nachzuvollziehen, aber gerade deswegen ist dieses Buch so interessant. Diese beiden Experten (ich denke man kann sie getrost als solche betrachten) tauschen sich per e-mail über die Thematik Israel, Juden (was für mich eindeutig nicht das selbe ist), Palästina, Iran usw. aus. Sie beleuchten, aufgrund ihrer unterschiedlichen Position, die Thematik des Nah-Ost-Konflikts von anderen Blickwinkeln. Und auch wenn sie die Meinung des Anderen mit Argumenten (manchmal mehr, manchmal weniger faktenbasiert) auszuhebeln versuchen, die Stellung des Anderen akzeptieren und ihr Gegenüber respektieren. Gerade dieser Aspekt macht dieses Buch und die e-mails so spannend. Es ist ein Schlagabtausch auf hohem Niveau und es bedarf schon einer gewissen Hintergrundkenntnis des Lesers, um den Inhalt zu verstehen und zu würdigen.
Es gibt allerdings auch zwei Aspekte, die mir etwas zu kurz geraten sind - die Religion und die Beantwortung des Untertitels. Ich denke, dass genau dies eine der Hauptprobleme im Nahen Osten ist. Die zentrale Frage ist doch: Sind Juden ein Volk oder eine Religionsgemeinschaft? Ich denke, diese Frage muss jeder für sich beantworten und ich denke, dass Follath und Broder dabei möglicherweise auch unterschiedliche Antworten hätten. Desweiteren vermisse ich eine etwas klarere Stellungsnahme zum Frage des Untertitels, die - wie auch bei der Frage zuvor - jeder für sich selbst beantworten muss.
Für Politikinteressierte, für diejenigen, die sich mit dem Nah-Ost-Konflikt näher beschäftigen oder für jene, die gerne einen ironisch, sarkastischen und qualitativ hochwertigen Schlagabtausch mögen, ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen. 5 Sterne.
Ein beispielhafter intellektueller Schlagabtausch über ein absolutes Tabuthema in Deutschland
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Wenn Deutsche Israel kritisieren", so der Untertitel des vorliegenden Buches, ist Streit vorprogrammiert und eine Menge teilweiser verlogener, teilweise anpasserischer political correctness ist im Spiel.

Bei dem hier dokumentierten, hauptsächlich über lange E-Mails ausgetragener Streitgespräch zwischen dem jüdischen Journalisten Henryk M. Broder, der bekannt dafür ist, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und der immer wieder die bundesdeutsche Öffentlichkeit wegen ihrer Haltung zu Israel und zuletzt noch häufiger wegen der Anpassung vieler intellektueller Eliten an den Islam heftig und polemisch kritisiert hat ("Hurra, wir kapitulieren!" und "Kritik der Toleranz"und dem diplomatischen Korrespondent des Spiegel Erich Follath, der seinerseits nicht nur das Land Israel durch viele Aufenthalten gut kennt, sondern auch durch zahlreiche Reportagen über den Nahen und Mittleren Osten sich einen Namen gemacht hat als profunder Kenner der dortigen Lage und seiner schwierigen Ätiologie.

Die Leitfragen, um die es geht sind:

· Wie ist es zu bewerten, wenn die einzige Demokratie im Nahen Osten, Israel, als Besatzungsmacht Menschenrechte verletzt ?
· Sollen insbesondere Deutsche sich mit ihrer in der Sache berechtigten Kritik an der Politik Israels zurückhalten ?
· Oder ist es nicht gerade die Vergangenheit und das auch von Angela Merkel immer wieder betonte besondere Verhältnis ("Staatsräson"), das uns verpflichtet, dortige Missstände zu benennen ?
· Kann man von Deutschland aus Israel behandeln wie jedes andere Land ?

Die Debatte, die Broder und Follath hier führen ist scharfzüngig und extrem streitfreudig, immer aber von gegenseitigem Respekt geprägt. Das macht die Lektüre dieses Buches völlig unabhängig, davon, welches der zahllosen Argumenten pro und contra man jeweils überzeugend findet, zu einer erhellenden und unterhaltsamen Lektüre, die zeigt, wie man heute auch noch streuten kann, ohne "political correctness" allein mit den scharfen Waffen der Vernunft und des Arguments, die aber die Leidenschaft für eine Sache nicht aus dem Blick lässt.

Die beiden sind befreundete Kollegen und scheuen sich dennoch nicht, den jeweils anderen hart anzugreifen. Ein Resümee ist schwer zu ziehen, zu differenziert und vielfältig ist die Themenpalette.
Wer sich einen Überblick verschaffen will über diese oft nur verdeckt geführte Debatte, wer seine eigene Meinung vertiefen und mit Argumenten versehen will oder wer einfach nur einmal Lust hat an einer Debatte, wie man sie in unseren Medien heute so nicht mehr findet, weil da keiner länger als zwei, drei kritische Sätze aneinander reihen darf, eher er unterbrochen wird, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Nicht nur für Nahostexperten
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein Buch über ein anderes Land, aber eben doch über uns, unsere Geschichte und unsere Aussenpolitik. "Gebt den Juden Schleswig-Holstein" ist leicht verständlich geschrieben, es fordert uns alle zum Diskutieren heraus, nicht nur die Eingeweihten. Sehr zu empfehlen.

Noch besser als das Buch wäre natürlich, Follath und Broder in einer Live Diskussion mitzubekommen. Das Interesse wäre sicherlich groß, siehe Goldhagens öffentliche Diskussionen mit deutschem Publikum in den 90er Jahren. Vielleicht läßt sich das ja arrangieren.
Das Buch hat mich entsetzt...
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Leider erfüllte das Buch meine Erwartungen in formeller, inhaltlicher und ethischer Hinsicht nicht. Daher von mir die Note Sechs.

Laut Klappentext des Buches geht es in selbigem um die Frage ob und inwieweit Deutsche Israel kritisieren dürfen.Diese ganz konkrete Thematik vermag ich über weite Lesestrecken hinweg kaum oder gar nicht zu erkennen. So ist mir z.B. rätselhaft,was der Einschub des Zwischenspiel mit dem angegebenen Schwerpunktthema zu tun haben soll.

Anstatt einer Antwort auf die im Klappentext aufgeworfene ganz konkrete Frage liest man die Replik von Herrn Broder auf altbekannte Israelkritik, deren Parolen heute zwar sehr viel lauter vorgetragen werden, die aber inhaltlich gleichgeblieben sind, trotz verschärfter politischer Lage.

Ein weitere Punkt des Anstoßes ist, dass ich saubere Quellenangaben vermisse. Nicht nur aus Gründen der Form, sondern auch der intellektuellen Redlichkeit sind diese ein Muss; aber man sucht sie vergeblich. Wo z.B. die Zeitung Haaretz israelische Politiker auf beleidigende Weise angeblich betitelt verrät Herr Follath auf S. 56 genausowenig wie auf Seite 44 die Namen der Zeugen, die angeblich die von Bill Clinton vorgebrachten Beleidigungen vernommen haben sollen, (Aus Gründen der Höflichkeit und des guten Tons seien diese Beleidigungen und deren Opfer hier nicht wiederholt).

Aber von solchen formellen Ungereimtheiten und Geschmacklosigkeiten abgesehen verurteile ich das Buch hauptsächllich aus ethischem Grunde: Genauso wie ich Debatten ablehne die der Frage nachspüren, ob es Ausschwitz je gab, so lehne ich auch jene Diskussionsanregungen ab, die trotz Mumbai und tausender niedergemetzelter Opfer noch klären will, ob existentielle Angst in "diesem Ausmaß"(1) angesichts des Terrors und der nuklearen Ambitionen eines Hitlerfans und Holocaustleugners. berechtigt ist. (S.65).

Aus moralischen Gründen und auch um meine geistige Gesundheit zu wahren kann es auf bestimmte Fragen und Provokationen keine Diskussion, sondern nur die Antwort des Schweigens bzw. den e mail Papierkorb geben, auch desshalb, weil der Juden -oder Israelphobie nicht mit Argumenten der Ratio beizukommen ist. Indem Sie im Gewande der Liebe einehrgeht entlarft sie jeden Gegner umgehend als einen Schattenboxer.

Kommunikativ haben wir es bei den obsessiven "Israelliebhabern -oder kritikern" mit einer klassischen Situation des double-binding zu tun, wenngleich sie sich in unserem Falle eher of soziologischer denn psychologischer Ebene abspielt
Das typische Beispiel der Psychiatrieliteratur für ein double-binding ist eine Mutter, die die Ablehnung, die sie Ihrem Kinde gegenüber verspürt, jenem als Liebe zu verkaufen sucht, eine Mutter die erschrocken zurückweicht, wenn das Kind sie umarmen möchte, um ihm hernach vorzuwerfen, warum es die Mama nicht umarmt
..
Den Weg ins Irrenhaus, oder die Konsequenzen des double-binding auf individual psychologischer Seite beschreibt die Webseite thur.de wie folgt:

"Das Opfer".. (Kind) "wird nicht nur gebrochen, sondern es hat auch nicht die Erlaubnis, sich selbst als Opfer wahrzunehmen, und erst recht nicht die Erlaubnis, den Täter als Täter wahrzunehmen. Die Autoritätsperson bestimmt also auch, wie sie vom Opfer erlebt werden muss. Sie bestimmt das Bild, das sich das Opfer von ihr machen muss.
Beispiel:"Mutti hat dich nicht bestraft, weil Mutti böse ist, sondern weil du böse warst. Mutti schlägt dich, weil sie es gut mit dir meint."
Ein Mensch, der einer solchen Situation ausgesetzt ist, muss durch den schmalen Spalt einer enormen Abweichungsintoleranz hindurchgehen und kann es sich nicht leisten, seine ursprüngliche Identität aufrechtzuerhalten. Die Angst vor Bestrafung, Folter oder Liebesentzug schafft die Bereitschaft, die bestehende Identität aufzugeben. Dieser ständige Prozess der Identitätsaufgabe, der immer wieder von neuem stattfindet, verhindert die Entstehung einer intakten Persönlichkeit oder er bewirkt die Dekonstruktion einer bereits bestehenden Persönlichkeit."(http://www.thur.de/philo/lh/komm4.htm)

Letzteres Zitat legt nahe, dass es dem Opfer kaum gelingen wird seine "refrigerator mother" davon zu überzeugen, dass Sie ihr Kind eigentlich nicht liebt. Und gleiches gilt für jene, welche den obsessiven Israelkritiker,über wahre Liebe aufklären wollen. Soviel zum Lackmustest des Antisemitismus und der an Herrn Broder gerichteten Aufforderung, doch bitte nicht selbst zu bestimmen wer ein Antisemit ist. S. 94.

Erschüttert und entsetzt hat mich der Kommentar auf der Rückseite des Buches, der von einem anonymen Autor stammt und der meint es sei hier "ein unterhaltsames Buch" entstanden..... Der Schock der mich hier ergriff übertraf jenen den ich bei einem Erste Hilfe Lehrgang vor ein paar Wochen erfuhr, als der Dozent bemerkte, dass Umstehende bei einem akuten Notfall zwar zum Handy greifen würden, jedoch nicht um Hilfe zu rufen, sondern um das Leiden des Unfallopfers zu filmen.....

Genauso wie ich eine Gänsehaut bekomme, wenn nicht nur die Hilfe ausbleibt, sondern Unfälle zur persönlichen Erbauung auch noch mit Videokamera aufgenommen werden, so bekomme ich sie auch wenn ein explizit angedrohter nuklearer Völkermord zum Stoffe der "Unterhaltungslektüre" beitragen soll.

Was den Freispruch der deutschen Nachkrigsgeneration von der Schuld am Holocaust anlangt (S.72), so gebe ich Herrn Follath zwar Recht, was die Ursachen des damaligen Holocausts angehen, doch spreche ich das deutsche Nachkriegsbildungsbürgertum dafür schuldig, dass es aus der Geschichte nichts gelernt hat und nicht nur passiv zusieht, wie sich die Vergangenheit wiederholt, sondern aus den daraus sich ergebenden Anklagereden und Wortgefechten einen intellektuellen "Lustgewinn" zu ziehen sucht (siehe Kommentar von Anonym auf Buchrückseite).

Das mangelnde Bewußtsein seitens deutscher Nachkriegsintellektueller um die Dimension dessen was geschah erkennt man übrigens auch daran, dass sie nach wie vor (zumindest sprachlich) kein Problem damit haben, "bis zur Vergasung" zu arbeiten. Und am stolzen Fregattenname "Gorch Fock" nimmt der deutsche Nachkriegsbildungsbürger sowenig Anstoß wie an den vielen Walter-Flex-Strassen, die in deutschen Städten vom Lesergeschmack Ihrer kulturbeflissenen Vorfahren zeugen. Aber dafür interessieren natürlich die israelischen Straßennamen (S70) umso mehr....

(1)Nebenbei sei bemerkt dass sich der Begriff existetielle Angst leider auch aus Gründen der Logik nicht auf irgend ein "Ausmaß" reduzieren lässt. Wäre dies möglich, wäre die Angst wiederum nicht existentiell.
Entweder man fürchtet um sein Leben oder man tut es nicht.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Hochschullehrer (Tel Aviv): Shlomo Sand, Leon Schidlowsky, Fritz Naphtali, Dan Diner, Saul Friedlnder, Alon Talmi, Moshe Zuckermann

Hochschullehrer (Tel Aviv): Shlomo Sand, Leon Schidlowsky, Fritz Naphtali, Dan Diner, Saul Friedlnder, Alon Talmi, Moshe Zuckermann

Taschenbuch von Books Llc
Angebote bei Amazon: ab EUR 22,19

ISBN: 1159056870, Erscheinungsdatum: Juli 2010
Zoom ± Produkt-Bild: Hochschullehrer (Tel Aviv): Shlomo Sand, Leon Schidlowsky, Fritz Naphtali, Dan Diner, Saul Friedlnder, Alon Talmi, Moshe Zuckermann
Produkt-Bild: Israels Irrweg: Eine jüdische Sicht

Israels Irrweg: Eine jüdische Sicht von Rolf Verleger

Broschiert von Papyrossa Verlagsges.
Angebote bei Amazon: ab EUR 9,94

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3894383941, Erscheinungsdatum: August 2010, Auflage: 3. aktualisierte und erweiterte
Zoom ± Produkt-Bild: Israels Irrweg: Eine jüdische Sicht

5 Kundenrezensionen:

Sehr positive Ansicht
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Zum Inhalt steht hier schon sehr viel, besonders die Rezension von L. Brenne-Wegener vom 03. Mai 2008 ist sehr treffend. Daher versuche ich nur einmal die Zielrichtung des Buches knapp auf den Punkt zu bringen.

Herr Verleger argumentiert aus einer jüdisch-religiösen Sicht zur Politik Israels und seiner Haltung im Nahost-Konflikt. Dabei kann er hervorragend den heutigen Gegensatz zwischen Nationalismus und ethischem Verhalten herausarbeiten. Für mich war sehr schön, einmal zu lesen, welche äußerst positiven Grundhaltungen man aus der jüdischen Religion ableiten kann. Und sehr schön ist es auch, dass hier einmal eine deutliche Abgrenzung zwischen Judentum und israelischem Nationalismus gelingt.

Das Buch ist leicht und schnell lesbar, die Argumentation ist sehr verständlich. Es ist aber ohne Grundkenntnisse im historischen Ablauf des Nahost-Konflikts wohl nur schwer zu verstehen. Der kurze Abriss, den Verleger selbst liefert, dürfte für einen Einsteiger kaum ausreichen.
Judentum statt Staat-Israel-Gläubigkeit: Friedensideen eines deutschen Juden
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Prof. Rolf Verlegers Buch ist bereits in der 2., erweiterten Auflage erschienen. "Israels Irrweg" enthält vieles an Information und Denkanstoß.

Verleger beschreibt kurz seine Herkunft aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden, die orthodox hauptsächlich im stockkatholischen Ravensburg aufwuchs. Sich selbst stellt er in die Tradition eines "Aguda"-Judentums, das sich an den Geboten und der Nächstenliebe orientiert und nicht einfach durch Zionismus zu ersetzen ist. Er fasst auch die Geschichte des "jüdischen Staats" zusammen und zeigt die Probleme auf: vor allem eine Ungleichbehandlung der arabischen ursprünglichen Bevölkerung. Das Einfühlungsvermögen in alle beteiligten Seiten mag den Lehrstuhlinhaber für Psychologie verraten.

Rolf Verleger gehört gleichzeitig dem Direktorium (nicht: Präsidium) des Zentralrats der Juden in Deutschland an. In Artikeln wie in den "Blättern für deutsche und internationale Politik", Briefen und Vorträgen (u.a. bei der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft) stritt und streitet der Lübecker für einen gerechteren, friedlicheren Nahen Osten und gegen völlige Kritiklosigkeit zu israelischem Regierungshandeln. "Schalom 5767" hieß der Aufruf hierzu von ihm und anderen deutschen Juden, der auch leicht im Netz zu finden und zu unterstützen ist, im Buch aber auch wiedergegeben wird.

Nach Verlegers begründeter und wissensreicher Darlegung, was vernünftig sein könnte, beginnt ein zweiter großer Teil des 180 Seiten langen Buchs. Dieser beschreibt die Diskussion. Von nichtjüdischen wie jüdischen Deutschen wurde gegen Verleger nach seinen Äußerungen geradezu kartätscht, er verlor den Vorsitz des Schleswig-Holsteiner Landesverbands. Manchmal kam wohl leider auch der falsche Applaus, der mit den falschen Untertönen. Wichtiger als alles dies ist Verleger aber offenbar die Sache: dass Frieden von Israelis und Palästinensern machbar ist und von außen gegen die Blockade der Betonköpfe unterstützt werden kann. Deren Sturheit und Kriegswille würde zur immer offeneren Apartheid führen, sorgt sich Verleger.

Abgedruckt sind noch diverse erleuchtende Leserbriefauseinandersetzungen. In der Neuauflage wird der Gazakrieg von Anfang 2009 zumindest noch kurz in drei Kapiteln erwähnt. Praktisch sind übrigens Verlegers Zusammenfassungen des Gesagten nach jeweils ca. drei Kapiteln.

Ein Zitat zum Abschluss (S. 81):
"... Jude sein bedeutet, neben dem Stolz auf die jüdische religiöse Tradition, sich dem jüdischen Staat zugehörig zu fühlen. Und dieses Gefühl der Zugehörigkeit bedeutet, sich dafür einzusetzen, dass dieser Staat seinen Frieden mit seinen arabischen Nachbarn macht, indem er endlich aufhört, die arabischen Palästinenser als Menschen zweiter Klasse zu behandeln"

Ein gutes Buch.
Ganz wichtiger Beitrag zur Diskussion um den Nahost-Konflikt
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Rolf Verleger schreibt eine wichtige Darstellung des Konfliktes um die Gründung des modernen Israel als jüdischem Staat. Er macht seinen subjektiven Zugang zum Thema klar: Er ist als Überlebender einer im Holocaust ermordeten Familie, als praktizierender Werte-konservativer Jude und Mitorganisator einer jüdischen Gemeinde betroffen. Er ist mutig und widerspricht den Vorurteilen und Mythen, die es denen leicht machen, die Ausweglosigkeit und Gewalt besetzter Konflikte in Israel und Palästina einfach hinzunehmen oder gut zu heißen. Er begründet seinen Widerspruch gegen die These, alle Juden in der Welt und alle Deutschen hätten grundsätzlich den jüdischen Staat Israel zu unterstützen; er wehrt sich als frommer Jude dagegen, das Bekenntnis zum Staat Israel (in seiner jetzigen Verfassung und Situation) an die Stelle der Werte und ethischen Leitlinien des Judentums zu setzen. Sein Buch ist leicht zu lesen, es lädt nicht dazu ein, alte Vorurteile gegen neue einzutauschen; es erlaubt kritisches Mitdenken - was im Bereich dieser Debatte leider selten ist! Vielen Dank, Herr Verleger, für dieses Buch!
Sehr hilfreich!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Rolf Verleger beschreibt klar und glaubwürdig einen Konflikt innerhalb des Judentums, der sich auch in Deutschland bzw. in der jüdischen Diaspora in der Welt abspielt. Die Grausamkeiten Israels gegenüber den Palästinensern geschehen in der Erinnerung an den Holocaust. Als Deutscher fühle ich mich angesprochen. Herr Veleger macht mir Mut, mich einzumischen. Das Buch liefert mir glaubwürdige Informationen draüber, was der Zionismus ist, wie er entstanden ist, wie er sich heute auswirkt. Für Friedsnsarbeiter ein idealer Einstieg in das Thema "Der Nahostkonflikt und wir".
Jürgen Stappenbeck, Erlangen
"Israels Irrweg": Tausend Dank an Rolf Verleger
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein religiöser, jüdischer, deutscher Psychologe von heute, dessen Familienmitglieder (natürlich) Holocaust-Opfer sind und dessen Familie zum Teil in Israel lebt, übt scharfe Kritik an Menschenrechtsverletzungen, die der Staat Israel begeht und die von Anhängern des Staates Israel gerechtfertigt werden. Warum tut er das? Weil er als ehrlicher und moralisch denkender Mensch gegen ALLE MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN eintritt, auch wenn sie von "seinen Leuten" (die denselben Glauben oder dieselbe Kultur haben) verübt werden, und gerade dann, wenn sie im Namen des Judentums geschehen. Der Holocaust - und darin stimmt er mit Norman Finkelstein, Noam Chomsky und anderen überein - darf nicht andere Verbrechen rechtfertigen. Rolf Verleger erklärt den Lesern vieles über das eigentliche Judentum und die Vielfalt der jüdischen Meinungen, auch und gerade zum Thema Israel. Respekt, Professor Rolf Verleger. Luay Radhan
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Geschichte des Zionismus

Geschichte des Zionismus von Michael Brenner

Taschenbuch von C.H.Beck Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 8,94

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3406479847, Erscheinungsdatum: Februar 2002, Auflage: 1. Aufl.
Zoom ± Produkt-Bild: Geschichte des Zionismus

Aus der Amazon.de-Redaktion


"Nur wenige nationale Bewegungen haben den historischen Gang eines Volkes so radikal verändert wie der Zionismus die jüdische Geschichte während des letzten Jahrhunderts. Anfangs auch von vielen Juden verlacht oder bekämpft, ... wurde der Zionismus nach der Katastrophe des europäischen Judentums für nahezu alle Juden zum Symbol der Hoffnung auf ein Weiterleben." -- Ein Weiterleben in einem, in der historischen Heimat des Volkes Israel (1948 dann unter der Obhut der Vereinten Nationen tatsächlich) neu gegründeten Staat.
Aus enzyklopädischer Sicht ist die Reihe Wissen des Münchner Beck-Verlags zweifellos eines der verdienstvollsten Projekte der letzten Jahre. Auf wenig mehr als 100 Seiten geben fachlich ausgewiesene Autoren einen ebenso prägnanten wie profunden Einstieg in ihr Thema und schließen damit die Lücke zwischen knappem Lexikonartikel und dickleibiger Spezialliteratur. Ein Spagat, der, wenn er gelingt (was bislang ganz überwiegend der Fall gewesen ist), größtes Lob verdient. So auch diesmal!
Als Autor für den Band zur Geschichte des Zionismus hat man den Münchner Professor für Jüdische Geschichte und Kultur, Michael Brenner, gewinnen können, dessen im Jahr 2000 vorgelegte Arbeit über Jüdische Kultur in der Weimarer Republik zu Recht große Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Eine Aufmerksamkeit, die auch der Geschichte des Zionismus zu wünschen wäre. Ohne Kenntnis der Geschichte dieser politischen Bewegung nämlich sind die Ursachen und Ausprägungen des Nahostkonflikts, des für die internationale Politik vielleicht bedeutsamsten Unruheherdes überhaupt, nicht zu verstehen. --Andreas Vierecke
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Neutrales Buch über die Entstehung von Israel
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Das Buch ist in einem gut verständlichen Deutsch geschrieben ohne viele Fremdwörter. Schlüsselbegriffe und jüdische Bräuche werden kurz und informativ erklärt. Die Geschichte des Zionismus wird jedoch, vorallem am Anfang, unheimlich in die länge gezogen. Es wird sehr viel über die einzelnen Personen erzählt, was teilweise etwas unnötig ist. Der Anfang des Buches ist daher ziemlich langweilig und zäh zu lesen. Vielleicht liegt das auch daran weil ich keine Biografie von Herzl erwartet hatte als ich das Buch bestellte. Unter dem Strich kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es bleiben eigentlich keine Fragen offen um die Entstehung Israels. Beim Lesen des Buches wird einem auch klar weshalb die Unruhen im nahen Osten solange andauern.
Solide und seriöse Einführung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Mit Michael Brenners "Geschichte des Zionismus" hat der C.H.Beck-Verlag seine Reihe "Wissen" um eine wertvolle Kurzdarstellung erweitert. Ein Buch, das auf 120 Seiten einen ersten Überblick über dieses komplexe Thema geben kann. Die Darstellung ist dabei so solide wie man es sich bei einem solchen Thema wünscht. Interessiert man sich für den israelisch-palästinensischen Konflikt, der in der Gegenwart so ausweglos wie nie zu sein scheint, gibt dieses Buch einige Antworten. Brenner lässt seine Geschichte des Zionismus in der vor- und frühzionistischen Phase beginnen, verortet ihn geographisch und politisch, beleuchtet die zentralen Figuren des Zionismus (nicht nur Theodor Hezl), schildert die Ausdifferenzierung der zionistischen Bewegung ("Zionismen")und den Weg zum Staate Israel. Hierbei trägt er zur Dekonstruktion von populärhistorischen Vorstellungen bei und bietet wie schon erwähnt ein solides Einstiegswerk zu diesem Thema - sowohl für Historiker als auch für Diejenigen, die sich für jüdische und israelische Geschichte oder die Konfliktsituation um Palästina interessieren.
Einführung in die Geschichte des Zionismus
4 Punkte 4 von 5 Punkten
In den andauernden Debatten um die Existenzberechtigung des Staates Israel und den Mitteln zu seiner Verteidigung, spielt der Zionismus und seine politische Einschätzung eine zentrale Rolle. Gefährliches Halbwissen der Materie führt dabei nur zu unsachlicher Argumentationsweise. Die ?Geschichte des Zionismus" von Michael Brenner bietet auch dem ungeübten und bisher noch nicht mit dem Thema vertrauten Leser auf schmalen 123 Seiten einen grundlegenden Überblick.
Brenner kleidet seinen Überblick zur Geschichte in sechs Hauptkapitel. Des weiteren bietet er im Anhang einer Art Zusammenfassung der beschriebenen Geschehnisse in Form einer Zeittafel. Ein Personenregister, drei beigefügte Landkarten und eine Übersicht über die neueste, auf Deutsch erschienene Literatur, komplettieren die Darstellung.
Im ersten Abschnitt beschreibt Brenner die Vorgeschichte des politischen Zionismus, wobei er unter anderem auch weniger bekannte Utopievorstellungen eines Judenstaates in den USA von 1825 bis zum Ankauf von Land in Argentinien schildert. Weiterhin wird der wachsende Antisemitismus in Europa und damit die steigende Sehnsucht an einer eigenen Nation als Faktoren für die Heimkehr des jüdischen Volkes nach Zion (ursprünglich Synonym für den Tempelberg, später für Jerusalem und ganz Palästina) aufgezeigt. Dieser Prozess wird von Brenner vor allem im europäischen Kontext der Nationalbewegungen in den einzelnen Staaten gesehen. Dabei schildert er die Einflüsse erster frühzionistischer Literatur, sowie die Gründung von lokalen jüdischen Vereinen und Begegnungsstätten, die sich mit der zionistischen Idee teils scherzhaft, als Gotteslästerung auslegend, oder mehr und mehr ernsthaft beschäftigten.
Im zweiten Abschnitt wird die weitere Entwicklung des Zionismus an topographischen Merkmalen geschildert, die sich mit der Person von Theodor Herzl und seinen Stationen des Lebens hin zu einem der Führer der zionistischen Bewegung kennzeichnen. Mit dem Erscheinen der Schrift ?Der Judenstaat" von Herzl wird des weiteren auch auf andere Zionisten und ihre Standpunkte und Reaktionen aufmerksam gemacht. So spielen Max Nordau und der Herzl Kritiker Achad Ha'am eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung der zionistischen Ideen, Ha'am vor allem deshalb, weil er als osteuropäischer Jude die größte und einflussreichste Gruppe in Europa vertrat, die bei den nun folgenden Zionistenkongressen zahlenmäßig dominierend erschien. Ha'am stellte nicht nur die jüdische Kultur als wichtigsten Bestandteil eines Staates der Juden wieder in den Vordergrund, so vor allem die Belebung der hebräischen Sprache, sondern er verwies als einer der Ersten auch auf mögliche Konflikte mit den einheimischen Arabern, ein Problem, welches bei Herzl völlig ignoriert wurde.
?Von der Vision zur Realität" betitelt Brenner seinen dritten Abschnitt, in dem er die beginnende Besiedlung Palästinas durch die Juden beschreibt. Die verschiedenen Wellen der Einwanderungsbewegungen und die schwierige Umstellung eines Juden der bürgerlichen Gesellschaft zu einem Bauern in Palästina, eine Entwicklung die mit der Entstehung der Kibbuze einherging, und die weitere Entwicklung wieder hin zu einer eindeutig bürgerlich geprägten Gesellschaft werden beschrieben. Brenner verweist dabei auch auf die Erfolge und Misserfolge sowie die anfänglichen Mythen die sich mit der schwierigen Anfangszeit verknüpfen lassen. Brenner unterscheidet die verschiedenen Gruppen von Zionisten durch die Einstellung zu folgenden Hauptfragen: 1. Einstellung gegenüber der arabischen Bevölkerung; 2. der Weg zur Erlangung der Souveränität; 3. Rolle der Religion im jüdischen Staat; 4. zukünftige Wirtschaftsordnung.
Die Abschnitte vier und Fünf befassen sich mit der Entwicklung des Staates Israel über die Mandatshoheit der Briten nach dem Ersten Weltkrieg, zur Staatsgründung 1948 über die folgenden Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarn bis in die Gegenwart hinein. Den letzten Abschnitt bildet ein Blick in die postzionistische Entwicklung.
Die letzten Abschnitte verhalten sich dabei umgekehrt kongruent zu den ersten drei Teilen, welche vielleicht teilweise zu ausführlich gestaltet wurden und es so oft zu inhaltlichen Wiederholungen in den einzelnen Kapiteln kommt, wogegen die letzten drei Abschnitte eher viel zu kurz gerieten. Dabei hätte gerade die Betrachtung des Zionismus ab Staatsgründung Israels und unter den Auswirkungen des Holocaust und den Kriegen in der Region eine gute und interessante Ergänzung sein können, die das Werk so hätten abrunden können. So kann vielleicht der Eindruck entstehen, dass sich der Zionismus mit der Besiedlung Palästinas von selbst aufgelöst hätte.
Insgesamt lässt sich Brenners Buch als gut strukturiertes und differenziertes Werk kennzeichnen, welches eine gelungene Einführung in die Geschichte des Zionismus gibt.
Does What It Says On The Cover
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Michael Brenner, Professor für jüdische Geschichte und Kultur in München, gibt auf relativ knappen Raum umfassend, verständlich und, soweit das überhaupt möglich ist, neutral, einen Überblick über die komplexe Geschichte des Zionismus in seinen vielen Ausprägungen. Ein Buch von dem man sich wünscht, es schon viel früher gelesen zu haben.
Ein knapper Einstieg
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Die Inhalte wurden von meinen Vor-Rezensenten ja schon ausführlich präsentiert. Darum hier nur ergänzend zwei kritische Anmerkungen:

1. Brenner fasst den Begriff "Zionismus" recht eng und beschränkt ihn auf die europäische Traditionslinie, die mit Theodor Herzl Ende des 19. Jahrhunderts einsetzt. Völlig unterbelichtet bleibt dabei der Zionismus der Juden in der islamischen Welt.

2. Unterbelichtet bleibt auch die lange historische Tradition des Zionismus im Judentum.

Somit bleibt das Bild, das Brenner vom Zionismus zeichnet, am Ende seltsam farblos.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Kurze Geschichte Judentum

Kurze Geschichte Judentum von Micha Brumlik

Broschiert von Jacoby & Stuart
Angebote bei Amazon: ab EUR 9,90

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3941087533, Erscheinungsdatum: Sept. 2009
Zoom ± Produkt-Bild: Kurze Geschichte Judentum

Eine Kundenrezension:

Was spricht gegen ein Miteinander? Was spricht gegen Toleranz? Für denkende Menschen zumindest nichts.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Micha Brumlik wartet in diesem Buch mit einer kurzen Geschichte des Judentums auf. Für ihn sind die Juden eine von einer gemeinsamen- religiös begründeten- Ethik geprägte Gemeinschaft, kein Volk im Sinne des modernen Nationalismus, auf den die Juden gleichwohl mit der nationalen Idee des Zionismus reagiert haben, und erst recht keine "Rasse" wie der pseudobiologische Antisemitismus behauptet.

Der Autor berichtet u.a. von der Entstehung des jüdischen Monotheismus, vom Bürgerkrieg in Judäa, aber auch von Alexandria, dem einstigen Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Von herausragender Bedeutung war hier die Übersetzung der Texte der "Hebräischen Bibel" ins Griechische, die "Septuaginta", die ihren Namen nach einer apokryphen Schrift des Alten Testaments, dem " Brief des Aristeas" bekommen hat.

Man liest von den jüdischen Aufständen, die Auslöser der Entwicklung des rabbinischen Judentums waren und man wird über die Ursachen der Verbreitung der Juden in der antiken Welt informiert. Die größten Traditionsgruppen des jetzigen Judentums sind die "Sefradim", die aus dem Orient bzw. aus Spanien stammen, und die Aschkenasim, die aus Osteuropa, dem historischen Gebiet Polens und Litauens kommen, wohin ihre Vorfahren im Mittelalter aus Deutschland ausgewandert waren.

Die rabbinischen Akademien und die Entstehung des Talmud kommen zur Sprache. In diesem Zusammenhang erfährt man, dass die " Mischna" eine Sammlung von aus der Tora hergeleiteten Unterweisungen des in Palästina entstandenen ältesteten Teils der Tora ist. Die in Babylonien entstandene "Gemara" führt die Mischna fort. Gemeinsam mit der Mischna bildet sie den Talmud.

Über die jüdischen Frauen in dieser patriachlische Religion erfährt man Wissenswertes, auch über die wechselseitige Konstitution und Abgrenzung von Christen- und Judentums.

Besonders aufschlussreich ist das Kapitel, das sich mit den Juden im spätantiken Europa befasst. Damals wurden Ehen zwischen Juden und Nicht-Juden unter sehr harten Strafen verboten. Die Haltung der Kaiser gegenüber den Juden, welche über Jahrhunderte zwischen einem Minimum an Toleranz und einem Maximum an Repression oszillierte, orientierte sich an den Polen des altrömischen Universalismus mit dessen begrenzter Toleranz gegenüber verschiedenen Religionen und dem monistischen Wahrheits- und Vertretungsanspruch der Kirche andererseits.

In der Folge erfährt man Wissenswertes über die Juden Westeuropas bis zu den Kreuzzügen und über den Judenhass der Kreuzugszeit. In diesem Zusammenhang wird auch der Konflikt zwischen Bernhard von Clairvaux und Abälard erwähnt, der einem von der Philosophie des Aristoteles geprägten, durch jüdische Gelehrte aus dem maurischen Spanien und Süditalien übermittelten Rationalismus anhing, der den Vorstellungen Clairvauxs (ein Hardliner der katholischen Kirche) nicht gerade entgegenkam.

Die Juden Europas in der frühen Neuzeit und die damalige Ausweisung der spanischen Juden durch Ferdinand und Isabella sind ein Thema, aber auch die jüdische Aufklärung sowie die Emanzipation und Reform der aufgeklärten Juden im 19. Jahrhundert werden andiskutiert. Der Zionismus, die jüdische Nationalstaatsidee wird näher erklärt und natürlich kommt auch der Massenmord der Juden seitens der Nazis zur Sprache.

Für Brumlik ist es wichtig trotz der unheilvollen Vergangenheit ein postzionistisches Judentum in Europa neu zu begründen. Dies ist sicher problemlos möglich, wenn man in der Zukunft den Juden mit mehr Toleranz begegnet als in den letzten 2000 Jahren.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Geschichte der Juden im Altertum: Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung

Geschichte der Juden im Altertum: Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung von Klaus Bringmann

Gebundene Ausgabe von Klett-Cotta
Angebote bei Amazon: ab EUR 11,00

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 360894138X, Erscheinungsdatum: August 2005, Auflage: 1., Aufl.
Zoom ± Produkt-Bild: Geschichte der Juden im Altertum: Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung

Eine Kundenrezension:

Gute Darstellung der Geschichte des antiken Judentums
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Übersichtlich und flüssig lesbar schildert Bringmann, emeretierter Prof. für Geschichte, die Geschichte des Judentums vom Babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung. Dabei arbeitet er verschiedene Themenbereiche ab, dazu gehören u. a. die persische Oberherrschaft, die Begegnung mit den Griechen, die Hasmonäer, die Juden unter röm. Herrschaft sowie die Situation des Judentums nach dem zweiten Jüdisch-Römischen-Krieg (Bar-Kochba-Aufstand). Die einzelnen Kapitel werden aufgelockert durch diverse Karten und Abbildungen. Um ein Gefühl für die Geschehnisse der jüd. Geschichte im Altertum zu bekommen, führt Bringmann zahlreiche Quellen heran, die er stets in deutscher Übersetzung zitiert. Das Buch wird abgerundet durch eine Zeittafel, ein kommentiertes Quellen- und Literaturverzeichnis sowie durch ein einschlägiges Personen- und Ortsverzeichnis. Da der Schreibstil nicht sonderlich anspruchsvoll ist, was keineswegs den Inhalt schmälert, sondern den behandelten Stoff lesbar und verständlich macht, ist das Buch uneingeschränkt für alle Interessierten/ Studierenden zu empfhelen.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Die eiserne Mauer - Palästinenser und Israelis in einem zerrissenen Land

Die eiserne Mauer - Palästinenser und Israelis in einem zerrissenen Land von Heiko Flottau

Broschiert von Ch. Links Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 10,49

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3861535157, Erscheinungsdatum: März 2009, Auflage: 1., Auflage
Zoom ± Produkt-Bild: Die eiserne Mauer - Palästinenser und Israelis in einem zerrissenen Land

Eine Kundenrezension:

Eine Geschichte vertaner Chancen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Eine Mauer ist eine Katastrophe und bringt nur immer neue Mauern hervor."
(David Grossman, israelischer Schriftsteller, 2008)

"Die Eiserne Mauer - Palästinenser und Israelis in einem zerrissenen Land" ist das soeben erschienene vierte Sachbuch des in Kairo lebenden freien Journalisten Heiko Flottau. Seine hintergründige Analyse des "Jahrhundertkonflikts" beginnt er mit heute kaum noch bekannten Ereignissen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben der Beleuchtung historischer Fakten zitiert er nicht nur Zeitzeugen, sondern lässt auch Vertreter der verschiedenen Lager in Interviews zu Wort kommen. Die Einbeziehung des Gaza-Feldzuges im Januar 2009 unterstreicht die Aktualität des Sachbuches.

Bereits in seiner Einleitung macht der Autor deutlich, das im derzeitigen Abnutzungskrieg keine Seite siegen kann, da das Schicksal Palästinenser und Israelis trotz einer 700 Kilometer langen Befestigungsanlage untrennbar miteinander verbindet. Jahrhunderte hatten Araber und Juden in Palästina friedlich zusammengelebt. Gegen eine zahlenmäßig begrenzte Zuwanderung weiterer Juden hätten die einheimischen Palästinenser vermutlich nicht viel einzuwenden gehabt, doch gegen eine Übernahme des Landes durch jüdische Emigranten wehrten sie sich von Anfang an. Flottau betont, dass Kritik an Israels Politik stets die Kritik an einer Regierung bleibt.

Die völkerrechtliche Legitimierung, einer "Jüdischen Heimstatt in Palästina" wie sie Lord Balfour bereits im Jahre 1917 nannte, bildet der Teilungsbeschluss der UNO, der den jüdischen Einwanderern ca. 53 % und den Palästinensern etwa 45% des einstigen Mandatsgebietes zusprach und Jerusalem unter internationale Verwaltung stellte. Die große jüdische Philosophin Hannah Arent (1906 - 1975) kritisierte das von Theodor Herzl propagierte Konzept eines zionistischen Staates unter dem Ausschluss der ansässigen Araber und befürwortete eine staatliche Föderation. Demgegenüber schrieb der Zionist Wladimir Jabotinski bereits im Jahre 1923 in seinem Aufsatz "Die eiserne Mauer", dass ein einheimisches Volk niemals der Landnahme durch Einwanderer zustimmen wird, und sich die Einwanderer daher durch Befestigungen abschirmen müssen. Dem gegenüber trat die 1925 in Jerusalem gegründete Gruppe Brit Shalom (Allianz für den Frieden) für die Schaffung eines gemeinsamen jüdisch-arabischen Staates ein.

Ein Blick auf eine Karte des Westjordanlandes macht das wahre Ausmaß der von israelischer Seite als Trenn- und Sicherheitswall oder Anti-Terror-Zaun, von palästinensischer Seite als "Apartheit-Mauer" oder "Mauer der Rassentrennung" errichteten Sperranlagen (Seite 24) deutlich. Das vom Internationalen Gerichtshof schlicht als Mauer bezeichnete Bauwerk weicht von der "Grünen Linie" des Waffenstillstandes von 1949 zwischen 200 Metern bis zu 20 Kilometern ab. Die Gesamtbreite beläuft sich auf 60 - 100 Metern, Teile der Mauer sind mit 8 Metern doppelt so hoch wie einst die Berliner Mauer. Während hierzu benötigtes Land einfach konfisziert wurde, werden Familien auseinadergerissen und Daueraufenthaltserlaubnisse benötigt, um im eigenen Haus weiterleben zu können. Die Zivilbevölkerung wird von ihren Äckern und ärztlicher Versorgung getrennt, bzw. hat nur durch täglich nur für eine Stunde durch geöffnete Tore Zugang. Von israelischer Seite wird angeführt, dass der Zaun Leben rette, weil Terrorattacken um von 26 Angriffen auf drei pro Jahr und damit um ca. 90 % gesunken sind.

Nach einem kurzen Blick auf die Geschichte des Zionismus, bei der auch der Christliche Zionismus dargestellt wird, widmet Flottau ein weiteres Kapitel der Geburtsstunde der radikal religiösen Siedlerbewegung Gush Emunim (Block der Getreuen), die sich nach Israels Sieg im Sechstagekrieg konstituierte und sich mit Berufung auf die biblische Verheißung eines Großisrael zur Besiedlung der besetzten Gebiete aufmachte. Nach der Ideologie von Gush Emunim haben die Palästinenser drei Möglichkeiten. 1. Sie erkennen den Zionismus, d. h. die jüdische Vorherrschaft an und werden hierfür mit vollen Bürgerrechten ausgestattet. 2. Sie verweigern die Anerkennung des Zionismus, erkennen aber die Gesetze Israels an und dürfen daher als Fremde in Israel leben oder 3.Sie können wirtschaftliche Hilfe annehmen und diese dazu benutzen, Israel zu verlassen und in andere arabische Länder auszuwandern. Bereits die Ministerpräsidentin Golda Meir hatte gesagt, dass sie kein Palästinensisches Volk kenne, andere Stimmen meinten, dass mit Jordanien bereits der Palästinenserstaat geschaffen wurde. In den folgenden Kapitel erfährt der Leser, wie die Siedlerbewegung agierte und welche Parteien es in Israel gibt. Anstatt einer tatsächlichen Zweistaatenlösung ist das palästinensische Gebiet im Westjordanland auch nach den Verträgen von Oslo immer weiter geschrumpft und zu einem Flickenteppich geworden. Während die Siedler israelischem Recht unterstehen, gilt für die Palästinenser auf ihrem eigenen Land Militärrecht.

Unter der Überschrift "Die Wälle des Unvermögens" gibt es einen historischen Abriss von der Chinesischen Mauer über Hadrianswall, Warschauer Ghetto (!), Nikosia, Berlin usw. bis zum gegenwärtigen Palästina. Der Autor schreibt, dass in Israel die Architektur, ebenso wieder Krieg, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei. So gerate jeder Akt der Architektur zu einer zionistischen Handlung (S. 77). Die palästinensischen Gebiete Westjordanland und Gaza sind jedoch auch zu den arabischen Bruderländern Jordanien und Ägypten abgeriegelt.

Das Kapitel "Der Prophet der Mauer" bietet die Geschichte der Organisation "Betar", "Hagana" (Verteidigung) und "Irgun Zvei Leumi" (Nationale Verteidigungsorganisation) die mit einer "Wagenburgmentalität" verbunden sind. Terrorakte, Aufruhr (Intifada) und weitere Kriege (Libanonfeldzüge) bestimmen die Geschichte bis heute. Der dreimalige israelische Verteidigungsminister Moshe Arens (Likud) schreibt, dass der Sperrwall ein Fehler ist, da Terrorismus nicht ausgezäunt werden kann. (S. 100). Jamal Juma beklagt, dass die Mauer das Leben der Palästinenser stranguliert und nach den Vertreibungen zu einer neuen Nakba (Katastrophe) geworden ist. Das Kapitel "Widerstand und fehlende Kompromisse" offenbart Berichte der israelischen Menschenrechtsbewegung B'Tselem und die Geschichte des palästinensischen Widerstandes, der sich zunächst gegen die britische Mandatsmacht richtete. Beginnend bei der Istiqlal-Partei (Unabhängigkeit), dem Großmufti und Hitlerverehrer Haj Amin-al Husseini, über die Fatah bis zur Hamas, die sich in einem Bruderkrieg bekämpfen....

Der Autor kommt zum Ergebnis, dass Waffengewalt keine Politik ersetzen, und nur eine friedliche, sozial erfolgreiche Entwicklung den militanten Fanatikern den Boden entziehen kann (Seite 156). Der palästinensische Dozent Issa Sarras aus Ramallah räumt ein, dass Selbstmordattentate ein gewaltiger strategischer Fehler gewesen sind, die unermässliches Leid gebracht haben. Er hofft, dass vernünftige Menschen auf beiden Seiten den Mut für einen Neuanfang finden und dazu beitragen, ihre Völker und ihre Region in eine völlig andere Richtung zu lenken (S. 171).

Dem Abschluss des Sachbuches bildet ein Anhang mit Anmerkungen/Fussnoten, einem Literaturverzeichnis, einer Zeittafel (1798 bis 20. Januar 2009) und ein Personenregister.

Die Nennung sämtlicher Fakten und Aspekte des Buches würde den Rahmen der Rezension sprengen. Heiko Flottau ist eine differenzierte Bestandsaufnahme gelungen, die auch kritische Stimmen der innerisraelischen Diskussion (auch im Hinblick auf die Shoa als Rechtfertigung) zu Wort kommen lässt. Ein hochaktueller Lesetipp für alle am Nahostkonflikt interessierten Leser. 5 Amazonsterne.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
ImpressumKontaktStartseite Geschenkgutscheine
Auf diesen Link bitte nicht klicken Webentwicklung Bollywood Spiele Astro
Gewisse Inhalte, die auf dieser Website erscheinen, stammen von AMAZON EU SARL. Diese Inhalte werden so, wie sie sind zur Verfügung gestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.