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Die Herren des Geldes. Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben von Liaquat AhamedGebundene Ausgabe von FinanzBuch VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 18,00 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3898795780, Erscheinungsdatum: Juni 2010 |
2 Kundenrezensionen:"Durch die Vermeidung einer sofortigen Krise ... (wurde) die Grundlage einer noch schlimmeren Krise in der Zukunft geschaffen." 5 von 5 PunktenDieses außergewöhnlich gut geschriebene und deshalb leicht lesbare Buch beleuchtet die Rolle der Zentralbanken der damaligen vier wichtigsten Industriestaaten bei der Entstehung der sogenannten Großen Depression. Warum sollte eine solche Untersuchung für uns heute noch interessant sein? Es mag merkwürdig klingen, aber die Antwort lautet: Weil wir uns heute aus monetärer Sicht in einer prinzipiell ähnlichen Situation befinden wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus kann man viel über die Rolle von Zentralbanken und über politische Dummheit lernen. Schließlich bietet diese Zeit auch zahlreiche Hinweise darauf, dass der Goldstandard von Währungen vielleicht im Inland den Schuldenirrsinn verhindern, dafür aber zu enormen Spannungen in der Weltwirtschaft führen kann. Die Herren des Geldes waren: Benjamin Strong, der Chef der New York Federal Reserve Bank, Montagu Norman, der Präsident der Bank of England, Hjalmar Schacht von der deutschen Reichsbank und Emile Moreau von der Banque de France. Im Buch werden die Schicksale und die persönlichen Beziehungen dieser Herren zueinander sehr ausführlich beschrieben. Gerade diese intensive persönliche Sichtweise macht das Buch interessant. Sie führt aber auch dazu, dass andere Aspekte weniger ausführlich beleuchtet werden und man sich manchmal fragt, wie denn gewisse im Kontext angerissene Probleme letztendlich gelöst wurden, weil sie im Buch nicht zu Ende diskutiert werden. Der Text beginnt mit dem 1. Weltkrieg. Bereits hier bemerkt man, dass es eine große Stärke des Autors ist, sehr detailliert historische Stimmungen wiederzugeben. Der Krieg schuf eine Schuldenkrise in Europa und führte zu einer heftigen monetären Kräfteverschiebung zugunsten des Dollars. Das ist die Ausgangssituation. Verschärft wurde diese Lage noch durch extreme Reparationsforderungen an Deutschland (nach heutigem Wert über 2,4 Billionen Dollar), die vor allen Dingen von Frankreich betrieben wurden. Obwohl wir keinen Krieg hinter uns haben, ist die heutige Schuldenlage fast aller Industriestaaten weit dramatischer als die damalige. Im ersten Teil des Buches werden uns zunächst die oben genannten Herren und die Ausgangslage in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Der zweite Teil befasst sich vor allem mit den unsinnig hohen Reparationsforderungen an Deutschland. Der Text folgt wie im gesamten Buch der Chronologie der Ereignisse. Um die Reduzierung der Reparationsforderungen zu ermöglichen, hatte die Reichsbank die Hyperinflation von 1923/24 in Gang gebracht. Davon und von den völlig unterschiedlichen Situationen in Großbritannien, Frankreich und den USA handelt der dritte Teil. Die Bank of England hatte den Weg der Deflation gewählt und war auf verhängnisvolle Weise zum Goldstandard zurückgekehrt, indem der Kurs des Pfundes viel zu hoch angesetzt wurde. Die Banque de France dagegen hatte ihre Währung bewusst niedrig bewertet und riesige Mengen an Pfund Sterling gehortet. Damit hätte sie enorme Mengen an Gold bei der britischen Zentralbank eintauschen und Großbritannien aus dem Goldstandard drängen können, was zu heftigen Spannungen zwischen Frankreich und Großbritannien führte. In den USA hatte sich dagegen während des Krieges viel zu viel Gold angesammelt. Geld kam ins Land, und es entstand eine gigantische Spekulationsblase an der Wall Street, die in den folgenden Jahren immer größer wurde. Die Fed vergrößerte diese Blase auch noch durch eine unsinnige Zinssenkung und sah danach dem Treiben, nach dem Tod von Strong 1928 tief gespalten, tatenlos zu. Davon berichtet der vierte Teil, der die Jahre 1928-33 beschreibt. Die Aktien-Spekulationsblase in New York machte es durch ihre monetäre Sogwirkung insbesondere den deutschen Dollar-Schuldnern, zu denen zahlreiche Kommunen gehörten, immer schwerer sich zu refinanzieren. Deshalb beklatschte besonders Schacht den New Yorker Crash von 1929. Dies zeigt allerdings auch, dass er, wie die meisten anderen Experten, Schwierigkeiten hatte, die Aktienmärkte und ihren weitreichenden Einfluss auf die Realwirtschaft zu verstehen. Sehr interessant aus heutiger Sicht ist das Wirken des neuen Fed-Chefs Harrison in dieser Krise. Genau wie 89 Jahre später Ben Bernake bei der Lehman-Pleite, schaufelte er in einer einsamen Entscheidung massiv Geld zu den Banken um den Super-Gau des Finanzsystems zu verhindern. Nimmt man an, die Gesellschaft wäre tatsächlich demokratisch organisiert, dann sollte man vielleicht doch stutzig werden, wenn man sieht, dass ein kleiner Zirkel oder gar ein einziger Mensch in den Zentralbanken planwirtschaftliche Zinsentscheidungen trifft oder anders in extremer Weise in den Wirtschaftskreislauf eingreift, ohne dass auch nur die geringste Rechenschaftspflicht oder gar Kontrolle besteht. In den folgenden Abschnitten zeigt der Autor wie der damalige Goldstandard der Währungen und die Verknappung des Edelmetalls bei vielen Zentralbanken zum Zusammenbruch der Rohstoffpreise, in eine weltweite Kreditklemme und zu zahlreichen Bankenzusammenbrüchen führten, was besonders in Deutschland drastische Folgen hatte. Bald darauf bewirkten zunehmende Goldabflüsse aus der Bank of England, dass sich Großbritannien aus dem Goldstandard verabschieden musste. Da viele andere Zentralbanken das Pfund als Reserve hielten, brachte ihnen diese britische Währungsabwertung enorme Verluste, die sie durch den Eintausch ihrer Dollarreserven in Gold ausgleichen mussten, was das amerikanische Finanzsystem ins Wanken brachte. Das Fed-System, das angeblich dafür installiert wurde, solche Situationen zu verhindern, versagte nicht nur, es hatte auch zur Entstehung der misslichen Lage erheblich beigetragen. Mit der detaillierten Beschreibung dieser Ereignisse endet der vierte Teil des Buches. Im letzten Teil des Buches geht der Autor kurz auf einige währungspolitisch bedeutende Entwicklungen in den Jahren 1933-44 ein. Nach Großbritannien verließen auch die USA einer Eingebung ihres neuen Präsidenten folgend den Goldstandard und begannen danach den Dollar über die Manipulation des Goldpreises zu schwächen. Tatsächlich gelang es dadurch aus der Deflationsfalle zu entkommen. Der letzte Abschnitt dieses Teils gibt Auskunft über die persönlichen Schicksale der verbliebenen drei Herren des Geldes und das des britischen Starökonomen John Maynard Keynes, der immer wieder wegen seiner realistischen Voraussagen und Einschätzungen im Buch zitiert wird. Schließlich werden am Ende noch einmal die Geschehnisse zusammengefasst und Analogien zu unserer Zeit benannt. Fazit. Dass der Autor für dieses Buch den Pulitzer-Preis erhielt, verwundert mich nach dem Lesen nicht mehr. Ich habe selten ein so unterhaltsames Sachbuch über Wirtschaftsgeschichte gelesen. Das Herunterbrechen historischer Ereignisse auf eine gewisse persönliche Ebene der Beteiligten macht sie viel verständlicher. Mit ein wenig Abstraktionsvermögen erkennt man erschreckende Parallelen zur heutigen Situation. Am Beispiel des bankrotten Griechenlands sieht man, dass genau wie damals Probleme verschleppt werden. Doch wie vor achtzig Jahren werden sie später mit viel größerer Gewalt zurückkehren. So ist eben auch damals aus einem eigentlich beherrschbaren Problem ein Riesenunglück geworden. Hochinteressante, wirtschaftshistorisch fundierte Zeitreise in die ökonomische Katastrophe 5 von 5 PunktenAls Ironie des Schicksals muss man es wohl schon bezeichnen, dass der Präsident der britischen Zentralbank Norman Montagu im August 1931 ausgerechnet in der Zeit einen Nervenzusammenbruch erleidet, in der die Welt (auch aufgrund seiner Fehlsteuerungen) auf die große wirtschaftliche Depression zusteuert -. Wie diese größte aller Weltwirtschaftsdepressionen entstehen konnte, welche politischen und gesellschaftlichen Folgen dies hatte und was man daraus lernen kann, das sind die zentralen Fragen des vorliegenden Buches. Der Autor blickt auf die Zeit der großen weltweiten Wirtschaftsdepression mit dem Fokus auf die wichtigsten Protagonisten dieses Weltfinanzkrimis: Benjamin Strong (New York Federal Reserve Bank, USA), Hjalmar Schacht (Reichsbank, Deutschland), Émile Moreau (Banque de France, Frankreich). Zusammen mit dem Zentralbänker Norman Montagu war es dieses Quartett - so der argumentative Ausgangs- und Endpunkt von Ahameds Darstellung -, das zunächst Stabilisierung und zuletzt Zerstörung der globalen Finanzmaschinerie nach dem Ersten Weltkrieg auslöste. In chronologischer Reihenfolge schildert Ahamed die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen und beschreibt die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und Ereignisse im Zeitraum von 1919-1944. Gerade die konzentrierte Perspektive auf die vier maßgebenden Personen gibt den gesamten Ereignissen ein zutiefst menschliches Gesicht. Akribisch und in einer nahezu unerschöpflichen Ausführlichkeit analysiert Ahamed auf nahezu 600 Seiten die dramatischen Ereignisse und stellt Bezüge zum Handeln der vier "Zentralbänker" her. Die ökonomische Katastrophe, die im Bankrott der Welt kulminiert, wird mit dem Agieren der vier Personen des "exklusivste[n] Club[s] der Welt" (S. 15) interessant und lesenswert verwoben, sodass alles durch einen bestens nachvollziehbaren roter Faden zusammengehalten wird. Dabei zeigt der Autor sehr anschaulich, wie der globale Währungskollaps und Unternehmenspleiten in gigantischem Ausmaß zusammen mit wirtschaftslichen Fehlentscheidungen die Gesellschaften dieser Welt an den Rand des Zusammenbruchs führten. Durchgängig gelingt es ihm, ein konkretes Bild von Panik, Angst, Verzweiflung und Hoffnung der Menschen in einer schwierigen Zeit zu zeichnen. Stets besticht er durch wirtschaftshistorisch fundierte Sachkenntnis, beste Quellenkunde und bildreiche Darstellungsfähigkeit, die mich begeistert hat. Diese niveauvolle Version der Darstellung des Zusammenbruchs des internationalen Bankensystems, seiner Gründe und dramatischen Folgen wirkt gerade in der aktuellen Lage manchmal bedrückend - und beruhigend, zugleich. Bedrückend, weil wir selbst an der neuest zurückliegenden Bankenpleite gesehen haben, wie fragil das Wirtschaftssystem auch heute ist. Beruhigend, weil wir in der aktuell brisanten Situation aber auch sehen konnten, dass globales, besonnenes politisches Handeln (anders als in den Zeiten der Großen Depression) das Schlimmste zu verhindern in der Lage war. Dies ist insgesamt: eine gut recherchierte, finanzgeschichtlich höchst interessante Analyse der größten Krise des Kapitalismus, die geradezu als Finanzkrimi in ihren Bann zieht. Hier wird Wirtschaftsgeschichte im besten Sinne lebendig. Die Geschichte von Boom, Prosperität, Rezession und Wirtschaftsdepression, Vollbeschäftigung und Massenarbeitslosigkeit, florierenden Städten und Slums an den Rändern der Gesellschaft könnte wohl kaum besser erzählt werden! Und: Ein Buch, das vom Aufstieg und Fall eines Wirtschaftssystems handelt, könnte wohl auch kaum besser aufgebaut sein. Daher meinerseits fünf Sterne. |
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