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Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen von Hannah ArendtBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 12,24 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492248225, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 5 |
Aus der Amazon.de-RedaktionDer Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat. Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann. Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler 5 Kundenrezensionen:Eine etwas andere Sichtweise auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik 5 von 5 PunktenDer Prozess gegen Adolf Eichmann (1906-62) steht im Mittelpunkt, nimmt jedoch eine eher untergeordnete Stellung in diesem Buch ein. Der Autorin, Hannah Arendt, geht es vielmehr um eine Darstellung des Holocausts, unter Einbeziehung der Mithilfe der Juden bei ihrer eigenen Vernichtung sowie natürlich Eichmanns Rolle bei selbiger. Hans Mommsen schrieb ein 35-seitiges Vorwort. Es wird bereits zu Beginn klar, dass Arendt gewisse Ressentiments gegenüber dem leitenden Staatsanwalt Gideon Hausner nicht zu unterdrücken vermochte. Sie sieht in ihm eine Marionette des damaligen israelischen Ministerpräsidenten, David Ben Gurion (1886-1973), der den Prozess dazu nutzen will, die Leiden des jüdischen Volks der Welt zu präsentieren (inwiefern damalige Verhandlungen über Reparationszahlungen der BRD an Israel eine Rolle spielten, bleibt unklar). Hausner gibt während des Prozesses Interviews, nimmt Eichmann ins Kreuzverhör, obgleich Eichmann auf jede Frage ohnehin nur mit Lügen antworte, auch wenn es ihm natürlich nicht gelingt, Eichmann diesbezüglich bloß zu stellen. Das Ganze werde der Autorin zufolge besonders dadurch ins lächerliche gezogen, dass die Anklage obgleich anders lautender Dokumente und Zeugenaussagen an der Auffassung festhalte, Eichmann habe nicht Befehle ausgeführt sondern sei sein eigener Chef gewesen, ja gar der eigentliche Drahtzieher des Holocausts [wenn diese Beschreibung auf einen zutrifft, dann auf Reinhard Heydrich]. Dieser Trugschluss sei dadurch zustande gekommen, dass die Angeklagten der Nürnberger Prozesse - von denen übrigens keiner die nationalsozialistische Weltanschauung zu verteidigen bereit gewesen sei - den schwarzen Peter gerne Abwesenden zuschoben sowie Eichmanns Hang zur Prahlerei. Kurzum, der gesamte Prozess sei eine Farce. Einzig die Richter, insbesondere der Gerichtsvorsitzende Landau, hätten versucht, dem entgegenzuwirken. Insgesamt ist dieses Buch sehr lesenswert, auch wenn es teilweise etwas durcheinander ist und die Autorin eine leichte Tendenz hat, die Dinge nur in hellen oder dunklen Farbtönen zu sehen. Auch wenn Hans Mommsen das ein oder andere per Endnote korrigierte, so liefert das Buch doch einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Ereignisse dieser Zeit. Eichmanns Umwertung des kategorischen Imperativs 5 von 5 PunktenIn bestürzender und erschreckender Weise hat Adolf Eichmann Kants katagorischen Imperativ umgewertet und zur Rechtfertigung seiner "Pflichterfüllung" herangezogen. Aber konnte Kant sich in seiner Zeit den Massenmenschen der modernen Gesellschaft vorstellen? Der eigentliche Bruch ist nicht der Nationalsozialismus, sondern der moderne Massenmensch, der seiner persönlichen Verantwortung und Individualität enthoben, zum Verwaltungsmassenmörder werden kann. Das ist meines Erachtens die neue Banalität des Bösen und Eichmann als Person ist dabei austauschbar. Das macht dieses Buch so erschreckend aktuell und löst nicht wieder gut zu machende Bestürzung und Wut aus. Es ist das Bewußtwerden der eigenen Lage. Sehr gut - bis auf das Essay 4 von 5 PunktenDas Werk von Hanna Arendt ist epochal für die deutsche Nachkriegshistorie. Es kann als eine Initialzündung für die Studentenrevolution der 60er Jahre gelten. Der enthaltene Bericht sollte jedoch als ein subjektives historisches Dokument seiner Zeit aufgefaßt werden, denn einige Darstellungen von Hannah Arendt wurden nach dem Prozeß wissenschaftlich widerlegt bzw. tiefergehend untersucht. Herr Mommsen stellt diese Fakten in seinem vorangestellten 36-seitigen Essay dankenswerterweise richtig. Ob dieses jedoch so ausufernd mit seinen persönlichen Wertungen geschehen muss, bleibt das Geheimnis des Verlages. ...you see, we like our Nazis in uniforms. 5 von 5 PunktenEs ist nun schon eine Weile her, dass ich Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" gelesen habe. Zwischen damals und heute liegt Quentin Tarantino's Meisterwerk "Inglourious Basterds", und dies will ich zum Einstieg in meine Rezension nutzen. Ein Kernthema von "Ingourious Basterds" ist die Aussage, dass man Nazis kaum erkennen kann, wenn sie keine Uniformen tragen. Genau das ist auch ein wichtiger Punkt für Hannah Arendt, denn auf Adolf Eichmann hätte im Adenauer-Deutschland ganz bestimmt eine solide Beamtenkarriere gewartet, wenn er sich nicht nach Südamerika abgesetzt hätte. Es ist faszinierend zu lesen, wie Arendt in gewohnter Klarheit den Eindruck beschreibt, den dieser Mann auf sie machte. Eichmann war für sie ein Hanswurst, und ähnlich wie Tarantino's Hans Landa hätte man ihm den skrupellosen Massenmörder schlicht und einfach nicht zugetraut. Wo der von allabendlichen Kinderschreckspektakeln Marke "Hitlers linkes Auge - in Großaufnahme, unterlegt von schrillen Kreischtönen" vorgeprägte Leser einen furchteinflößenden Schlächter erwartet, findet sich ein Typ, wie man ihn auch heute noch in den unterschiedlichsten Varianten trifft und der für manche Kreise sogar eine Art Idealbild darstellt: nüchtern und strebsam, dienstbeflissen und engagiert. Alles Weitere sollte man in diesem Buch nachlesen. Anmerken möchte ich noch, dass auch Arendts Ausführungen zu den unterschiedlichen Abläufen des Holocausts in verschiedenen Regionen Europas eine echte Bereicherung sind. Hier arbeitet sie sehr präzise heraus, dass es kein lineares "Schema F" gab, sondern dass das Verhalten der örtlichen Bevölkerung einen ganz erheblichen Einfluss darauf hatte, ob und wieviele Menschen abtransportiert wurden oder überlebten. Auch das widerspricht auf erfrischende Weise dem allgemeinen Einheitsbrei, den man ansonsten in der multimedialen Aufarbeitung des Holocausts serviert bekommt. Ich habe nun schon einige Bücher von Hannah Arendt gelesen. "Eichmann in Jerusalem" fand ich von allen am besten. Es ist super geschrieben und bringt eine Fülle wichtiger Einsichten haargenau auf den Punkt. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. "Reue ist etwas für kleine Kinder" (97). 5 von 5 Punkten1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht. "Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364). Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse. |
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Vita activa oder Vom tätigen Leben von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 9,94 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492236235, Erscheinungsdatum: Dezember 2009, Auflage: Neuausgabe. |
Eine Kundenrezension:Animal laborans, homo faber, zoon politikon - eine Anthropologie des menschlichen Verhaltens 5 von 5 PunktenIm Wechsel von vita activa und vita contemplativa steckt das Glück des Lebens, mutmaßten die Altvorderen. Wie aber verhalten sich beide zueinander und vor allem: was sind ihre Bestandteile? Die klassische Antwort auf diese Frage gibt die politische Anthropologie der deutschjüdischen Philosophin Hannah Arendt in ihrem Buch "Vita activa oder vom tätigen Leben". Zunächst eine Überraschung, denn die Autorin ordnet im Unterschied zur landläufigen Meinung die vita contemplativa der vita activa eindeutig unter. Ihre These: Die vita activa ist die Seinsweise, in der sich der Mensch in der Welt behauptet und bewährt, nur auf ihre Grundlage kann es überhaupt eine vita contemplativa geben. Wie verhält es sich aber nun mit der Vita activa im Einzelnen? "Mit dem Wort Vita Activa sollen im Folgenden drei Grundtätigkeiten zusammengefasst werden: Arbeiten; Herstellen und Handeln", erklärt die Autorin, wobei sie der Arbeit eindeutig den untersten Rang zuordnet. "Arbeiten" bedeutet die immer erneute Sicherstellung der lebenserhaltenden Prozesse, sie ist ein weltloser Zustand der "Mühe", die den Arbeitenden, den "animal laborans" zu den immer gleichen, "kreisenden" Verrichtungen zwingt. "Herstellen", die nächsthöhere Tätigkeit, ist das Werk des "homo faber, der sein Tun im "Modus der Absonderung" vollbringt. Herstellen als Prozess hat einen Anfang und ein Ende, der dann erreicht ist, wenn das fertige Produkt vorliegt. Herstellen folgt dem Zweck-Mittel-Denken und erschafft eine Dingwelt, in der sich der Mensch häuslich einrichten kann. Wie aber steht es mit dem Handeln? "Das Handeln", schreibt Arendt "ist die einzige Tätigkeit der vita activa, die sich ohne Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt.". Sie ist die höchste Seinsform der Vita activa, weil sie sich in der Pluralität bzw. in der Öffentlichkeit abspielt, in der sich die Menschen im Medium der Freiheit und unter dem Risiko des Scheiterns als die erweisen, die sie sind. Hannah Arendt wird in dem vorliegenden Buch und übrigens auch in ihren anderen Schriften nicht müde, dieses Handeln als die höchste Seinsform des Menschen zu feiern. Der erste "Erscheinungsraum" dieses Handelns war die klassische Polis in der Antike, in deren Öffentlichkeit Perikles und Ephialtes, Alkibiades und Sokrates vor aller Augen jeder für sich als "zoon politikon" agierten. Politik ist also nichts anderes als der Erscheinungsraum des Handelns unter den Bedingungen der Freiheit Unnötig anzumerken, dass es eine so definierte politische Sphäre der Öffentlichkeit, in der freie Individuen unter dem Risiko des Scheitern die Chance der Freiheit ergreifen und "handeln" in der Moderne nicht mehr gibt. In der Epoche der Massendemokratien sind es nur die kurzen Startphasen der Revolutionen, in denen handelnde Menschen auftauchen und dem Rad der Geschichte eine neue Richtung geben. Das Faszinierende und zugleich Befremdliche an diesem Ansatz ist allerdings, dass es die Autorin nicht sonderlich zu interessieren scheint, in welche Richtung sich dieses Rad dann dreht, wenn nur hinreichend Gelegenheit besteht, für Menschen im Medium der Pluralität frei und öffentlich an diesem Rad zu drehen. Und wehe dem "bios theoretikos", der mit dem Anspruch absoluten Wahrheit die politische Sphäre nach den Regeln der Zweck-Mittel-Logik gleichsam optimal "herstellen" will. Er wird die Erfahrung machen müssen, dass er aus der Sphäre der vita contemplativea in die Welt des Handelns hinausfällt, in der es keine absolute Wahrheit sondern nur das Wagnis des eigenen Handelns und immer auch die Möglichkeit des Scheiterns gibt. Ich habe Hannah Arendts epochales Werk schon als Student und später immer aufs Neue mit zunehmendem Interesse gelesen und kann die Lektüre dieses in ganz besonderem Maße zeitgemäß-unzeitgemäßen Werkes nur jedermann empfehlen. Es besticht nicht nur durch eine schier unüberschaubare Vielzahl von Einzelstudien sondern es ermöglicht mit seinen kategorialen Grundbestimmungen des menschlichen Tätigseins ein ganz neues Verständnis der menschlichen Welt. |
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Serie Piper, Bd.1, Macht und Gewalt von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 6,50 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 349220001X, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 19., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Praktische Philosophie wie man sie selten liest 5 von 5 PunktenPhilosophische Abhandlungen sind oft ein hartes Laster, vor allem wenn man sich erst in die Thematik einarbeitet. Bei Hannah Arendt ist das ganz anders. Scharfsinnigkeit, eine makellose Argumentation, ein roter Faden bis zum Schluss hilft all jenen die sich mit Ihr befassen. Die Zielgruppe des Buches ist breit gestreut: Für alle die sich für politischer Philosophie, Politik, Soziologie, Psychologie, Konfliktforschung, Gesichte, Krieg, Terror, rechter und linker Gewalt interessieren, können aus diesem Buch einen großen Nutzen ziehen. Für Studenten: Absolut Referattauglich! Was sehr gelungen ist Arendts Bezug auf (damalige) aktuelle Ereignisse bzw. zu historischen Gegebenheiten, die den ganzen Text wie eine spannende Erzählung wirken lassen. Auch wenn Arendt den Terror, den wir heute haben, nicht kannte, hat Sie ihn in seinen Grundzügen voll und ganz erfasst. Inhaltlich Wichtig ist, dass Hannah Arendt sich ausschließlich an der Wirklichkeit orientiert (was ja bei vielen Philosophen nicht immer der Fall ist). Rechte sowie auch Linke Extremisten und Fundamentalisten werden gleichermaßen denunziert, Gewalt und Macht werden in ihren negativen und positiven (!) Auswirkungen analysiert. Mein Fazit: absolut lesenswert! Ironie, Scharfsinn und Wahrheitsliebe 5 von 5 PunktenDieses Buch hat Hannah Arendt unter dem Eindruck der Studentenrevolten 1968 und dem Vietnamkrieg geschrieben. Für uns heute ist dieses relativ kleine Bändchen ein wichtiges Zeitzeugnis einer intelligenten Frau, die ihr Leben lang nichts anderes wollte als verstehen ("Ich will verstehen!"). Warum der Titel "Macht und Gewalt"? Es geht zuerst um die klare Unterscheidung der Begriffe Macht, Gewalt, Kraft, Autorität, Stärke. Auch Gehorsam und Zwang kommen am Rande vor. Darüber hinaus beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, in wieweit der Verlauf des Vietnamkriegs oder der Studenten"revolution" vorauszusehen waren - und was noch viel wichtiger ist: was wir daraus lernen können. Darin enthalten ist auch eine Abrechnung mit Sartre, dem sie (zu Recht vermutlich) eine gewisse mangelnde Begriffschärfe und sogar Naivität vorwirft. Außerdem die Zusammenfassung einiger wichtiger (damals) aktueller Werke zum Thema Gewalt, Revolution, Macht und Krieg. Wem kann man dieses Buch empfehlen? Jedem Studenten der Fächer Soziologie, Politik, Psychologie, Pädagogik. Und darüber hinaus allen Menschen, die sich im Gebrauch der Sprache üben und entwickeln möchten. Es ist ein sehr angenehm zu lesenes, fast unterhaltsames Buch, obwohl es das Thema in sich hat. Dennoch reicht es nicht an Hannah Arendts "Vita activa" heran. Hier erkennen wir weniger Hannah Arendt, die Philosophin oder Theoretikerin. Mehr die Zeitzeugin und Journalistin. Und auch in diesen Rollen bleibt sie eine unvergessliche Autorität. Sehr gute Begriffsklärung 5 von 5 PunktenDer längere Essay "Macht und Gewalt" klärt, ausgehend von den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre, die beiden genannten Begriffe als voneinander getrennte Phänomene unseres politischen und gesellschaftlichen Lebens. Die Definitionen, die Hannah Arendt mittels ihres präzisen und scharfsinnigen Denkens findet, gehen über die Studentenrevolte hinaus und sind grundlegender Natur. Für jeden, der sich mit Macht als Phänomen und Gewalt als Mittel zum Zweck auseinandersetzen möchte, ist mit diesem einführenden Band als Grundlegung bestens bedient. Mithin gewinnt man en passant einen sehr guten Einblick in Hannah Arendts Denkungsweise, die sprachlich und intellektuell ein Hochgenuss ist. Die Klarheit ihres Denkens und die Qualität ihrer Aussagen bestechen auch heute noch und heben sich wohltuend vom heutigen verquasten und oft inhaltsarmen Diskurs ab. Hervorragende Analyse 5 von 5 PunktenHannah Arendt erläutert in diesem verständlich geschriebenen Essay nicht nur die Begriffe "Macht" und "Gewalt" sondern auch die verwandten Begriffe "Autorität" und "Stärke" sowie den Zusammenhang zwischen diesen begriffen. Damit ist das Werk nicht nur gesellschaftstheoretisch oder als Beitrag zur Theorie des Politischen interessant sondern auch unter methodischen Aspekten der philosophischen Begriffsklärung ein gelungenes Beispiel. Selbstverständlich ist auch dieses Werk in einem gut lesbaren Stil geschrieben und voller Beispiele, die die Gedankengänge der Autorin plausibel machen. Aus den Mündungen der Gewehrläufe kommt alles Mögliche - nur keine Macht. 5 von 5 PunktenKein Satz der politischen Philosophie ist nach der Auffassung Hannah Arendts unzutreffender als "Alle Macht kommt aus den Gewehrläufen". Denn Macht, für die Autorin der Grundbegriff des Politischen überhaupt, erwächst als Er-Mächtgung immer aus der Zustimmung der frei handelnden Angehörigen des politischen Systems. Macht ist das deswegen das lebendige Fluidum des Politischen, derer man sich aber niemals sicher sein kann, weil die Er-Mächtigung jeden Tag durch das freie Handeln der Menschen erneuert werden muss. Gewalt gehört dagegen nicht mehr in den Bereich des freien Handelns, im Gegenteil: der Einsatz der werkzeughaften Gewalt betrifft den Menschen nur als Angehörigen der Ding-Welt. Mit anderen Worten: wer im politischen Bereich Gewalt anwenden muss, hat seine Macht bereits verloren. Totalitäre Regimes oder Diktaturen beruhen also nicht auf Macht sondern auf Eliminierung der einvernehmlichen Er-Mächtigung durch den Einsatz der Gewalt. Von daher erwächst aus den Mündungen der Gewehren selbstverständlich auch keine Macht sondern immer nur neue Gewalt, die sich aber nur so lange halten kann, bis ihr eine noch größere Gewalt entgegentritt (Bürgerkrieg) . Oder das System implodiert, wenn die Drohung des Gewalteinsatzes verschwindet. Die Auflösung des Ostblocks lässt grüßen. Das sind, in wenigen Worten zusammengefasst, die klassischen Bestimmungen von Macht und Gewalt als Eckpunkte des Politischen, die mit den Kategorien aus Arendts "Vita Activa" oder "Über die Revolution" aus Engste korrespondieren. Sie heben sich wohltuend ab von den Begriffsverwirrungen linker und rechter Verdummer und machen den Kopf frei für ein wirklich freiheitliches Verständnis der politischen und geschichtlichen Wirklichkeit. Meine Meinung: Eine Pflichtlektüre für jeden sozialwissenschaftlich Interessierten schon im ersten Semester. |
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Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus. Imperialismus. Totale Herrschaft von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 15,04 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492210325, Erscheinungsdatum: Januar 2008, Auflage: N.-A., Nachdr. 2005. |
Eine Kundenrezension:Die Bedeutung des Terrors in Hannah Arendts Erklärungsmodell 4 von 5 PunktenHannah ARENDT liefert in ihrem Erklärungsmodell totalitärer Herrschaft (1951 / New York / The Origins of Totalitarianism) sehr schnell nach Ende des zweiten Weltkrieges ein Konstrukt, mit dessen Hilfe das Verständnis der Zusammenhänge, bei aller Kritik und der Frage nach der Vergleichbarkeit der zugrunde liegenden Systeme, deutlich werden. Die Bedeutung des Terrors stellt sie nicht zuletzt durch ihr 1966 angefügtes neues Kapitel 'Ideologie und Terror' in den Vordergrund. Ist die Interpretation insgesamt auch einer Entwicklung unterworfen, so zeigt ARENDT heute nicht mehr zu diskutierende Tatbestände wie die Multiplikation innerhalb des Staatsapparates auf. Die über Frankreich aus Deutschland emigrierte Jüdin stellt sowohl innerhalb des Nationalsozialismus als auch im Stalinismus den ideologisch motivierten totalitären Terror nicht allein als Mittel der Machtergreifung, sondern vielmehr als einzige Konsequenz der menschenunwürdigen Grundfiktion einer über allem anderen stehenden Elite. Wenn Eric A. JOHNSON die Totalität der Bewegung in den Vordergrund stellt, da sie allumfassend ist und den Anspruch hat, alle zu betreffen, schließt er sich zwar auf den ersten Blick nicht zur Gänze ARENDT an, jedoch sieht auch sie in der Zusammenfassung der Masse zu einem einzigen Objekt durch den Druck des Terrors das Kernelement des totalitärer Herrschaft. Terror wird in ARENDTS Konstrukt von einem Mittel zur Machtergreifung zu einem Mittel der Herrschaftssicherung, das sich nicht auf den reinen Druck einer willkürlichen Vernichtung einzelner Elemente stützt, sondern im Zusammenhang einer Ideologie die Freiheit des Einzelnen total beschneidet. Der Raum zum Handeln zwischen den Individuen ist der zentrale Verlust, der den Menschen ihre Menschlichkeit nimmt und die Mitglieder der Bewegung ihre Pluralität entzieht und zu einem Singular der Masse macht. Nicht nur der Totalitarismustheorien, sondern auch die Werke ARENDTS dokumentieren anschaulich den aktuellen Diskurs. Vielfach scheint die Auseinandersetzung mit der organisierten Schuld der Deutschten, der ?Banalität des Bösen' oder der Freiheit im aktiven und spontanen Handel im Zuge des Eichmann Buches oder der ablehnenden Haltung während der Studentenbewegung erst heute die Diskussion zu beflügeln. Der humanistische Skeptizismus, die Interdisziplinarität und Unabgeschlossenheit passten lange nicht zu einem Idealismus und der Suche nach der objektiven Wahrheit. Dies mag ein Grund für die Renaisance der Totalitarismusforschung überhaupt und speziell der Auseinandersetzung ARENDTS sein. Die Furore um Daniel Jonah GOLDHAGENS ?Hitlers willige Vollstrecker', vielfach kritisiert wegen des Schlusses eines einzigartig deutschen ?eliminatorischen Antisemitismus", zeigt doch, wie auch die hohen Besucherzahlen der ebenfalls umstrittene Wehrmachtsausstellung, den starken Wunsch nach weiterer Klärung der Umstände und der weiteren Verifizierung der Hauptverantwortung an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Als sich einig erscheinen Historiker und Wissenschaftler anderer Disziplinen, das Interesse wieder zurück zu einer globaleren Sichtweise zu lenken, um die Bedeutung des Konstrukts des Totalitarismus für gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen hervorzuheben. Im Zusammenhang mit der Entmachtung des Kommunismus und dem resultierenden ?zumindest vorläufigen Untergang einer Herrschaftsform [der totalitären], die bis dahin das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt hatte", erwächst ein erneutes vergleichendes Forschungsmotiv. ARENDT kann dazu eine breite Basis liefern, nicht zuletzt weil viele Autoren sich ihrer Argumentation anschließen, ihr versuchen zu widersprechen oder sich zumindest auf ihr Hauptwerk als Grundlage einer politisch-philosophischen Debatte beziehen. Es ließe sich die Frage aufwerfen, ob das vielfach benutzte geflügelte Wort des ?Jahrhunderts des Totalitarismus' für das 20. Jahrhundert wirklich zutrifft. Ist dies nicht nur die eine Seite der Medaille und vernachlässigt, dass es sich gleichzeitig um das Zeitalter der Demokratie handelt? Ein Jahrhundert der Unmenschlichkeit liegt hinter uns, aber auch bedeutende Veränderungen wie das Ende der kolonialen Imperien, aus denen nicht zuletzt viele unabhängige teilweise eben demokratische Staaten hervorgegangen sind. Leider kann aber die Zunahme des Anteils der Demokratien aller unabhängigen Staaten auf beachtliche 61% über zwei entscheidende Tatsachen nicht hinwegtäuschen: Zum einen sind nicht alle zumindest formell demokratisch organisiert und Unmenschlichkeit, Gewalt und Terror sind nicht das Monopol des Totalitarismus allein. In jedem Fall wirken die aktuell zu beobachtenden Veränderungen und Zerwürfnisse der polystrukturellen Weltordnung, die quasi als Demokratie über nationale Grenzen hinweg in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts für ein mehr oder weniger von Frieden geprägtes Zeitalter verantwortlich war, beängstigend. Daraus erwächst der Wunsch nach der Perspektive eines Historikers, der sich am Ende des 21. Jahrhunderts mit den heutigen Entwicklungen auseinandersetzt, mag dieser auch ebenso unerfüllbar sein, wie der nach einer von Frieden und Freiheit dominierten Welt. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich mich ARENDT anschließen und meine Hoffnung in die Hände einer weitsichtigen Politik legen: Der Sinn des Politischen ist, dass Menschen in Freiheit, jenseits von Gewalt, Zwang und Herrschaft, miteinander verkehren, Gleiche unter Gleichen. |
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Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik von Hannah ArendtBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 8,59 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492250637, Erscheinungsdatum: Oktober 2007, Auflage: 3 |
4 Kundenrezensionen:Gleichgültigkeit als die Wurzel des ultimativ Bösen 5 von 5 PunktenWas ist das Böse? Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland floh und über Umwegen nach Amerika ins Exil ging und dort nach und nach über die schrecklichen Details der "Endlösung" informiert wurde, hat sich bereits vor ihrer 1965 in New York gehaltenen Vorlesung "Some Questions on Moral Philosophy", die in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Über das Böse" vorliegt, an einem konkreten Beispiel mit dem Bösen auseinandergesetzt. 1961 verfolgte sie in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann. Das wahrhaft Schockierende an Eichmann stellte für Arendt seine geradezu obszöne Normalität und Durchschnittlichkeit dar, wo man doch im Angesicht von sechs Millionen ermordeter Menschen eigentlich den Teufel in Menschengestalt erwartet hätte. Wohl auch die exemplarisch an Eichmann beobachtete Banalität des Bösen veranlasste Arendt dazu, sich auf allgemeinerer Ebene mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Um Missverständnissen vorzubeugen: "Über das Böse" ist keine Fortsetzung des Eichmann-Buches. Nur sehr selten geht Arendt auf gegenwärtige Entwicklungen ein. Im Zentrum der Vorlesung steht ihre Auseinandersetzung mit der Moralphilosophie Kants und Aristoteles sowie deren Konsequenten für gutes oder böses Handeln. So entwickelt sie zuerst an Kant angelehnt ihren zentralen Maßstab für moralisch korrektes Verhalten: "Es geht bestimmt nicht um die Sorge für den Anderen, sondern um die Sorge für das Selbst, nicht um Demut, sondern um menschliche Würde, ja menschlichen Stolz. Maßstab ist weder die auf irgendeinen Nachbarn gerichtete Liebe, sondern die Selbstachtung" (35). Des Weiteren hält sie, wiederum mit Kant, fest, dass "moralisches Verhalten nichts mit Gehorsam gegenüber irgendeinen von außen gegebenen Recht zu tun" (36) hat. Hier kommt deutlich der Unterschied zwischen Legalität und Moral zur Geltung. Unweigerlich muss der Leser an dieser Stelle an Eichmann denken, der während des Prozesses stets betont hat, sich doch während seiner aktiven Tätigkeit im Dienste der SS immer penibel an geltendes Gesetz gehalten zu haben und somit doch selbst Opfer eines verbrecherischen Regimes gewesen zu sein. Aus der von Arendt aufgestellten Prämisse, dass das zentrale Kriteriums moralischen Verhaltens die Selbstachtung einer Person sei, entwickelt sie ihre Definition des Bösen: "Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemanden getan wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein" (101). Wieder denkt man an Eichmann, der sich selbst nie als handelnde Person, sondern lediglich als kleines Rädchen im Gesamtgetriebe des NS-Staates sah. Das Böse als Flucht vor der Verantwortung, als die Weigerung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, als den permanenten Verweis auf als heilig geltende Befehlsketten. Ein Fazit ihrer Analyse liefert Arendt im legendären Abschlusssatz ihrer Vorlesung, der in einer Welt von Mitläufern und Wegsehern aktueller denn je ist: "Diese Indifferenz stellt [...] die größte Gefahr dar, auch wenn sei weit verbreitet ist. Und damit verbunden und nur ein bißchen weniger gefährlich ist eine andere gängige moderne Erscheinung: die häufig anzutreffende Tendenz, das Urteilen überhaupt zu verweigern. Aus dem Unwillen oder der Unfähigkeit, seine Beispiele und seinen Umgang zu wählen, und dem Unwillen oder der Unfähigkeit, durch Urteil zu Anderen in Beziehung zu treten, entstehen die wirklichen 'skandala', die wirklichen Stolpersteine, welche menschliche Macht nicht beseitigen kann, weil sie nicht von menschlichen oder menschlich verständlichen Motiven verursacht wurden. Darin liegt der Horror des Bösen und zugleich seine Banalität" (150). Fazit: Große Philosophie von immerwährender Aktualität. Das Böse ist nicht das Monströse als das wir es gerne hätten, sondern die banal-alltägliche Gleichgültigkeit des Menschen, von der jeder auch einen Teil in sich selbst findet. Intellektuelle Luftnummer! 1 von 5 PunktenEs ist nicht gerechtfertigt, Hannah Arendt als große Philosophin zu bezeichnen. Sie war zwar eine Philosophin aber sie hat die Bezeichnung groß" nicht verdient, weil sie das Format dazu gar nicht hatte. Das was Sie zu sagen hatte, ist intellektuell einfach nur lächerlich, wenn man versucht eine Größe darin zu finden, die einfach nicht da ist. Natürlich stimmt es was sie sagte aber es ist leider viel zu wenig, um in den Olymp großer Philosophen aufgenommen zu werden. Die Texte sind regelrecht öde und langweilig. Es lohnt sich nicht ein Buch von Ihr zu kaufen. Für mich ist Hannah Arendt eine Art Luftnummer, sonst nix. Kein gutes Bild 3 von 5 PunktenMeine Ursprüngliche Motivation diese Rezension zu schreiben entstand aus der Aggression heraus, einen andreren Rezensenten hier entgegenzutreten. Also habe ich das Buch gelesen und ich muss leider zugeben, dass ich enttäuscht bin. Hannah Arendt verwöhnt normalerweise mit Ihren schönen Schreibstiel, gestochen scharfer Argumentation und Ironie. Dies ist in diesem Buch nicht der Fall. Die Erklärung warum dies alles nicht zu finden ist steht im Kapitel "Zur deutschen Übersetzung" danach hatte ich Nachsicht. Wofür ist diese Buch nicht geeignet? Jeder der sich mit Hanna Arendt beschäftigen möchte und zum ersten mal ein Buch von Ihr liest sollte jedenfalls nicht mit diesem beginnen. Für diesen Fall empfehle ich "Macht und Gewalt" Dieses Buch eignet sich auch nicht für eine Einführung in die Ethik es würde nur zu Verwirrungen führen, wenn man sich nicht schon damit beschäftigt hat. Empfehlenswert ist das Buch wenn ... man ein eingefleischter Arendt-Fan ist (so wie ich) oder wenn man sich für die Fragestellung "Wie konnte das alles passieren" (in Bezug auf NAZI-Deutschland) interessiert. Geschichtlich hat das Werk auch einiges zu bieten, die Referenzen zu "konkreten Geschehnissen" (siehe Rezension Tagespiegel) sind zwar nicht so prägnant wie in ihren anderen Büchern aber immerhin noch vorhanden. Eine Anleitung zum eigenständigen Denken - Aufklärung im besten Sinne 5 von 5 PunktenEs tut mir leid, aber ich muss beiden Rezensenten widersprechen. Ich finde diese Vorlesung über das Böse grandios und das aus mehreren Gründen. Zunächst ist es sicherlich die sinnliche Präsenz und die persönliche Ansprache, die dem Arendtschen Stil inne wohnt und der in dieser Vorlesung in gesteigerter Form hervorsticht. Hier kann man ihr beim Nachdenken buchstäblich zu sehen. Sie spricht klar und ohne intellektuelle Attitüde, wobei die Sache, die verhandelt wird, sicherlich keine leichte Kost ist. Arendt ringt wirklich mit diesem Problem, denn sie ist und war von ihm existentiell betroffen. Diese Vorlesung über das Böse ist im Kontext der Eichmann-Debatte gehalten worden, in der Arendt heftig wegen ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" angegriffen worden ist. Diese Vorlesung kann als Versuch gelesen werden, diese Charakterisierung des Bösen als banal zu reflektieren und zu erläutern. Wer also immer schon mal Wissen wollte, warum Arendt Eichmann Gedankenlosigkeit als Kern seiner banalen Boshaftigkeit vorgeworfen hat, dem sei diese Vorlesung wärmstens empfohlen. Eine weitere Frage, die in dieser Vorlesung behandelt wird, ist die Frage nach der moralischen Qualität des Denkens, also kann das Denken Unrecht und Ungerechtigkeit verhindern, und wenn ja, wie und warum. Ein dritter Grund, dieses Buch zu lesen, ist der originelle Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie, von Sokrates, Platon, Aristoteles, über Jesus, Paulus, Augustinus hin zu Kant und Nietzsche werden die Ansichten über das Böse dargestellt und kommentiert. Dabei verfährt Arendt so, dass sie die unterschiedlichen Autoren in ein Gespräch bringt, in dem es nicht so sehr um fertige Antworten und Lösungen, sondern immer um Anregungen zum weiter und selber Denken geht. Das mag den/die eine/n oder andere/n unbefriedigt lassen und enttäuschen, an sich ist es aber die beste Tradition der Aufklärung, Menschen zum eigenständigen, kritischen Denken anzuregen. In diesem Sinne endet das Buch auch mit der Aufforderung zum eigenen Urteil als Widerstandskraft gegen Opportunismus, Konformismus und die Banalität des Bösen. |
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Rahel Varnhagen: Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 6,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492202306, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 16., Aufl. |
Eine Kundenrezension:Arendt, Hannah, Rahel Varnhagen 4 von 5 PunktenHannah Arendt möchte nur Rahels Lebensweg nacherzählen, sich des Psychologisierens und Kommentierens enthalten, was sie allerdings kaum durchhält, besonders des Kommentierens nicht, auch ist ihre Einbettung in die Geschichte, die Romantik und Geschichte des Judentums in Deutschland ergiebig und aufschlussreich. Kennzeichnend ist auch Arendts harter Realitätssinn, der Rahels gesellschaftliche Einbettung (oder besser: mangelnde) und z.B. Varnhagens Umtriebigkeit sehr überzeugend und nachvollziehbar darstellt. Der Hauptvorzug aus meiner Sicht: Arendt führt gut in Rahels Ausdrucksweise und Denkweise ein, indem sie sich so eng an ihre Quellen hält. Der Nachteil: Dieses Umkreisen des Sachverhalts in Rahels Terminologie - und wie es scheint, mit Arendts eigener philosophischer Terminologie - wirkt doch etwas ermüdend und erschwert den Zugang. Sie unterlässt es auch deutlich Akzente zu setzen, stattdessen umschreibt sie Rahels Bewusstseins- und Lebenslagen in vielen Variationen und Wiederholungen. Mich hätte schon interessiert, mehr über Zusammenhänge psychologischer Art zu erfahren, schließlich stellt Arendt diese ja in historischer und sozialer Hinsicht auch her. Also: Wie konnte aus der jüdischen Familie diese ungewöhnliche Frau hervorgehen? Wieso dieser intensive Wunsch der Rahel, am Leben und zwar am Leben der Mächtigen teilzunehmen? Später trennt sich Rahel von der Familie, als sie mit Varnhagen ökonomisch und gesellschaftlich unabhängig geworden ist - warum? |
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Denken ohne Geländer: Texte und Briefe von Hannah ArendtBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 8,19 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492248233, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 4 |
Eine Kundenrezension:Gelungene Einblicke in das Denken (ohne Geländer) 5 von 5 PunktenHannah Arendt ist als Denkerin aufregend und nach wie vor in der politischen Theorie präsent. Das vorliegende Buch vermittelt einen weit gefächerten Eindruck über ihr Denken und führt Elemente aus den Hauptwerken, Fragmente aus dem Nachlass und aus persönlichen Briefe zusammen, die sonst nur für viel Geld zu haben wären, da man sich mindestens 15 Bücher kaufen müsste. Zu fünf Themenkomplexen wurde das Material aus dem reichhaltigen Werk der Theoretikerin zusammengestellt und in der jeweiligen Kategorie weiter nach Schlüsselbegriffen oder grundsätzlichen Statements unterteilt. 1. Zur Philosophie (Themen: Denken, Sprache, Arbeit, Verstehen usw.) 2. Zum politischen Denken (Sinn von Politik, Macht und Gewalt, Freiheit, Gleichheit, Totalitarismus, Krieg usw.) 3. Zum politischen Handeln (Judentum, Antisemitismus, Israel, Eichmann-Kontroverse usw.) 4. Zur Situation des Menschen (Arbeit, Leben, Massengesellschaft, Liebe, Ehe usw.) 5. Lebensgeschichten (Heidegger, Jaspers, Rahel Varnhagen uvm.) Jeweils kurze Textpassagen aus den Hauptwerken verdeutlichen die markantesten Thesen und so kann die Kompilation auch als primärliterarische Einführung dienen oder als Pseudo-Lexika bzw. Mini-Handbuch benutzt werden. Wer das Buch durchgängig liest, wird schnell die Nachteiligkeit des Potpourris bemerken, da man immer nur oberflächlich mit den wichtigsten Äußerungen und Thesen konfrontiert wird und das Lesen keinen themenbezogenen vertiefenden Charakter hat. Eine engere Themenwahl hätte jedoch kaum diese Breite ermöglicht und mit ca. 250 Seiten Umfang ist das Ziel der Herausgeberinnen einen Überblick zu schaffen und die Neugierde auf mehr zu wecken sicher gut erreicht. |
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Ich will verstehen: Selbstauskünfte zu Leben und Werk von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 6,70 ISBN: 3492245919, Erscheinungsdatum: April 2007, Auflage: 3 |
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Hannah Arendt und Martin Heidegger: Geschichte einer Liebe von Antonia GrunenbergBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 5,89 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492251927, Erscheinungsdatum: April 2008 |
3 Kundenrezensionen:Prima 5 von 5 PunktenHervorragende Darstellung im Sinne Hannah Arendts( wie sie Rahel Varnhagen schrieb: anteilnehmend, empathisch) und Quellensammlung. Philsophiegeschichte einmal anders 5 von 5 PunktenAntonia Grunenberg Hannah Arendt und Martin Heidegger Piper Verlag ISBN: 3492044905 Hannah Arendt und Martin Heidegger ist der Titel des Buches von A. Grunenberg. Genau genommen aber geht es um die Geschichte der Philosophie zum ausgehenden 19. Jahrhundert bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. AG liefert mit diesem Buch eine breite Entwicklungsgeschichte über die philosophischen und politischen Richtungen zur Zeit des ausgehenden Wilhelminischen Zeitalters über die Weimarer Republik, den zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus des dritten Reichs bis in die Zeit danach. Mit Karl Jaspers und Martin Heidegger betraten um 1915 -20 zwei Vertreter einer neuen philosophischen Denkrichtung die Bühne der Wissenschaft. Sie waren befreundet, später verfeindet, immer aber im Denken auch mit einander verbandelt. Es ging ihnen um das Denken und das Sein und die Zeit. Sie waren Vorläufer und Begründer der Existenzphilosophie. In diese Welt der Denkumbrüche geriet die intelligente, begabte und in großer Freizügigkeit des Denkens erzogene Hannah Arendt. Dass sich zwischen ihr und Heidegger eine leidenschaftliche Liebesbeziehung entwickelte, entsprach wohl mehr den äußeren Umständen einer gegenseitigen Anziehung als einer wirklichen inneren Verbundenheit. Sie wechselte später von ihrem Lehrer Heidegger in Marburg zu Jaspers nach Heidelberg, bei dem sie ihre Doktorarbeit schrieb. Der erste Teil des Buches ist den verschiedenen Denkrichtungen gewidmet, die jedoch zeitgleich mit der politischen Geschichte zu sehen sind. Viele bekannte Namen der Philosophie und Sozialgeschichte finden Eingang in diese Darstellung. Es folgen die Entzweiungen, übrigens auch zwischen Heidegger und Jaspers. Letzterer hatte eine jüdische Frau und verlor 1937 seine Professorenstelle. Heidegger wurde ein strammer Nazi, der sich erst später innerlich von der Politik wieder etwas distanzierte. Er bleibt in der Darstellung ein unsympathischer Mensch, der sich den heraufkommenden Zeiten mit Verve angeschlossen hat, wenngleich seine Wissenschaft weiterhin von Bestand war. Hannah Arendt zog es früh in die Emigration. Sie war zuerst mit Günter Stern, der sich später Anders nannte, dann mit Heinrich Blücher verheiratet. Sie ging ihre ganz eigenen Wege in Amerika: kontaktfreudig, organisatorisch begabt, immer denkend, arbeitend und lebendig ihrer eigenen Profession folgend. AG hat mit großer Detailkenntnis eine Unmenge von Zeugnissen zusammengetragen, die sie zu dieser Biographie verarbeitet hat. Das Buch ist genau recherchiert, mit vielen Anmerkungen im Anhang versehen und ergibt ein abgerundetes Bild der Philosophie- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dass sie daneben auch die menschlichen Bezüge in die Darstellung dieses Buches mit einbezogen hat, ist ein großer Verdienst. Geschichte von was? 2 von 5 PunktenMartin Heidegger, einer der einflussreichsten deutschen Philosophen und Hanna Arendt, die maßgeblich die Totalitarismusforschung anregte, verbindet im Jahre 1925 eine kurze Liaison, als Arendt Philosophiestudentin in Marburg bei Professor Heidegger ist. Antonia Grunenberg oder der Verlag macht daraus "Die Geschichte einer Liebe", aber auch "Eine unmögliche Liebe". Grunenberg schildert den persönlichen und politischen Kontext der Begegnung von Arendt und Heidegger in einem sachlichen Ton, der nicht dazu einlädt, sich von der eigentlich spannenden Konstellation faszinieren zu lassen. Es ist sicher kein Zufall, dass nur die Briefe von Heidegger an Arendt erhalten sind. Diese werden als Quelle herangezogen, um die Leidenschaft Heideggers zu belegen, sind aber dazu gar nicht geeignet. Wesentlich leidenschaftlicher und leider auch kopfloser ist Heideggers Liaison mit dem Nationalsozialisten. Während Heidegger als Rektor der Universität Freiburg auf der Grundlage von Erlassen der Nationalsozialisten Juden aus dem Dienst entfernen lässt und das Hausverbot für seinen ehemaligen Lehrer und Förderer Husserl durchsetzt, muss Arendt aus Deutschland flüchten. Die Autorin des Buches Antonia Grunenberg vermeidet eine klare Bewertung von Heideggers Versagen und zitiert diverse Quellen, um Heidegger zu entlasten. Die Ungenauigkeit und Unbestimmtheit der Darstellung in diesem Punkt ist ein wesentlicher sachlicher Mangel des Buches. Möglicherweise war diese Zurückhaltung eine Voraussetzung dafür, um bestimmte Quellen nutzen zu können. Auch darüber hinaus leidet das Buch an einer fehlenden Distanz der Autorin zu den Protagonisten. Man kann nicht behaupten, dass die Darstellung der Geistesgeschichte den Leser intellektuell überfordert. Niveau und Stil werden durch einen Plauderton geprägt, der dem Gegenstand selten gerecht wird. Dem Buch fehlt eine tragende Idee ein roter Faden. Mit welchem Ziel wurde das Buch eigentlich geschrieben? |
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Vom Leben des Geistes: Das Denken / Das Wollen von Hannah ArendtTaschenbuch von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 15,00 ISBN: 3492225551, Erscheinungsdatum: Juli 2008, Auflage: N.- A. |
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