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Unternehmen Patentenraub 1945: Die Geheimgeschichte des größten Technologieraubs aller Zeiten von Friedrich GeorgGebundene Ausgabe von GrabertAngebote bei Amazon: ab EUR 14,50 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3878472412, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 5., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Ausgezeichnete Arbeit 5 von 5 PunktenEin herausragendes Buch zu einem wichtigen, lange Zeit heruntergespielten Thema. Unbedingt lesen. Kaufempfehlung absolut Topp. Augenöffner und Pflichtlektüre - Allerdings mit haarsträubenden Fehlern! 4 von 5 PunktenZuallererst: Wenn ein Buch bereits in der 4. Auflage erscheint, dann sollte man erwarten können, dass ein sauberes Lektorat stattgefunden hat. Darüberhinaus sollte man erwarten können dass Darstellungen und Visualisierungen im Buch von einwandfreier Qualität sind. Daran mangelt es dem Buch in ausserordentlicher Weise! Einige Beispiele: S. 132: Die irakische Stadt wird als "Mosul" bezeichnet, gleichwohl im vorherigen Satz die korrekte Namensbezeichnung "Mossul" erfolgte. S. 139: Grafische Darstellung der Weltkohlereserven. Fast unleserliche Wertebezeichnungen. Darüberhinaus wird ein Teil der Grafik vom linken Rand abgeschnitten. S. 208: Der Panzertyp "Jagdtiger" wird im Fließtext als "Jadgflieger" bezeichnet. (In der nebenbestehenden Grafik wird allerdings der korrekte Name genannt). S. 238: Es wird vom modernen Düsenjäger ME 162 gesprochen. Das war allerdings ein konventionelles Propellerflugzeug. Gemeint ist wohl die ME 163 Komet. S. 304: "... die geradezu überwältigend noch waren." statt korrekterweise "... die geradezu überwältigend hoch waren." Manche grafischen Darstellungen sind meiner Meinung nach auch eher für Bereich eines Hobbyauthors akzeptabel. Z.B. Darstellungen von Deckelmotiven aus Modellbausätzen, oder Fotografien eines mittelmäßig zusammengebauten Plastikflugzeugmodells. Ich muss mich zusammenreissen um für diese eklatanten und sehr ärgerlichen handwerklichen Schnitzer nicht mehr als 1 Punkt abzuziehen. Soetwas darf einfach nicht vorkommen. Davon wird die ganze Qualität des Buches in Frage gestellt! Man kann nur hoffen dass diese Qualitätsmängel schnellstmöglich beseitigt werden! Nun aber zum eigentlichen Inhalt: Das Buch zeigt auf, welch gigantischem Diebstahl und der Ausplünderung geistigen Eigentums Deutschland nach dem Krieg ausgeliefert war. Den Siegern, allem voran den USA, war jedes Verbrechen recht um das benötigte Wissen zum alleinigen Aufstieg zum Weltmacht zu ergaunern. Ablauf: - Wirtschaftliche Ursachen zum Kriegseintritt der USA (Grundlagenforschung in den USA Anfangs des 20. Jahrhunderts total unterentwickelt, Verhältnis der Nobelpreisträger in Chemie, Medizin und Phsyik bis 1945 USA/Europa: 18:113, starke Konkurrenz des deutschen Warenhandelsystems zu Lasten des angelsächsischen Kapitalismus, drohende Depression der vollkommen unausgelasteten und auf altmodische Erzeugnisse ausgerichteten US Industrie) - Die generalstabsmäßige Vorbereitung des Kriegseintritts durch Roosevelt. Der Neutralitätswunsch der Bevölkerung wurde durch gigantische Rüstungslieferungen an England und Russland und schließlich durch den schon Wochen vorher bekannten Angriff auf Pearl Harbour ausgehebelt - Festlegung der Ziele zur wirtschaftlichen Ausplünderung deutschen Wissens bereits Ende der 1930er Jahre. Dort wurde bereits von einer notwendigen Besetzung Deutschlands gesprochen um diesen Raubzug zum Erfolg führen zu können - Völkerrechtswidrige Erlasse eines Henry Truman um diesen Raub auf eine "legale" Grundlage zu stellen etc.... Mehrere 10000 Tonnen Dokumente, Patente etc. in Papierform wurden nach Kriegsende in speziell errichtete Auswertungsstellen verschifft und der amerikanischen Industrie zugänglich gemacht. Darüberhinaus wurden Industrieanlagen, Mustergeräte, Maschinen, Werkstoffe etc. ebenso in die USA verbracht. Nichts sollte zurückbleiben und der amerikanischen Wirtschaft sollte ein uneinholbarer technischer Vorsprung gesichert werden. Da viele Dokumente oder Maschinen von den grundlagenschwachen amerikanischen Wissenschaftlern überhaupt nicht verstanden wurden, wurden deutsche Spezialisten und die Erfinder mehr oder weniger freiwillig für den Dienst in der USA "rekrutiert". Im Februar 1946 drangen bewaffnete US Einheiten in einer Nacht und Nebel Aktion sogar in die von den Sowjets besetzte Tschechei ein um sich mit Waffengewalt Dokumente aus einem vergessenen Versteck anzueignen. Mir hat das Buch die Augen geöffnet. Es zeigt auf dass vorallem wirtschaftliche Interessen den Kriegseintritt der USA begründen. Moralische Heuchlerei und geschickte Propaganda vernebeln bis heute die wahren Absichten und Ziele des Kreigseintritts der USA. Wer das alles nicht glaubt und meint das sei revionistisches Geschwätz dem sei die Lektüre des Buches empfohlen (bitte die oben erwähnten Mißgeschicke nicht zu stark beachten). Akribisch werden Quellen und Orginaldokumente genannt und abgebildet. Oder ganz einfach, was ja sogar öffentlich bekannt ist: Die Weltraumflüge und die Raketentechnik konnte die USA nur durch Wernher von Braun verwirklichen. Oder man vergleiche den Tarnkappenbomber B2 mit den deutschen Entwürfen von Horten. Man könnte noch Dutzende weiterer Beispiele nennen. Interessant wäre eine materielle Bezifferung dieses Raubzugs. Dies wäre wohl die höchste Zahl welche man sich kaum vorstellen kann. (Als Vergleich: Eine Schweizer Firma erstritt in den 50er Jahren 1 Milliarde Dollar Schadensersatz für ein einziges Patent. Dies wurde kurz nach Kriegsende bei der Plünderung der deutschen Niederlassung widerrechtlich von der USA "requiriert") Erstklassig !!! 5 von 5 PunktenDieses Fünf Sternebuch des Grabert Verlages bringt es auf den Punkt. Es ist unglaublich was von den Alliierten nach Kriegsende in Deutschland alles geraubt wurde. Wo wären die eigentlich Heute ohne die gestohle deutsche Technik ? Unbedingt lesen, ist sein Geld ohne jede Einschränkung WERT !!! Unglaublich interessant 5 von 5 PunktenKurz und knapp, ein gutes Buch das leicht zu lesen ist. Kann ich nur empfehlen! Sehr gut recherchiert! 5 von 5 PunktenSehr gutes Buch über die Dimension des alliierten geistigen Diebstahls nach 1945 in Deutschland. Wer sich kritisch, objektiv und fachlich korrekt über dieses Thema informieren möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei. |
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Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien?: Weltgeschichte - alles, was man wissen muss von Wolfgang SeidelGebundene Ausgabe von EichbornAngebote bei Amazon: ab EUR 19,95 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3821865121, Erscheinungsdatum: August 2010 |
2 Kundenrezensionen:Bietet einen interessanten Querschnitt durch die gesamte Kulturgeschichte 5 von 5 PunktenDas vorliegende Buch des Autors Wolfgang Seidel, der schon in der Vergangenheit mit teilweise lustigen, immer jedoch höchst informativen Büchern zur Wortgeschichte ("Woher kommt das schwarze Schaf?") zu überzeugen wusste, versucht an Hand von etwa 650 historischen politischen, kulturgeschichtlichen und wirtschaftlichen Schlüsselbegriffen die Geschichte der Welt begreiflich zu machen. Da es chronologisch angeordnet ist, mit der Steinzeit beginnt und bis in die Moderne des 21. Jahrhunderts reicht, eignet es sich nicht nur als Nachschlagewerk für bestimmte Begriffe, Ereignisse und Personen, sondern bietet auch einen interessanten Querschnitt durch die gesamte Kulturgeschichte. Neben Altbekanntem finden sich immer wieder ganz neue Entdeckungen, Hinweise und Gedanken, und die historischen Querverweise, die er immer wieder gibt, sind zum Teil sehr aufschlussreich. Das Buch eignet sich gut als Geschenk für an Geschichte interessierte Menschen. Alles (?) was man wissen muss 4 von 5 PunktenNun ja, ob man in einem Buch wirklich alles finden kann was man wissen sollte, wage ich zu bezweifeln. Selbst im gesamten Brockhaus findet sich ja viel aber nicht alles. Im Buch WANN TRANKEN DIE TÜRKEN IHREN KAFFEE VOR WIEN von Wolfgang Seidel soll aber sicherlich nicht diesem Anspruch Rechnung getragen werden, denn hier findet sich viel Interessantes und auch tatsächlich Wissenswertes, zum Teil auch Vergnügliches und echte Fakten. Der Kanon der ausgewählten Wissensbibliothek wird ohnehin von jeder Generation neu definiert, dieses Buch gibt auf 444 zumindest den Eindruck, dass jede Seite optimal genutzt wurde. Was ich besonders schön gefunden habe, ist die Weltkarte mit allen wichtigen Orte die namentlich genant sind und sich zudem im Buch als Kapitel wiederfinden. Rückblickend fängt das Buch richtigerweise bei der Steinzeit und der letzten Eiszeit an und bewegt sich dann über die ersten Hochkulturen bis zu dem Zeitpunkt wo der Mensch lernt Metalle zu bearbeiten. Die normale Geschichte startet mit der Welt der Antike, geht über die Welt der Bibel zu den Hochkulturen der Neuzeit und endet mit dem Untergang des Römischen Reiches. Bis zum Mittelalter ist es dann nur ein kurzer Sprung und nach diesem geht es weiter zu den Ständen des Reiches, der Welt im Umbruch am Rande der Industriellen Revolution und der Neuzeit mit ihren Weltkriegen. Das Geschichte mit dem heutigen Tage nicht endet weiß jeder der in die Tageszeitung von gestern blickt, Geschichte wird jeden Tag geschrieben. Das Buch bietet in jedem Kapitel kurze Abschnitte zu multiplen Themen und dies jedes Mal sehr informativ, prägnant und unprätentiös in der Darstellung. Leider hat das Buch keine Abbildungen parat, dies ist ein Manko, es wendet sich also an den Intensivleser. Insgesamt gesehne habe ich ein paar Stunden sehr interessiert hin und her geblättert und durch viel Wissenswertes gefunden und gelesen. Die Texte sind frisch und modern geschrieben und das Buch WANN TRANKEN DIE TÜRKEN IHREN KAFFEE VOR WIEN von Wolfgang Seidel hat mit seiner Vielzahl von Kurzkapiteln immer wieder Wissenswertes parat, das schnell gelesen den eigenen Wissensschatz vergrößert oder das bei generellen Wissensdefiziten Abhilfe schafft. Empfehlenswert |
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Gefühlte Opfer: Illusionen der Vergangenheitsbewältigung von Ulrike Jureit, Christian SchneiderGebundene Ausgabe von Klett-CottaAngebote bei Amazon: ab EUR 21,95 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3608946497, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 1. Aufl. |
Eine Kundenrezension:Illusionen deutscher Vedrgangenheitsbewältigung 5 von 5 PunktenMit Mut und analytischer Kraft fasst dieses Buch ein heißes Eisen an, an das viele nach wie vor lieber nicht rühren: an die Widersprüche der deutschen Erinnerungskultur seit den 1960er Jahren, d. h. an ihren moralischen Idealismus, ihre Erstarrung zum Ritual und ihre verborgene Entlastungsfunktion, aber auch an ihr historisches Recht, ihre unhintergehbare Leistung. Dass Ulrike Jureit und Christian Schneider aus einer kritischen, zuweilen polemischen Perspektive über die »Vergangenheitsbewältigung« in diesem Lande schreiben, hindert sie nicht daran, die geschichtliche Notwendigkeit des Kritisierten anzuerkennen, noch wo dieses ihnen aktuell als ein Diskurs entgegentritt, der in sich leer läuft. Das Buch richtet sich gegen einen etablierten politisch-medialen Common sense und dessen akademische Väter und Vorbilder (Mitscherlich, Adorno, Habermas, Assmann). Es lebt von der Geste des »Eingriffs« in die Verhältnisse und betreibt zugleich doch Theoriekritik. Seine These besagt, deutsche Erinnerungskultur sei im Kern »opferidentifiziert« und von einer »starken generationellen Aufladung« gekennzeichnet. Alles hängt davon ab, dass man versteht, was das heißt. Zuerst meint »opferidentifizierte Erinnerungskultur« etwas Positives. Die Hinwendung der »zweiten Generation«, der »68er«, zu den Opfern, die Beschäftigung mit ihrem unermesslichen Leid, war ein historischer Schritt in der »Aufarbeitung der Vergangenheit«. Ohne ihn, betont Ulrike Jureit, wäre es nicht möglich gewesen, das Geschehene als einen »Zivilisationsbruch« auszumachen, den das eigene Volk zu verantworten hat. Dieses Engagement hat sich jedoch zu einem »Identifizierungswunsch mit den Opfern« gesteigert. Sich mit jemandem identifizieren heißt, so sein wollen wie er. Der Wunsch freilich, wie die ermordeten Juden zu sein oder stellvertretend für diese zu sprechen, schließt das Phantasma eigener Unschuld mit ein. So entsteht eine »geliehene Identität«, die kraft Anempfindens an die Unschuldigsten der Unschuldigen sich selbst als unschuldig imaginiert und die Täter absolut aus der Erinnerungsgemeinschaft ausschließen muss. Dass wir uns in Deutschland geliehener Identitäten bedienen, wenn wir den Nationalsozialismus erinnern, kehrt zunehmend diese beiden Grundbedeutungen hervor: Wir, die wir gedenken, sind frei von Schuld. Die Täter gehören nicht zu uns. »An deutschen Gedenkorten bleiben die Unschuldigen unter sich« resümiert Jureit trocken den Festakt zur Einweihung des Berliner Holocaust-Mahnmals: »Sechs Millionen Juden werden [...] nicht als Opfer des von Deutschen verübten Massenmords erinnert, sondern als eigene Tote rituell vereinnahmt.« Für die »zweite Generation« war die Identifikation mit den Opfern ursprünglich eine sinnvolle Möglichkeit, der von den Eltern tradierten Gewaltgeschichte zu begegnen und einer verbreiteten Verleugnungsstrategie entgegen zu treten. Heute ist sie zu einer Pose erstarrt, die mit dem Berliner Mahnmal materiell wie normativ in Beton gegossen scheint - ein Deutungsmonopol, aus ew'gem Stein erbauet. Jureits Kritik gilt nicht dem subversiven Zug des Erinnerns, sondern einer Gedenkkultur, die sich den widersprüchlichen und emotional ambivalenten Anteilen von Erinnerung kaum stellt, vielmehr ein auf Identifikation und Versöhnung ausgerichtetes Gedenken in den Mittelpunkt rückt. Richard von Weizsäckers berühmte und verdienstvolle Rede ist dafür beispielhaft: Indem sie dem säkularen System der Vergangenheitsbearbeitung ein religiöses Heilsversprechen beimischt, gibt sie unterschwellig als Botschaft aus: Wer nur intensiv genug an die deutschen Massenverbrechen erinnert, darf auf Erlösung von der überlieferten Schuld hoffen. Gegen diese Neuauflage römischen Ablasshandels artikulieren Jureit und Schneider gleichsam das reformatorische Nein. Für sie erweist sich der deutsche Erinnerungskult selbst als eine Gestalt des Vergessens. Diese These wäre noch überzeugender, hätte man nicht darauf verzichtet, ihre begrifflichen Prämissen zu analysieren und den vermeintlichen Gegensatz von Erinnern und Vergessen aufzulösen. Christian Schneiders Skizze einer psychoanalytischen Theorie der Trauer ist von einer Art, die Lust auf mehr macht. Mit einer Kritik der Mitscherlichs setzt sie ein. Deren berühmtes Buch Unfähigkeit zu trauern trat 1967 mit dem Anspruch auf, die deutsche Seelenlage nach Hitler auf den psychoanalytischen Begriff zu bringen. Sein Erfolg aber beruhte nicht auf einer Reflexion des Trauerbegriffs, sondern auf einem überschaubaren Deutungsangebot für den Zustand der Nachkriegsrepublik: »Erfolgreich war eine moralisch unterfütterte Parole, die sich in den Mantel einer klinischen Diagnose hüllte.« Schneider zeigt drei Dinge. Erstens verkennt die Ineinssetzung von Trauer und Erinnerung bei den Mitscherlichs den »lytischen«, d. h. Erinnerung auflösenden Sinn von Trauer bei Freud. Trauer ist ein Verhalten im Umgang mit Verlust und Trennung - zumal in der Unterscheidung von Leben und Tod. Zweitens wird mit ihr eine auf den Holocaust in toto nicht anwendbare Kategorie eingeführt und diese damit zugleich metaphorisiert und inflationiert. Gerade dies hat - drittens - damals zu dem gewünschten offiziösen Moralergebnis geführt, ist doch »die Unfähigkeit zu trauern« als Parole sukzessiv zur Basis deutscher Erinnerungskultur geworden. In der Frage, ob Trauer nicht doch eine Rolle bei der »Aufarbeitung« der deutschen Gewaltgeschichte spielen kann, bleibt Schneider am Ende mit den Mitscherlichs solidarisch. Sein Modell von Trauer aber setzt auf die Verendlichung und Individualisierung des Gedenkens und den Unterschied von Existenz und kollektiver Geschichte. Von den vielen interessanten Autoren, mit denen er sich dabei auseinandersetzt, ist Norbert Elias, der im deutschen Vergangenheitsdiskurs bislang überhaupt keine Rolle gespielt hat, eine echte Entdeckung. Das Buch insgesamt ist wichtig. Und verdient eine intensive Diskussion. |
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Illustrierte Griechische Mythologie-Enzyklopädie von Guus HoutzagerGebundene Ausgabe von DörflerAngebote bei Amazon: ab EUR 7,95 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3895554006, Erscheinungsdatum: Sept. 2006, Auflage: 1., Aufl. |
2 Kundenrezensionen:Erstklassiger Überblick 5 von 5 PunktenDiese Enzyklopädie ermöglicht, reich bebildert, einen ausgezeichneten und gut verständlichen Einblick in die griechische Mythologie. Alle wesentlichen Gestalten werden vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt. Hinzu kommt der nahezu unschlagbare Preis. Uneingeschränkt empfehlenswert! Eine super hilfreiche Enzyklopädie! 5 von 5 PunktenWie schon oben erwähnt,eine klasse Enzyklopädie...Da ich mich seit kurzem mit der griechischen Myhtologie beschäftige dachte ich es wäre ganz nützlich mir dieses Buch anzuschaffen.Es hat sich als klasse bewährt. Kann dieses Buch nur weiter empfehlen,alles wird schön erklärt und die Illustrationen sind auch schön gewählt. |
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Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen von Hannah ArendtBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 12,24 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492248225, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 5 |
Aus der Amazon.de-RedaktionDer Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat. Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann. Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler 5 Kundenrezensionen:Eine etwas andere Sichtweise auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik 5 von 5 PunktenDer Prozess gegen Adolf Eichmann (1906-62) steht im Mittelpunkt, nimmt jedoch eine eher untergeordnete Stellung in diesem Buch ein. Der Autorin, Hannah Arendt, geht es vielmehr um eine Darstellung des Holocausts, unter Einbeziehung der Mithilfe der Juden bei ihrer eigenen Vernichtung sowie natürlich Eichmanns Rolle bei selbiger. Hans Mommsen schrieb ein 35-seitiges Vorwort. Es wird bereits zu Beginn klar, dass Arendt gewisse Ressentiments gegenüber dem leitenden Staatsanwalt Gideon Hausner nicht zu unterdrücken vermochte. Sie sieht in ihm eine Marionette des damaligen israelischen Ministerpräsidenten, David Ben Gurion (1886-1973), der den Prozess dazu nutzen will, die Leiden des jüdischen Volks der Welt zu präsentieren (inwiefern damalige Verhandlungen über Reparationszahlungen der BRD an Israel eine Rolle spielten, bleibt unklar). Hausner gibt während des Prozesses Interviews, nimmt Eichmann ins Kreuzverhör, obgleich Eichmann auf jede Frage ohnehin nur mit Lügen antworte, auch wenn es ihm natürlich nicht gelingt, Eichmann diesbezüglich bloß zu stellen. Das Ganze werde der Autorin zufolge besonders dadurch ins lächerliche gezogen, dass die Anklage obgleich anders lautender Dokumente und Zeugenaussagen an der Auffassung festhalte, Eichmann habe nicht Befehle ausgeführt sondern sei sein eigener Chef gewesen, ja gar der eigentliche Drahtzieher des Holocausts [wenn diese Beschreibung auf einen zutrifft, dann auf Reinhard Heydrich]. Dieser Trugschluss sei dadurch zustande gekommen, dass die Angeklagten der Nürnberger Prozesse - von denen übrigens keiner die nationalsozialistische Weltanschauung zu verteidigen bereit gewesen sei - den schwarzen Peter gerne Abwesenden zuschoben sowie Eichmanns Hang zur Prahlerei. Kurzum, der gesamte Prozess sei eine Farce. Einzig die Richter, insbesondere der Gerichtsvorsitzende Landau, hätten versucht, dem entgegenzuwirken. Insgesamt ist dieses Buch sehr lesenswert, auch wenn es teilweise etwas durcheinander ist und die Autorin eine leichte Tendenz hat, die Dinge nur in hellen oder dunklen Farbtönen zu sehen. Auch wenn Hans Mommsen das ein oder andere per Endnote korrigierte, so liefert das Buch doch einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Ereignisse dieser Zeit. Eichmanns Umwertung des kategorischen Imperativs 5 von 5 PunktenIn bestürzender und erschreckender Weise hat Adolf Eichmann Kants katagorischen Imperativ umgewertet und zur Rechtfertigung seiner "Pflichterfüllung" herangezogen. Aber konnte Kant sich in seiner Zeit den Massenmenschen der modernen Gesellschaft vorstellen? Der eigentliche Bruch ist nicht der Nationalsozialismus, sondern der moderne Massenmensch, der seiner persönlichen Verantwortung und Individualität enthoben, zum Verwaltungsmassenmörder werden kann. Das ist meines Erachtens die neue Banalität des Bösen und Eichmann als Person ist dabei austauschbar. Das macht dieses Buch so erschreckend aktuell und löst nicht wieder gut zu machende Bestürzung und Wut aus. Es ist das Bewußtwerden der eigenen Lage. Sehr gut - bis auf das Essay 4 von 5 PunktenDas Werk von Hanna Arendt ist epochal für die deutsche Nachkriegshistorie. Es kann als eine Initialzündung für die Studentenrevolution der 60er Jahre gelten. Der enthaltene Bericht sollte jedoch als ein subjektives historisches Dokument seiner Zeit aufgefaßt werden, denn einige Darstellungen von Hannah Arendt wurden nach dem Prozeß wissenschaftlich widerlegt bzw. tiefergehend untersucht. Herr Mommsen stellt diese Fakten in seinem vorangestellten 36-seitigen Essay dankenswerterweise richtig. Ob dieses jedoch so ausufernd mit seinen persönlichen Wertungen geschehen muss, bleibt das Geheimnis des Verlages. ...you see, we like our Nazis in uniforms. 5 von 5 PunktenEs ist nun schon eine Weile her, dass ich Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" gelesen habe. Zwischen damals und heute liegt Quentin Tarantino's Meisterwerk "Inglourious Basterds", und dies will ich zum Einstieg in meine Rezension nutzen. Ein Kernthema von "Ingourious Basterds" ist die Aussage, dass man Nazis kaum erkennen kann, wenn sie keine Uniformen tragen. Genau das ist auch ein wichtiger Punkt für Hannah Arendt, denn auf Adolf Eichmann hätte im Adenauer-Deutschland ganz bestimmt eine solide Beamtenkarriere gewartet, wenn er sich nicht nach Südamerika abgesetzt hätte. Es ist faszinierend zu lesen, wie Arendt in gewohnter Klarheit den Eindruck beschreibt, den dieser Mann auf sie machte. Eichmann war für sie ein Hanswurst, und ähnlich wie Tarantino's Hans Landa hätte man ihm den skrupellosen Massenmörder schlicht und einfach nicht zugetraut. Wo der von allabendlichen Kinderschreckspektakeln Marke "Hitlers linkes Auge - in Großaufnahme, unterlegt von schrillen Kreischtönen" vorgeprägte Leser einen furchteinflößenden Schlächter erwartet, findet sich ein Typ, wie man ihn auch heute noch in den unterschiedlichsten Varianten trifft und der für manche Kreise sogar eine Art Idealbild darstellt: nüchtern und strebsam, dienstbeflissen und engagiert. Alles Weitere sollte man in diesem Buch nachlesen. Anmerken möchte ich noch, dass auch Arendts Ausführungen zu den unterschiedlichen Abläufen des Holocausts in verschiedenen Regionen Europas eine echte Bereicherung sind. Hier arbeitet sie sehr präzise heraus, dass es kein lineares "Schema F" gab, sondern dass das Verhalten der örtlichen Bevölkerung einen ganz erheblichen Einfluss darauf hatte, ob und wieviele Menschen abtransportiert wurden oder überlebten. Auch das widerspricht auf erfrischende Weise dem allgemeinen Einheitsbrei, den man ansonsten in der multimedialen Aufarbeitung des Holocausts serviert bekommt. Ich habe nun schon einige Bücher von Hannah Arendt gelesen. "Eichmann in Jerusalem" fand ich von allen am besten. Es ist super geschrieben und bringt eine Fülle wichtiger Einsichten haargenau auf den Punkt. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. "Reue ist etwas für kleine Kinder" (97). 5 von 5 Punkten1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht. "Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364). Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse. |
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Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen von Carmen Reinhart, Kenneth RogoffGebundene Ausgabe von FinanzBuch VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 26,90 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3898795640, Erscheinungsdatum: März 2010 |
5 Kundenrezensionen:Warum Finanzkrisen in schöner Regelmäßigkeit wiederkehren 4 von 5 PunktenDie globale Banken- und Finanzkrise mit ihren milliardenschweren Rettungspaketen hat vielen den Atem und manchem den Arbeitsplatz geraubt. Und als der stotternde Weltkonjunkturmotor gerade wieder anzuspringen schien, schaltete die Finanzmarktampel dank Griechenland- und Eurokrise direkt vor der Nase des Bullen wieder auf Rot. Politiker und Notenbanker rannten wie aufgescheuchte Hühner von einem Krisengipfel zum nächsten. Dabei hätte ein Blick auf die jahrhundertealte Geschichte der Finanzkrisen genügt, um beide Katastrophen sicher vorherzusagen - so die BWL-Professoren Reinhart und Rogoff. Die Autoren von Dieses Mal ist alles anders beendeten ihre Analyse Hunderter Statistiken Mitte 2009, als die globalen Aktienmärkte sich gerade erst zu erholen begannen. Sie blickten bereits auf ausufernde Schuldenberge und drohende Staatspleiten, als in Deutschland noch munter abgewrackt wurde und das Staatssäckel schier unerschöpflich schien. Überzeugende Ratschläge zur Vermeidung künftiger Krisen legt das Autorenteam nicht vor, eben weil es von ihrer Unvermeidbarkeit überzeugt ist. getAbstract empfiehlt das Buch allen Geschichtsinteressierten, die sich nicht vom Dieses Mal ist alles anders"-Syndrom einlullen lassen wollen. Die nächste kreditfinanzierte Blase kommt bestimmt. Staatspleiten, selbst verschuldetes Pech und provozierte Finanzmarkt-Pannen 5 von 5 PunktenAuf Basis von Daten mehrerer Jahrhunderte (hierzu existiert ein ausführlicher - nahezu 200 Seiten langer! - Anhang am Ende des Buches sowie eine Vielzahl an Tabellen und Grafiken) haben die Autoren immer wiederkehrende Faktoren und Charakteristika von Staatspleiten herausgearbeitet. Hauptgrund für moderne Staatspleiten ist nach ihrer akribischen Analyse des empirischen Materials eine politisch legitimierte und forcierte Haltung, die erstens den Ernst der Lage falsch einschätzt und zweitens aufgrund egoistischen Kalküls ein Haushalten über die finanziellen Verhältnisse und Möglichkeiten hinaus gutheißt. "Schuldenanhäufung" und "Überschuldung" heißen die unheilvollen Stichworte, die das Ende moderner Finanzhaushalte provozieren - ihnen ließe sich nur dann wirksam gegensteuern, wenn die jeweiligen Akteure (ob Entscheidungsträger oder Investoren) zu realistischen Reaktionen und drastischen Spar-Schritten bereit wären. Die Kapitel dieses Buches beschäftigen sich mit unterschiedlichen Finanz-Krise-Typen (mit besonderem Augenmerk auf die "Staatsschulden-" und "Finanzkrise") und fragen nach der Bedeutung der am BIP gemessenen Auslandsverschuldung bis in die Tage jüngsten Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Analyse Deutschlands und die Frage nach den im Text erarbeiteten institutionellen Schwächen, die nach Meinung der Autoren Schuldenkrisen zur Finanzkrise auswachsen lassen. Vielmehr geht es auch um die Schuldenkrisen anderer Staaten, wobei es den Autoren sehr einleuchtend gelingt, Zyklen, typische Prinzipien und prägnante Muster auf Grundlage von Datenmaterial der letzten 800 Jahre zusammenzustellen, die ihrer Analyse zufolge bestimmten Formen von Verschuldungstypen zugrunde liegen bzw. nationalen wie globalen Krisen vorausgehen. In einer nicht zu überbietenden Ausführlichkeit lassen die Autoren alle erdenklichen Krisenszenarien aus 800 Jahren Finanzgeschichte von 66 Ländern Revue passieren. Dabei widmen sie sich ihrer historischen Einordnung genauso wie dem Vergleich und der Analyse nationaler Besonderheiten. Interessant war für mich vor allem die Analyse der inzwischen viel zitierten Subprime-Krise, ihrer Gründe und der weltweit spürbaren Konsequenzen. Sehr aufschlussreich ist dabei der Versuch, aus der Fülle an Befunden und historischen Datenanalysen Möglichkeiten zu Prognosen und Krisenvoraussagen ("Krisenfrühwarnsysteme") aufzuzeigen und zu fragen, was sich aus der Finanzgeschichte und einem Verlauf von sage und schreibe 800 Jahren für die Gegenwart und die Zukunft lernen lässt. Fazit: Was mit einem Boom beginnt, endet oft in einem Desaster. Dies zu erkennen und wirksam gegenzusteuern, haben die meisten Akteure im Finanzsektor bisher noch nicht gelernt. Dieses Buch ist als indirektes Plädoyer für mehr politischen Realismus zu verstehen, für die Fähigkeit, die Augen auch vor unangenehmen Realitäten nicht zu verschließen und den Mut, unpopuläre Entscheidungen zu vertreten sowie unbequeme Finanz-Regulierungs-Wege zu gehen. Die Analysen der Autoren Reinhart und Rogoff sind die beste Basis, um die unorthodoxe Meinung von der Richtigkeit sinnvollen Sparens und verantwortungsvollen Handelns sinnvoll und mit den besten Argumenten zu unterstützen. Dieses Buch ist sicher ein ehrgeiziges Projekt, das die eigene Zielsetzung in jeder Hinsicht erfüllt. Krisen entstehen durch Überschuldung 4 von 5 PunktenDieses Buch bietet einen Überblick über die Finanzkrisen der letzten acht Jahrhunderte. Zunächst wird erläutert, was unter einer Finanzkrise zu verstehen ist und wie man die einzelnen Formen definieren kann. Hier wird z. B. unter einer Inflationskrise eine jährliche Inflationsrate von mehr als 20 Prozent verstanden. Im Hauptteil des Buches werden folgende Krisen diskutiert: - Inflationskrisen - Schuldenkrisen - Bankenkrisen - Währungskrisen Der gemeinsame Nenner der Krisen ist, dass sie durch zu hohe Verschuldung (insbesondere Staatsverschuldung) ausgelöst werden. So kann z. B. ein übermäßiger Kapitalzufluss aus dem Ausland die Kreditzinsen senken, was zu höherer Verschuldung animiert und so die Inflation anheizt. Manche Krisen können gemeinsam auftreten; häufig bestehen bei Bankenkrisen auch Verschuldungs- oder Inflationskrisen. Bei der öffentlichen Verschuldung muss man zwischen inländischer (in einheimischer Währung und nach einheimischem Recht) und ausländischer unterscheiden. Die Staaten verschleiern gern ihre Verschuldung (vor allem die inländische). Das kann dazu führen, dass auch bei scheinbar soliden (da nicht im Ausland verschuldeten) Staaten eine Schuldenkrise ausbricht. Danach werden die Symptome älterer Krisen (vor allem die der Weltwirtschaftskrise) mit denen der aktuellen Finanzkrise verglichen. Für die nähere Zukunft ist demnach noch ein starker Anstieg der Staatsverschuldung zu erwarten. Auch bei dieser Krise hieß das Motto für die starke Verschuldung und das Übersehen der Risiken wieder: "Dieses Mal ist alles anders". Ähnliche Irrtümer gab es vor der Weltwirtschaftskrise auch. Es passieren aber immer die gleichen Fehler. Was kann man aus der Geschichte der Finanzkrisen lernen? Leider sind bei den einzelnen Symptomen Ursache und Wirkung nicht bekannt. Man kann nur einen ungefähren Verlauf für Bankenkrisen angeben, sodass weitere Forschungsarbeit notwendig ist. Da das Hautproblem in der Verschuldung liegt, ist in diesem Punkt mehr Transparenz notwendig. Die Staaten sollten ihre Schulden an eine zentrale Behörde melden und die Wirtschaftspolitik besser aufeinander abstimmen. Mir hat das Buch teilweise gut gefallen. Die Daten zu den einzelnen Krisen werden jeweils in Tabellen oder Diagrammen aufbereitet (eine Historie der Zinsen fehlt leider). Jedoch muss man beachten, dass man aus den Daten keine Wirkungszusammenhänge ableiten kann. Eine sinnvolle Konjunkturtheorie wird weder angestrebt noch diskutiert. Die verstreuten Hinweise auf die Geldpolitik, der Verlauf von Aktienkursen und Immobilienpreisen während einer Krise sowie das ausführlich diskutierte "Problem der Fristenkongruenz" der Geschäftsbanken (Fragilität des Finanzsystems durch Finanzierung langfristiger Verbindlichkeiten mit kurzfristigen Einlagen) können jedoch als Bestätigung der "österreichischen" Konjunkturtheorie diesen: Krisen werden durch die Geldpolitik der staatlichen Zentralbanken ausgelöst und durch die Geschäftsbanken verstärkt. Das Buch löst also keine theoretischen Fragen, liefert aber viel historisches Material. (Hinweis: Ich habe die amerikanische Originalausgabe "This Time Is Different" gelesen.) Für Volkswirtschaftler geschrieben 3 von 5 PunktenDas Buch beruht auf einer sehr umfangreichen Auswertung von historischen Daten. In den ersten Kapiteln werden nacheinander Auslandsschulden-, Inlandsschulden- sowie Bank- und Inflationskrisen analysiert, wobei die Darstellung länderbezogen erfolgt. Am Ende wird dann noch die derzeitige Finanzkrise behandelt. Man merkt dem Buch durchgängig an, dass es von Wissenschaftlern geschrieben wurde. Die Materie wird durchgängig zwar sachlich aber sehr trocken und ausschweifend dargestellt. Selbst wenn man Statistiken mag, wird man von der Detailverliebtheit der Autoren regelrecht erschlagen. Die zusammengefasste Bucherkenntnis beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass Staaten mehr ausgeben als einnehmen und entsprechende Finanzkrisen daher eher der Normalfall als die Ausnahme sind. Da Staaten aber nicht wie insolvente Unternehmen liquidiert werden können, sind sie jedoch auch nie das Ende der Welt bzw. das Ende des betroffenen Staates. Fazit: Ein potenzieller Leser sollte sich darüber bewusst sein, dass man keinen Erkenntnisgewinn in Hinblick darauf erhält, wie man als "Bürger" am besten mit einer Finanzkriese umgeht. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Zielgruppe sich auf Personen in Wissenschaft und Forschung beschränkt, welche bereits über ein volkswirtschaftliches Studium oder einen vergleichbaren Kenntnisstand verfügen. Viel Statistik, wenig Erklärung 4 von 5 PunktenDie beiden Autoren müssen sich für dieses Buch durch eine schier unendliche Menge an Zahlenmaterial gearbeitet haben. Diese Menge wurde dann soweit verdichtet und analysiert, dass man einen Überblick darüber bekommen konnte. Hauptsächlich betreiben die Autoren mit dem Material statistische Analysen verschiedener Art zum Thema Finanzkrisen. Dazu definieren sie zuerst die von ihnen betrachteten Typen von Krisen (Inflations-, Schulden-, Banken- und Währungskrisen), beschreiben was man darunter wirtschaftlich genau verstehen muss und vor allem an welchen Kenngrößen man diese Krisen festmachen und erkennen kann. Bei ihren Definitionen halten sie sich an das, was in ihrem Fachgebiet üblich ist. So wird z.B. eine Inflation erst ab einer Höhe von 20% als Krise angenommen, ein Wert, vor dem der "Mann auf der Straße" in Deutschland sicher erschrecken würde. Diese Krisentypen werden dann über eine Vielzahl von Fällen und alle großen Regionen der Erde betrachtet. Durch den Blick auf die komplette Welt und auf mehrere Jahrhunderte erkennt man erst, wie häufig Krisen tatsächlich schon aufgetreten sind. Und eben weil es schon so viele gab, können die Autoren auch charakteristische Verläufe herausarbeiten und diese darstellen. Gegen Ende des Buches kommt der aktuellste Teil zur Entstehung der Wirtschaftskrise seit 2007 und den möglichen Folgen. Diese Krise wird unter anderem dazu benutzt, um klar zu machen, was eine globale von einer regionalen Krise unterscheidet. Der Rezensent Dr. Manthey hat den Inhalt der Kapitel sehr schön ausführlich dargestellt und auch ein im wesentlichen passendes Fazit geschrieben. Für jeden, der sich für Wirtschaft und öffentliche Finanzen interessiert, dürfte dieses Buch sehr wertvolle Erkenntnisse liefern. Aufgrund der enormen Datenfülle, die die Autoren verwendet haben, ist es erstmals möglich, Muster und Gemeinsamkeiten zu erkennen. Erst dann wird wirklich klar, warum der Titel nur ironisch gemeint sein kann, denn natürlich ist dieses Mal nicht alles anders, sondern vieles wiederholt sich immer wieder. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Je weiter ich im Buch fortgeschritten war, desto mehr fielen mir Wiederholungen von Aussagen auf. Jedes Kapitel beginnt mit einer ausführlichen Darstellung der Zielsetzung des Kapitels und endet mit einer Zusammenfassung. Auch hier immer wieder Doppelungen, zwischen denen die einzelnen Abschnitte mit ihren eigentlichen Aussagen oft ein wenig untergehen. Den Nutzwert des Anhangs kann man auch bezweifeln, da er keine tatsächlichen Daten auflistet, sondern nur eine Aneinanderreihung der verwendeten Quellen für jede einzelne betrachtete Krise darstellt. Das hätte man wesentlich kürzer darstellen können, wodurch das Buch auch 300 Seiten dünner gewesen wäre, ohne an Aussagekraft zu verlieren. Meiner Ansicht nach muss man betonen, dass die Autoren eine Datensammlung und -zusammenfassung geliefert haben. Sie versuchen nicht zu erklären, warum bestimmte Entwicklungen eintreten. Sie deuten nur mögliche Abhängigkeiten an. Andere Rezensenten haben die wichtigste Aussage des Buches in der Kritik an staatlicher Verschuldung gesehen. Genauso finden sich im Buch aber auch die Aussagen, dass Krisen durch Finanzliberalisierung und mangelnde staatliche Kontrollen entstehen oder dass die größten Probleme der Krisen die langfristigen staatlichen Einnahmeausfälle sind, die eine bestehende Verschuldung über ein tragbares Maß hinaus verschlimmern. Eine eindeutige Position zu Gründen von Wirtschaftskrisen konnte ich diesem Buch nicht entnehmen. Der Fokus des Buches liegt so deutlich auf der Analyse wirtschaftlicher Kennzahlen, dass durch das ganze Buch hinweg die Verbindung mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen sehr schwach bleibt. Das sollte jedoch dringend mit den Erkenntnissen geschehen, denn da es um größere Wirtschaftsbereiche und Staatsfinanzen geht, spielen politische Entscheidungen hier immer eine Rolle. Die Auswirkungen der beiden Weltkriege, des kalten Krieges und des Zusammenbruchs der Sowjetunion könnten sicher einige der hier beschriebenen Krisenereignisse erklären. Im Buch wird z.B. die wirtschaftliche Situation Japans 1945 als Krise beschrieben, ohne auf den gerade verlorenen Krieg einzugehen. Als Schluss muss ich nur noch etwas zu den im Untertitel erwähnten 800 Jahren sagen. Die habe ich persönlich nur in den absoluten Ausnahmen gefunden, wo die Betrachtungen bis ca. 1300 zurück gehen. In seltenen Fällen beschäftigt sich das Buch mit Ereignissen ab 1500, der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Zeit ab 1750/1800. Damit beschränken sich die Aussagen der Autoren auf die Zeit, in der unser heutiges Wirtschaftssystem bereits sehr weit entwickelt war. |
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Die klassische Welt: Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian von Robin Lane FoxGebundene Ausgabe von Klett-CottaAngebote bei Amazon: ab EUR 29,00 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3608944672, Erscheinungsdatum: August 2010, Auflage: 3., Aufl. |
3 Kundenrezensionen:Gesamtüberblick der klassischen Welt 4 von 5 PunktenLane Fox hat sich der Herausforderung gestellt eine Gesamtgeschichte der klassischen Welt zu schreiben, wobei er die Griechen und den Machtübergang zu den Römern kombiniert. Der behandelte Zeitraum verläuft vom 7. Jahrhundert vor Christus bis zum 2. Jahrhundert nach Christus. In jeweils einzelnen Kapiteln arbeitet er sich chronologisch nach vorne, wobei politische, kulturelle und soziale Aspekte beleuchtet werden. Das Buch bildet eine gute Zusammenfassung dieser Epochen und ist bestens geeignet sein eigenes Wissen über diese Zeit aufzufrischen oder zu ergänzen. Leser, welche die griechische und römische Geschichte neu entdecken würde ich aber eher zu Büchern raten, welche die einzelnen Epochen eingrenzender behandeln, und erst in einem zweiten Schritt zu diesem Buch greifen. Sehr gut lesbare Einführung 5 von 5 PunktenIch habe vor zwei Jahren angefangen, Latein zu lernen. Ich ahnte ja nicht, welche weitreichenden Auswirkungen das zur Folge hat! Es blieb nämlich nicht beim bloßen Spracherwerb, sondern plötzlich wurden mir auch Themen wichtig, die ich bisher eher vernachlässigt hatte. Zum Beispiel die griechische Mythologie, aber auch die griechische und römische Geschichte. Für letzteres ist es schwer, geeignete Darstellungen zu finden, die umfassend, aber nicht trocken geschrieben sind. Zum Glück ist gerade ein Buch erschienen, das diese Kriterien erfüllt und bei mir zu einigen Aha-Erlebnissen geführt hat. Robin Lane Fox hat ein umfangreiches Werk vorgelegt, das sehr gut meine vorhandenen Wissenslücken geschlossen hat und dabei glänzend geschrieben ist. Die griechische und die römische Zivilisation bilden die zwei Stränge dieses Buches, dessen Kapiteleinteilung so übersichtlich ist, dass man es nach dem Durchlesen auch als Nachschlagewerk nutzen kann. Fox stellt die klassische Welt nicht nur dar, er erzählt von ihr, ausgehend von Hadrian, der die klassische Welt ausgiebig bereist hat. Fox versetzt sich in Hadrian hinein und beschreibt, wie dieser die Geschehnisse der 900 Jahre vor seiner Machtergreifung beurteilt hätte. Deshalb liest sich das Buch fast wie ein Roman. Statt lediglich die Ereignisse chronologisch aufzuzählen, konzentriert Fox sich auf die wechselnden Machtbeziehungen und darauf, wie diese durch Ereignisse einschneidend verändert werden und wie sich damit auch Bedeutung und Zusammenhang der Themen und Fragestellungen ändern. Drei Themen und ihre durch die Zeiten unterschiedliche Bedeutungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch: Freiheit, Gerechtigkeit und Luxus. Alle drei Begriffe werden nicht nur in den griechischen und römischen Zivilisationen, sondern auch in modernen Zeiten immer wieder anders definiert. Aus den veränderten Konnotationen dieser Begriffe lässt sich viel über die Gesellschaftsstruktur der jeweiligen Zeit ablesen. In diese Erzählstränge eingestreut sind Informationen über die Entwicklung von Kunst, Militärstrategien, Geschlechterverhältnissen, Sklaverei, Homosexualität, Religion und Philosophie. Positiv anmerken möchte ich auch die (für mich immer sehr wichtige) Ausstattung des Buches: Gutes Papier, angenehmes Schriftbild, Lesebändchen, Fototafeln, Kartenmaterial und ein 90seitiger (!) Anhang, der es leicht macht, die Gesichtspunkte, die man besonders interessant findet, weiter zu vertiefen. Ich kann das Buch also allen, die sich mit den geschichtlichen Grundlagen unserer Kultur beschäftigen möchten, nur empfehlen. Für diejenigen, die Latein und/oder Altgriechisch lernen, ist dieses Buch ein besonderer Gewinn. Geschichte - meisterhaft präsentiert 5 von 5 Punkten"Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian" kündigt der Verlag an. Ich habe das Buch gelesen und bin begeistert. Sicher werden Studenten sich mit den Massen von Fachwissen im Buch abschindern dürfen, wenn man aber diesen Druck des lernen müssens nicht im Nacken verspürt, dann ist dieses Buch eine spannende Lektüre und Spaziergang durch 1000 Jahre Geschichte zugleich. Dieses Buch hat so ziemlich nichts lehrmeisterliches an sich. Es betrachtet sehr übersichtlich 1000 Jahre, porträtiert wichtige Gestalten der Geschichte und beschreibt den Alltag der einfachen Menschen, aber auch der gehobenen Gesellschaft. Sehr gut wird die römische und die griechische Welt beschrieben. Mal geht es in ganz spezielle Themen wie Sklaverei und Religion, aber auch Militär und Kunst hinein und doch darf sich der Leser vertrauensvoll des gelehrten Autors anvertrauen, er behält den Überblick über das Ganze und verzettelt sich nirgends. Dieses Buch kommt sehr sympathisch rüber. Dazu gehört das rote Lesebändchen, zahlreiche Fotos und Karten und der sehr umfangreiche Anhang, der Möglichkeiten zur weiteren Vertiefung einzelner behandelter Themen anbietet. Wenn man Geschichte erzählerisch so gut präsentiert bekommt, macht es Spaß sich mit ihr zu beschäftigen. Warum lassen sich die Fachleute nur so selten zu solchen Büchern hinreißen ? Nehmen sie sich nicht die Zeit oder haben Sie sie nicht ? |
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Who's who in der antiken Mythologie von Gerhard FinkTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 3,84 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423325348, Erscheinungsdatum: Mai 1998, Auflage: 12 |
Aus der Amazon.de-RedaktionGerhard Fink hat mit seinem Who's Who in der antiken Mythologie ein ausführliches und gut verständliches und übersichtliches Lexikon zusammengestellt. Fink beschränkt sich nicht etwa auf die bekannteren Vertreter der antiken, sprich griechisch-römischen Mythologie, wie Zeus/Jupiter oder dessen Heldensohn Herakles -- nein, der Autor hat auch die unbekannteren, fast vergessenen Gestalten aufgenommen. Wer weiß heute schon noch, wer beispielsweise Hersilia oder Klio waren? Doch nicht nur die überraschende Menge der aufgeführten Namen, auch die Ausführlichkeit der vom Autor sicher oft mühsam recherchierten Details überrascht. Zu beinahe jedem der erwähnten Helden oder Götter gibt er eine Kurzfassung der zugehörigen antiken Sagen und Werke, meist sogar unter Angabe der Seiten- oder Verszahl. In vielen Fällen erwähnt er auch die bekannteren Kunstwerke, die den jeweiligen Helden darstellen. Fink erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wenn es um die Aufzählung der Quellen und Kunstwerke geht. Ganz im Gegenteil -- in seinem Vorwort betont er, daß er sich nur auf die jeweils noch geläufigen Darstellungen bezieht. Das macht das Werk für den interessierten Laien ausführlich genug, ohne an Übersichtlichkeit zu verlieren; für den Spezialisten ist es jedoch sicherlich nicht genügend differenziert. Eine große Hilfe -- vor allem bei mehrseitigen Beiträgen -- ist auch, daß der Autor das jeweils behandelte Stichwort am oberen Seitenrand, wie in einem Wörterbuch, bis zu dessen Ende beibehält. Auch der Anhang des Buches, mit Abstammungstafeln der wichtigsten Götter- und Königsgeschlechter -- allein die Aufzählung von Zeus' Kindern beansprucht eine halbe Seite -- sowie Karten des antiken Griechenland und Kleinasiens, verhilft dem Leser zu einem besseren Durchblick in der antiken Mythologie. Dieses Lexikon sollte sich eigentlich jeder, der sich für die antike Mythologie interessiert, zulegen. Besonders empfohlen sei es aber Schülern, vor allem natürlich den Lateinern, denn es erleichtert das Verständnis lateinischer Texte ungemein, wenn man etwas über den jeweiligen Hintergrund der Hauptfigur weiß. --Jörn Polhammer 5 Kundenrezensionen:Lexikon zu Figuren und Taten aus Sagen und Erzählungen. 5 von 5 PunktenLange Zeit ist vergangen, seit die Griechen und Römer ihr Netz aus Sagen und Mythen gesponnen haben. Unzählige Geschichten erzählen von Göttern, Halbgöttern, Monstern und Menschen, von Verrat und Freundschaft, Mut und Feigheit, ehrenvollen Taten und hinterhältigen Morden. Das ganze Spektrum menschlicher Fehler und Fähigkeiten stellten diese Geschichten dar und verknüpften sie mit der bestehenden religiösen Vorstellung. Noch heute sind viele Begriffe aus dieser Zeit präsent: Die "Sisyphusarbeit", die "Odyssee" oder "becircen". Autor Gerhard Fink stellt in seinem Lexikon "Who's who in der antiken Mythologie" rund 800 Figuren, alle wichtigen Personen, Götter und Kreaturen, vor, macht Zusammenhänge klar und erschafft ein komplettes Bild von der Erzählkunst der antiken Dichter. Dabei erhebt er keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern hebt die wichtigsten Aspekte hervor und zeigt die bedeutendsten Kunstwerke auf. Seine Begriffe sind alphabetisch geordnet und in ihrer Komplexität dem jeweiligen Thema angemessen. So umfasst der Eintrag zu "Zeus" zwei Seiten und die Geschichte von berühmten griechischen Helden wie "Achilleus" oder "Odysseus" sind ähnlich umfangreich erläutert. Das ist aber auch nötig, um allen Aspekten der einzelnen Personen gerecht zu werden und auch Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ereignissen und Persönlichkeiten aufzuzeigen. Doch nicht nur als Lexikon lässt sich das Buch "Who's who in der antiken Mythologie" nutzen. Dank der Ausführlichkeit der Texte ist es auch eine spannende Lektüre. Wichtige Informationen, die unter anderen Stichwörtern abgedruckt sind, sind gut gekennzeichnet. Der Leser wird um das eine oder andere Nachschlagen nicht herum kommen, wenn er das ganze Gefüge erkennen und verstehen möchte. An einigen Stellen zitiert der Verfasser aus den Übersetzungen der antiken Vorlagen und möchte so "dem Leser den raschen Zugriff zu einer guten Übersetzung oder gar zum Originaltext ermöglichen." Illustriert ist "Who's who in der antiken Mythologie" mit mehr als 80 Bildern, die die Werke von Künstlern aus allen Epochen zeigen, die sich mit diesen Themen befassten. Die Abbildungen der ältesten Stücke zeigen Reliefs, Vasen und Skulpturen, die meistens Helden, Götter oder wichtige Kämpfe darstellen. Durch alle kunsthistorischen Epochen ziehen sich die Darstellungen, die Künstler auf Leinwand bannten und die in diesem Lexikon zu sehen sind. Auch hier stehen die mythologischen Gestalten und Taten im Mittelpunkt, wie zum Beispiel bei Sandro Botticellis Gemälde "Pallas Athene und der Kentaur". Diese Art der Bebilderung veranschaulicht sehr schön die dauerhafte Beeinflussung der Kunst durch diese Themen und gibt dem Betrachter eine Vorstellung, wie die Personen ausgesehen haben könnten. Im Anhang findet der Leser Stammtafeln der Götter und wichtiger Herrscherfamilien, die dazu beitragen, dass die oftmals verworrenen Verwandtschaftsverhältnisse besser durchschaut werden. Zwei Karten von Griechenland und Kleinasien bieten auch den geographischen Zusammenhang und das Kapitel "Lesehinweise" verweist auf Quellen, aus denen zitiert wurde. "Who's who in der antiken Mythologie" ist ein sehr umfangreiches und schön gestaltetes Lexikon, das dem Leser äußerst übersichtlich und schnell alle relevanten Informationen zu einem Thema vermittelt. Wer sich für die griechische Mythologie interessiert, wird an diesem Nachschlagewerk nicht vorbei kommen! Gutes Nachschlagewerk aber sonst... 3 von 5 PunktenSicher ist das Buch ein gut gegliedertes Lexikon the antiken Mythologie in dem man in kurzer Zeit Informationen über bestimmte Götter/Helden etc. erfahren kann. Aber wer Spannung und ein wenig Unterhaltung erwartet, ist hier fehl am Platze.So wie die Mythen hier geboten werden, wirken sie langweilig, trocken und dröge, was sie jedoch keineswegs sind und sie sollten auch nicht so dargestellt werden. Gerade Mythen bieten so unendlich viel Stoff, dass sie es wert sind, als Erzählung gelesen zu werden. Wem die Homer-Epen diesbezüglich zu kompliziert sind, kann immer noch auf das reichhaltige Angbot neuerer Werke zurückgreifen. Reißfester Ariadnefaden (nicht nur) für die Antike 5 von 5 PunktenGerhard Finks ca. 800 Stichwörter umfassendes, alphabetisch angeordnetes "Who's Who der antiken Mythologie" ist immer dann gut und brauchbar, wenn man den Überblick über Verwandtschaftsverhältnisse, Scharmützel und andere Interna auf dem und unter dem Olymp verloren hat -- und den verliert man bekanntlich schnell. Herakles, Odysseus oder Apoll kann man ja wenigstens grob "zuordnen", wenn einem die Namen unterkommen -- aber was oder wer waren die Kureten? Wer war Orthos, wer Tanaquil, wer Berenike? -- Diese Namen habe ich durch das Aufschlagen beliebiger Seiten in diesem "Who's Who" gefunden. Und man glaube ja nicht, man werde diesen Namen sonst nirgendwo und niemals mehr begegnen! Ob man Ovids "Metamorphosen" liest, Goethes "Iphigenie", Giraudoux' "Kein Krieg in Troja" oder auch Ransmayrs "Letzte Welt" (oder-oder-oder), ob man vor einem beliebigen antiken Tempelgiebel oder -fries steht, ob man im Trubel von "Illias" und "Odyssee" ein wenig die Übersicht verloren hat, oder ob einem in einer beliebigen Gemäldegalerie die antike Mythologie in vielerlei Gestalt vor Augen steht -- oft weiß Fink Rat, und für solche Fälle wie die gerade genannten ist seine Information gut und ausreichend -- oft will man's ja gar nicht bis ins letzte Detail wissen, und muss es auch nicht. Die einzelnen Artikel sind gut geschrieben, mitunter sogar amüsant (und damit ihrem Objekt durchaus angemessen), und die Lektüre erfordert keine speziellen Vorkenntnisse; damit empfiehlt sich das Buch auch für Schüler. Das soll aber nicht heißen, dass sein Inhalt für weitergehende Ansprüche zu trivial sei. Hilfreich sind auch Stammtafeln und Lektüreempfehlungen im Anhang; noch hilfreicher wäre allerdings ein Register... Wer detailiertere Informationen braucht, etwa für wissenschaftliche Arbeiten, Referate u.ä., sollte natürlich zu den umfangreicheren und auch exakteren Werken z.B. von Karl Kerényi oder, noch besser und noch empfehlenswerter, Robert v. Ranke-Graves greifen. Aber das ist eine andere Gewichtsklasse. Was Finks Buch positiv von vergleichbaren Darstellungen seiner eigenen Preisklasse abhebt: Es geht bei den einzelnen Stichwörtern auch auf die Bedeutung einer antiken Gestalt oder eines Motivs für Malerei, Bildhauerei, Literatur, Bühne oder Oper ein -- und hier belässt es Fink nicht nur mit solchen Standards wie Joyces "Ulysses" oder Botticellis "Venus". Seine Zusammenstellungen sind wahre Fundgruben; allein die Aufzählung (jeweils mit kurzer Beschreibung!) derjenigen Werke, die sich mit der Gestalt des Odysseus befassen, nimmt fast zwei Seiten ein! Vergleichbares gilt natürlich für Orpheus, Sisyphos, Atlas, Ganymedes und viele andere, weniger oder kaum Bekanntes eingeschlossen. Und damit empfiehlt sich dieses "Who's Who" nicht nur fürs Auffüllen historischer oder philosophischer Bildungslücken, sondern auch und vor allem für literarisch, musikalisch und/oder kunstgeschichtlich Interessierte. Lesenswertes Nachschlagewerk 5 von 5 PunktenVon all den Büchern, die - in schöner Aufmachung - als Überblick über die griechische Mythologie zu erhalten sind, ist dies m.E. eines der besten. Alphabetisch versteht es sich zuallererst als Lexikon, die Artikel zu den einzelnen Figuren sind aber so ansprechend geschrieben, dass man ohne weiteres auch einfach "Schmökern" kann. Besonders gut gefällt (gerade auch im Vergleich mit anderen Nachschlagewerken),dass neben einer Zusammenfassung der Sagen (gegebenenfalls auch der unterschiedlichen Überlieferungen) detailliert auf die Quellen und auf die Rezeptionsgeschichte der jeweiligen Mythen eingegangen wird. So befinden sich genaue Quellenangaben bei jedem Artikel, die das Weiterlesen in den antiken und modernen Texten ans Herz legen und auch die Kunstgeschichte nicht aussparen. Ein wirklich sehr schönes Nachschlagewerk - wenn man sich nur eines zu antiken Mythologie kaufen möchte, dann sollte es dieses sein. gutes Übersichtswerk 5 von 5 Punkten"Who`s who in der antiken Mythologie" ist ein wirklich gutes Buch um sich einen Überblick über die zahlreichen antiken Götter und Mythengestalten zu verschaffen. Wenn man sich nicht so gut auskennt, findet man sich schnell stundenlang Begriffe aus der Personenbeschreibung nachschlagen, mit der man sich ursprünglich "nur kurz" befassen wollte, dabei stößt man dann auf noch mehr interessante und spannende Dinge zum Nachschlagen... und so sollte es ja auch sein :-) |
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Was bisher geschah: Eine kleine Weltgeschichte von Loel ZweckerGebundene Ausgabe von Pantheon VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 14,99 ISBN: 357055127X, Erscheinungsdatum: August 2010 |
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Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl von Christian ZentnerTaschenbuch von ListAngebote bei Amazon: ab EUR 13,39 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3471665536, Erscheinungsdatum: 1974 |
5 Kundenrezensionen:Kommentierte Ausgabe "Mein Kampf" 4 von 5 PunktenIch habe das Buch gelesen (= nicht studiert), kann also nur meinen Eindruck wiedergeben, keine fachlich kompetente Rezension. Gut fand ich, daß immer wieder Aussagen im Original mit Bewertung, Tatsachenbericht, Kommentar versehen wurden. Denn oft macht H. Aussagen, die man aus heutigem Wissenstand - wenn man kein Historiker ist - nicht überprüfen kann. Wichtig auch die Darlegung an Beispielen, daß alles, was später realisiert wurde, im Buch schon angedeutet oder gar "prophezeit" wurde, man hätte es also kommen sehen können... Eine andere Art, das Original zu studieren kann ich mir als Nichtfachmann nicht vorstellen, weil eben das Hintergrundwissen fehlt. Insofern: Gut und wichtig für alle, die sich für die Zeit interessieren, aber nicht die Zeit und Energie haben, sich detailliert einzuarbeiten. info zur rechtslage 5 von 5 PunktenIch möchte an dieser Stelle nicht auf das Buch als solches eingehen, sondern auf einen Fehler in den anderen Rezensionen hinweisen: "Mein Kampf" ist in der BRD nicht verboten. Der Besitz des Buches ist ebenso legal wie der Verkauf einzelner antiquarischer Exemplare. Verboten ist lediglich der unkommentierte Nachdruck und Raubkopien, wie zum Beispiel pdfs des Oroginaldokuments im Internet. Gegen Nachdrucke und Raubkopien geht der Freistaat Bayern als Träger des Urheberrechtes juristisch vor. Der Mythos "Mein Kampf" sei in der BRD verboten bzw. zensiert wird hauptsächlich von der extremen Rechten geschürt. Ziel ist es, die BRD als undemokratischen Zensurstaat zu diskreditieren. Ich persönlich rate dennoch zur Lektüre der kommentierten Ausgaben, da sie den Text in einen breiteren Kontext stellen und Hintergrundinformationen liefern. Beurteilt man "Mein Kampf" als von der historischen Bedeutung entkoppelten Text, ist er tatsächlich sehr müßig. Zentner öffnet die Augen, wo man sonst darüberlesen würde 5 von 5 PunktenErstaunlich, wie genau Hitler seine Vorstellung von Erziehung, Schule, Propaganda, von Rassenreinheit, Judenhass und Lebensraum im Osten dargelegt hat. Wie er seine eigene Jugend und frühe Adoleszenz verbrämt hat und in seiner eigenen Biographie gelogen hat. Die Originalzitate aus "Mein Kampf" sind allerdings auf Dauer schwer zu lesen, nach einigen Seiten hat man genug von Rassenreinheit, völkischer Einheit und Deutschtum. Was heute - Gott seis gedankt - niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholt (ich wills zumindest hoffen!), war damals ein echter Renner. Wie war das Denken der Menschen damals, jener, die solches von sich gaben in der Überzeugung, damit zum Ziel zu kommen und jene, bei denen sie damit tatsächlich zum Ziel kamen? Erschütternd die Beispiele, in denen Zentner zum Schluss des Buches Hitlers Vorhaben aus "Mein Kampf" den tatsächlichen Geschehnissen gegenüberstellt: nicht nur der Kriegsbeginn und der Weg dorthin, sondern und vor allem die Judenvernich-tung, die "Endlösung", die er anhand zweier Augenzeugenberichte menschlich berührend und gleichzeitig entsetzlich bestialisch darstellt. Dieses Buch zu lesen, war alles andere als ein Vergnügen, aber es war notwendig, es zu tun. Christian Zentner ist ein sehr kompetenter Führer durch diese Materie. Gerne fünf Sterne. Adolfnazi im Original - stark gekürzt und sinnvoll kommentiert 5 von 5 PunktenSoll man "Mein Kampf" komplett frei verfügbar machen? Wird das "Gift" dann nicht wieder wirken? Doch was ist mit der Meinungsfreiheit, und haben die Demokratie und Völkerfreundschaft nicht sowieso die ganz klar besseren Argumente, allem nationalistischem Gekrähe zum Trotz? Eine schwere Frage. Christian Zentner ist sie 1974 mit dem Mittelweg dieser stark durchkommentierten und gekürzten Ausgabe angegangen, was damals auch deutliche Kritik auslöste. 2015 laufen, heißt es, die vom Freistaat Bayern gehaltenen Urheberrechte aus. Wer bis dahin nicht warten möchte, um sich ein eigenes Bild zu machen, hat einige Möglichkeiten: Augenschmerzen beim Lesen irgendwo im Netz, womöglich in einer obskuren Übersetzung; den "Giftschrank" einer wissenschaftlichen Bibliothek als sachlich Interessierter; Flohmarkt unterm Ladentisch ... oder, und das wäre meine ausschließliche Empfehlung, ebendiese Ausgabe. ((Ein Historiker natürlich wäre gehalten, immer selbst das Original einer Quelle zu lesen. "Autopsieprinzip" nennt sich das. Daher ist selbst diese Ausgabe für wissenschaftliche Arbeiten bestenfalls ein Einstieg, doch auch schon ein guter.)) "Mein Kampf" wird man jedoch gerade als Nichthistoriker leider nur mit einordnender Kommentierung verstehen. Hitler schrieb es nach seinem völlig gescheiterten Münchner Feldherrnhallen-Pütschlein in bequemer Festungshaft 1924 nieder. "Mein Kampf" erschien 1925/26 auf rund 800 Seiten. Hitler spielt an, klaut Gedanken, belegt nichts, vor allem: behauptet einfach dreist völlig Absurdes. Wer da nicht mit guten Fakten versehen ist, wird bestenfalls nichts vom Lesen haben und die Brisanz nicht verstehen, schlimmstenfalls Hitlers teils haarsträubenden Unfug (sorry, ist so) auch noch glauben. - Das heißt, die Lektüre des Propagandabuchs sollte schon gut vorbereitet sein. - Übrigens: nur für einen Schauder des Verbotenen ist schon das Lesen der bei Zentner abgedruckten Hitler-Passagen eine pure Zeitverschwendung, da diese einfach tumb sind. Christian Zentner hat mit seinem Vater Kurt wie auch alleine zum Nationalsozialismus intensiv geforscht. Er liefert die Einordnung, gibt Daten, weist auf Hitlers lockeren Umgang mit Quellen hin. Seine Kommentare und Zusammenfassungen nehmen damit im Buch schätzungsweise einen größeren Raum ein als das Original. Und das ist auch gut so, damit eben auch etwas verstanden wird. Die Auswahl Zentners zielt nach eigener Aussage darauf ab, neben dem Autobiographischen vor allem die Ankündigungen des Werks anzureißen. Die wurden damals zumeist nicht ernst genommen, sorgten aber durch Krieg und Ermordungen letztlich für rund 55 Mio. Tote. Fazit: wenn überhaupt lesen, dann in einer kommentierten Ausgabe, also dieser hier. Anderes erwartet 2 von 5 PunktenAdolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl Eigentlich wollte ich den Urtext lesen, um mir selbst ein Bild machen zu können. Jeder zitiert "Mein Kampf", aber kaum einer hat es gelesen. Bei diesem Buch sieht der Kommentator alles durch seine Brille, nicht einmal Originalpassagen werden durch Hervorhebungen kenntlich gemacht.Tatsächlich hatte ich etwas anderes erartet. |
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