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Geo Epoche: Europa im Dreißigjährigen Krieg: 29/2008

Broschiert von Gruner + Jahr AG & Co., Druck- und Verlagshaus
Angebote bei Amazon: ab EUR 7,99

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3570197808, Erscheinungsdatum: Februar 2008, Auflage: 1., Aufl.
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5 Kundenrezensionen:

verschafft, schnellen und guten Ueberblick
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Die verschiedenen Berichte geben einen raschen und dennoch reichhaltigen Ueberblick über das Thema. Als Einstieg zu dem Thema super geeignet!
Die europäische Urkatastrophe
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Von 1618 bis 1648 wütete mit kurzen Unterbrechngen ein schrecklicher Krieg in Europa und vor allem in deutschen Landen.Die Folgen reichten bis in das 19.Jhd., denn dieser Krieg bedingte, dass Deutschland die "verspätete" Nation wurde.Sie suchte dann ihren Platz unter den schon länger existierenden Nationalstaaten, die es umgaben. Die Folgen sind weithin bekannt.

Der Krieg hinterließ ein zerstörtes, ruiniertes Deutschland. Manche Landstriche waren weitesgehend entvölkert, die Verluste zählten nach Hunderttausenden. Dieser Aderlass konnte auch erst sehr viel später wieder ausgeglichen werden und warf die dt. Bevölkerung weit zurück. Auch die Kleinstaaterei mag eine Folge dieses Konfliktes gewesen sein.
Ebenso wurde durch die Annexion Elsaß-Lothringens durch Frankreich die Keimzelle der späteren dt.-franz. Konflikte gelegt.

Geo Epoche versteht es, das Thema abwechslungsreich und fesselnd darzulegen.Dazu sorgt die reichhaltige Bebilderung für ein weiteres Eintauchen des Lesers in die Materie.
Die bedetensten Feldherrn, Wallenstein und Gustav Adolf werden in verschiedenen Essays lebhaft dargestellt.Die wichtigsten Schlachten erfahren eine vorzügliche Schilderung.
Aber auch das Leid der Bevölkerung, die Zerfall der Sitten und die Verrohung des Einzelnen findet statt.

Fazit; diese Ausgabe ist ihr Geld auf jeden Fall wert. Eine wichtige Epoche der europäischen Geschichtsschreibung erfährt eine exakte und fesselnde Darstellung.
Guter Überblick - in mehrere Richtungen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die Weimarer Republik ist vielen Leuten in der Schule als nicht sonderlich zugänglich erschienen und dies wohl auch deswegen, weil in sehr kurzer Zeit sehr viele sehr unterschiedliche Dinge geschehen.

Dieses Heft gibt den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, sich den historischen Ereignissen in ihrer eigenen geschwindigkeit zu nähern und dabei ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen - eine kleine geistesübung, de rman sich durchaus unterziehen sollte um das vielleicht Versäumte oder Vergessene wiede rhervor zu holen.

Neben den rein historischen Betrachtungen werden auch viele kulturelle Momente aufgegriffen, so dass man ein ziemlich breites Spektrum an wichtigen Eindrücken dieser Zeit bekommt. Diese sind zwangsläufig unvollständig - besonders auf dieser geringen Seitenzahl, können aber sicher zum eigenen Weiterstudium reizen.

Sehr zu empfehlen.
Notwendige Schritte auf dem Weg zur Demokratie
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die 27. Ausgabe des Magazins GEO-Epoche behandelt die Zeit von 1919 bis 1933 in Deutschland. Eingehend beschäftigt es sich mit der Bildung der Weimarer Republik und deren ersten Präsidenten Ludwig Ebert. Auch die Anfänge der NSDAP vom missglückten Putsch 1923 bis zur Machtübernahme werden aufgezeigt.

Aber die Weimarer Republik war mehr als die fast monatlich wechselnden Regierungen. Deutschland war damals in einer Aufbruchsstimmung nach dem Kaiserreich. Sehr deutlich wurde das in Berlin. Es wurden neue Theater und Ausstellungen eröffnet, die die Kunst und Kultur widerspiegelten. Die Ausgabe dieses Heftes mit DVD gibt noch ausführlichere Eindrücke darüber preis.

Auch die Wissenschaft hatte in dieser Zeit große Fortschritte. Insgesamt 17 Nobelpreisträger wie Einstein, Bosch oder Planck werden mittels Kurzbiografien vorgestellt. Ein weiteres Kapitel widmet sich der damaligen Kunst, wie sie sich in Gemälden oder Film darstellt. Diese Stimmung wird in bebilderten Reportagen eingefangen. Viele Details wie Plakate, übliche Gebrauchsgegenstände oder Zeitungsausschnitte machen anschaulich, warum letztendlich die Radikalität des allgemeinen Denkens zum politischen Desaster wurde.

Wie gewohnt bietet die GEO-Redaktion mit ungewöhnlichen Bildern einen Einblick, die die Epoche lebendig werden lassen. Das Geschichtsmagazin ist eine schöne Ergänzung der Geschichtsbücher, um Abschnitte partiell zu vertiefen. Dieses Heft setzt die bereits erschienenen Nummer 12 Deutschland um 1900" und Nummer 14 Der erste Weltkrieg" fort.
" Die Jungfraun sind geschänd`t, und wo wir hin nur schaun,
5 Punkte 5 von 5 Punkten
ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret." ( Gryphius)

Der Dreißigjährige Krieg war ein europäischer Religions- und Staatskonflikt, der zwischen 1618-48 ausgetragen wurde.
Geo Epoche Nr. 29 befasst sich ausführlich mit den Ursachen und den Auswirkungen dieses verheerenden Krieges, der Verderben und millionenfachen Tod brachte.
Neben vielen hochinteressanten Beiträgen zu diesem Thema wartet das Heft mit einer Fülle von Bildern auf, die die Zeit und die Ereignisse vortrefflich visualisieren.
Dr. Anja Herold stellt in ihrem Beitrag gleich zu Beginn des Magazins die Phasen des Dreißigjährigen Krieges dar, beginnend mit dem Prager Fenstersturz von 1618, weiterführend mit dem Böhmischen Aufstand und Böhmisch-Pfälzischen Krieg zwischen 1618-1623, dem Dänisch-Niedersächsischen Krieg zwischen 1625-29, dem Schwedischen Krieg zwischen 1630-35, dem Schwedisch-Französischen Krieg, zwischen1635-48 und endend mit dem Westfälischen Frieden am 23.Oktober 1648.
Seit der Reformation war das Heilige Römische Reich deutscher Nation in zwei konfessionelle Lager gespalten.
Nach einem erregten Wortwechsel warf am 23.5.1618 eine Gruppe böhmischer Adeliger zwei habsburgische Stadthalter aus dem Südwestfenster des grünen Zimmers der Böhmischen Kanzlei im Prager Hradschin.
Der Prager Fenstersturz markiert den Beginn des Dreißigjährigen Krieges.
Walter Saller erläutert in seinem Beitrag sehr detailliert und gut nachvollziehbar den Sturz in die Katastrophe und berichtet von der Schlacht am Weißen Berge( 1620), wo sich die Truppen der kaiserlichen Koalition und der protestantisch- böhmischen Armee Friedrichs V. gegenüberstanden. Die Entscheidungsschlacht wurde von der kaiserlich-katholischen Allianz gewonnnen. In der Folge übernahmen die Habsburger erneut die Macht in Böhmen.
Abgebildet sind ein Stoßdegen, eine Armbrust, eine Hellebarde, eine Radschlosspistole und eine Muskete aber auch ein Dolch, womit die Soldaten zu Felde zogen.
Auf die Ablichtung eines Morgensterns wurde verzichtet, obschon genau dieser am besten die Grausamkeit des Krieghandwerks in jenen Tagen dokumentiert hätte.
In Magdeburg sterben 1631 Tausende durch die kaiserlich-katholischen Truppen. Der Journalist Philipp Berens berichtet davon, dass das Massaker Verlegern und Druckern gute Umsätze bescherte.
Ein weitaus größerer Profiteuer vom Kriege ist die Stadt Hamburg, die während allerorten Dörfer und Städte geplündert werden, prosperierte. Dort nämlich fanden Kriegherren aller Parteien erfahrene Waffenhändler und bezogen von diesen hochwertige Rüstungsgüter.
Da Hamburg neutral und durch gewaltige Wälle geschützt war, geschah deren Bürgern nichts. Dr. Ralf Berhorst berichtet ausführlich von den Aktivitäten der Hansestadt in jenen Tagen und lässt den Leser nicht im Ungewissen, dass es auch in den Kriegen des 17.Jahrhunderts Kriegsgewinnler gab.
Albrecht von Wallenstein und Gustav II. Adolf, die beiden großen Feldherren im Dreißigjährigen Krieg trafen in Lützen bei Leipzig 1632 aufeinander. In dieser Schlacht kamen an einem einzigen Tage mehr als 6000 Menschen ums Leben, darunter auch König Gustav II Adolf. Über die Begebenheiten schreibt in Lützen Cay Rademacher packend.
Der Beitrag, der mich persönlich am meistens angesprochen hat, stammt von Johannes Strempel. Er berichtet vom Söldnerleben in jener Zeit. Grundlage seines Berichtes ist das Tagebuch Peter Hagendorfs und der Roman von Christoffel von Grimmelshausen. Die beiden Männer gehörten zu den etwa eine Million Söldnern, die im großen Krieg mordend und raubend durchs Land zogen. Bei Grimmelshausen kann man nachlesen wie es auf den Schlachtfeldern zuging. Die Schilderungen sind entsetzlich.
Bilderkult und Bilderstürmer werden in der Folge thematisiert, bevor die letzte Phase des europäischen Flächenbrandes, der Krieg gegen Habsburg dargestellt wird. Man liest über das Wirken des katholischen Kardinals Richelieu, der die Protestanten finanziert, weil er die Habsburger mehr fürchtet als die Protestanten. Als Richelieu 1642 stirbt hat er Frankreich zu einem der großen Gewinner des Dreißigjährigen Krieges gemacht. Ulrike Moser erläutert in ihrem Beitrag gut nachvollziehbar weshalb.
Der Dreißigjährige Krieg wird nach langen Verhandlungen in Münster und Osnabrück seitens kluger Diplomaten aus ganz Europa durch den Westfälischen Frieden beendet.
Mit der Darstellung dieses Kapitels enden die Berichte über die Jahrhundertkatastrophe.
Es folgt wie immer ein Überblick über die Zeitläufte und ein kleines Glossar, in welchem Begriffe, wie etwa Restitutionsedikt erklärt werden.
Besonders erfreulich fand ich, dass dem Philosophen Rene Decartes zwei Seiten gewidmet worden sind, der in einer Schrift über die Vernunft den Zweifel zum obersten Prinzip der Wissenschaft erhob. Über diesen großen Denker werde ich in den nächsten Tagen eine Rezension verfassen.

Geo Epoche 29 kann ich jedem empfehlen, der sich erneut einen Überblick über die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges verschaffen möchte, sofern die diesbezüglichen Erinnerungen an den Geschichtsunterricht schon etwas verblasst sind.

Empfehlenswert.
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Produkt-Bild: Die Verlorenen: Eine Suche nach sechs von sechs Millionen

Die Verlorenen: Eine Suche nach sechs von sechs Millionen von Daniel Mendelsohn

Gebundene Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch
Angebote bei Amazon: ab EUR 24,95

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3462041827, Erscheinungsdatum: August 2010, Auflage: 1., Auflage
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Eine Kundenrezension:

Ein großes Buch, das lange Bestand haben wird
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Tausende von Büchern sind seit 1945 über den Holocaust erschienen. Bücher von Wissenschaftlern, die das eigentlich Unsagbare soziologisch, psychologisch und politologisch erklärten. Bücher von Überlebenden, ohne die wir vielleicht viel weniger wüssten über den Alltag und die Qualen, die Millionen in den KZ`s der Nazis erdulden mussten. Bücher von Nachgeborenen von Überlebenden, hier vor allem haben mich die Bücher von Doron Lizzie und Gila Lustiger beeindruckt, die immer wieder versuchen zu beschreiben, wie der Holocaust sie bis in die dritte Generation betrifft und ihr Leben prägt.

Andere, die nicht persönlich betroffen waren, haben dennoch literarisch, einmal mehr, das andere mal weniger gelungen, sich einem Geschehen zu nähern, wie es in der Geschichte einzigartig war.

Das vorliegende, in den USA schon 2006 veröffentlichte und dort sehr erfolgreiche Buch von Daniel Mendelsohn ragt unter diesen zahllosen literarischen Näherungen an den Holocaust nicht nur durch seinen Umfang heraus, sondern auch durch die Art und Weise, wie er, ein Nachgeborener von Überlebenden, sich sechs Menschen aus seiner Familie nähert, die im Holocaust starben. Auf "eine Suche nach sechs von sechs Millionen" hat er sich begeben und ein großes, ein bewegendes Buch geschrieben, das immer wieder sich mit der Bibel beschäftigt und hier vor allem auf die Geschichte von Kain und Abel, wo in der Mythologie des Tanach zum ersten Mal ein Mensch seinen Bruder tötet.

Sein Buch ist sozusagen die Nacherzählung der Schöpfungsgeschichte mit "ihren ewigen Themen des Ursprung und der Familie, der Versuchung und des Exils, des Bruderverrats, der Schöpfung und der Vernichtung."

Ein großes Buch, das lange Bestand haben wird.
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Produkt-Bild: Die Übernahme: Von der Rock Machine zu den Bandido: Der Bikerkrieg in Kanada

Die Übernahme: Von der Rock Machine zu den Bandido: Der Bikerkrieg in Kanada von Edward Winterhalder, Wil de Clercq

Gebundene Ausgabe von Statt Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 19,89

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3937542035, Erscheinungsdatum: März 2010
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Eine Kundenrezension:

nicht schlecht...
4 Punkte 4 von 5 Punkten
ich will mich mal kurz halten!

Ich habe schon einige Bikerbücher gelesen und war grad am Anfang von diesem ein bisschen enttäuscht,grad wenn man die Geschichte Rockmaschine vs.Hells Angels kennt.

Aber aber spätestens der Mitte macht das Buch eine Kehrtwende und erklärt in sehr vielen Nebengeschichten grundlegendes aus der Bikerszene,allein diese Wissenswerten Nebenschauplätze machen das Buch am Ende doch sehr lesenswert!

Negativ:ich finde das Buch hat einen leichten Touch von Bandidopropaganda !
Positiv:lesenswert,wissensreich,ohne Hänger
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Produkt-Bild: Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz

Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz von Elisabeth Badinter, Johannes von Dohnanyi, Cornelia Filter, Wilhelm Heitmeyer, Robin Morgan, Alice Schwarzer

Taschenbuch von Kiepenheuer & Witsch
Angebote bei Amazon: ab EUR 5,90

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3462031058, Erscheinungsdatum: Februar 2002
Zoom ± Produkt-Bild: Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz

Aus der Amazon.de-Redaktion


Kann es Toleranz gegenüber fanatisch-religiösen Fundamentalisten geben, die sich selbst ja gerade durch ihre eigene Intoleranz auszeichnen? Der einmütige Tenor der Autoren dieses Bandes ist: Es dürfte sie nicht geben, aber es gibt sie, diese "falsche Toleranz". Vor allem vor den Gefahren des islamistischen Fundamentalismus habe man in den westlichen Demokratien und insbesondere in Deutschland viel zu lange die Augen verschlossen.
"Jetzt, nach einem viertel Jahrhundert ungehinderter islamistischer Agitation", schreibt Alice Schwarzer in ihrem Eröffnungsbeitrag, "lässt es sich nicht länger leugnen: Diese islamistischen Kreuzzügler sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts -- doch sind sie vermutlich gefährlicher als sie, weil längst global organisiert." Über das "Einfallstor Balkan" seien islamistische Söldner "in das Herz Europas eingedrungen, mit der Unterstützung des Westens". Schwarzer hat die Gefahr eines radikalisierten Islamismus über Jahrzehnte kritisch verfolgt und ist für manche ihrer Veröffentlichungen hart gescholten und sogar als "Rassistin" diffamiert worden. Nach dem 11. September 2001 wird man da wohl nicht mehr so hart mit ihr ins Gericht gehen.
Gewiss: Den Titel dieses Sammelbandes wird nicht jedermann als glücklich bezeichnen. Denn nicht zu Unrecht hat man das Wort Gotteskrieger zum Unwort des Jahres 2001 erklärt. Gut gewählt ist die von Alice Schwarzer in ihren Beiträgen mehrfach wiederholte Vokabel also nicht. Und über die Frage, ob der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald tatsächlich ein "christlicher Fundamentalist" ist, wie Schwarzer an einer Stelle behauptet, wird man sicherlich auch geteilter Meinung sein. Trotzdem: Auch wenn man nicht mit allem einverstanden sein wird, lesens- und bedenkenswert ist dieses Buch unbedingt. Und man sollte daraus lernen. --Hasso Greb
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5 Kundenrezensionen:

Trifft den Nagel auf den Kopf
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Gerade in der z.Zt. stattfindenden Diskussion über die Äusserungen Sarrazins, gewinnt dieses Buch wieder an Aktualität. Manchen "Multikultiträumern" würde es die Augen öffnen.
Schleichende Selbstzerstörung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Dieses Buch sollte allen PolitikerInnen zur Pflichtlektüre gemacht werden. Und allen "politisch korrekten" Zeitgenossen auch. Uns sind heutzutage Demokratie, Pluralismus, Menschenrechte, Freiheit, Gleichberechtigung und Laizismus derart zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir sie nicht mehr als hohe Werte zu schätzen wissen, die einst unter großen Opfern schwer erkämpft werden mussten. Stattdessen neigen heute allzu viele deutsche Gesinnungsethiker dazu, diese Grundlagen unserer Kultur und Lebensart gering zu schätzen und achtlos einer ad absurdum geführten "Toleranz" zu opfern. Wir lassen uns in "Dialogen" einlullen, die nur dazu dienen, uns Sand in die Augen zu streuen und uns hinzuhalten, während unter unseren Augen mehr oder weniger radikale Gegner unserer Demokratie mit Raffinesse an deren Zerstörung arbeiten.
Um Bassam Tibi zu zitieren: "Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz!" Das Grundrecht auf Religionsfreiheit dient dem Schutz des Einzelnen vor Verfolgung aus Glaubensgründen. Als Legitimierung antidemokratischer politischer Bestrebungen unter "religiösem" Deckmäntelchen mit langfristigen Umsturzabsichten ist es nicht gedacht.
In einer funktionierenden Demokratie muss es möglich sein, alles und jeden zu kritisieren, auch Minderheiten. Lässt man sich hier einen "politisch korrekten" Maulkorb anlegen, ist die Demokratie in größter Gefahr. Ängste und Konflikte müssen offen ausgesprochen und ausgetragen werden, sonst gären sie im Untergrund und werden unkontrollierbar und gefährlich.
Das vorliegende Buch ist bestens geeignet, der geradezu unglaublichen Blauäugigkeit und Naivität entgegenzuwirken, mit der ein Großteil der Deutschen den Machenschaften einiger radikaler Minderheitengruppierungen in unserem Land gegenübersteht. Vor Jahren waren wir vielleicht auf dem rechten Auge blind. Heute sind wir stattdessen nicht mehr in der Lage, angemessene Toleranz von selbstzerstörerischer Dummheit zu unterscheiden.
In unserem Land darf nur Platz sein für politische Bestrebungen, die mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Verfassungsfeindliche Gruppen jeder Art und Herkunft müssen dagegen genauso energisch bekämpft werden, wie es gegen die Neonazis schon lange der Fall ist. Demokratie muss wehrhaft sein in jeder Richtung, aus der sie angegriffen werden könnte und wird. Andernfalls zerstört sie sich langfristig selbst.
Die demokratische Staatsform mag ihre Schönheitsfehler haben, aber sie ist die einzige, unter der ALLE gleichberechtigt und in Frieden leben können.
Lest dieses Buch, Freundinnen und Freunde der Freiheit, und versteht endlich, wer gegen sie (und uns) arbeitet!!!!
Wichtig, sachlich, informativ, gut recherchiert
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Toleranz ist ein hohes Gut, das bestreitet kein vernünftiger Mensch. Was aber genau bedeutet der Begriff "Toleranz"?
Die Herausgeberin Alice Schwarzer hat sich jahrzehntelang u.a. mit den Gefahren des radikalen Islam beschäftigt und beantwortet diese Frage zunächst in ihrem Vorwort "ex negativo", d.h., sie differenziert zwischen echter und vorgeblicher Toleranz und macht klar, dass jede echte Toleranz einen Standpunkt braucht, der sich auf die Menschenrechte bezieht, und deswegen nicht einfach alles hinnehmen kann. Auf diesem Grundsatz fußen alle Beiträge, die dieses Buch versammelt.
"Falsche Toleranz", man kann es auch präziser formulieren mithilfe von Begriffen wie "Opportunismus", "Bequemlichkeit" oder "Naivität am falschen Ort", wird in den einzelnen, durchweg gründlich recherchierten und klug durchdachten Beiträgen in vielen Facetten näher beschrieben -- die hierzulande stillschweigend geduldete Unterdrückung von Frauen in etlichen islamischen Ländern wie z.B. Pakistan, Algerien oder dem Iran, die islamistische Unterwanderung von bisher eher säkulären Balkanstaaten, die Umtriebe selbsternannter Religionswächter in Deutschland, die hierzulande verbreitete Bereitschaft, im Zweifelsfalle lieber die Augen zu verschließen, oder generell eine Tendenz zur Radikalisierung vieler islamischer Bevölkerungsschichten weltweit - diese und noch andere Themen werden zur Sprache gebracht. Dabei bleibt die Argumentation sachlich; von "Hetzpropaganda" kann keine Rede sein, und mitnichten wird der "Islam verteufelt", wie man in einschlägigen Kritiken über dieses Buch immer wieder lesen kann.

Besonders hervorgehoben werden sollten der Beitrag von Bassam Tibi über die Ursachen, warum man in Deutschland so gern den Blick abwendet ("Die deutsche verordnete Fremdenliebe"), Cornelia Filters aufschlussreiche und erschreckende "Fromme Reise durch Deutschland" und Alice Schwarzers Recherchen im "Fall Ludin" -- bei der Kopftuch-bewehrten Grundschullehrerin handelt es sich schließlich mitnichten um eine harmlose, naive Frau. Das heißt aber keineswegs, dass die anderen Beiträge uninteressant oder weniger aktuell wären.
statt "BLUT und BODEN" nun "BLUT und KORAN" ...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
das titelbild hat besonderes kompliment verdient - man brauch schon fast gar nicht mehr weiterzulesen, so eindeutig klar und langfristig erinnerbar ist das cover-foto mit seiner message; weil aber seit dem 11. september 2001, weil seit jener geiselnahme im irak, um frankreich zu zwingen, das kopftuch-verbot zurückzunehmen, weil seit dem mord an dem niederländischen filmregisseur und islam-kritiker theo van gogh einige scheite im konflikt der kulturen nachgelegt worden sind, zahlt es sich zunehmend aus, sich mit alice schwarzer zu beschäftigen, die seit 1979 zäh und unbeirrbar am thema festgehalten hat wie ein weiblicher voltaire, der für vernunft und gleichberechtigung statt für gehorsam und skurrile religiösität kämpft. der politologe bassam tibi, eine der stimmen, die schwarzer für das von ihr herausgegebene buch gesammelt hat, er fordert, dass sich moslems an der europäisch-westlichen leitkultur zu orientieren hätten (noch zahm formuliert; alice schwarzer textet gern etwas bissiger: auf den fahnen stehe heutzutage statt "BLUT und BODEN" nun "BLUT und KORAN"). das wort GOTTESKRIEGER ist demnach kein neurotisches oder rassistisches hirngespinst, sondern kühle realitäts-wahrnehmung, von keiner multi-kulti-partei-ideologie vernebelt. zu tolerieren, dass eine frau unter stoffbergen dahinstolpert, während ihr mann lässig in jeans voranschreitet, zugleich zwangsheirat oder eheliche prügelstafe als religiöses brauchtum juristisch zu tolerieren - das treibt alice schwarzer immer noch die wut in die knochen. man sollte sich mit weitsichtigen textzusammenstellungen, wie in diesem buch über die fatale toleranz, mindestens solange beschäftigen, wie sie ihrer zeit vorausgeeeilt sind - 20-30 jahre also - somit eine lohnende buch-anschaffung ...
Toleranz statt gleichgültiger Duldung
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Eine gute Botschaft: Toleranz braucht Engagement, Toleranz verlangt nach Engagement gegen Intoleranz, wer nicht selber wenigstens duldet, der kann keine Duldung verlangen.
Fundamentalisten, die sich die Intoleranz auf die Flügel geschrieben haben, müssen von einem toleranten Menschen einfach bekämpft werden.
Wir wissen nicht, ob wir Recht haben, wir können es aber nicht Menschen zumuten, von jemand anderem mit Intoleranz behandelt zu werden.
Wer mit Gewalt vorgeht, um seine Überzeugung durchzusetzen, muss um der Toleranz willen aufgehalten werden.
Wer denkt, auch intolerante Bewegungen müssten geduldet werden, der verwechselt Toleranz mit Gleichgültigkeit und einem feigen Kulturrelativismus.
Daher ist dieses Buch, trotz seines teilweise reißerischen Stils, ein gelungenes Plädoyer für aufgeklärte Toleranz und gegen relativistische Duldung und somit ein guter Wegweiser einer offenen Gesellschaft, obwohl ich Alice Schwarzer auch nicht leiden kann.
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Produkt-Bild: Kreative und innovative Methoden: Geschichtsunterricht einmal anders

Kreative und innovative Methoden: Geschichtsunterricht einmal anders von Birgit Wenzel

Broschiert von Wochenschau-Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 14,80

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 389974585X, Erscheinungsdatum: März 2010
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3 Kundenrezensionen:

Aus der Praxis für die Praxis
5 Punkte 5 von 5 Punkten
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Eine große Hilfe
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wer sich schnell und zuverlässig über diverse Methoden und ihre Anwendungsgebiete im Geschichtsunterricht informieren möchte, der greife zu diesem Buch! In übersichtlich gestalteten Teilkapiteln werden die einzelnen Methoden nicht nur mit Blick auf ihre Durchführung vorgestellt, sondern auch auf ihre Eignung in bestimmten Situationen hin überprüft. Zudem erhält man Hinweise zu ihren Vor- und Nachteilen, zum Vorbereitungs- und Zeitaufwand und zu möglichen Weiterentwicklungen bzw. Modifikationen. Dabei bietet das Buch nicht nur Berufseinsteigern oder Referendaren manch einen Denkanstoß zur Unterrichtsgestaltung. Zusammenfassend gesagt: eine gelungene und empfehlenswerte Hilfe im Zeitalter der (Methoden-)Kompetenzorientierung!
Perfekt für Praktikum und Referendariat
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der Band folgt dem Motto "aus der Praxis für die Praxis". Birgit Wenzel, Gastprofessorin für Geschichtsdidaktik an der TU Berlin, hat genug PraktikantInnen angeleitet und ist selbst lange genug Lehrerin gewesen um zu wissen, was in der Schule funktioniert und was nicht. Das Buch ist eine überaus nützliche Hilfe für die Praxis und kann die Suche nach der geeigneten Methode sehr vereinfachen.
Einem einführenden Kapitel, in welchem auch auf den Stellenwert der Methoden beim Kompetenzerwerb eingegangen wird, folgen eine Übersichtstabelle zu den vorgestellten Methoden, eine kommentierte Gliederung und schließlich die Methoden von A-Z.
Die Stärke des Buches liegt nicht zuletzt im sinnvollen Aufbau. Besonders gelungen ist hier die Kommentierung: Sie gibt einen schnellen Überblick über die wichtigsten Eigenschaften wie "Ziel", "Durchführung", "Vorbereitung", "Material", "Sozialform", "Dauer" etc. sondern gibt darüber hinaus auch weiterführende Informationen wie "Chancen und Stärken", "Risiken und Schwächen", "geeignete Themen", "Beispiele", "Variationen" etc. Für die Lehrenden in der Ausbildung besonders wichtig: zu jeder Methode werden Kompetenzbezug und die fachdidaktischen Prinzipien angegeben, was im Zweifelsfall sehr sehr viel Zeit einsparen kann beim Verfassen des Unterrichtsentwurfs.
Inhaltlich bietet der Band Klassiker wie das "Gruppenpuzzle", das "(fiktive) Interview" oder den "Advance Organizer", aber auch Unkonventionelles wie "ich sehe so, wie du nichts siehst" (zur Multiperspektivität), "Kopfstand" oder "Stummfilmvertonung".
Alles in allem also ein sehr gelungenes Buch, das sich vor allem durch Praxistauglichkeit bezahlt macht.
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Produkt-Bild: Die Welt der Habsburger: Glanz und Tragik eines europäischen Herrscherhauses - Ein SPIEGEL-Buch

Die Welt der Habsburger: Glanz und Tragik eines europäischen Herrscherhauses - Ein SPIEGEL-Buch

Gebundene Ausgabe von Deutsche Verlags-Anstalt
Angebote bei Amazon: ab EUR 14,94

3 Punkte.
3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3421044767, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 2
Zoom ± Produkt-Bild: Die Welt der Habsburger: Glanz und Tragik eines europäischen Herrscherhauses - Ein SPIEGEL-Buch

2 Kundenrezensionen:

Dasselbe doppelt
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Null Punkte für die Unverschämtheit, ein bereits als "Spiegel Geschichte Nr.6/2009" in anderer Aufmachung erschienenes Buch ohne diese Information zu verkaufen, so daß ein ahnungsloser Käufer dasselbe Werk nachher zweimal hat. Im übrigen sind im Heft Nr.6 die Bilder bei weitem opulenter und besser, da es ein größeres Format hat. Wie gesagt: Eine Frechheit!
Maximal zwei Punkte für den Text: Großenteils Journalistenschreibe statt auf den Punkt gebrachter Forschung, alles viel zu schal und oberflächlich.
Die Habsburger - eine Dynastie mit europäischer Bedeutung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Auf historisch fundierte und informativ-unterhaltsame Weise wird der Leser eingeführt in die vielschichtige Geschichte des Hauses Habsburg. Aus der Lektüre der einzelnen Beiträge, die von renommierten Autoren der SPIEGEL-Redaktion, aber auch von externen Historikern verfasst sind, wird rasch klar: Wer den umfassenden Beitrag des Hauses Habsburg würdigen will, kann sich nicht auf Dynastiegeschichte oder bloße "österreichische" Geschichtsforschung beschränken. Bei der Politik der Habsburger handelte es sich von Anfang an um ein Unternehmen in europäischen, ja weltgeschichtlichen Dimensionen! Das Buch bietet interessante Einzelartikel zu wichtigen Herrscherpersönlichkeiten (z.B. Karl V., Maximilian I., Maria Theresia, Joseph II., Franz Joseph), aber auch zu wichtigen Einzelthemen, die über das Politische hinausreichen und die kulturelle und soziale Dimension in den Blick nehmen. Von daher kann man es auch immer wieder in die Hand nehmen und den einen oder anderen Artikel je nach Interesse lesen. Wirkungsgeschichtlich wird aufgezeigt, dass das Thema Habsburger-Geschichte auch für die Gegenwart Bedeutung besitzt: Und dabei braucht man keineswegs ein Monarchist zu sein, um den völkerverbindenden und friedensstiftenden Grundimpuls der Habsburg legitimierenden übernationalen europäischen Reichsidee anzuerkennen!
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Produkt-Bild: Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen

Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen von Hannah Arendt

Broschiert von Piper
Angebote bei Amazon: ab EUR 12,24

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3492248225, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 5
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Der Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat.
Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.
Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Eine etwas andere Sichtweise auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der Prozess gegen Adolf Eichmann (1906-62) steht im Mittelpunkt, nimmt jedoch eine eher untergeordnete Stellung in diesem Buch ein. Der Autorin, Hannah Arendt, geht es vielmehr um eine Darstellung des Holocausts, unter Einbeziehung der Mithilfe der Juden bei ihrer eigenen Vernichtung sowie natürlich Eichmanns Rolle bei selbiger. Hans Mommsen schrieb ein 35-seitiges Vorwort.
Es wird bereits zu Beginn klar, dass Arendt gewisse Ressentiments gegenüber dem leitenden Staatsanwalt Gideon Hausner nicht zu unterdrücken vermochte. Sie sieht in ihm eine Marionette des damaligen israelischen Ministerpräsidenten, David Ben Gurion (1886-1973), der den Prozess dazu nutzen will, die Leiden des jüdischen Volks der Welt zu präsentieren (inwiefern damalige Verhandlungen über Reparationszahlungen der BRD an Israel eine Rolle spielten, bleibt unklar). Hausner gibt während des Prozesses Interviews, nimmt Eichmann ins Kreuzverhör, obgleich Eichmann auf jede Frage ohnehin nur mit Lügen antworte, auch wenn es ihm natürlich nicht gelingt, Eichmann diesbezüglich bloß zu stellen. Das Ganze werde der Autorin zufolge besonders dadurch ins lächerliche gezogen, dass die Anklage obgleich anders lautender Dokumente und Zeugenaussagen an der Auffassung festhalte, Eichmann habe nicht Befehle ausgeführt sondern sei sein eigener Chef gewesen, ja gar der eigentliche Drahtzieher des Holocausts [wenn diese Beschreibung auf einen zutrifft, dann auf Reinhard Heydrich]. Dieser Trugschluss sei dadurch zustande gekommen, dass die Angeklagten der Nürnberger Prozesse - von denen übrigens keiner die nationalsozialistische Weltanschauung zu verteidigen bereit gewesen sei - den schwarzen Peter gerne Abwesenden zuschoben sowie Eichmanns Hang zur Prahlerei.
Kurzum, der gesamte Prozess sei eine Farce. Einzig die Richter, insbesondere der Gerichtsvorsitzende Landau, hätten versucht, dem entgegenzuwirken.

Insgesamt ist dieses Buch sehr lesenswert, auch wenn es teilweise etwas durcheinander ist und die Autorin eine leichte Tendenz hat, die Dinge nur in hellen oder dunklen Farbtönen zu sehen. Auch wenn Hans Mommsen das ein oder andere per Endnote korrigierte, so liefert das Buch doch einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Ereignisse dieser Zeit.
Eichmanns Umwertung des kategorischen Imperativs
5 Punkte 5 von 5 Punkten
In bestürzender und erschreckender Weise hat Adolf Eichmann Kants katagorischen Imperativ umgewertet und zur Rechtfertigung seiner "Pflichterfüllung" herangezogen. Aber konnte Kant sich in seiner Zeit den Massenmenschen der modernen Gesellschaft vorstellen? Der eigentliche Bruch ist nicht der Nationalsozialismus, sondern der moderne Massenmensch, der seiner persönlichen Verantwortung und Individualität enthoben, zum Verwaltungsmassenmörder werden kann. Das ist meines Erachtens die neue Banalität des Bösen und Eichmann als Person ist dabei austauschbar. Das macht dieses Buch so erschreckend aktuell und löst nicht wieder gut zu machende Bestürzung und Wut aus. Es ist das Bewußtwerden der eigenen Lage.
Sehr gut - bis auf das Essay
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Das Werk von Hanna Arendt ist epochal für die deutsche Nachkriegshistorie. Es kann als eine Initialzündung für die Studentenrevolution der 60er Jahre gelten. Der enthaltene Bericht sollte jedoch als ein subjektives historisches Dokument seiner Zeit aufgefaßt werden, denn einige Darstellungen von Hannah Arendt wurden nach dem Prozeß wissenschaftlich widerlegt bzw. tiefergehend untersucht.

Herr Mommsen stellt diese Fakten in seinem vorangestellten 36-seitigen Essay dankenswerterweise richtig. Ob dieses jedoch so ausufernd mit seinen persönlichen Wertungen geschehen muss, bleibt das Geheimnis des Verlages.
...you see, we like our Nazis in uniforms.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Es ist nun schon eine Weile her, dass ich Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" gelesen habe. Zwischen damals und heute liegt Quentin Tarantino's Meisterwerk "Inglourious Basterds", und dies will ich zum Einstieg in meine Rezension nutzen.
Ein Kernthema von "Ingourious Basterds" ist die Aussage, dass man Nazis kaum erkennen kann, wenn sie keine Uniformen tragen. Genau das ist auch ein wichtiger Punkt für Hannah Arendt, denn auf Adolf Eichmann hätte im Adenauer-Deutschland ganz bestimmt eine solide Beamtenkarriere gewartet, wenn er sich nicht nach Südamerika abgesetzt hätte. Es ist faszinierend zu lesen, wie Arendt in gewohnter Klarheit den Eindruck beschreibt, den dieser Mann auf sie machte. Eichmann war für sie ein Hanswurst, und ähnlich wie Tarantino's Hans Landa hätte man ihm den skrupellosen Massenmörder schlicht und einfach nicht zugetraut. Wo der von allabendlichen Kinderschreckspektakeln Marke "Hitlers linkes Auge - in Großaufnahme, unterlegt von schrillen Kreischtönen" vorgeprägte Leser einen furchteinflößenden Schlächter erwartet, findet sich ein Typ, wie man ihn auch heute noch in den unterschiedlichsten Varianten trifft und der für manche Kreise sogar eine Art Idealbild darstellt: nüchtern und strebsam, dienstbeflissen und engagiert.
Alles Weitere sollte man in diesem Buch nachlesen. Anmerken möchte ich noch, dass auch Arendts Ausführungen zu den unterschiedlichen Abläufen des Holocausts in verschiedenen Regionen Europas eine echte Bereicherung sind. Hier arbeitet sie sehr präzise heraus, dass es kein lineares "Schema F" gab, sondern dass das Verhalten der örtlichen Bevölkerung einen ganz erheblichen Einfluss darauf hatte, ob und wieviele Menschen abtransportiert wurden oder überlebten. Auch das widerspricht auf erfrischende Weise dem allgemeinen Einheitsbrei, den man ansonsten in der multimedialen Aufarbeitung des Holocausts serviert bekommt.
Ich habe nun schon einige Bücher von Hannah Arendt gelesen. "Eichmann in Jerusalem" fand ich von allen am besten. Es ist super geschrieben und bringt eine Fülle wichtiger Einsichten haargenau auf den Punkt. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
"Reue ist etwas für kleine Kinder" (97).
5 Punkte 5 von 5 Punkten
1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht.

"Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364).

Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse.
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Die Herren des Geldes. Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben von Liaquat Ahamed

Gebundene Ausgabe von FinanzBuch Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 18,00

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3898795780, Erscheinungsdatum: Juni 2010
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2 Kundenrezensionen:

"Durch die Vermeidung einer sofortigen Krise ... (wurde) die Grundlage einer noch schlimmeren Krise in der Zukunft geschaffen."
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Dieses außergewöhnlich gut geschriebene und deshalb leicht lesbare Buch beleuchtet die Rolle der Zentralbanken der damaligen vier wichtigsten Industriestaaten bei der Entstehung der sogenannten Großen Depression. Warum sollte eine solche Untersuchung für uns heute noch interessant sein? Es mag merkwürdig klingen, aber die Antwort lautet: Weil wir uns heute aus monetärer Sicht in einer prinzipiell ähnlichen Situation befinden wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus kann man viel über die Rolle von Zentralbanken und über politische Dummheit lernen. Schließlich bietet diese Zeit auch zahlreiche Hinweise darauf, dass der Goldstandard von Währungen vielleicht im Inland den Schuldenirrsinn verhindern, dafür aber zu enormen Spannungen in der Weltwirtschaft führen kann.

Die Herren des Geldes waren: Benjamin Strong, der Chef der New York Federal Reserve Bank, Montagu Norman, der Präsident der Bank of England, Hjalmar Schacht von der deutschen Reichsbank und Emile Moreau von der Banque de France. Im Buch werden die Schicksale und die persönlichen Beziehungen dieser Herren zueinander sehr ausführlich beschrieben. Gerade diese intensive persönliche Sichtweise macht das Buch interessant. Sie führt aber auch dazu, dass andere Aspekte weniger ausführlich beleuchtet werden und man sich manchmal fragt, wie denn gewisse im Kontext angerissene Probleme letztendlich gelöst wurden, weil sie im Buch nicht zu Ende diskutiert werden.

Der Text beginnt mit dem 1. Weltkrieg. Bereits hier bemerkt man, dass es eine große Stärke des Autors ist, sehr detailliert historische Stimmungen wiederzugeben. Der Krieg schuf eine Schuldenkrise in Europa und führte zu einer heftigen monetären Kräfteverschiebung zugunsten des Dollars. Das ist die Ausgangssituation. Verschärft wurde diese Lage noch durch extreme Reparationsforderungen an Deutschland (nach heutigem Wert über 2,4 Billionen Dollar), die vor allen Dingen von Frankreich betrieben wurden. Obwohl wir keinen Krieg hinter uns haben, ist die heutige Schuldenlage fast aller Industriestaaten weit dramatischer als die damalige.

Im ersten Teil des Buches werden uns zunächst die oben genannten Herren und die Ausgangslage in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Der zweite Teil befasst sich vor allem mit den unsinnig hohen Reparationsforderungen an Deutschland. Der Text folgt wie im gesamten Buch der Chronologie der Ereignisse.

Um die Reduzierung der Reparationsforderungen zu ermöglichen, hatte die Reichsbank die Hyperinflation von 1923/24 in Gang gebracht. Davon und von den völlig unterschiedlichen Situationen in Großbritannien, Frankreich und den USA handelt der dritte Teil. Die Bank of England hatte den Weg der Deflation gewählt und war auf verhängnisvolle Weise zum Goldstandard zurückgekehrt, indem der Kurs des Pfundes viel zu hoch angesetzt wurde. Die Banque de France dagegen hatte ihre Währung bewusst niedrig bewertet und riesige Mengen an Pfund Sterling gehortet. Damit hätte sie enorme Mengen an Gold bei der britischen Zentralbank eintauschen und Großbritannien aus dem Goldstandard drängen können, was zu heftigen Spannungen zwischen Frankreich und Großbritannien führte. In den USA hatte sich dagegen während des Krieges viel zu viel Gold angesammelt. Geld kam ins Land, und es entstand eine gigantische Spekulationsblase an der Wall Street, die in den folgenden Jahren immer größer wurde. Die Fed vergrößerte diese Blase auch noch durch eine unsinnige Zinssenkung und sah danach dem Treiben, nach dem Tod von Strong 1928 tief gespalten, tatenlos zu.

Davon berichtet der vierte Teil, der die Jahre 1928-33 beschreibt. Die Aktien-Spekulationsblase in New York machte es durch ihre monetäre Sogwirkung insbesondere den deutschen Dollar-Schuldnern, zu denen zahlreiche Kommunen gehörten, immer schwerer sich zu refinanzieren. Deshalb beklatschte besonders Schacht den New Yorker Crash von 1929. Dies zeigt allerdings auch, dass er, wie die meisten anderen Experten, Schwierigkeiten hatte, die Aktienmärkte und ihren weitreichenden Einfluss auf die Realwirtschaft zu verstehen. Sehr interessant aus heutiger Sicht ist das Wirken des neuen Fed-Chefs Harrison in dieser Krise. Genau wie 89 Jahre später Ben Bernake bei der Lehman-Pleite, schaufelte er in einer einsamen Entscheidung massiv Geld zu den Banken um den Super-Gau des Finanzsystems zu verhindern. Nimmt man an, die Gesellschaft wäre tatsächlich demokratisch organisiert, dann sollte man vielleicht doch stutzig werden, wenn man sieht, dass ein kleiner Zirkel oder gar ein einziger Mensch in den Zentralbanken planwirtschaftliche Zinsentscheidungen trifft oder anders in extremer Weise in den Wirtschaftskreislauf eingreift, ohne dass auch nur die geringste Rechenschaftspflicht oder gar Kontrolle besteht.

In den folgenden Abschnitten zeigt der Autor wie der damalige Goldstandard der Währungen und die Verknappung des Edelmetalls bei vielen Zentralbanken zum Zusammenbruch der Rohstoffpreise, in eine weltweite Kreditklemme und zu zahlreichen Bankenzusammenbrüchen führten, was besonders in Deutschland drastische Folgen hatte. Bald darauf bewirkten zunehmende Goldabflüsse aus der Bank of England, dass sich Großbritannien aus dem Goldstandard verabschieden musste. Da viele andere Zentralbanken das Pfund als Reserve hielten, brachte ihnen diese britische Währungsabwertung enorme Verluste, die sie durch den Eintausch ihrer Dollarreserven in Gold ausgleichen mussten, was das amerikanische Finanzsystem ins Wanken brachte. Das Fed-System, das angeblich dafür installiert wurde, solche Situationen zu verhindern, versagte nicht nur, es hatte auch zur Entstehung der misslichen Lage erheblich beigetragen. Mit der detaillierten Beschreibung dieser Ereignisse endet der vierte Teil des Buches.

Im letzten Teil des Buches geht der Autor kurz auf einige währungspolitisch bedeutende Entwicklungen in den Jahren 1933-44 ein. Nach Großbritannien verließen auch die USA einer Eingebung ihres neuen Präsidenten folgend den Goldstandard und begannen danach den Dollar über die Manipulation des Goldpreises zu schwächen. Tatsächlich gelang es dadurch aus der Deflationsfalle zu entkommen. Der letzte Abschnitt dieses Teils gibt Auskunft über die persönlichen Schicksale der verbliebenen drei Herren des Geldes und das des britischen Starökonomen John Maynard Keynes, der immer wieder wegen seiner realistischen Voraussagen und Einschätzungen im Buch zitiert wird. Schließlich werden am Ende noch einmal die Geschehnisse zusammengefasst und Analogien zu unserer Zeit benannt.

Fazit.
Dass der Autor für dieses Buch den Pulitzer-Preis erhielt, verwundert mich nach dem Lesen nicht mehr. Ich habe selten ein so unterhaltsames Sachbuch über Wirtschaftsgeschichte gelesen. Das Herunterbrechen historischer Ereignisse auf eine gewisse persönliche Ebene der Beteiligten macht sie viel verständlicher. Mit ein wenig Abstraktionsvermögen erkennt man erschreckende Parallelen zur heutigen Situation. Am Beispiel des bankrotten Griechenlands sieht man, dass genau wie damals Probleme verschleppt werden. Doch wie vor achtzig Jahren werden sie später mit viel größerer Gewalt zurückkehren. So ist eben auch damals aus einem eigentlich beherrschbaren Problem ein Riesenunglück geworden.
Hochinteressante, wirtschaftshistorisch fundierte Zeitreise in die ökonomische Katastrophe
5 Punkte 5 von 5 Punkten

Als Ironie des Schicksals muss man es wohl schon bezeichnen, dass der Präsident der britischen Zentralbank Norman Montagu im August 1931 ausgerechnet in der Zeit einen Nervenzusammenbruch erleidet, in der die Welt (auch aufgrund seiner Fehlsteuerungen) auf die große wirtschaftliche Depression zusteuert -. Wie diese größte aller Weltwirtschaftsdepressionen entstehen konnte, welche politischen und gesellschaftlichen Folgen dies hatte und was man daraus lernen kann, das sind die zentralen Fragen des vorliegenden Buches.

Der Autor blickt auf die Zeit der großen weltweiten Wirtschaftsdepression mit dem Fokus auf die wichtigsten Protagonisten dieses Weltfinanzkrimis: Benjamin Strong (New York Federal Reserve Bank, USA), Hjalmar Schacht (Reichsbank, Deutschland), Émile Moreau (Banque de France, Frankreich). Zusammen mit dem Zentralbänker Norman Montagu war es dieses Quartett - so der argumentative Ausgangs- und Endpunkt von Ahameds Darstellung -, das zunächst Stabilisierung und zuletzt Zerstörung der globalen Finanzmaschinerie nach dem Ersten Weltkrieg auslöste. In chronologischer Reihenfolge schildert Ahamed die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen und beschreibt die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und Ereignisse im Zeitraum von 1919-1944.

Gerade die konzentrierte Perspektive auf die vier maßgebenden Personen gibt den gesamten Ereignissen ein zutiefst menschliches Gesicht. Akribisch und in einer nahezu unerschöpflichen Ausführlichkeit analysiert Ahamed auf nahezu 600 Seiten die dramatischen Ereignisse und stellt Bezüge zum Handeln der vier "Zentralbänker" her. Die ökonomische Katastrophe, die im Bankrott der Welt kulminiert, wird mit dem Agieren der vier Personen des "exklusivste[n] Club[s] der Welt" (S. 15) interessant und lesenswert verwoben, sodass alles durch einen bestens nachvollziehbaren roter Faden zusammengehalten wird. Dabei zeigt der Autor sehr anschaulich, wie der globale Währungskollaps und Unternehmenspleiten in gigantischem Ausmaß zusammen mit wirtschaftslichen Fehlentscheidungen die Gesellschaften dieser Welt an den Rand des Zusammenbruchs führten. Durchgängig gelingt es ihm, ein konkretes Bild von Panik, Angst, Verzweiflung und Hoffnung der Menschen in einer schwierigen Zeit zu zeichnen. Stets besticht er durch wirtschaftshistorisch fundierte Sachkenntnis, beste Quellenkunde und bildreiche Darstellungsfähigkeit, die mich begeistert hat.
Diese niveauvolle Version der Darstellung des Zusammenbruchs des internationalen Bankensystems, seiner Gründe und dramatischen Folgen wirkt gerade in der aktuellen Lage manchmal bedrückend - und beruhigend, zugleich. Bedrückend, weil wir selbst an der neuest zurückliegenden Bankenpleite gesehen haben, wie fragil das Wirtschaftssystem auch heute ist. Beruhigend, weil wir in der aktuell brisanten Situation aber auch sehen konnten, dass globales, besonnenes politisches Handeln (anders als in den Zeiten der Großen Depression) das Schlimmste zu verhindern in der Lage war.

Dies ist insgesamt: eine gut recherchierte, finanzgeschichtlich höchst interessante Analyse der größten Krise des Kapitalismus, die geradezu als Finanzkrimi in ihren Bann zieht. Hier wird Wirtschaftsgeschichte im besten Sinne lebendig.
Die Geschichte von Boom, Prosperität, Rezession und Wirtschaftsdepression, Vollbeschäftigung und Massenarbeitslosigkeit, florierenden Städten und Slums an den Rändern der Gesellschaft könnte wohl kaum besser erzählt werden! Und: Ein Buch, das vom Aufstieg und Fall eines Wirtschaftssystems handelt, könnte wohl auch kaum besser aufgebaut sein.

Daher meinerseits fünf Sterne.
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Der zweite Weltkrieg: Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre von Winston S. Churchill

Broschiert von Fischer (Tb.), Frankfurt
Angebote bei Amazon: ab EUR 9,33

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3596161134, Erscheinungsdatum: Sept. 2003, Auflage: 4
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5 Kundenrezensionen:

Eher trockene Lektüre vom Premierminister und Literatur-Nobelpreisträger
5 Punkte 5 von 5 Punkten
1135 Seiten, ganz ohne Bilder (vom Cover mit der obligatorischen Zigarre abgesehen), lediglich mit einigen Landkarten, ansonsten Churchills Sicht des Zweiten Weltkriegs. Rommel wird gelobt (wegen seines strategischen Geschicks und seiner Abwendung von Hitler), die russische Regierung für ihre Untätigkeit vor der Operation Barbarossa heftigst kritisiert. Überraschend trocken liest sich dieses Buch. Albert Speers Erinnerungen sind deutlich spannender zu lesen.
Wenn Churchill über strategische Erfolge schreibt und damit dann die Bombardierung deutscher Städte meint, dann hat das zumindest bei mir für Unbehagen gesorgt. Es gibt relativ wenige Anmerkungen, was den Lesefluss erleichtert. Letztlich werden viele Aspekte des Zweiten Weltkriegs beleuchtet, aber keines ausführlich genug, allein schon Die Luftschlacht um England oder Operation Overlord wären einen eigenständigen Band wert gewesen.

1953 erhielt Winston Leonhard Spencer Churchill (1874-1965) sowohl den Adelstitel als auch den Literatur-Nobelpreis. Letzeres zeigt das dieser Preis hochgradig politisch ist und weit weniger mit der Raffinesse oder Lesbarkeit eines Autoren zu tun haben muss. Zweifellos ein sehr wichtiges, aber spröde zu lesendes Buch.

1135 Seiten, Softcover, s/w-Karten, Register, Übersetzung: Eduard Thorsch u.a.
Weitgehend realistische Darstellung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über die politischen und militärischen Abläufe im 2. Weltkrieg. Die Leistungen der Engländer erscheinen teilweise etwas glorifiziert!
Sehr empfehlenswert, aber mit notwendiger Vorsicht zu lesen
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Für alle Interessierten des zweiten Weltkriegs ist dieses Buch ein "Muss".
Chronologisch werden alle Ereignisse und Hintergründe (primär natürlich aus der Sicht des Vereinigten Königreichs) sehr genau dargelegt und ermöglichen einen tiefen Einblick in den Prozess, der zu der Katastrophe führte. Sowohl für Personen mit geringerem wie auch für solche mit höherem Wissensstand sind die Ausführungen sehr spannend, gut nachvollziehbar und informativ. Zudem ist das Buch sehr flüssig und gut geschrieben. Im Gegensatz zu anderen Büchern über dieses Thema spürt man in einem solchen Bericht eines Direktbeteiligten die Nähe und Emotionalität zu den Ereignissen.
Dies ist aber auch der kritischste Punkt des Buchs. In der Retrospektive hätte man meiner Meinung nach durchaus auch einen selbstkritischeren Blick auf die Geschehnisse werfen können. Und Kern-Ereignisse, in denen die Rolle Grossbritaniens und Churchills ja sehr kritisch betrachtet werden können, werden kaum erwähnt bzw. werden sehr stark glorifiziert (z.B. warum Grossbritanien Polen beim Deutschen Einmarsch nicht direkt zu Hilfe gekommen ist, eine kritischere Analyse der Serie von Niederlagen bis ins Jahr 1941, die Flächenbombardierung Deutscher Städte etc.).
Daher lohnt es sich, neben diesem Buch auch kritischere Bücher über seine Rolle bzw. über diejenige von Grossbritanien zu lesen.
Ganz schöner Wälzer
5 Punkte 5 von 5 Punkten
In vier Büchern die zusammengebunden 1136 Seiten ergeben, berichtet Churchill den Zweiten Weltkrieg aus Alliierter - Britischer Sicht. Im Ersten Buch versucht er die Ursache des Zweiten Weltkriegs zu beschreiben, die Zwischenkriegszeit bis Mai 1940. Im Zweiten Buch geht es von Mai 1940 bis Juni 1941 wo er den Kampf um Frankreich, den Abzug aus Kontinentaleuropa und verschiedene Operationen berichtet. Das dritte Buch befasst sich mit der Zeit von 1941-1943. Dabei wird über die große Allianz zwischen Briten, Sowjets und Amerikaner gesprochen. Es geht weiters um die U-Boot Schlachten, Niederlage der Deutschen an der Ostfront und der Kampf in Afrika und im Nahen Osten. Im letzten und vierten Buch wird die Zeit von 1943-1945 beschrieben. Es beginnt mit dem Sturz Mussolinis, der Rückeroberung Italiens und geht bis zum Atombombenabwurf Hiroschima und Nagasaki. Im Nachwort spricht Churchill über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und den entstehenden Kalten Krieg.
Subjektives Insiderwissen, das seinesgleichen sucht
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein grossartiges Buch für jeden, den das Thema auch nur ein bißchen interessiert. Das Thema lautet allerdings: "Winston Churchill und der Zweite Weltkrieg" - nicht "Der Zweite Weltkrieg". Immerhin war er aber einer der Key Player - mit erstaunlichen, schriftstellerischen Fähigkeiten. Unbedingt lesen, auch wenn ich viele seiner Ansichten nun wirklich nicht teile!!! Man befürchtet wirklich, die 1100 Seiten könnten irgendwann zu Ende sein ...
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Produkt-Bild: Gefühlte Opfer: Illusionen der Vergangenheitsbewältigung

Gefühlte Opfer: Illusionen der Vergangenheitsbewältigung von Ulrike Jureit, Christian Schneider

Gebundene Ausgabe von Klett-Cotta
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ISBN: 3608946497, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 1. Aufl.
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