|
| |
|
Der imperiale Traum: Die Globalgeschichte großer Reiche 1400-2000 von John DarwinGebundene Ausgabe von Campus VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 49,90 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3593391422, Erscheinungsdatum: August 2010, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Wissenschaftliche & aktuelle Lektüre 5 von 5 PunktenDas 544 Seiten starke Sachbuch des als "Beit University Lecturer in the History of the British Commonwealth" am Nuffield College in Oxford beschäftigten Dr. phil. John Darwin ist unter seinem englischen Originaltitel "After Tamerlane: The Rise and Fall of Global Empires, 1400-2000" bereits im Jahre 2007 publiziert worden..... ...anders als seine beiden früheren Werke "Britain and Decolonization: Retreat from Empire in the Post-war World (Making of the Twentieth Century)" (1989) und "The End of the British Empire: The Historical Debate (Making Contemporary Britain)" (1991), liegt es nun in seiner deutschsprachigen Ausgabe als "Der Imperiale Traum" vor. Nach einem Vorwort und Bemerkungen zu Namen und Schreibweise beginnt der Autor seine Betrachtungen mit dem Erbe des letzten personifizierten Welteneroberers, dem Mongolen Timur bin Taraghay Barlas (1336 - 1405), auch bekannt als Tamerlan oder Timur Lenk. In acht spannenden Kapiteln erzählt Darwin die anschließende 600jährige Geschichte vom Aufstieg und Niedergang von Weltreichen, bis er schließlich auf Seite 461 den Kreis schließt, indem er auf "Timurs Schatten" oder, genauer gesagt, auf den Schatten seines Scheiterns im Zeitalter der Globalisierung zurückkommt. Neben der islamischen Welt, dem China der Mingdynastie, dem portugiesischen Imperium in Asien und den russischen und osmanischen Expansionen gilt die Aufmerksamkeit des Autors vor allem den Interessen Großbritanniens auf dem amerikanischen, asiatischen und afrikanischen Kontinent. Für den britischen Autor nimmt auch der lange Antagonismus seines Landes zu Frankreich einen besoneren Raum ein. Mit Begin des Ersten Weltkrieges befasst er sich auch mit der japanischen Expansion im Pazifik und im Fernen Osten, sowie den Vorgängen im Nahen und Mittleren Osten, bevor er sich mit den Grenzen der nationalsozialistischen Macht im Jahre 1942 auseinandersetzt. Den Abschluss des Buches bildet ein68seitiger Anhang mit Anmerkungen, Zitaten und Quellenhinweisen zu den einzelnen kapitelnein Verzeichnis weiterführender Literatur, ein Kartenverzeichnis (insgesamt 23 Karten) und ein Register. "Die Globalgeschichte grosser Reiche 1400 - 2000", so der Untertitel des Buches, ist ein weiteres Standardwerk des renommierten Autors zur Geschichte des Imperialismus, der stets zu Lasten des eroberten Landes und seiner unterdrückten Bevölkerung ging. Eine wissenschaftlich hintergründige, sowie - auch im Hinblick auf die von der letzten Supermacht angestrebte "Pax Americana" - aktuelle Lektüre. 5 Amazonsterne. |
|
|
August 410 - Ein Kampf um Rom von Mischa Meier, Steffen PatzoldGebundene Ausgabe von Klett-CottaAngebote bei Amazon: ab EUR 14,90 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3608946462, Erscheinungsdatum: Februar 2010, Auflage: 1., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Kompetent und spannend 5 von 5 PunktenAuf den Monat genau 1600 Jahre ist der Kampf um Rom her: Am 24. August des Jahres 410 eroberte ein Heer unter der Führung eines Generals namens Alarich die Stadt Rom. Drei Tage lang plünderten Alarichs Soldaten die alte Hauptstadt des Römischen Imperiums. Am 27. August zogen sie wieder ab. Das ist gesichert. Aber was genau ist damals eigentlich geschehen? Über die Jahrhunderte hindurch gab es viele unterschiedliche Versionen der Ereignisse. Geschichte wird eben von Historikern aufgeschrieben, und diese sind geprägt von der eigenen Zeit und den eigenen Interessen. Über geschichtliche Ereignisse können wir uns also nie sicher sein. So weisen auch die Autoren dieses Buches gleich am Anfang darauf hin, dass ihre Auswahl der Geschichten um den August 410 subjektiv ist. Meier und Patzold beginnen mit den zeitgenössischen Darstellungen. Gleich beim ersten Beispiel, Claudius Claudianus, wird deutlich, wie sehr die eigenen Interessen die Interpretation der Ereignisse prägen, denn Claudianus sichert mit seiner Version seine Stellung. Hieronymus nutzt die Darstellung des Kampfes um Rom, um seine Forderung nach Entsagung zu unterstreichen. In dieser Form geht es weiter mit den wechselnden Sichtweisen und den Umdeutungen der Ereignisse. Meier und Patzold schildern die Historiographien, die sich mit dem August 410 beschäftigen und im Folgenden die Interpretationen der Historiker, die sich auf die Schilderungen der zeitgenössischen Autoren sowie auf die Historiographien stützen. Zum Beispiel wurden die Germanen schließlich als heroische Vorfahren der Deutschen umgedeutet, um einen deutschen Nationalismus zu begründen. Meier und Patzold schreiben kompetent und gründlich, dabei aber nie langweilig. Das Buch liest sich flüssig und spannend und weckt das Interesse am Thema. Vor allem aber macht dieses Buch deutlich, was auch wir Politikwissenschaftler postulieren: Es gibt keine Objektivität! Spätrömische Dekadenz? 5 von 5 PunktenWenn der Vorsitzende einer bekannten deutschen liberalen Partei mit dem Verweis auf eine "spätrömische Dekadenz" Gefahren für unsere Gesellschaft erkannt haben will, dann reiht er sich in eine Jahrhunderte alte abendländische Tradition ein, hinter der zu verschiedenen Zeiten verschiedene gesellschaftliche Ideen und Absichten standen - nur keine liberalen. Dies ist eine der Erkenntnisse, die sich aus dem sehr lesenswerten Buch "August 410" gewinnen lassen. Über das, was wirklich bei der Eroberung Roms durch die Goten unter Alarich im Jahr 410 geschah, gibt es fast keine verläßlichen Dokumente. Eines ist jedoch gewiß: Dieses Ereignis hat die spätantike Welt erschüttert und verlangte nach Erklärungen. Die beiden Autoren zeigen, wie die Eroberung Roms von Zeitzeugen, wie z. B. Augustinus, aber auch späteren Autoren und Historikern bis in das 21. Jahrhundert hinein immer wieder neu dargestellt, ausgeschmückt und erklärt wurde, wie sehr diese Darstellungen von den verschiedenen Lebensumständen und Interessen des jeweiligen Autors beeinflußt wurden und wie diese den Untergang Roms für immer wieder neue Ziele vereinnahmten. "August 410" ist daher kein Buch über die Eroberung Roms durch die Goten, sondern ein Buch über die Rezeption dieses Ereignisses zu unterschiedlichen Zeiten - ein Lehrstück über Geschichte und die Arbeit des Historikers. Sehr interessant sind dabei die Überlegungen, die Meier und Patzold über die Auswirkung des Anschlages vom 11.9.2001 auf die aktuelle nordamerikanische Sicht zum Untergang Roms anstellen, sowie auf die gegenwärtigen Diskussionen, ob der Untergang des römischen Imperiums als Katastrophe oder eher friedliche Transformation in das frühe Mittelalter zu verstehen ist (siehe hierzu Der Untergang des Römischen Reiches: Und das Ende der Zivilisation). Wer Meier als Autor der Biographie Anastasios I: Die Entstehung des Byzantinischen Reiches bereits kennt und dieses ebenfalls sehr lesenswerte Werk bisweilen etwas anstrengend empfand, sollte sich von "August 410" nicht abschrecken lassen - dieses Buch ist weniger umfangreich und mit leichterer Feder geschrieben. Und wer wissen möchte, ob Rom wirklich an seiner "spätrömischen Dekadenz" zugrunde gegangen ist, ob es durch breite Steuersenkungen möglicherweise zu retten gewesen wäre, dem sei Peter Heathers Der Untergang des Römischen Weltreichs wärmstens empfohlen! Die Verbindung von Luxus, Dekadenz und Niedergang selbst ist im Übrigen keine Weltsicht, welche erst als Reaktion auf die Eroberung Roms aufkam, sondern war bereits in der klassischen Antike ein ebenso fester Bestandteil der politischen Diskussion wie z. B. der Begriff Freiheit. Dies zeigt Robin Lane Fox in seiner ebenfalls sehr lesenswerten Geschichte der Antike Die klassische Welt: Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian. Unbedingt empfehlenswert! 5 von 5 PunktenGerade habe ich es aus der Hand gelegt. Selten habe ich etwas derart intelligentes, aber nie gelehrt Daherkommendes gelesen. Mir fehlen die Worte... Wunderbar leicht - wunderbar tiefsinnig 5 von 5 PunktenIch neige dazu, meine Bücherauswahl im Urlaub der erlebten Geschichte des Urlaubslandes zu schulden; die direkte Beschäftigung mit dem Thema an den historischen Stätten führt zu einem besonders emotionalen und bleibenden Eindruck. Hierbei besteht aber die Gefahr, sich von den Emotionen zu einer "persönlichen Geschichtsklitterung im eigenen Erleben" verführen zu lassen. Die Beleuchtung des Themas aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln erhält somit eine starke Bedeutung. Genau dies ist mit dem vorliegenden Werk par excellence gelungen; ja vielmehr ist dieser Aspekt sogar die eigentliche raison d'être. Das Werk ist ein Paradebeispiel dafür, wie Geschichte "entsteht"; somit hat es neben der eigentlichen Behandlung des Themas den großen Mehrwert, vor allem dem geschichtlich Interessierten auch ohne akademischen Hintergrund den Einfluß gesellschaftspolitischer und ideologischer Strömungen der jeweiligen Zeit auf den Betrachter des Ereignisses aufzuzeigen. Auch wenn dies den meistens Lesern solcher Werke sowieso bewußt ist, geschieht dieser Vorgang hier doch auf sehr eindringliche und nachdenklich stimmende Art und Weise. Vielen Dank auch für die Rezension des Mitglieds C. Kadel. Gespickt mit Hinweisen in Form von Hyperlinks zur Vertiefung bestimmter weiterführender Aspekte ist diese Rezension vorbildlich, vielen Dank! Geschichte sehr gut erzählt . . . 5 von 5 PunktenWas geschah im August 410 in Rom ? Die Ewige Stadt Rom wurde von Alarichs Soldaten drei Tage und Nächte lang geplündert. Wie die Goten, Hunnen, Alanen und viele andere Völkerschaften bei der Eroberung Roms genau vorgingen ist heute nicht mehr genau bekannt. Über Ursachen und Wirkungen gibt dieses Buch umfassend Auskunft. Beide Autoren stützen sich in ihrem Buch auf das wenige vorhandene Wissen und entwerfen ein farbiges und zugleich lebendiges Bild vor dem inneren Auge des Lesers. Weder der Althistoriker Mischa Meier noch der Mediävist Steffen Patzold kommen als Hochschullehrer daher. Beinah wie gut ausgebildete Reiseleiter führen sie den Leser durch Zeit und Raum und vermitteln einen sehr guten Einblick in einen unbekannten Winkel der Geschichte. |
|
|
Geschichte unterrichten: Eine Einführung in die Didaktik und Methodik von Michael SauerTaschenbuch von KallmeyerAngebote bei Amazon: ab EUR 13,25 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3780049252, Erscheinungsdatum: 2006, Auflage: 7., aktualis. u. erw. Aufl. |
3 Kundenrezensionen:Optimal fürs Studium 5 von 5 PunktenIm Gegensatz zu anderen Büchern für das Geschichte Studium ist dieses wirklich eine Hilfe beim Lernen! Wo andere Bücher eher mehr Arbeit als Nutzen bringen glänzt dieses Buch durch eine klare Gliederung und treffende Inhalte! Sehr nützlich fürs Studium! Pflichtlektüre für jeden Geschichtslehrer 5 von 5 PunktenDas Buch von Michael Sauer erleichtert den Einstieg in das Fach Geschichte als Lehrender. Daher ist dieses Werk hervoragend für Referendare geeignet. Sauer streift die Theorie nur am Rande und legt den Fokus auf die Unterrichtspraxis. Sehr empfehlenswert. "[S]o viel Praxis wie möglich, so viel Theorie wie nötig" (5) 4 von 5 PunktenMichael Sauers "Geschichte unterrichten", 2006 bereits in fünfter Auflage erschienen, ist das Standardwerk für angehende GeschichtslehrerInnen: "[S]o viel Praxis wie möglich, so viel Theorie wie nötig" (5) verspricht der Autor in der Einleitung. Diesem Anspruch wird die Darstellung größtenteils gerecht, auch wenn man die Praxis natürlich nur an einem Ort lernen kann: Im Klassenraum. Zu Beginn der Darstellung erläutert Sauer den auf Jeismann zurückgehenden Begriff des Geschichtsbewusstseins, der "in den letzten Jahren zu einem zentralen Begriff der Geschichtsdidaktik geworden" (9) ist: "Nur der Mensch ist in der Lage, langfristig Erfahrungen zu sammeln, zu tradieren, auf die Gegenwart beziehen, sich selber, seine Mitmenschen und seine Welt als geschichtlich wahrzunehmen: Geschichtsbewusstsein - in welcher Form auch immer - ist eine Eigentümlichkeit und ein Wesensmerkmal des Menschen" (ebd.). Nach einer grundlegenden Einführung in lernpsychologische Aspekte beschäftigt sich die Darstellung im Folgenden mit "Themen - Auswahl, Strukturierung, Zugänge" (Kapitel 3), "Lehren und Lernen - Prinzipien und Methoden" (Kapitel 4), "Medien" (Kapitel 5) und "Dokumentation und Präsentation" (Kapitel 6). Jedes Kapitel ist in zahlreiche Unterabschnitte unterteilt. In Kapitel 4, zum Beispiel, werden verschiedene Unterrichtsprinzipien, also "Leitlinien und Grundsätze [...], die dem Unterricht zugrunde liegen sollten" (76), wie Alteritätserfahrung, Personalisierung und Personifizierung oder Handlungsorientierung vorgestellt. Im Folgenden wird auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Unterrichtsplanung sowie auf die vor allem für Unterrichtsbesuche anzufertigenden Verlaufskonzepte eingegangen. Schließlich werden verschiedene Unterrichtsformen wie Lernziele oder Projektarbeit analysiert. Dank der übersichtlichen Struktur eignet sich "Geschichte unterrichten" nicht nur als Einführung, sondern auch als Nachschlagewerk. Braucht man Informationen zum Umgang mit einem bestimmten Medium im Unterricht, bekommt der Leser auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen zu diesem Thema präsentiert. Insgesamt bleibt die Darstellung empfehlenswert, wobei sie allerdings nicht adäquat auf die Praxis vorbereiten kann. Kein Buch kann tägliche Erfahrung auch nur annähernd ersetzen. |
|
|
Kasino-Kapitalismus: Wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist von Hans-Werner SinnBroschiert von Ullstein TbAngebote bei Amazon: ab EUR 9,50 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3548373038, Erscheinungsdatum: Juni 2010 |
5 Kundenrezensionen:Ein tolles Buch! 5 von 5 PunktenEndlich wird die Finanzkrise anschaulich und mit einfachen Worten erklärt. Ein MUSS für (angehende) Ökonomen und für jene, welche mit der Finanzkrise bislang wenig anfangen konnten, sich aber dennoch dafür interessieren. Ein gut verständliches Buch für Interessierte 5 von 5 PunktenFür Leute die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt haben und darüber mehr erfahren wollen ist dieses Buch meiner Meinung nach gut geeignet. aktueller und anschaulicher Politikband 5 von 5 PunktenProf. Sinn hat in diesem Werk äußerst anschaulich und sehr ausführlich das Entstehen der globalen Finanzkrise erläutert. Der Leser kann daraus selbstständig im Vergleich zu Presseaussagen und Inhalten von Fernsehtalkrunden zu eigenen begründeten Argumenten gelangen. Sinn hat es verstanden - Beifall zu diesem Werk! 5 von 5 PunktenDiesem Buch kann es gelingen, dem wenigstens im bescheidenen Maße ökonomisch Vorgebildeten das Verständnis zu den Ursachen und zum Verlauf der Finanz- ,und in ihrem Gefolge, Weltwirtschaftskrise zu vermitteln. Dabei sind die ökonomischen Modelle, auf die der Autor zurückgreift, zumeist allgemeinverständlich beschrieben. Ebenso beeindruckend wirkt, dass Hans-Werner Sinn die Ursachen der jetzigen Krise nicht nur auf der makroökonomischen Ebene, z.B. auf der Ebene des Geldumlaufes verstanden und intellektuell durchdrungen, sondern auch mikroökonomisch einiges zu jenen riskanten Finanzprodukten und den Eigendynamiken des Handels mit ihnen zu sagen hat. Wer nur ein einziges Buch zu diesem Thema lesen möchte, dem sei dieses aufs Beste empfohlen. Aber natürlich, jene... geistesgewaltig... wortspielenden Systemlinken ("Sinn-Krise"...) werden auch diesmal schmollend vor der Tatsache stehen, dass einige "Basics" des Lebens, die man nun einmal nicht hinweg-fordern kann, auch Eingang in die ökonomische Theorie gefunden haben, auf die Sinn, als Volkswirtschaftler, für seine Erklärungen zurückgreift. Zu diesen Tatsachen, welche das linke Gemüt kränken, gehört z.B., dass man Menschen ohne Einkommen keine Kredite geben sollte, dass Investoren ihr Geld eben dorthin geben, wo es den meisten Ertrag verspricht, und dass jeder, der einzelne, ein Unternehmen und, ja, auch der Staat irgendwann Probleme bekommt, wenn er, beinahe schon schneeballsystem-artig, seine alten Kredite stets nur mit neuen bedient und sogar noch weiteres Geld aufnehmen muss. Wem solche Konzepte keine Probleme bereiten, wird Sinns Analyse mit einigen Aha-Effekten und manchem "Ach-das-wusste-ich-noch-gar-nicht" dankend aufnehmen. Spritzig 5 von 5 PunktenDas Buch ist hochinteressant. Mit den Fachbegriffen hat man keine Schwierigkeiten, da sie einzigartig erklärt sind. Man merkt "nur" am Ende, dass man "so schnell" 30-40 Seiten gelesen hat. Die Vergleiche (Ratingagenturen mit ADAC) sind einfach KLASSE. |
|
|
Anmerkungen zu Hitler. von Sebastian HaffnerTaschenbuch von Fischer (Tb.), FrankfurtAngebote bei Amazon: ab EUR 1,00 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3596234891, Erscheinungsdatum: März 1981, Auflage: 28 |
5 Kundenrezensionen:In dieser Kürze, dieser Dichte nichts Besseres 5 von 5 Punkten"Zur Aufklärung der Nachgewachsenen" aber auch zur Reflexion derjenigen, die 'dabeigewesen' sind, gibt es in dieser Kürze, dieser Dichte nichts Besseres", kommentierte die SZ, als Haffners ANMERKUNGEN ZU HITLER 1978 erschienen. Und ich denke, dass dieses Urteil nach wie vor Gültigkeit hat - ungeachtet der heute unübersehbaren Fülle an Literatur über Hitler, das Dritte Reich, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. ANMERKUNGEN ZU HITLER besticht durch seine Mischung aus Sachlichkeit, Dichte und sprachlicher Klarheit und ist damit auch Laien zugänglich. Obwohl dieses essayistische Bändchen nicht einmal 200 Seiten zählt, ist es dem genialen Publizisten Sebastian Haffner (1909-1999) gelungen, wesentliche Aspekte zu Person, Politik und Verbrechen von Adolf Hitler mit größter Klarheit abzuhandeln. In 7 Kapiteln (Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen, Verrat) nähert sich Haffner präzise seinem Gegenstand. Und vertritt dabei auch Ansichten, die nach heutigen Maßstäben durchaus ketzerisch wären. So wagt er mit einem unverstellten Blick auf Hitlers "Leistungen" gleich im zweiten Kapitel etwas, das aus nachvollziehbaren Gründen in der heutigen Öffentlichkeit einem Tabubruch gleichkommen würde - eine Anerkennung von Hitlers Wirtschaftspolitik. Haffner verschweigt nicht, dass gerade der nicht zu leugnende wirtschaftliche Aufschwung Hitler entscheidende Sympathien in der Bevölkerung einbrachte. Damit allerdings wären etwaige Huldigungen auch schon erledigt. Hitlers Politik war schließlich nicht auf Dauer angelegt: "Aber eines war er nie: ein Staatsmann." Wie Haffner schon im ersten Kapitel schreibt, ordnete Hitler seine Politik - und damit das Schicksal Deutschlands - letztlich seiner "Autobiographie" - seinen Lebenszielen - unter. Von Hitlers "Erfolgen" zeigt sich Haffner weitgehend unbeeindruckt. Bemerkenswert ist dabei, dass er den entscheidenden Grund für die innenpolitische Krise, die zur Auflösung der Weimarer Republik und zur Errichtung der Nazidiktatur führte, nicht in der Weltwirtschaftskrise, sondern in der inneren Ablehnung der Konservativen gegen Weimar verortet. Auch Hitlers außenpolitische "Erfolge", die zunächst im Zeichen der britischen "Appeasement"-Politik und später unerwartet schneller militärischer Siege standen, führt Haffner in erster Linie auf die Schwäche der Siegermächte des 1.Weltkriegs zurück. Haffner bescheinigt Hitler zwar "einen Instinkt dafür, was schon im Fallen, was schon im Sterben war... aber dieser Instinkt, zweifellos für einen Politiker eine nützliche Gabe, gleicht weniger dem Blick des Adlers als der Witterung des Geiers." Hitlers Rassismus, Antisemitismus und Lebensraum-Ideologie werden nüchtern in einem Kapitel namens "Irrtümer" abgehandelt. Die scharfsinnige Analyse der inneren Widersprüche von Hitlers Antisemitismusideologie zählt zu den besten Abschnitten des Buchs - ein Grund mehr, sich ANMERKUNGEN ZU HITLER zuzulegen. Ist "Irrtümer" der Nazi-Ideologie gewidmet, legt "Fehler" den Maßstab an Interessenspolitik und Staatsräson. Hier fallen zwei Überlegungen Haffners besonders ins Auge: erstens die Behauptung, durch die Vertreibung und Verfolgung der im Grunde patriotischen deutschen Juden habe sich Hitler im Streben nach Weltherrschaft im Grunde selbst geschadet; zweitens Hitlers Konzeption vom Krieg und Haffners entschiedene Aussage, Kriege würden geführt, um Frieden zu schließen. Während das erste Argument daran krankt, dass Haffner - für heutige Ansichten nahezu ketzerisch - kurz mit dem Gedanken an Deutschlands Vorherrschaft in Europa 1940 quasi liebäugelt ("hätte Deutschland damals einen Bismarck gehabt und nicht Hitler") und außerdem unter "Irrtümer" festgehalten hatte, dass Hitlers Antisemitismus ja nicht rationaler Art war, sondern Ausdruck "paranoiden Irrsinns", ist Haffners zweite Thesenführung überzeugender. Was einen Ausblick auf das Kapitel "Verbrechen" lohnt. Dort fällt Haffners Argumentation in puncto Völkerrecht ins Auge. Zwar beweist die Weltgeschichte in Haffners Augen, bei aller Tragik, das Bestreben der Völker, Kriege mit Friedensschlüssen dauerhaft zu beenden; doch ist umgekehrt "ein Weg, den Krieg abzuschaffen, noch nicht gefunden." Haffner kritisiert in diesem Zusammenhang den Nürnberger Prozess und seinen Hauptanklagepunkt, der als "Verbrechen gegen den Frieden" deklariert war. In seinen Augen scheiterte der Prozess, weil er damit den maßgeblichen Verbrechen Hitlers - die keine üblichen Kriegsverbrechen waren, sondern unabhängig vom eigentlichen Kriegsgeschehen stattfanden - nicht gerecht wurde. Als der Krieg längst verloren war, richtete sich Hitlers Zorn gegen das deutsche Volk (Kapitel "Verrat"). Und hier wagt Haffner auch den Versuch, Hitler in die deutsche Geschichte einzuordnen. Hitler, so sein Urteil, falle aus dieser schon deshalb heraus, weil er kein Staatsmann war. Er war "ein Unikum, ohne Vorläufer und Nachfolger", und "etwas Unerwartetes", "Fremdartiges". Was schließlich einen Blick auf Haffners vielsagendes Urteil im ersten Kapitel lohnt. Hitlers Leben war, von Politik abgesehen, "inhaltslos". Seine Ehe-und Kinderlosigkeit, sein Mangel an Bildung unterscheidet ihn Haffner zufolge klar von anderen Potentaten wie Napoleon, Bismarck, Lenin und Mao. Haffners entschiedene Schlussfolgerung: "Das entscheidende Kennzeichen dieses Lebens ist seine Eindimensionalität." Besser, kürzer lässt es sich wohl nicht sagen. kompakt und brilliant 5 von 5 PunktenÜber Sebastian Haffner wurde schon viel Kluges geschrieben. Nur soviel: Das Buch ist kompakt, publizistisch-provokant und brilliant. Man darf keinen sachlich-sauberen Historiker erwarten, sondern darf sich an seinen neuen, zugespitzen Sichtweisen erfreuen. Wen die erste Seite begeistert, der wird das gesamte Büchlein mit Freude und Gewinn lesen. Das Schlaueste, was es über Hitler zu lesen gibt 5 von 5 PunktenDie "Anmerkungen" lese ich nun schon zum drittenmal, sie sind es einfach wert. Haffner stellt Hypothesen auf, die alles andere als Hirngespinste sind. Überzeugend baut er seine Theorien über Ziele und Denkweisen des "großen Diktators" auf und hat den Mut auch über die durchaus beeindruckenden Leistungen Hitlers zu schreiben. Damit liefert er mehr als jeder andere Autor eine überzeugende Antwort zu der immer wieder aufgeworfenen Frage, warum die Deutschen diesem Mann so bedingungslos gefolgt sind (jedenfalls eine Zeit lang). Lobend sei auch die leicht verständliche "Schreibe" Haffners erwähnt, mit der er sich -nicht nur in diesem Werk- von den Arbeiten der meisten Profi-Historiker abhebt. Haffner, Anmerkungen zu Hitler 5 von 5 PunktenDies ist wohl das beste Buch, das je ueber Hitler geschrieben wurde: prezise, thematisch klar, psychologisch fundiert, unbedingt empfehlenswert. Verschenke nun die beiden Exemplare... Wertvolles Buch zur jüngeren Geschichte 5 von 5 PunktenDas Buch wurde in mindestens so gutem Zustand geliefert, wie angeboten. Lieferung umgehend. Inhaltlich ist seine Lektüre ein Muss für Geschichtsinteressierte. |
|
|
Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts von Jürgen OsterhammelGebundene Ausgabe von C.H.BeckAngebote bei Amazon: ab EUR 47,30 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3406582834, Erscheinungsdatum: April 2009, Auflage: 4. Aktual. |
5 Kundenrezensionen:Nicht vermessen, aber eine Vermessung der Welt 5 von 5 PunktenVieles wurde von den RezensentInnen an dieser Stelle schon zutreffend gesagt. Ein wesentlicher Aspekt besteht m.E. darin, dass der Autor zumindest versucht, die Perspektive vom "Westen" wegzurücken und auf die übrigen Kulturräume, soweit sie einer Geschichtsschreibung zugänglich sind, zu verschieben. So entsteht beim Leser das Gefühl für eine scheinbar paradox anmutende "Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen". Es liesse sich fragen, welcher Begriff von "Fortschritt" - wenn überhaupt - welcher Kultur zugrunde liegt. Das Buch ist nichts weniger als gewissermassen eine "Vermessung der Welt", indem Osterhammel die Koordinaten seiner Untersuchung deutlich definiert, innerhalb derer er sich erzählend bewegen will. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis erhellt das Verfahren. Hochspannend sind z.B. die Einlassungen über "Imperien" und "Nationalstaaten", die Überlegungen zu "Frontiers", zu Städten usw. Ist etwa der verfasste Staat, gemäss der uns vetrauten Definition in afrikanischen Gesellschaften ein taugliches Modell ? Naturgemäss lässt sich das Buch auch als Geschichte der Globalisierung lesen, deren Anfänge allerdings noch weiter hinter den untersuchte Zeitraum zurückreichen. Osterhammel weist, wo nötig, auch immer in beide Richtungen über den kalendarischen Raster hinaus. Dieses Werk ist für den Laien ein Lehrstück dessen, was moderne Historiographie leisten kann und kaum verzichtbar für jene, die eine tiefere Vorstellung von der heutigen bewohnten Welt haben möchten. Keinesfalls sollte man sich aber von Umfang und Preis abschrecken lassen. Es ist die Mühe - hier eher ein grosses Vergnügen - und die Kosten allemal wert. Sehr gut, nicht nur für Fachpersonen 5 von 5 PunktenDas Buch ist zwar sehr umfangreich, kann aber auch Abschnittweise gelesen werden, dank der sehr guten Strukturierung. Die einzelnen Abschnitte lassen sich demnach auch einzeln genießen - in etwa wie die Artikel einer detaillierten Enzyklopädie. Der Autor, Professor in Konstanz, ist einer der modernen, in der Regel jüngeren Historiker, die sich um eine objektive (quasi naturwissenschaftliche) Verankerung ihres Fachs bemühen. Dementsprechend spielt bei ihm der theoretische Zugang zu den untersuchten Ereignissen die entscheidende Rolle: der erste Teil, "Annäherungen", ist der Technik gewidmet, dem Instrumentariums moderner Geschichte, und ich fand seine Ausführungen äußerst spannend. Man untersucht ja Dinge, die sich in Raum und Zeit zugetragen haben. In welcher Koordinate soll der Historiker also den Schnitt legen: in der Zeit (gewisse Epoche) oder im Raum (Land, Reich, Kontinent, etc)? Untersuchungen, die beides wollen, also ausschöpfend in Raum und Zeit sein möchten, ufern leicht aus. Der Autor entscheidet sich für eine flexible Mischtechnik, indem er sich relevante Themen vornimmt (etwa: Presse, Religion, Lebensbedingungen, etc), welche er am Beispiel einiger Kulturen vorstellt. Wie hat sich die freie Presse in Europa, Asien und Amerika entwickelt? Diese Regionen sind in etwa seine Leitmotive: Asien und Amerika als Vergleichsterme sorgen dafür, dass das Alte Kontinent nicht mehr als "Nabel der Welt" gilt, und ermöglicht einen globalen Blick. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtbild, aber nicht aus unzähligen Punkten, auch nicht aus groben Linien, sondern aus "Farbtupfern". Es erinnert mich an die impressionistische Malerei, oder an ein grobes Pixelbild, auf dem man zwar Details vermissen mag, aber dafür eine gute Vorstellung der Ganzen bekommt, auch in dynamischer Hinsicht. Für meine Begriffe eine effektive und faire Technik - sehr erfrischend. Nicht zufällig wird die naturwissenschaftlich geschulte Leserschaft viele der verwendeten Begriffe wieder erkennen: Speichermedien, Statistik, Sattelzeit, Uhr und Beschleunigung, Raum/Zeit, Metageographie, Relativität von Raumvisionen, Interaktionsräume, etc - um einige Stichworte aus dem ersten Teil zu nennen. Mein Fazit: ein sehr gutes Buch, welches nicht nur Fakten vermittelt (obgleich dieser Aspekt wahrlich nicht zu kurz kommt), sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das man nach der ersten Lektüre sicherlich nicht im Regal wird verstauben lassen, sondern immer wieder mal hervorholen wird, um sich gut zu unterhalten - und um sich seine Gedanken zu machen. Einziger Minuspunkt (wofür der Autor freilich nichts kann) durfte der Preis sein. Für Bibliotheken und Fachleute kein Problem, aber welcher Student/Studentin oder gar 'Otto-Normalleser' wird diese Anschaffung en passant tätigen? Hohe Verkaufszahlen hätte das Buch jedenfalls verdient. Ein Meilenstein der Geschichtsschreibung! 5 von 5 PunktenIm Grunde genommen könnte ich mir diese Rezension sparen, denn meine Vorredner haben über dieses monumentale Werk von Prof. Osterhammel bereits alles gesagt. Prof. Osterhammel hebt mit dieser Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts die Meßlatte in diesem speziellen und ohnehin äußerst anspruchsvollen Bereich der Geschichtsschreibung um ein großes Stück an: Ein einnehmender und eleganter Sprachstil, angenehmes Unterlassen von einseitig subjektiver Wertung, sorgsam recherchierte Fakten in wahrlicher Hülle und Fülle. Und für die Ästheten: Wunderschön gebunden und auf qualitativ hochwertiges Papier gedruckt. Kurzum: So sieht die geschriebene Vermittlung historischen Fachwissens auf höchstem Niveau aus. Glasklare Kaufempfehlung! Wer und was wir sind... 5 von 5 PunktenEs gibt Bücher, die begleiten einen über einen Zeitraum im Leben, und vieles von dem, was man in dieser Zeit erlebt, wird mit dem, was man liest, in Zusammenhang gesetzt. Und das eröffnet einem dann neue Horizonte, man sieht mit anderen Augen, man versteht Dinge, die man sonst nicht verstanden hätte. Meist sind es die großen, berühmten und langen Romane, von Thomas Mann, von Max Frisch, Thomas Pynchon oder auch von John Irving, bei denen das mir so geht. Doch hier, bei "Die Verwandlung der Welt" war es zum ersten Mal ein Sachbuch, das bei mir diesen Effekt hatte. Dabei liegt der Grund nicht, jedenfalls nicht nur, in der Länge des Buches. Fast drei Monate hat dieses Buch begleitet. Während dieser Zeit haben mich die Themen dieses Buches kaum losgelassen. Das hat viel Zeit gekostet. Und noch schlimmer, es hat mich auch noch ständig zum Querlesen, zum Nachschlagen in anderen Büchern verführt. Dabei scheint das Thema doch eigentlich trocken zu sein. Laut Untertitel wird hier die Geschichte des 19. Jahrhunderts erzählt. Aber schon das ist eigentlich ungenau. Denn erzählt wird auch schon viel über die amerikanische Unabhängigkeit und die französische Revolution, und auch der Kolonialismus nach 1900 und der Weg zum 1. Weltkrieg kommt nicht zu kurz. Offenbar geht es hier also um ein Jahrhundert, welches mindestens 150 Jahre dauert. Aber vielleicht ist es gar nicht mal so die Vergangenheit, um die es hier geht. Der eigentliche Titel des Buches, "Die Verwandlung der Welt" trifft es hier viel besser. Es geht dem Autor offenbar darum, zu beschreiben und zu begründen, warum unsere heutige Welt so ist, wie wir sie jetzt erleben. Warum sehen unsere Städte so aus, wie sie heute aussehen? Warum sind sie so groß geraten, haben eine so komplexe Infrastruktur, haben eine Funktion im einem eigenen, globalen Netzwerk, das die großen Metropolen untereinander oft mehr zu verbinden scheint, also diese mit dem Land um sie herum verbunden sind? Warum erleben wir ein ungebremstes Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern, dass historisch ohne Beispiel ist, während ein anderer Teil der Welt Probleme mit der Überalterung und fehlendem Nachwuchs hat (was historisch zumindest selten war)? Wie sind die Massenmedien entstanden, so wir wie sie heute kennen? Wie erklärt sich die merkwürdige Verteilung von Armut und Reichtum in dieser Welt, und ist die Ungleichverteilung eine historische Konstante oder gibt es Alternativen zu der heutigen, spätkapitalistischen Welt? Sind Kapitalmärkte eine temporäre, historische Erscheinung oder einfach eine unvermeidliche Notwendigkeit, wie uns viele Politiker in den letzten Jahren weismachen wollten? Und vielleicht der aktuell spannendste Punkt: Was hat es eigentlich auf sich mit der merkwürdigen Hegemonie der Anreinerstaaten des nördlichen Atlantiks über den Rest der Welt? Der Überlegenheit der "Westlichen Zivilisation"? Und wenn wir über deren Voraussetzungen im 19. Jahrhundert sprechen: Dauern diese eigentlich heute noch an? Ich persönlich habe ein Gefühl, dass mit diesem Buch eine Art von Standardwerk entstanden ist. Nicht so sehr als Nacherzählung der Geschichte des 19. Jahrhunderts, sondern eher als eine Erklärung der Ursprünge unserer eigenen Zeit. Diese zu verstehen, sich damit selbst zu verstehen, das könnte uns bei vielen aktuellen Konflikten wirklich weiter helfen. Meine Befürchtung ist nur, dass leider viel zu wenige Menschen in unserer Gesellschaft sich die Zeit nehmen werden, sich ernsthaft mit diesem Buch und seinen Inhalten auseinander zu setzen. Lebendige Geschichte für Jedermann 5 von 5 PunktenIch habe mir dieses Buch im Zuge einer Lehrveranstaltung meines Studiums gekauft. Doch etwas erschrocken war ich über den Umfang des Buches, zumal die Schriftgröße auch eher klein ist. Auch der Kaufpreis ist für einen Studenten wie mich nicht gerade günstig und wer nicht regelmäßig seine Arme trainiert wird mit der Handhabung auch seine Probleme haben. Sinnvoll wäre die Benutzung eines Foliantenhalters, oder der Verlag unterteilt das Buch in einzelne Bände. Tatsächlich entpuppte sich das Buch als eine interessante Lektüre, obwohl ich in der Freizeit eher Fantasybüchern und historischen Romanen den Vorzug gebe, las ich das Buch mit stetigem Interesse und würde es an diesem Zeitpunkt auch als gute Freizeitlektüre bezeichnen, wenn man sich für den geschichtlichen Inhalt interessiert. Viele Fachbücher, die im Rahmen universitärer Kurse angepriesen und vorausgesetzt werden, sind schwer zugänglich und staubtrocken geschrieben. Osterhammels Buch hingegen liest sich wie ein anspruchsvoller Roman und schafft ein Werk, welches ich als "Infotainment" bezeichnen würde. Da die Kapitel inhaltlich nicht zwingend aufeinander aufbauen, sondern auch getrennt und unabhängig gelesen werden können, bietet es sich auch als Nachschlagewerk für Abiturienten oder Studenten an. Zusammenfassend also eine 5-Sterne-Bewertung mit Vorbehalt wegen des Preises und der Handhabung. Hier eine kurze Zusammenfassung des Buches, die mit meiner Rezension nichts mehr zu tun hat Das opulente Werk Die Verwandlung der Welt von Jürgen Osterhammel erzählt die Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts auf eine facettenreiche und schwungvolle Art und Weise. Aus einer Vielzahl von Quellen und unterschiedlicher Blickwinkel gibt er einen tiefreichenden Einblick in die Zeitepoche des 19. Jahrhunderts. Er beschreibt dieses Epoche als das erste globale Jahrhundert und das letzte europäisch dominierte. Das Ziel seines Buches ist eine Abweichung von der traditionellen eurozentrischen Geschichtsdokumentation und das Aufzeigen von Strukturen und Mustern, Gemeinsamkeiten und Unterschieden, Zäsuren und Kontinuitäten. Dadurch entfernt sich sein Werk von den Standartbegriffen des Kolonialismus und Industrielle Revolution und zeichnet einen weitaus umfassenderen Rahmen, der Natur-Menschbeziehungen, Krankheit und Andersartigkeit, Besonderheiten von Urbanisierung, unterschiedliche Formen von Bürgerlichkeit, Migration und Sesshaftigkeit sowie Religiosität und Säkularisierung mit einbezieht. Er betrachtet weniger die traditionell betrachteten Ereignisse wie Schlachten, Krisen etc. sondern vielmehr weltweit entstehende Phänomene und Ereignisse und versucht diese miteinander in Beziehung zu bringen. Dabei stellt Osterhammel immer wieder einen Bezug zur Realität her und verlässt auch bei geschichtlichen Rückblicken immer wieder bewusst das Zeitfenster des 19. Jahrhunderts. Ihm zufolge können Prozesse und Kontinuitäten im 19. Jahrhundert nur verstanden werden, wenn sie in ihrer Gesamtheit Epochen übergreifend betrachtet werden. Sein Buch hat dadurch den nicht geringen Anspruch, dem Leser eine weltgeschichtliche Perspektive aufzuzeigen, indem er von Europa beginnend unter einer Vielzahl von Aspekten über den Erdball schweift und die Herauslösung von Japan, China und den USA aus der Peripherie beschreibt. Er beginnt seine Erzählung mit dem Hinweis, dass mit Schildkröte Hariett, die Charles Darwin von seinen Forschungsreisen mitgebracht hatte, im Jahr 2006 die letzte Zeitzeugin des 19. Jahrhunderts gestorben war. Tatsächlich gibt diese Geschichte eine inhaltliche Vorschau über eine Vielzahl von Hauptthemen aus seiner Erzählung: Die Archivierungsleidenschaft des 19. Jahrhunderts, ohne die man nicht gewusst hätte, wer Hariett ist, die Wanderungen von Sträflingen, Arbeitern und Unternehmern, Forschungsreisen von Wissenschaftlern und die Jagt auf Kulturschätze aus fernen Ländern sowie deren Verteilung in Museen rund um den Globus, auf dem Imperien die entlegensten Orte miteinander verbanden. Wie der Titel des Buches vorwegnimmt, geht es Osterhammel nicht um eine teleologische Erzählung von Nationalismus, Kolonialismus, Modernisierung, Standardisierung und Globalisierung sondern um die Erfassung weltweit beginnender Prozessen, in denen er Parallelen und Unterschiede aufzeigt. Darüber hinaus stellt er die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten der Geschichtsschreibung, Chronologie und Geographie mentaler Landkarten als orts- und zeitgebundene Vorurteile in Frage. Als Beispiel nennt Osterhammel die Französische Revolution, die außerhalb von Europa kaum zu spüren war und fokussiert seine Inhalte eher auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert, auf das Victorianische Zeitalter und das fin de siécle wie er es nennt. Er arbeitet fünf wesentliche Merkmale des 19. Jahrhunderts hervor: 1. Technologischer Fortschritt unterteilt die Welt in arm und reich 2. Wachsende Mobilität durch die Eisenbahn 3. Kommunikative Vernetzung durch Telegraphen 4. Spannung zwischen Gleichheit und Hierarchie 5. Emanzipation Die Kapitel des Buches bieten ein Panorama der Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts von Lebensverhältnissen und -chancen der Bevölkerung sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, insbesondere in den kolonialisierten Bereichen der Welt. Naheliegend ist auch die Fokussierung auf die Gebiete des amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Kontinents und weniger auf die europäischen Nationalgeschichten. Ein bedeutendes Thema für Osterhammel ist die Sklaverei sowie deren schrittweise Abschaffung im 19. Jahrhundert und die daraus in Verbindung stehenden Diskussionen und deren Bedeutung in den Gesellschaftsteilen. Auch hier zeigt sich Osterhammels Vorgehensweise beim Aufzeigen von Parallelen und Unterschieden, wenn er den Anstieg der Sklaverei in Teilen Südamerikas gleichzeitig mit dem Abklingen auf dem Nordamerikanischen Kontinent vergleicht. Im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt durch Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telegraphen, äußert Osterhammel seine wohl provokanteste These: Das 19. Jahrhundert sei weniger eine Epoche von Nationalstaaten und Nationalismus, sondern vielmehr eine Epoche von zukunftsträchtigen Imperien, die erst im 20. Jahrhundert entweder untergehen (Deutschland), sich umstrukturieren (China) oder von anderen beerbt werden (Großbritannien). Interessant in diesem Zusammenhang ist die Einbeziehung nicht nur der großen Reiche wie Großbritannien, Russland oder China, sondern auch der Staaten, die in der traditionellen Geschichtsschreibung als neue Nationalstaaten bekannt sind. Diese These belegt er später durch den Vergleich der unterschiedlichen Definitionen von Nationalstaaten mit der Realität von Staats- und Bevölkerungsstrukturen, verfällt aber nicht dazu den Nationalismus als Hauptthema des Buches zu verwenden. |
|
|
Unternehmen Patentenraub 1945: Die Geheimgeschichte des größten Technologieraubs aller Zeiten von Friedrich GeorgGebundene Ausgabe von GrabertAngebote bei Amazon: ab EUR 14,48 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3878472412, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 5., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Ausgezeichnete Arbeit 5 von 5 PunktenEin herausragendes Buch zu einem wichtigen, lange Zeit heruntergespielten Thema. Unbedingt lesen. Kaufempfehlung absolut Topp. Augenöffner und Pflichtlektüre - Allerdings mit haarsträubenden Fehlern! 4 von 5 PunktenZuallererst: Wenn ein Buch bereits in der 4. Auflage erscheint, dann sollte man erwarten können, dass ein sauberes Lektorat stattgefunden hat. Darüberhinaus sollte man erwarten können dass Darstellungen und Visualisierungen im Buch von einwandfreier Qualität sind. Daran mangelt es dem Buch in ausserordentlicher Weise! Einige Beispiele: S. 132: Die irakische Stadt wird als "Mosul" bezeichnet, gleichwohl im vorherigen Satz die korrekte Namensbezeichnung "Mossul" erfolgte. S. 139: Grafische Darstellung der Weltkohlereserven. Fast unleserliche Wertebezeichnungen. Darüberhinaus wird ein Teil der Grafik vom linken Rand abgeschnitten. S. 208: Der Panzertyp "Jagdtiger" wird im Fließtext als "Jadgflieger" bezeichnet. (In der nebenbestehenden Grafik wird allerdings der korrekte Name genannt). S. 238: Es wird vom modernen Düsenjäger ME 162 gesprochen. Das war allerdings ein konventionelles Propellerflugzeug. Gemeint ist wohl die ME 163 Komet. S. 304: "... die geradezu überwältigend noch waren." statt korrekterweise "... die geradezu überwältigend hoch waren." Manche grafischen Darstellungen sind meiner Meinung nach auch eher für Bereich eines Hobbyauthors akzeptabel. Z.B. Darstellungen von Deckelmotiven aus Modellbausätzen, oder Fotografien eines mittelmäßig zusammengebauten Plastikflugzeugmodells. Ich muss mich zusammenreissen um für diese eklatanten und sehr ärgerlichen handwerklichen Schnitzer nicht mehr als 1 Punkt abzuziehen. Soetwas darf einfach nicht vorkommen. Davon wird die ganze Qualität des Buches in Frage gestellt! Man kann nur hoffen dass diese Qualitätsmängel schnellstmöglich beseitigt werden! Nun aber zum eigentlichen Inhalt: Das Buch zeigt auf, welch gigantischem Diebstahl und der Ausplünderung geistigen Eigentums Deutschland nach dem Krieg ausgeliefert war. Den Siegern, allem voran den USA, war jedes Verbrechen recht um das benötigte Wissen zum alleinigen Aufstieg zum Weltmacht zu ergaunern. Ablauf: - Wirtschaftliche Ursachen zum Kriegseintritt der USA (Grundlagenforschung in den USA Anfangs des 20. Jahrhunderts total unterentwickelt, Verhältnis der Nobelpreisträger in Chemie, Medizin und Phsyik bis 1945 USA/Europa: 18:113, starke Konkurrenz des deutschen Warenhandelsystems zu Lasten des angelsächsischen Kapitalismus, drohende Depression der vollkommen unausgelasteten und auf altmodische Erzeugnisse ausgerichteten US Industrie) - Die generalstabsmäßige Vorbereitung des Kriegseintritts durch Roosevelt. Der Neutralitätswunsch der Bevölkerung wurde durch gigantische Rüstungslieferungen an England und Russland und schließlich durch den schon Wochen vorher bekannten Angriff auf Pearl Harbour ausgehebelt - Festlegung der Ziele zur wirtschaftlichen Ausplünderung deutschen Wissens bereits Ende der 1930er Jahre. Dort wurde bereits von einer notwendigen Besetzung Deutschlands gesprochen um diesen Raubzug zum Erfolg führen zu können - Völkerrechtswidrige Erlasse eines Henry Truman um diesen Raub auf eine "legale" Grundlage zu stellen etc.... Mehrere 10000 Tonnen Dokumente, Patente etc. in Papierform wurden nach Kriegsende in speziell errichtete Auswertungsstellen verschifft und der amerikanischen Industrie zugänglich gemacht. Darüberhinaus wurden Industrieanlagen, Mustergeräte, Maschinen, Werkstoffe etc. ebenso in die USA verbracht. Nichts sollte zurückbleiben und der amerikanischen Wirtschaft sollte ein uneinholbarer technischer Vorsprung gesichert werden. Da viele Dokumente oder Maschinen von den grundlagenschwachen amerikanischen Wissenschaftlern überhaupt nicht verstanden wurden, wurden deutsche Spezialisten und die Erfinder mehr oder weniger freiwillig für den Dienst in der USA "rekrutiert". Im Februar 1946 drangen bewaffnete US Einheiten in einer Nacht und Nebel Aktion sogar in die von den Sowjets besetzte Tschechei ein um sich mit Waffengewalt Dokumente aus einem vergessenen Versteck anzueignen. Mir hat das Buch die Augen geöffnet. Es zeigt auf dass vorallem wirtschaftliche Interessen den Kriegseintritt der USA begründen. Moralische Heuchlerei und geschickte Propaganda vernebeln bis heute die wahren Absichten und Ziele des Kreigseintritts der USA. Wer das alles nicht glaubt und meint das sei revionistisches Geschwätz dem sei die Lektüre des Buches empfohlen (bitte die oben erwähnten Mißgeschicke nicht zu stark beachten). Akribisch werden Quellen und Orginaldokumente genannt und abgebildet. Oder ganz einfach, was ja sogar öffentlich bekannt ist: Die Weltraumflüge und die Raketentechnik konnte die USA nur durch Wernher von Braun verwirklichen. Oder man vergleiche den Tarnkappenbomber B2 mit den deutschen Entwürfen von Horten. Man könnte noch Dutzende weiterer Beispiele nennen. Interessant wäre eine materielle Bezifferung dieses Raubzugs. Dies wäre wohl die höchste Zahl welche man sich kaum vorstellen kann. (Als Vergleich: Eine Schweizer Firma erstritt in den 50er Jahren 1 Milliarde Dollar Schadensersatz für ein einziges Patent. Dies wurde kurz nach Kriegsende bei der Plünderung der deutschen Niederlassung widerrechtlich von der USA "requiriert") Erstklassig !!! 5 von 5 PunktenDieses Fünf Sternebuch des Grabert Verlages bringt es auf den Punkt. Es ist unglaublich was von den Alliierten nach Kriegsende in Deutschland alles geraubt wurde. Wo wären die eigentlich Heute ohne die gestohle deutsche Technik ? Unbedingt lesen, ist sein Geld ohne jede Einschränkung WERT !!! Unglaublich interessant 5 von 5 PunktenKurz und knapp, ein gutes Buch das leicht zu lesen ist. Kann ich nur empfehlen! Sehr gut recherchiert! 5 von 5 PunktenSehr gutes Buch über die Dimension des alliierten geistigen Diebstahls nach 1945 in Deutschland. Wer sich kritisch, objektiv und fachlich korrekt über dieses Thema informieren möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei. |
|
|
Das Leben im Mittelalter von Robert FossierBroschiert von Piper Verlag GmbHAngebote bei Amazon: ab EUR 5,98 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492257208, Erscheinungsdatum: Juli 2009, Auflage: 4 |
5 Kundenrezensionen:Ein hervorragender erster Teil, gefolgt von einem schwächeren zweiten 4 von 5 PunktenVor ein paar Wochen wollte ich mich näher mit dem Thema "Ernährung im Mittelalter" beschäftigen, zu dem es bereits mehrere Darstellungen im Internet gibt. Nach einigem Stöbern bei Amazon entschied ich mich für für Fossiers vielgerühmte Darstellung des mittelalterlichen Lebens insgesamt und für Schuberts detaillierte Abhandlung über das Essen und Trinken dieser Epoche (Essen und Trinken im Mittelalter). Als Einstieg ist Fossiers Werk, das nicht zuletzt durch seinen bemerkenswerten Preis und sein wunderschönes Design besticht, bestens geeignet. Höchst anschaulich und ungeheuer atmosphärisch beleuchtet der Autor den Alltag der "einfachen" Leute, vom Familienleben über das Wohnen und Arbeiten, Tiere und Pflanzen bis eben - genau - hin zum Essen und Trinken. En passant räumt er mit dem einen oder anderen Vorurteil auf, etwa was die Stellung der Frau oder die Rolle der Kirche angeht. Der Leser erfährt, wie karg der mittelalterliche Mittagstisch in der Regel gedeckt war, weshalb der regelmäßige Genuss von Wein nicht unbedingt ein Zeichen von allzu großer Freude am Rausch war, sondern eine Frage der Gesundheit angesichts des häufig unreinen Wassers und dass die Frage, welches Wild gegessen wurde, nicht unbedingt vom jeweiligen Stand abhing. Fossier schreibt locker und durchaus launig und macht das Mittelalter lebendig. Leider - und das ist mein einziger Kritikpunkt (wenn auch nicht gerade ein kleiner) - gilt das nur für den ersten Teil des Buches. Im zweiten Teil begibt er sich auf eine etwas spirituelle Ebene und verlässt dadurch gerade sein eigentliches Thema, nämlich den Alltag der "ganz normalen" Menschen. Für denjenigen, der anschließend näher in das Thema Essen und Trinken im Mittelalter einsteigen will, ist Schuberts Werk praktisch ein Muss. Dort, wo Fossier zwangsläufig an der Oberfläche bleiben musste, geht Schubert ins Detail: Brot und Salz, Rind und Schaf, Hering und Stockfisch, Gemüse und Kräuter, Wein und Bier, Mahlzeiten und Tischsitten - nichts, wirklich nichts bleibt unbetrachtet. Das Werk will und soll zweifellos wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (und tut dies auch); ich hätte mir manchmal Schuberts Akribie bei der Recherche gemixt mit Fossiers Lockerheit bei der Darstellung gewünscht, denn stellenweise ist Schuberts 400-Seiten-Buch schon ein wenig zähflüssig. Dennoch hat man nach seiner Lektüre ein umfassendes Bild, wie unsere Vorfahren im Mittelalter gegessen und getrunken haben. Schubert kann sich mehrfache Seitenhiebe gegen die heutigen "Essen wie im Mittelalter"-Anpreisungen von Restaurants und Stadtfesten nicht verkneifen, und nach der Lektüre seines Buches wird man ihm aus ganzem Herzen zustimmen. Auch optisch ist das Buch übrigens gelungen, das Cover stimmt auf das Thema bestens ein. Leider ist das Buch im wörtlichen Sinne recht schwer und deshalb als Nachtlektüre im Bett nicht ganz so gut geeignet :-). Fazit: Zwei weitgehend gelungene Bücher, die sich einführend und vertiefend dem hochspannenden Thema "Essen im Mittelalter" widmen. Absolut lesenswert! 5 von 5 PunktenZufällig bin ich vor 2 Tagen auf das Buch von Robert Fossier gestoßen. Ich habe bisher noch kein Buch über das Mittelalter in den Händen gehabt, das ich mit solchem Vergnügen gelesen habe. Für jemanden, der sich zur Zeit "wissenschaftlich" mit mittelalterlichen Themen befassen muss, ist "Das Leben im Mittelalter" eine Erholung. Keine Fußnoten, keine Quellen- und Literaturangaben, die vom Text ablenken können: das ist pures Lesevergnügen. Die 5 Sterne sind verdient. Es ist nicht alles Gold was glänzt 3 von 5 PunktenDas Buch ist tatsächlich launisch geschrieben, witzig und leicht zu lesen und dennoch fehlt es an einigen wesentlichen Punkten. So gibt es weder ein Quellenverzeichnis noch bibliographische Angaben. Was mich aber tatsächlich stört, sind einige schulmeisterliche Passagen und Witzversuche, die allzu billig daherkommen. Hier ein Beispiel von Seite 231: "Der Mensch...ist entschlossen diese (die Tiere Anm.) zu beherrschen, nicht zuletzt weil Gott ihm diesen Aufgabe zugewiesen hat. Allerdings waren sich mit Ausnahme einzelner Hunde oder Pferde die fraglichen Tiere dieser Tatsache wohl niemals wirklich bewusst... Ebenfalls störend sind zahlreiche Widersprüche im Text. Egal ob es das durchschnittliche Heiratsalter der Männer ist, das einmal 18 Jahre dann wieder 28 Jahre ist. Oder diese Passage: Auf Seite 205 schreibt der Autor: "Und schon damals wurde versucht, den Delfin als Freund des Menschen zur Fischerei abzurichten, wenn auch mit mäßigem Erfolg." Auf Seite 241 erfährt man dann aber: "Seltsamerweise hat man niemals versucht, die Dienste des Delfins beim Fischfang in Anspruch zu nehmen..." Was nun? - das fragt man sicher leider allzu oft. Bester Lesestoff (natürlich aus Frankreich !) 5 von 5 PunktenIch gebe den positiven Rezensenten uneingeschränkt Recht : ein interessanter & lohnender Blick auf`s Mittelalter, auch wenn man schon viel übers Mittelalter gelesen hat. Geschrieben natürlich, muss ich sagen, von einem französischen Autor. Es deprimiert, wenn man dann sieht, wie manche deutsche Professoren der "alten Garde" (noch immer) versuchen, den endlos ausgeleierten & faden Themen wie z.B. Canossa wieder einmal (zum wievielten Mal eigentlich ??) "ganz neue" Seiten abzugewinnen. Pseudo-wissenschaftlich und pseudo-vergnüglich 2 von 5 PunktenDieses Buch hat mich immer wieder geärgert. 1. Ein trockenes wissenschaftliches Buch voller Zitate und Quellen KANN ich der Information wegen lesen (Ernst Schubert). 2. Ein witzig geschriebenes und fachlich nicht ganz so anspruchsvolles Buch MAG ich zur Unterhaltung lesen. In diesem Buch versucht Robert Fossier beides gleichzeitig zu vollbringen, was ihm in meinen Augen sehr viel Glaubwürdigkeit nimmt und ihn mir stellenweise unglaublich arrogant erscheinen lässt. Immer wieder widerspricht er seinen eigenen Aussagen. Dauernd hat man den Eindruck, keine Tatsachen, sondern einfach Dahingesagtes á la "wie ja jeder weiß" und "alle Fachleute sagen A, ich aber sage B" zu lesen. Ich habe schließlich versucht die arroganten und betont "witzigen" Passagen zu überfliegen und nur die nackten Tatsachen aus den Kapiteln zu lesen. Ich habe aufgegeben, denn auch die Struktur des Buches scheint nicht konsistent. Fossiers Strukur und Humor scheinen sich mir nicht zu erschließen. Die Informationen über das Mittelalter sind mir zu unstrukturiert gestreut. Ich fand dieses Buch nicht spannend und inhaltlich sehr enttäuschend und widme mich lieber meinen anderen Mittelalterbüchern. |
|
|
WN 62 - Erinnerungen an Omaha Beach Normandie, 6. Juni 1944 von Hein SeverlohTaschenbuch von Hek Creativ VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 9,99 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3932922115, Erscheinungsdatum: August 2000, Auflage: N.-A. |
5 Kundenrezensionen:mali 5 von 5 Punktendas buch ist sehr interessant, da aus der sicht des einfachen soldaten geschildert wird. der zweite teil erzählt vom suchen und finden alter kameraden und ehemaligen kriegsgegner sowie von der persönlichen aufarbeitung des erlebten. meiner meinung nach sehr interessant und empfehlenswert. WN62 5 von 5 PunktenEin sehr detaireiches Buch mit vielen Hintergrundinformation für den Leser, aber auch für Interessierte die sich in der Geschichte nicht so auskennen. Es ist leicht zu lesen und durch Bilder veranschaulicht. Für Geschichtsinteressierte bzw Begeisterte ein MUSS. Aufrüttelnd und bewegend! Und das ohne Pathos... 5 von 5 PunktenEin wirklich bewegendes Buch der "Bestie vom Omaha Beach"! Hein Severloh gelingt es in seinem Buch eindrücklich, die Gefühle eines jungen Menschen zu beschreiben, der zu Unrecht als "Bestie" verschrien war, der das Leid und den Schrecken eines Krieges erlebt hat, in dem es letztendlich keine Helden gab. Wohltuend zu lesen, dass Hein Severloh (im Gegensatz zu anderen "deutschen Helden" des zweiten Weltkrieges wie z.B. H.U. Rudel) in der Lage war, die Unmenschlichkeit dieses Krieges zu erkennen und sich jederzeit kritisch mit seinem Tun auseinander zu setzen. Absolut lesenswert, besonders Dank dem Fehlen von jeglicher "Landserromatik"! Dramatisches Thema - dünne Umsetzung 3 von 5 PunktenIn diesem Buch berichtet Hein Severloh (zu Papier gebracht von seinem Freund, Berater und Ghostwriter H. K. Freiherr von Keusgen) über seine Erlebnisse bei der Verteidigung von Omaha Beach in der Normandie an jenem denkwürdigen Tag, aber auch kurz über seinen vorherigen Einsatz als Soldat des Artillerie-Regiments 321 der Infanterie-Division 321 (an der Normandie umbenannt in 352) in Rußland und seine zahllosen Kontakte mit der Presse, die sich durch seine tragische Rolle an jenem Tag 1944 ergaben, und Veteranentreffen nach dem Krieg. Anhand der Inhaltszusammenfassung oben wird schon deutlich, daß es sich nicht um einen reinen Roman handelt, der in spannender Form die dramatischen Erlebnisse zusammenfaßt. So werden die Ereignisse zwar zum Teil im chronologisch zusammenhängenden Faden beschrieben, zum Teil sind es aber eher zusammenhangslose 'Anekdötchen', vom Eier- und Schnapsgläserklauen wird da berichtet. Als Leser ist man dadurch nicht wirklich nah am Geschehen, steht außen vor und kann sich kaum mit dem Autor oder der Situation identifizieren oder mitreißen lassen. Dazu ist die Beschreibung der Ereignisse auch zu kurz und zusammenhangslos. Als Erklärung hierzu dient wohl der Grund für die Herausgabe dieses Buches: Dem Autor diente es dazu sich die letzten für sich behaltenen Geheimnisse über den Tag von der Seele zu Schreiben, damit er endlich Frieden mit der Angelegenheit finden konnte. Die Schuld, die auf ihm lastete, war auch nicht unerhebliche, da er nach eigenen Angaben wohl allein mehrere hundert amerikanische Soldaten an diesem einen Tag erschoß. Zusätzlich ist der Buch ein Versuch mit Hilfe der Aussagen weiterer Zeitzeugen möglichst genau zu rekonstruieren, was an jenem Tag im Abschnitt des WN (Widerstandnest) 62 genau geschah. Zu dieser Aufarbeitung gehört auch sein Gang an die Presse, die ihn in Kenntnis seiner besonderen Rolle anscheinend auch über Jahrzehnte nicht mehr in Ruhe lies. Außerdem arrangierte er sogar Treffen mit ehemaligen Veteranen, u.a. einem Amerikaner, den er damals am Strand mehrmals verwundet hatte. Sehr interessant sind die beigefügten zahlreichen Abbildungen in dem Buch, Photos von beteiligten Soldaten, Freunden, den Örtlichkeiten, Karten und Orginaldokumenten. Sie bringen die Authentizität und Nähe, die dem Text so fehlen. Mein Interesse an diesem Buch war es, den D-Day einmal aus der Sicht eines Soldaten der Wehrmacht zu sehen, in den einschlägigen Filmen, PC-Spielen usw. spielt sich alles immer aus der Sicht der Amerikaner und Briten ab. Zum Teil ist das auch ganz durch die Unterstützung der vielen Abbildungen ganz anschaulich gelungen, aber leider wollten die Autoren zu viel in dieses schmale Bändchen verfrachten, so das letztendlich von allem ein bißchen zusammen kam, aber kein rundes Gesamtwerk, schade! Spannend, Fesselnd und aufklärend zugleich 5 von 5 PunktenFür alle die einen Partner beim Bund haben das passende Geschenk. Mein Freund konnte das Buch garnicht mehr weglegen und hatte es innerhalb kürzester Zeit durchgelesen! |
|
|
Ich habe einen Traum: In 80 Sätzen durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts von Helge HesseBroschiert von PiperAngebote bei Amazon: ab EUR 8,27 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492254691, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Faszinierende Reise durch das 20. Jahrhundert 5 von 5 PunktenIch habe den Vorgänger "Hier stehe ich, ich kann nicht anders: In 80 Sätzen durch die Weltgeschichte" von Helge Hesse sehr genossen und mich daher auf dieses Werk gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht, jedoch erscheint, vielleicht aus der Nähe zu manchen Ereignissen bedingt, die Auswahl (wie es Hesse auch selbst einräumt) subjektiv und beinhaltet teils gar keine Zitate sondern präsentiert mehr eine Art von Überschrift(oder Songtitel) über bestimmte Ereignisse oder Meilensteine der Zeitgeschichte. Nichstdestotrotz ist der Streifzug durch das vergangene Jahrhundert sehr lesenswert, unterhaltsam und informativ, speziell die Begebenheiten an die man sich persönlich erinnern kann, erstrahlen im Lichte der Weltgeschichte besonders hell. Man begreift so, dass die Geschichte unaufhaltsam fortschreitet und man daran ständig teilnimmt. Geschichte ist keine Sache der verstaubten Vergangenheit sondern der Gegenwart und Zukunft. Unter solchen Gesichtspunkten betrachtet nimmt man eventuell auch das tägliche Geschehen anders wahr. Auf jeden Fall gewährt das Buch einen markanten Einblick in die Entwicklung der Menschheit im vergangenen Jahrhundert, welche Strömungen und Tendenzen vorherrschten und welche Konsequenzen daraus resultierten. |
|
...
Impressum
• Kontakt
• Startseite
• Geschenkgutscheine
•
Auf diesen Link bitte nicht klicken Gebrauchte Bücher Bücher suchen A-Z Buch Kalender
Auf diesen Link bitte nicht klicken Gebrauchte Bücher Bücher suchen A-Z Buch Kalender
Gewisse Inhalte, die auf dieser Website erscheinen, stammen von AMAZON EU SARL.
Diese Inhalte werden so, wie sie sind zur Verfügung gestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.


