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Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand von Shlomo Sand

Gebundene Ausgabe von Propyläen
Angebote bei Amazon: ab EUR 20,89

3,5 Punkte.
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3549073763, Erscheinungsdatum: April 2010
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5 Kundenrezensionen:

Provokante These, jedoch wissenschaftlich widerlegt
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Schade nur, dass die deutsche Regierung der Jahre 1933 bis 1945 Sands Thesen nicht kannte. Hätte sie davon gewusst, dass das Judentum als Volk bzw. Rasse nur eine Erfindung zionistischer Propaganda war, dann hätten sie womöglich sich und anderen viel Ungemach erspart.

Sands Erkenntnisse mögen nur diejenigen überraschen, die die Bibel bisher unreflektiert als Geschichtsbuch verstanden. Die bronzezeitliche Volkwerdung Israels und seine erste Staatsgründung vollzog sich nicht im Hauruckverfahren "Exodus-40jährige Wanderschaft-Landnahme", sondern durch eine langsame Vermischung von Kanaanitern mit geflohenen ägyptischen Sklaven, von denen eine Gruppe als Moses-Gruppe zu identifizieren ist. Das ist seit Jahrzehnten Forschungsstand, vor allem in Israel, wo man ja auch den direktesten Zugang zu archäologischen Zeugnissen hat. (so z.B. auch Hans Küng, der 1991 in "Das Judentum - Wesen und Geschichte" den auch damals nicht neuen Kenntnisstand wiedergab). Diese Mischbevölkerung organisierte sich in mehreren Stämmen und konstituierte sich später nicht zuletzt über einen strikten Monotheismus als Nation. Diese war aber beileibe nie ein exklusiver Club, wie man unschwer im Buch Ruth nachlesen kann.

In der Tat war das Judentum zeitweise für Beitritte deutlich offener, als es heute ist. Die Halacha, das jüdische Recht, reagiert entgegen landläufiger Vorstellung durchaus dynamisch auf die Erfordernisse der Menschen, die nach ihr leben. Übertritte wurde stets als Beitrag zum Erhalt des Judentums als Volk gesehen (ähnlich wie bei den indigenen Völkern Nordamerikas, nur auf freiwilliger Basis). Allerdings ist man heute deutlich vorsichtiger, manche jüdische Gemeinden lassen Beitrittskandidaten zuerst mal von einem Psychologen checken - eine Aufnahmepolitik, mit der in anderen Organisationen viel Unglück verhindert werden könnte, z.B. der an lautstarken "Israel-Kritikern" nicht armen Linkspartei.

Sands Theorie, dass das Judentum im Verlauf der Jahrhunderte durch zum Teil massenweise Übertritte so "durchmischt und durchrasst" sei (die Redewendung stammt nicht von ihm, sondern von Edmund Stoiber), dass es nicht mehr als Nation, sondern nur mehr als Religionsgemeinschaft zu betrachten sei, hat trotz vieler sicher ordentlich vorgetragener Fakten und Argumente zwei tödliche Geburtfehler:

Erstens: Eine Nation primär ethnisch zu konstituieren, ist in der Staatsphilosophie eher die Ausnahme - und zwar eine zumindest gefahrenreiche, oft auch leider unheilvolle. Gerade der völkische Staatsbegriff war prägend für die NS-Ideologie, wenn er auch nicht von ihr entwickelt wurde. Denn gerade Deutschland definierte sich bereits vor 1933 anders als andere Staaten über die gemeinsame Herkunft des Staatsvolkes, und das sogenannte "ius sanguinis" war auch nach 1945 für das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht maßgeblich.
Die Mehrzahl aller modernen Staaten definiert sich hingegen als Staatsnation über das Bekenntnis zu gemeinsamen Wertvorstellungen und Normen, die Abstammung ist sekundär. Und das Judentum definierte sich stets gerade über Wertvorstellungen und Normen - also als "demos" und nicht als "ethnos".

Zweitens: Laut einer 2010 im angesehenen "American Journal of Human Genetics" erschienen Studie weisen jüdische Menschen aus ganz unterschiedlichen Gegenden dieses Planeten gemeinsame genetische Merkmale auf, die eine überwiegend gemeinsame Herkunft belegen. Sands provokante Thesen sind also nicht nur eine Themaverfehlung, sie sind auch objektiv falsch.

Ihre Instrumentalisierung zur Delegitimierung des heutigen Israels geht übrigens an den tatsächlichen Gründen für die neuzeitliche Staatswerdung Israels vorbei. Die erfolgte nicht aufgrund frommer Überlieferung, sondern aufgrund aktueller Notwendigkeit. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts der religiöse Antijudaismus in Europa von einem aggressiven, rassisch motivierten Antisemitismus abgelöst worden war und dessen eliminatorischen Züge letztlich im industriellen Massenmord des Holocaust gipfelten, war die Errichtung eines jüdischen Staates eine nicht mehr weg zu diskutierende Notwendigkeit. Wenn selbst im Land Goethes und Schillers jüdische Menschen nicht sicher leben konnten, so brauchten sie ein eigenes.

Es ginge jedoch deutlich zu weit, Sand in die Reihe der "Referenzjuden" des modernen Antisemitismus (Menuhin jr., Hecht-Galinski usw.) einzureihen. Wissenschaft lebt davon, dass Theorien aufgestellt, geprüft und dann bestätigt oder verworfen werden. Sands Theorie ist als widerlegt zu verwerfen, sie ist aber nicht verwerflich. Sand hat hier einfach nur auf Sand gebaut.

Niemanden darf es aber verwundern, dass das Buch gerade auch unter deutschen Israel-Kritikern ("Man wird doch gerade schließlich auch als Deutscher Israel kritisieren können dürfen müssen...") auf begeisterten Zuspruch stieß: Wenn es kein jüdisches Volk gibt, dann kann es ja auch keinen Völkermord daran gegeben haben. Das macht für die Enkelkinder der Täter die Erinnerung an die Kamine von Auschwitz doch gleich ein wenig erträglicher.

P.S.: Wer ein wirklich vergnügliches Buch über einen israelischen Gründungsmythos lesen möchte, dem möchte ich Stefan Heyms "König-David-Bericht" ans Herz legen: "The One and Only True and Authoritative, Historically Correct and Officially Approved Report on the Amazing Rise, God-fearing Life, Heroic Deeds and Wonderful Achievements of David, Son of Jesse".
gemeinsam über Provokationen nachdenken
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Gerade wir Deutschen haben es schwer wenn es um Israel geht. Schauen wir uns allein die Biografie des Autoren an. 1946 wurde er als Kind polnischer Juden in Linz geboren. 1949 ging die Familie nach Israel. Shlomo Sand studierte Sozialwissenschaften in Paris und lehrt heute an der Universität in Tel Aviv. In seinem Land Israel gehört er zu den führenden Intellektuellen und zugleich zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.

So widmet der Autor sein Buch allen Flüchtlingen die das Land erreichten, und all jenen, die es verlassen mussten. Allein diese Widmung macht bereits den mächtigen Spannungsbogen spürbar in dem wir uns befinden wenn wir auf die über 3000 - jährige Geschichte des Judentums schauen.

Zu Beginn klärt der Autor Begriffe wie Nation und Mythos. Er ist dicht an der Bibel und an Gott und verwundert mich mit revolutionären Gedanken, mit denen er sicher bei vielen nicht gut ankommt. "Ich halte die Juden nicht für ein Volk, denn der heutige Gebrauch des Begriffes zielt auf eine Gruppe von Menschen ab, die ein bestimmtes Territorium bewohnt, auf dem sich eine bestimmte Alltagskultur entwickelt hat . . ." so schreibt der Autor und sieht dies im vorliegenden Falle als nicht gegeben an.

Es kommt noch provokativer. Sand stellt in keiner Zeile seines Buches das Existenzrecht des Staates Israel in Frage, aber den Alleinanspruch auf das Gelobte Land schon. Er bezeichnet die Juden als religiöse Gemeinschaft, keinesfalls als ethnische Gemeinschaft. Das birgt Konflikte in sich. Aber Shlomo Sand steht nicht allein mit seiner Meinung im eigenen Land.

Und er geht noch einen Schritt weiter in seinen spektakulären Überlegungen. Seiner Ansicht nach sind heute viel eher die Palästinenser die ethnischen Nachkommen der biblischen Israeliten.

Wenn der Leser bereit ist mit dem Autoren gemeinsam über solche Provokationen nachzudenken und nachzuvollziehen wie Shlomo Sand zu diesen Überzeugungen gekommen ist, wird er dieses Buch wie einen Krimi verschlingen. Für mich war es das Interessanteste was ich in den letzten Jahren zu diesem Thema auf deutsch zu lesen bekam. Wer über Israel nachdenken will, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Respekt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich will nicht viel drum herumreden. Das Buch ist genial und ich bin froh, dass es auch unter den Juden solche mutigen Revisionisten gibt. Der Autor hat Respekt verdient. Die Eltern des Autors sind vor den Nazis geflohen und in Israel wird dieser Mann aufgrund seines Revisionismus als Nazi beschimpft. Wie pervers ist das denn? Möge sich jeder seine eigene Meinung bilden, was auf der Welt hinter den Kulissen passiert. Aber dieses Buch sollte auf jeden Fall zur Meinungsbildung beitragen.
Streitschrift statt historisches Werk
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Wie stark ist die Kontinuität zwischen den heutigen Juden und speziell den israelischen Juden und den Juden der Antike? Auf diese spannende Frage verspricht Schlomo Steins Buch Antwort zu geben - und scheitert. Der Grund ist simpel: Sand hat über das Thema seines Werkes nie selber geforscht, ist er doch Spezialist für die französische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Stattdessen arrangiert er die Früchte einer eher oberflächlichen Recherche in der Sekundärliteratur zu einer gut geschriebenen Streitschrift, die die Kontinuität des Judentums widerlegen soll. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Eine wissenschaftlich fundierte Analyse wie sie ein Universitätsprofessor seinen Lesern schuldet (Sand lehrt Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Tel Aviv) liefert der Autor nicht. Schade, so ist das Buch wertlos, und Zeit und Geld sind vergeudet für ein Pamphlet.
Gegen den Strom
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Wir Deutschen haben eben ein besonderes Verhältnis zum Staat Israel". Dieser Satz wird nur zu gerne gebraucht, wenn es darum geht, ethnische Säuberungen, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen oder die Praxis der "Verwaltungshaft" Israels kleinzureden.

Als Nächstes folgt dann unverzüglich der Hinweis auf das Existenzrecht Israels. Als Begründung hierfür wird fast immer die Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes im Jahre 135 n. Chr. angeführt, die angeblich zur Vertreibung des jüdischen Volkes aus ihrem Heimatland Judäa führte. Wer etwas anderes zu sagen wagte, der bekam sehr schnell die weltweit reichende Macht der "Anti-Defamation League" zu spüren.

Seit einigen Jahren sind es jüdische Wissenschaftler und Gelehrte, die sich mutig mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen beginnen. Israel Finkelstein und Neil A. Silberman machten mit ihrem Werk "Keine Posaunen vor Jericho" 2003 den Anfang. Norman G. Finkelstein folgte 2005 mit seinem Buch "On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History". Ilsan Pappe veröffentliche 2007 "The Ethnic Cleansing of Palestine".

Nun also Shlomo Sand. Akribisch setzt er sich mit dem Dogma von der Vertreibung des jüdischen Volkes auseinander. Er führt es schnell und überzeugend ad absurdum. Die Juden sind kein Volk, sondern eine Religionsgemeinschaft.

Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass Sands Werk keine kurzfristigen Auswirkungen auf den Nahostkonflikt oder auf die bemitleidenswerte Situation der Nichtjuden im Staate Israel haben wird. Bei diesem Buch handelt es sich nämlich "nur" um eine intellektuelle Auseinandersetzung, die an den Grundfesten des Judentums rüttelt. Macht wird heutzutage aber nicht von Intellektuellen ausgeübt, sondern von Medienmogulen und Politikern.

Dieses Buch ein Muss für all diejenigen, die an einer sachlichen Diskussion zum Thema Judentum interessiert sind.
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Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen von Hannah Arendt

Broschiert von Piper
Angebote bei Amazon: ab EUR 12,24

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3492248225, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 5
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Der Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat.
Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.
Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler
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5 Kundenrezensionen:

Eine etwas andere Sichtweise auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der Prozess gegen Adolf Eichmann (1906-62) steht im Mittelpunkt, nimmt jedoch eine eher untergeordnete Stellung in diesem Buch ein. Der Autorin, Hannah Arendt, geht es vielmehr um eine Darstellung des Holocausts, unter Einbeziehung der Mithilfe der Juden bei ihrer eigenen Vernichtung sowie natürlich Eichmanns Rolle bei selbiger. Hans Mommsen schrieb ein 35-seitiges Vorwort.
Es wird bereits zu Beginn klar, dass Arendt gewisse Ressentiments gegenüber dem leitenden Staatsanwalt Gideon Hausner nicht zu unterdrücken vermochte. Sie sieht in ihm eine Marionette des damaligen israelischen Ministerpräsidenten, David Ben Gurion (1886-1973), der den Prozess dazu nutzen will, die Leiden des jüdischen Volks der Welt zu präsentieren (inwiefern damalige Verhandlungen über Reparationszahlungen der BRD an Israel eine Rolle spielten, bleibt unklar). Hausner gibt während des Prozesses Interviews, nimmt Eichmann ins Kreuzverhör, obgleich Eichmann auf jede Frage ohnehin nur mit Lügen antworte, auch wenn es ihm natürlich nicht gelingt, Eichmann diesbezüglich bloß zu stellen. Das Ganze werde der Autorin zufolge besonders dadurch ins lächerliche gezogen, dass die Anklage obgleich anders lautender Dokumente und Zeugenaussagen an der Auffassung festhalte, Eichmann habe nicht Befehle ausgeführt sondern sei sein eigener Chef gewesen, ja gar der eigentliche Drahtzieher des Holocausts [wenn diese Beschreibung auf einen zutrifft, dann auf Reinhard Heydrich]. Dieser Trugschluss sei dadurch zustande gekommen, dass die Angeklagten der Nürnberger Prozesse - von denen übrigens keiner die nationalsozialistische Weltanschauung zu verteidigen bereit gewesen sei - den schwarzen Peter gerne Abwesenden zuschoben sowie Eichmanns Hang zur Prahlerei.
Kurzum, der gesamte Prozess sei eine Farce. Einzig die Richter, insbesondere der Gerichtsvorsitzende Landau, hätten versucht, dem entgegenzuwirken.

Insgesamt ist dieses Buch sehr lesenswert, auch wenn es teilweise etwas durcheinander ist und die Autorin eine leichte Tendenz hat, die Dinge nur in hellen oder dunklen Farbtönen zu sehen. Auch wenn Hans Mommsen das ein oder andere per Endnote korrigierte, so liefert das Buch doch einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Ereignisse dieser Zeit.
Eichmanns Umwertung des kategorischen Imperativs
5 Punkte 5 von 5 Punkten
In bestürzender und erschreckender Weise hat Adolf Eichmann Kants katagorischen Imperativ umgewertet und zur Rechtfertigung seiner "Pflichterfüllung" herangezogen. Aber konnte Kant sich in seiner Zeit den Massenmenschen der modernen Gesellschaft vorstellen? Der eigentliche Bruch ist nicht der Nationalsozialismus, sondern der moderne Massenmensch, der seiner persönlichen Verantwortung und Individualität enthoben, zum Verwaltungsmassenmörder werden kann. Das ist meines Erachtens die neue Banalität des Bösen und Eichmann als Person ist dabei austauschbar. Das macht dieses Buch so erschreckend aktuell und löst nicht wieder gut zu machende Bestürzung und Wut aus. Es ist das Bewußtwerden der eigenen Lage.
Sehr gut - bis auf das Essay
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Das Werk von Hanna Arendt ist epochal für die deutsche Nachkriegshistorie. Es kann als eine Initialzündung für die Studentenrevolution der 60er Jahre gelten. Der enthaltene Bericht sollte jedoch als ein subjektives historisches Dokument seiner Zeit aufgefaßt werden, denn einige Darstellungen von Hannah Arendt wurden nach dem Prozeß wissenschaftlich widerlegt bzw. tiefergehend untersucht.

Herr Mommsen stellt diese Fakten in seinem vorangestellten 36-seitigen Essay dankenswerterweise richtig. Ob dieses jedoch so ausufernd mit seinen persönlichen Wertungen geschehen muss, bleibt das Geheimnis des Verlages.
...you see, we like our Nazis in uniforms.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Es ist nun schon eine Weile her, dass ich Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" gelesen habe. Zwischen damals und heute liegt Quentin Tarantino's Meisterwerk "Inglourious Basterds", und dies will ich zum Einstieg in meine Rezension nutzen.
Ein Kernthema von "Ingourious Basterds" ist die Aussage, dass man Nazis kaum erkennen kann, wenn sie keine Uniformen tragen. Genau das ist auch ein wichtiger Punkt für Hannah Arendt, denn auf Adolf Eichmann hätte im Adenauer-Deutschland ganz bestimmt eine solide Beamtenkarriere gewartet, wenn er sich nicht nach Südamerika abgesetzt hätte. Es ist faszinierend zu lesen, wie Arendt in gewohnter Klarheit den Eindruck beschreibt, den dieser Mann auf sie machte. Eichmann war für sie ein Hanswurst, und ähnlich wie Tarantino's Hans Landa hätte man ihm den skrupellosen Massenmörder schlicht und einfach nicht zugetraut. Wo der von allabendlichen Kinderschreckspektakeln Marke "Hitlers linkes Auge - in Großaufnahme, unterlegt von schrillen Kreischtönen" vorgeprägte Leser einen furchteinflößenden Schlächter erwartet, findet sich ein Typ, wie man ihn auch heute noch in den unterschiedlichsten Varianten trifft und der für manche Kreise sogar eine Art Idealbild darstellt: nüchtern und strebsam, dienstbeflissen und engagiert.
Alles Weitere sollte man in diesem Buch nachlesen. Anmerken möchte ich noch, dass auch Arendts Ausführungen zu den unterschiedlichen Abläufen des Holocausts in verschiedenen Regionen Europas eine echte Bereicherung sind. Hier arbeitet sie sehr präzise heraus, dass es kein lineares "Schema F" gab, sondern dass das Verhalten der örtlichen Bevölkerung einen ganz erheblichen Einfluss darauf hatte, ob und wieviele Menschen abtransportiert wurden oder überlebten. Auch das widerspricht auf erfrischende Weise dem allgemeinen Einheitsbrei, den man ansonsten in der multimedialen Aufarbeitung des Holocausts serviert bekommt.
Ich habe nun schon einige Bücher von Hannah Arendt gelesen. "Eichmann in Jerusalem" fand ich von allen am besten. Es ist super geschrieben und bringt eine Fülle wichtiger Einsichten haargenau auf den Punkt. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
"Reue ist etwas für kleine Kinder" (97).
5 Punkte 5 von 5 Punkten
1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht.

"Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364).

Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse.
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Produkt-Bild: Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien?: Weltgeschichte - alles, was man wissen muss

Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien?: Weltgeschichte - alles, was man wissen muss von Wolfgang Seidel

Gebundene Ausgabe von Eichborn
Angebote bei Amazon: ab EUR 19,95

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3821865121, Erscheinungsdatum: August 2010
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2 Kundenrezensionen:

Bietet einen interessanten Querschnitt durch die gesamte Kulturgeschichte
5 Punkte 5 von 5 Punkten


Das vorliegende Buch des Autors Wolfgang Seidel, der schon in der Vergangenheit mit teilweise lustigen, immer jedoch höchst informativen Büchern zur Wortgeschichte ("Woher kommt das schwarze Schaf?") zu überzeugen wusste, versucht an Hand von etwa 650 historischen politischen, kulturgeschichtlichen und wirtschaftlichen Schlüsselbegriffen die Geschichte der Welt begreiflich zu machen.

Da es chronologisch angeordnet ist, mit der Steinzeit beginnt und bis in die Moderne des 21. Jahrhunderts reicht, eignet es sich nicht nur als Nachschlagewerk für bestimmte Begriffe, Ereignisse und Personen, sondern bietet auch einen interessanten Querschnitt durch die gesamte Kulturgeschichte.

Neben Altbekanntem finden sich immer wieder ganz neue Entdeckungen, Hinweise und Gedanken, und die historischen Querverweise, die er immer wieder gibt, sind zum Teil sehr aufschlussreich.

Das Buch eignet sich gut als Geschenk für an Geschichte interessierte Menschen.
Alles (?) was man wissen muss
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Nun ja, ob man in einem Buch wirklich alles finden kann was man wissen sollte, wage ich zu bezweifeln. Selbst im gesamten Brockhaus findet sich ja viel aber nicht alles. Im Buch WANN TRANKEN DIE TÜRKEN IHREN KAFFEE VOR WIEN von Wolfgang Seidel soll aber sicherlich nicht diesem Anspruch Rechnung getragen werden, denn hier findet sich viel Interessantes und auch tatsächlich Wissenswertes, zum Teil auch Vergnügliches und echte Fakten. Der Kanon der ausgewählten Wissensbibliothek wird ohnehin von jeder Generation neu definiert, dieses Buch gibt auf 444 zumindest den Eindruck, dass jede Seite optimal genutzt wurde.

Was ich besonders schön gefunden habe, ist die Weltkarte mit allen wichtigen Orte die namentlich genant sind und sich zudem im Buch als Kapitel wiederfinden. Rückblickend fängt das Buch richtigerweise bei der Steinzeit und der letzten Eiszeit an und bewegt sich dann über die ersten Hochkulturen bis zu dem Zeitpunkt wo der Mensch lernt Metalle zu bearbeiten.

Die normale Geschichte startet mit der Welt der Antike, geht über die Welt der Bibel zu den Hochkulturen der Neuzeit und endet mit dem Untergang des Römischen Reiches.

Bis zum Mittelalter ist es dann nur ein kurzer Sprung und nach diesem geht es weiter zu den Ständen des Reiches, der Welt im Umbruch am Rande der Industriellen Revolution und der Neuzeit mit ihren Weltkriegen. Das Geschichte mit dem heutigen Tage nicht endet weiß jeder der in die Tageszeitung von gestern blickt, Geschichte wird jeden Tag geschrieben.

Das Buch bietet in jedem Kapitel kurze Abschnitte zu multiplen Themen und dies jedes Mal sehr informativ, prägnant und unprätentiös in der Darstellung. Leider hat das Buch keine Abbildungen parat, dies ist ein Manko, es wendet sich also an den Intensivleser.

Insgesamt gesehne habe ich ein paar Stunden sehr interessiert hin und her geblättert und durch viel Wissenswertes gefunden und gelesen. Die Texte sind frisch und modern geschrieben und das Buch WANN TRANKEN DIE TÜRKEN IHREN KAFFEE VOR WIEN von Wolfgang Seidel hat mit seiner Vielzahl von Kurzkapiteln immer wieder Wissenswertes parat, das schnell gelesen den eigenen Wissensschatz vergrößert oder das bei generellen Wissensdefiziten Abhilfe schafft.

Empfehlenswert
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Produkt-Bild: Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma

Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma von Moshe Zimmermann

Gebundene Ausgabe von Aufbau Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 14,95

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3351027176, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 1
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2 Kundenrezensionen:

Eine erhellende, politisch unkorrekte Analyse
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Durch eine Rezension in der Frankfurter Rundschau war ich auf das Buch "Die Angst vor dem Frieden" des israelischen Historikers Moshe Zimmermann (Leiter des Richard-Koebner-Zentrums für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem) aufmerksam geworden - ein Buch, das sich als eine wirklich aufrüttelnde Analyse herausstellte. Während man aus unseren Medien nur bruchstückhafte und sehr zurückhaltende Informationen über bedenkliche Entwicklungen innerhalb Israels erhält, zeichnet Zimmermann auf 150 Seiten ein so deutliches und unverblümtes Bild der Zustände in diesem Land, dass man sich schon fast wundert, wie dieses Buch hierzulande überhaupt veröffentlicht werden konnte. Ginge man nach den Kategorien, die man normalerweise auf politische Systeme anlegt, handelt es sich bei Israel Zimmermanns Beschreibung zufolge inzwischen um einen massiv rechtsradikal ausgerichteten Staat. Die Worthülse von der "einzigen Demokratie im Nahen Osten" kommt einem im Verlauf der Lektüre immer mehr wie Hohn vor.

Zimmermann erklärt in seinem Buch zunächst, wie und warum Israel in den letzten Jahren immer fundamentalistischer, militaristischer und gegenüber jeglichen Friedensbestrebungen immer unzugänglicher wurde. Er schildert das Vorgehen der wesentlichen Protagonisten (etwa Medien, Siedler, Hügeljugend und Militär) und ihre zunehmende Radikalisierung und erklärt, wie sich diese Radikalisierung gegen jene wendet, die er als "Israels Geiseln" betrachtet: die Diasporajuden, den Westen und das Gedächtnis an den Holocaust. Dabei wird en passant deutlich, wie der wachsende, oft religiös begründete Hass vieler Israelis auf sämtliche Araber und Muslime von ebenso israelfreundlichen wie massiv rechtslastigen Journalisten und Bloggern im Verlauf der letzten Jahre in den Westen "importiert" wurde.

Beim Lesen dieses Buches wird auch nachvollziehbar, wie dieselben Journalisten und Blogger auf jegliche angemessene Kritik am israelischen Verhalten praktisch nur noch reagieren können, indem sie die Kritiker als "Antisemiten" zu verleumden suchen: Eine Auseinandersetzung auf Sachebene können die Verteidiger der herrschenden Zustände nicht mehr gewinnen! Zimmermann selbst erklärt hier unumwunden, "dass gegenwärtig in Israel _jegliche_ Kritik als Antisemitismus ausgelegt wird. (...) Ein anständiger Mensch muss demnach - so verlangt es die israelische Grundhaltung - jede Kritik an Israel vermeiden, wenn er nicht als Antisemit gelten möchte. Diese Erwartungshaltung wird insbesondere Menschen in Deutschland entgegengebracht." Darüber hinaus werde vor allem dem politischen Gegner, also Muslimen und Linken, die Schuld am Erstarken des Antisemitismus gegeben und dieser somit ideologisch instrumentalisiert. Zimmermann betrachtet dieses Vorgehen als "Missbrauch" und darüber hinaus als einen Bärendienst, wenn es um die Bekämpfung echter Judenfeindschaft gehe - denn dort, wo tatsächlich Israelkritik von Antisemitismus durchsetzt ist, werde das nicht mehr angemessen wahrgenommen: "Da es zu einer konstanten Taktik Israels geworden ist, Kritik an Israel als Antisemitismus zu bezeichnen, besteht die Gefahr, dass auch dann, wenn die antiisraelische Haltung tatsächlich in eine antisemitische Variante (...) übergeht, (...) die Weltöffentlichkeit nicht wachsam genug reagiert."

Insgesamt öffnet Zimmermanns mutiges Buch also nicht nur den Blick auf die erschreckenden Entwicklungen innerhalb Israels, sondern auch auf viele schiefe Diskussionen, die in unserem eigenen Land geführt werden.
Philosemitismus löst kein Problem im Nahen Osten
4 Punkte 4 von 5 Punkten
"Die Hälfte der Juden der Welt", schreibt Moshe Zimmermann, "leben in den USA" und stellt so die Staatsdoktrin Israels in frage, nach der das jüdische Volk einen Ort, also Israel, braucht, wo die Juden ihr genuines Recht, jüdisch zu sein, gesichert finden. Es gibt längst mehr Orte, an denen das möglich ist. Kühl und faktisch argumentierend geht der israelische Historiker mit den Mythen seines Landes um. In seinem jüngsten Buch, "Die Angst vor dem Frieden", erzählt er auch von der "Straße der Apartheid", einer Landstraße in Israel, die nicht mehr von Palästinensern befahren werden darf. Es gib leider nicht nur die eine. Auch von israelischen Kommunen weiß er zu berichten, die Gemeindesatzungen haben, wonach nur Personen mit "zionistischer Einstellung" dort wohnen dürfen. So schafft man araberfreie Zonen.

Zimmermann ist sich sicher, dass Araber und Israelis in einem "permanenten Angst- und Spannungszustand" leben, der sie am Denken hindert. Unter anderem zitiert er aus dem Buch des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten (Ein Platz an der Sonne): "Im Nahem Osten geht Sicherheit vor Frieden und Friedensverträgen". So bleibt der Unfrieden ein Programm, das ständig neue Unsicherheit produziert. An diesem Programm, so Zimmermann, haben immer die ein Interesse, die damit ihre politische Position behaupten können. Und weil er Israeli ist, setzt er sich weniger mit der Hamas, als mit seinem eigenen Regime auseinander. Das findet man in Israel gerne paradox. Aber an der politischen Bewegungsform der Hamas kann der Autor wenig ändern, an den Positionen seines Landes, so hofft er, schon.

Um seiner Regierung ein gewisses Maß an Vernunft beizubringen, erinnert Zimmermann daran, dass israelische Militäraktionen mit schöner Regelmäßigkeit nur weiteren Terror als Antwort gefunden haben. Und neuer Terror neue Militäraktionen und sofort. Längst ist in Israel ein politisch-militärischer Komplex entstanden, der an einer Wagenburg-Mentalität ein eigenes Interesse hat. In diesem Zusammenhang weist der Historiker auf die Friedensinitiative der arabischen Liga aus dem Jahr 2002 hin, die eine Normalisierung der arabischen Staaten zu Israel vorsah, wenn es sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen würde. Der Vorschlag wurde als "typisch arabische Taktik der Täuschung" erst gar nicht in Erwägung gezogen. Als die Initiative fünf Jahre später wiederholt wurde, lehnte man sie erneut ab.

In der jetzigen, von Benjamin Netanjahu geführten Regierung sieht der Autor besonders deren Außenminister, Avigdor Liebermann, als einen Araber-Hasser. Liebermann denkt laut über das Bombardement Irans nach, hat schon mal gedroht den Assuan-Staudamm zu zerstören und repräsentiert immerhin die drittstärkste Partei im israelischen Parlament. Dass zum Beispiel im Holocaust-Museum Yad-Vashem die Texttafeln nur auf Hebräisch und Englisch, nicht aber auf Arabisch abgefasst sind, obwohl das immerhin die Sprache eines Fünftels der Bevölkerung ist, zeigt eine der vielen, alltäglichen Rassismen. Als ein arabischer Abgeordneter zur alljährlichen Gedenkveranstaltung in Auschwitz mitfahren wollte, bekam er Drohbriefe, der Likud-Abgeordnete Danon wollte ihn sogar aus der Delegation ausschliessen. Für Zimmermann ein weiterer Beweis dafür, dass die Denkschablonen notwendig die Angst vor dem Frieden stützen.

Moshe Zimmermann ist ein kritischer Begleiter seiner Gesellschaft, der nur in einer echten Zweistaatlichkeit ein dauerhaft friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sieht. Solche wie er gelten der israelischen Mehrheit als linke Spinner. Der letzte große dieser Kategorie war Ytzak Rabin. Seit seiner Ermordung gibt es für friedliche Positionen in der israelischen Gesellschaft keine Mehrheiten mehr. Dem Buch von Zimmermann, das "Das israelische Dilemma" beschreibt, ist Erfolg zu wünschen. Auch in einem Deutschland, dessen philosemitische Grundhaltung längst nicht mehr zur Problemlösung im Nahen Osten beiträgt.
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Die Irren von Zion von Henryk M. Broder

Taschenbuch von Deutscher Taschenbuch Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 6,40

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3423307382, Erscheinungsdatum: Oktober 1999
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5 Kundenrezensionen:

Bewertung "Irren von Zion"
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Bestellungsabwicklung , Lieferung wie immer perfekt.
Das Buch selber deckt erschreckend real die Hintergründe und Zusammenhänge bezüglich Staat Israel und gesamt Nahen Osten auf. Für Leute, die diese "Pulverfassgegend" interessiert und die die hiesigen Berichterstattungen einordnen wollen ein unbedingtes MUSS.
Damals war er vernünftiger ...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein Buch des "HB-Männchens" über Israel? Bezieht er das mit den "Irren von Zion" etwa auf sich? ;-) So dachte ich zunächst; schließlich hat H. B. in den letzten Jahren zunehmend heftiger ausgeteilt und alle verbal niedergemacht, die nicht auf seiner Linie lagen.

1998 dachte er noch vernünftiger - das Buch las sich sehr gut, interessant Broders Beschreibungen, wie irgendwelche Juden aus Brooklyn herkommen und sich auf einmal als Verteidiger Groß-Israels in irgendwelchen illegal errichteten, stacheldrahtumzäunten Siedlungen auf der Westbank wichtigtun ... Broder verzichtet über weite Strecken auf Kommentare, präsentiert das Denken diverser Durchgeknallter einfach kommentarlos ... Wozu auch einen Kommentar, wo doch die Worte der "Irren von Zion" weitgehend für sich selbst sprechen? Eine unterhaltsame und leider auch deprimierende Lektüre ...
Großartiger Überblick über den Nahost-Konflikt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Auf Henryk M Broder wurde ich durch eine TV-Talkshow aufmerksam. Durch seine Polemik und seinen Zynismus eher unsympathisch wirkend, überzeugte er mich doch durch seine scharfsinnige Argumentation über Sachverhalte, die man heute nur selten so klar und unverhohlen in der Öffentlichkeit ausdrückt ohne von betroffenen Interessenvertretern abgewatscht zu werden.
Insofern erwartete ich beim Kauf des Buches eher ein satirisches, polemisches Werk. Doch weit gefehlt. In Essays, Interviews und Artikeln führt Broder den Leser unkommentiert an das israelisch-palästinensiche Dilemma heran, sich darauf verlassend, dass die verquere Situation der im "Heiligen Land" konkurrierenden Interessengruppen für eine Realsatire ausreicht.
In Essays, Aufsätzen und Interviews lässt Broder Fundamentalisten, religiöse Führer zu Wort kommen, die nur absolute Lösungen tolerieren, er beschreibt Zionisten, nicht handlungsfähige Regierungen, religiöse Eiferer, ausländische "Mode"-Juden, die ihre Zugehörigkeit zum Judentum als Ausdruck ihrer "Exzentrik" zelebrieren, Institutionen, die durch Beibehaltung des Status Quo profitieren und Friedensaktivisten, die in bester Absicht nicht in der Lage sind zwischen den gegensätzlichen Interessen zu vermitteln.
Der Leser erlangt Einblick in eine Geldvernichtungsmaschinerie. UN-Komitees, Internationale Hilfsorganisationen und ein bis an die Zähne bewaffneter Sicherheitsapparat kosten nicht nur den Steuerzahler vor Ort Unsummen. "Der Nahost-Konflikt ist ein Klacks auf der Landkarte der Weltgeschichte, doch haben sich die teilnehmenden Parteien darauf verständigt, auf einer Provinzbühne eine Supershow hinzulegen".
Dieses Buch sei jedem empfohlen, der bislang nur über die TV-Nachrichten mit dem Nahost-Konflikt informiert wurde, denn es bietet wichtige Einblicke in das Wesen einer Gesellschaft, die sich nur in einem Punkt einig ist: an diesem Fleckchen Erde möglichst allein ohne die anderen Gesellschaftsteile leben zu wollen.
Immer noch aktuell!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Leicht zu lesen,locker geschriebene Hindergrund Information über jüdisches Leben in Israel. Kritisch, liebevoll und nicht denunzierend.
Ein sehr guter Einblick in den Nah-Ost-Konflikt!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. Das Buch bietet keinen Überblick, sondern einen sehr guten Einblick in die Problematik des Nahost-Konfilkts. Das Buch beinhaltet eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Berichten, Reportagen und Interviews über jeweils eine Gruppierung. Und dabei lernt der Leser die innere Logik der jeweiligen Richtung kennen. Aber der Leser sollte sich hüten, vorschnell ein Urteil zu fällen, sondern bis zum Ende des Buches warten.

Einziger Haken an dem Buch: Es ist schon etwas älter. Seit Herausgabe des Buches fanden viele Neuwahlen, der Tod Arafats und die Räumung der Gaza-Siedlungen statt, auf die das Buch natürlich nicht eingehen kann. Aber an den grundsätzlichen Meinungen und Problemen ändert das nichts.
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Das Buch der fünf Ringe: Klassische Strategien aus dem alten Japan von Miyamoto Musashi

Taschenbuch von Phänomen, Hamburg
Angebote bei Amazon: ab EUR 48,19

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3933321646, Erscheinungsdatum: Juni 2007, Auflage: 1., Aufl.
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Aus der Amazon.de-Redaktion


"Bei allem, was jemand tut, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und auf den richtigen Rhythmus an." Ein Grundsatz, der aus einem Leitfaden für modernes Management stammen könnte, und doch wurde er im 17.Jahrhundert geschrieben. Geschrieben von Miyamoto Musashi, ein Samurai jener Zeit, der in fünf kurzen, eher Kapiteln ähnlichen Büchern die hohe Kunst des Schwertkampfes zusammenfaßt. Dabei ist jeder Abschnitt einem der fünf Elemente zugeordnet.
Das Buch der fünf Ringe, das der Weise der Schwertkunst, der er für die Japaner bis heute ist, schrieb, ist nicht einfach die Anleitung zur Handhabung von Schwert, Speer oder Lanze. Es ist vielmehr ein Bewußtseins-Training, eine Verhaltensschulung, eine "Anleitung für strategisches Handeln", wie es auch im Untertitel heißt. Kein Wunder also, daß japanische Geschäftsleute das Buch auch "als Handbuch für die Planung ihrer Verkaufskampagnen" benutzen.
Das ausführliche und illustrierte Vorwort nimmt auf dem Weg zu fernem Geschichsterrain verständlich und erklärend an die Hand und ist in diesem Buch so wichtig wie das eigentliche Werk selbst. Es eröffnet dem Leser der westlichen Welt den nötigen Zugang und das Verständnis für Gedanken, Lebenseinstellungen und vor allem für Entwicklung und Tradition eines in unserer Zeit immer näher rückenden Landes.
Musashis Lehre ist geprägt vom Zen Buddhismus, der Shinto-Religion und durch den Konfuzianismus und geschrieben in einer Zeit des großen Umbruchs in Japan, ein zeitlicher Abschnitt, der uns nicht unbedingt so geläufig ist wie die eigene Geschichte. Um so spannender die Einführung, die das eindrucksvoll vielseitige Leben des berühmten Schwertkämpfers Revue passieren läßt, der auch in der Meditation, der Malerei und der Bildhauerei Vollkommenheit anstrebte.
"Wen immer du besiegst -- wenn dieser Sieg nicht auf dem beruht, was du gelernt hast, ist es kein wahrer Sieg." Wie wahr und zeitlos. --Barbara Wegmann
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5 Kundenrezensionen:

Gutes ist nicht immer gut zu bekommen.
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Es ist schon nervend genug, dass die Leser dieses Werk es hauptsächlich verunglimpfen: entweder wird es als eine calvinistische Business-Interpretation gelesen oder als Pflichtlektüre für Kampf"sport" postuliert. Dabei gibt Miyamoto Musashi selbst in den ersten Seiten indirekt an, dass dies nicht der Weg ist dieses Buch zu lesen, ein Leben so zu führen. Entsprechend ist es noch trauriger, dass die deutschen Übersetzungen alle derart schlecht sind. Es ist keine Übersetzung im literalen Kontext. Es wird nur "sinngemäß" übersetzt und dieser Sinn wird von zweitklassigen Übersetzern ohne ein Gefühl für Sprachliche Genauigkeit oder für das Thema dieses Buches einfach romantisch dahin geschwaffelt.

Ich kann nur zwei englische Übersetzungen empfehlen und zwar von Cleary und Harris.
KULT, aber mitunter schwer verständlich, ...
4 Punkte 4 von 5 Punkten
... was sich aber nach mehrmaligem Lesen legen soll (habe ich mir sagen lassen) !!!
Wertvoll
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Mit dem Gorin-no-sho, dem Buch der fünf Ringe, schrieb der bekannteste Samurai Miyamoto im 17. Jahrhundert eines der Grundlagenwerke der Schwertkunst. Es ist noch heute in führenden Schulen Standard- und Pflichtlektüre und hat an seiner Aktualität nichts eingebüßt, da es die innere Haltung hervorhebt, mit der jede Handlung vollzogen wird.
Das Lehrbuch ist weit mehr als ein Werk zur Vollendung der Schwertkampfes -es ist ein Leitfaden für das Bestehen täglicher Konflikte in der Berufs- und Arbeitswelt - nicht nur für Manager!
In diesem Werk kommt eine Philosophie zum Ausdruck, die das rechte Handeln auf der Basis der zielorientierten inneren rechten Grundgesinnung
herausstellt - heute noch so aktuell wie früher!
Musashis einfache Grundsätze zeigen nicht nur, wie jeder Gegner besiegt werden kann, sondern lassen sich auch eindrucksvoll und erfolgreich auf das Geschäftsleben übertragen.
Dabei geht es vor allem darum, sich selbst zu besiegen!
Wenn man diese Essenz nicht erkennen kann, dann ist dieses Buch sicherlich nicht auf die heutige Geschäftswelt übertragbar.
Erkennt man jedoch den Geist dahinter, kann dieses Buch nie veralten.
Dieser "Ratgeber" ist mehr ein Lehrbuch für das Bewusstsein als ein Konzept fürs Business. Darin liegt auch sein eigentlicher Wert!
Ein Klassiker zum Studium strategischen Denkens und Handelns
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wenn heute, vor allem auch bedingt durch populäre Filme der jüngeren Vergangenheit, die Samurai als Meister der weisen Anwendung strategischen Wissens und der Kampf-"Künste" gelten, dann ist Miyamoto Musashi der klassische Großmeister.

Dieses Buch habe ich am Anfang meiner beruflichen Karriere durch "Zufall" entdeckt und in einer Nacht verschlungen.

Die hier beschriebene Ausgabe ist eine neuere, attraktivere Ausgabe von 2003. Mein erstes, ursprüngliches Exemplar war eine Taschenbuchausgabe, die ich quasi zer-lesen habe.

Das Buch der fünf Ringe (japanisch: "Gorin-no-sho") ist oberflächlich ein Resumée der Karriere eines Kampfkünstlers, eines Samurai und seiner Art des Schwertkampfes. Wohl gemerkt: oberflächlich betracht.

Dieses Buch ist deutlich mehr und daher zur Legende geworden. Geschrieben wurde es im Oktober 1643 als sein Autor sechzig Jahre alt war. In einer Phase, die heute als 'sabbatical' (persönliche Auszeit) bezeichnet werden mag, zieht er persönliche Bilanz und lässt seinen Leser am Schatz seiner Erfahrung teilhaben.

Der Schwertkampf dient als ultimative Metapher um das Prozedere des Erlangens von Siegen zu beschreiben. In nur fünf Kapiteln und weniger als 120 Seiten steckt in leicht verständlicher Sprache verdichtete Weisheit eines erfahrenen Kämpfers.

Das Buch der fünf Ringe ist auch deshalb zur Legende geworden, da sein Autor (1584-1645) noch bis heute als der bedeutendste Samurai Japans gilt.

Faszinierend an diesem Werk ist aus heutiger Sicht auch, dass es sowohl als Literatur zur Ausbildung von Führungspersönlichkeiten und zur Lehre über Strategie und Ergebnisorientierung geeignet ist, als auch zum Studium fernöstlicher Philosophie und eines Teils japanischer Kultur und Tradition.

Sehr empfehlenswert!

Genießen Sie den Tag!
Manager? blödsinn...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
also erstens mal ist das Buch sehr deutlich geschrieben von daher hat man bei weiten nicht so viel Interpretationsspielraum wie das Aussagen von weiter unten behaupten, von wegen für Manager übertragbar auf das Wirtschaftsleben...
Musashi war ein religiöser Krieger der sich in Askese übte, und genau unter diesen Umständen sollte man auch seine Ausführungen werten und nicht auf Bereiche übertragen dessen Gerüst ein komplett anderes ist. Die Menschenrechte wurden ja auch nicht für Terroristen geschrieben...

aber für Leute die Kampfkunst betreiben sehr sehr lohnenswert!
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Geschichte Japans von Manfred Pohl

Taschenbuch von C.H. Beck Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 4,00

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3406479901, Erscheinungsdatum: Sept. 2002, Auflage: 1. Aufl.
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5 Kundenrezensionen:

Kurze und gute Darstellung der japanischen Geschichte
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Manfred Pohl beschreibt auf 100 Seiten knapp die Geschichte Japans. Wie alle Bücher aus der Reihe "Beck Wissen in der Beck'schen Reihe" dienen diese nur für eine kurze Gesamtdarstellung. Pohl kann daher nicht in die Tiefe gehen, sondern muss eher an der Oberfläche bleiben. Für weitere Hinweise ist das Literaturverzeichnis am Ende des Buches hilfreich, dort kann der interessierte Leser ausführliche Darstellungen über die Japanische Geschichte finden. Dieses Buch ist für einen Einsteiger in die japanische Geschichte sehr empfehlenswert.
Ein knapper Überblick über die Geschichte Japans
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Manfred Pohl ? Geschichte Japans
Manfred Pohl ist Professor der Japanologie. In diesem sehr knappen Buch schildert er die Geschichte Japans von der ersten Besiedlung (rund 1000 vor Chr.) bis zum Jahr 2005. Dies ist durch eine aktualisierte dritte Auflage möglich. Die Bücher der ersten Auflage enden bereits in der Mitte des Jahres 2002, als das Buch zuerst erschien.
Da das Buch nur 90 Seiten lang ist (112 Seiten mit allem drum und dran), wird die Entwicklung des Landes nur sehr oberflächlich geschildert. Der Weg bis zur Modernisierung in der Meiji-Zeit (1868) wird auf 52 Seiten beschrieben. Auf den nächsten 12 Seiten werden die Jahre bis zum zweiten Weltkrieg (1937) abgehandelt, und auf den letzen 21 Seiten befinden sich die Jahre von 1945-2005. Wie viele Jahre hier auf wie wenigen Seiten abgehandelt werden zeigt klar, dass es sich bei diesem Buch nur um einen Überblick handelt. Größtenteils wird lediglich auf die herrschenden Personen/Familien der verschiedenen Zeiten/Jahre, und ihre Machtpolitischen Gegner eingegangen, und etwas über die Beziehungen nach Außen, zu anderen Ländern geschrieben. Die Entwicklung der Bevölkerung und der Kultur bleibt außen vor.
Nach dem lesen des Buches hat man also einen knappen Überblick über verschiedenen großen Epochen gewonnen, und kann die Entwicklung des Landes in groben Zügen nachvollziehen. Somit dient das Buch sehr gut aus Einstieg in das Thema. Beschäftigt man sich anschließend näher mit Japan, und eindringlicher mit den einzelnen Epochen, dient das Basiswissen aus diesem Buch als gute Grundlage. Sollte man aber bereits ein gewisses Grundwissen über Japan besitzen, wird einen die Lektüre dieses Buches nicht weiterbringen.
Im Anhang befinden sich eine Zeittafel (5 Seiten), sowie ein Register und eine Karte Japans. Die Zeittafel sei dabei noch einmal hervorgehoben: In ihr sind die einzelnen Zeiten mit den wichtigsten Ereignissen aufgelistet. Damit ist sie sehr hilfreich bei der zeitlichen Orientierung und beim Suchen nach bestimmten Geschehnissen. Gerade für die Heisei-Zeit (ab 1989) ist sie dazu noch recht ergiebig.
Ein gutes Buch über Japan
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe das Buch in nur zwei Tagen gelesen, denn es liest sich sehr leicht. Es wäre schön, wenn Pohl etwas mehr über die Urbewohner Japans, die Ainu, geschrieben hätte. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass er etwas mehr über Hiroshima und Nagasaki geschrieben hätte. Ich würde gerne wissen, wie viele Menschen dabei umgekommen sind, wie viele verletzt oder/und verstrahlt wurden oder ob noch kranke Kinder geboren werden. Japan hat während des zweiten Weltkriegs viele Länder in Asien angegriffen und beherrscht. Trotzdem rechtfertigt das noch keinen Atombombenabwurf. Es scheint, dass die Amerikaner ihre neue Waffe einfach mal testen wollten. Die beiden Städte bleiben wahrscheinlich noch Millionen oder sogar Milliarden von Jahren verstrahlt. Hoffen wir, dass nie wieder eine Atombombe in einem Krieg eingesetzt wird.
Geschichte Japans in komprimierter Form
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Manfred Pohl hat in der Reihe "C.H.Beck Wissen" die "Geschichte Japans" (C.H.Beck Verlag, 3.A. München 2005) in komprimierter Form dargestellt. Das Buch beginnt mit der Vor- und Frühgeschichte des japanischen Volkes. Über dessen Herkunft keine präzisen Informationen vorliegen, es kann jedoch aufgrund der Sprachähnlichkeit auf einen ural-altaiischen Ursprung geschlossen werden: Wandervölker aus Zentralasien besiedelten die japnaischen Inseln. Die frühesten Chroniken erwähnen ein Inselreich mit ca. 100 Teilstaaten. im 4./5. Jahrhundert kam es schließlich zum ersten Einheitsstaat, dem Yamoto-Reich. In der Folge werden die Hochblüte der japanischen Kultur in der Heian-Zeit und mit der Fujiwara-Herrschaft sowie die Herrschaft der großen Ritterfamilien in Japans feudalistischer Epoche behandelt. Danach wird die Epoche der Bürgerkriege durch eine über zweihundertjährige Herrschaft der Familie Togukawa dargestellt, die letztendlich zur Abschließung von der Welt führte. Erst nach dem Zusammenbruch der Tokugawa-Herrschaft kam es in der Meiji-Zeit zur Öffnung und zur Etablierung eines modernen Staates. Eigene Kapitel sind der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg, dem Weg in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs sowie dem Wiederaufbau sowie dem darauffolgenden Wirtschaftswunder nach 1945 gewidmet. Alles in allem eine leicht lesbare Einführung in die Geschichte Japans.
Gelungener Überblick
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Was die bisher von mir gelesenen Bücher dieser Taschenbuchreihe des C. H. Beck-Verlages auszeichnet, trifft auch auf das Buch "Geschichte Japans" zu.
Es gibt eine gut gelunge Übersicht über die japanische Geschichte mit all ihren wichtigen Ereignissen und ist so geschrieben, dass man es auch ohne Vorkenntnisse problemlos verstehen und als Bereicherung ansehen kann. Desweitern hat es mit den meisten anderen Büchern dieser Reihe gemeinsam, dass es auch sinnloses, ganze Absätze umfassendes Herum"geschwafel" verzichtet und sich auf Fakten bestinnt.
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Produkt-Bild: Im Dienst des Diktators: Leben und Flucht eines nordkoreanischen Agenten

Im Dienst des Diktators: Leben und Flucht eines nordkoreanischen Agenten von Ingrid Steiner-Gashi, Dardan Gashi

Gebundene Ausgabe von Ueberreuter
Angebote bei Amazon: ab EUR 14,94

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3800074508, Erscheinungsdatum: März 2010
Zoom ± Produkt-Bild: Im Dienst des Diktators: Leben und Flucht eines nordkoreanischen Agenten

5 Kundenrezensionen:

Im Dienste des Diktators
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Nichts was wir eigentlich nicht wissen. Einfach geschrieben, flüssig zu lesen, sehr interessant. Für mich ergibt es dennoch ein eher oberflächliches Bild. Wirklich tiefgründig wurde nichts erörtert. Erschütternd, dass es Länder wie Nordkorea noch gibt und die restliche Welt tatenlos zusieht.
Makabrer Einblick in ein Verwahrlostes Land
5 Punkte 5 von 5 Punkten
einen erschütternden einblick über dieses völlig isolierte land vermitteln die autoren mit hilfe eines agenten aus nordkorea. ein land das ihre einwohner bewusst dumm und quasi an der kurzen leine hält. für westliche und zivilisierte menschen vermittelt das buch einen "bericht" der einen den kalten schweiss ausbrechen lässt wenn man sich nur ansatzweise versucht sich in die lage der menschen dort hineinzuversetzen.

dort fehlt es an allem (essen, strom, heizung wasser, medizinische versorgung) und der "geliebte" präsident geniesst dort ein unglaubliches luxusleben von denen sogar westliche präsidenten nur zu träumen wagen. einfach unglaublich wie mann ein volk dumm halten und einen personenkult um Kim Jong-Il dort aufrechterhalten kann.

wer nur ein wenig gerechtigkeitssinn in sich trägt dem kommt beim lesen dieses buches der blanke hass gegen dieses regime hoch. ich wünsche diesen armen und gedemütigten volk nur eines: das es vielleicht irgenwann schafft dagegen anzukämpfen und aufzubegehren. möglich wäre es zwar (siehe ostblockzerfall) aber so recht glauben kann ich es nicht, solange westliche staaten einfach wegschauen und nichts dagegen unternehmen. aber leider gibts dort nichts zu holen (öl etc) was westliche staaten dazu bringen würde gewaltsam (den ich befürchte anders wirds dort wirklich nicht gehen) dagegen vorzugehen und die menschen von ihrem elend zu befreien.

absolut empfehlenswert. ich wünsche dem co autor und ex-nordkoreanischen agenten kim Jong Ryul das allerbeste für ihn und sein land und das er es schafft weiterhin unentdeckt zu bleiben.
Unserioes reisserrischer Sensationsjournalismus
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Ich lebe als einer der wenigen Auslaender seit mehreren Jahren in Nordkorea. Ich habe dort ein Auto und anders als Journalisten kann mich im Umkreis der Hauptstadt frei bewegen und habe durch meine Arbeit nicht nur mit Stasi-Leuten und Funktionaeren, sondern auch mit ganz normalen Buergern zu tun.

Die Erlebnisse und Einblicke von Kim Jong Ryul haetten einen aufschlussreichen Einblick in die Denk- und Funktionsweise der Nordkoreanischen Elite geben koennen.

Frau Steiner-Gashi hat jedoch es geschafft, die Erlebnisse dieses Mannes so sehr mit Informationen, die sie nur vom Hoerensagen oder aus dem Internet kennt, "aufzuhuebschen", dass fuer den Leser nicht mehr erkennbar ist, was Tatsachenbeschreibung und was Fiktion ist.

Vieles was in diesem Buch steht koennte wahr sein und kann einen schaudern lassen. Staendig jedoch stolpere ich ueber Saetze und Nebensaetze, die ich aufgrund meiner persoenlichen Erfahrung irgendwo zwischen haarstraeubender Uebertreibung, voelliger Tatsachenverdrehung und komplettem Unsinn einordnen muss.

Hinzu kommt ein absolut reisserischer Sprachstil der jede Distanz zum komplexen Thema vermissen laesst und dem Sachlichkeit voellig fremd ist.

Insgesamt laesst mich mich dieses Buch nicht nur durch seinen Inhalt, als durch seine mangelhafte journalistie Qualitaet schaudern.

Wer ein gutes Buch ueber Nordkorea lesen will, sollte sich besser "Nordkorea: Einblicke in ein rätselhaftes Land" von Christoph Moeskes kaufen. Allen anderen empfehle ich die "Bildzeitung".
Im Dienst des Diktators
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein zutiefst beeindruckendes und auch bedrückendes Buch. Es schildert das Leben Kim Jong Ryls, der in Nordkorea bis in den hohen Staatsdienst aufsteigt. Dabei wird das paranoide Überwachungs-System des kommunistischen Staates dargestellt, dass für 22 Millionen Menschen einen Kampf um das tägliche Überleben in bitterster Armut bedeutet. Gleichzeitig lassen sich Diktator Kim Jong Il und sein verstorbener Vater als gottgleiche Führer verehren. Die Kontrolle geht soweit, dass sich selbst verheiratete Eheleute nicht trauen können. Beim kleinsten regimekritischen Verdacht eines Einzelnen drohen Familie und Freunden Internierungs-Lager und Ermordung. Packend und spannend geschrieben gewährt das Buch einen tiefen Einblick in eine von der Außenwelt völlig isolierte, absurde Gesellschaft. George Orwell wäre blass geworden!
Spannender Insider-Einblick in eine der schlimmsten Diktaturen der Welt
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Die Geschichte von dem Mann, der einer der schlimmsten Diktaturen der Welt im Oktober 1994 nach minutiöser Vorbereitung für immer entfloh, ist wahr. Fünfzehn Jahre nach seiner gut geplanten Flucht aus dem kommunistischen Nordkorea, im Frühling 2009, tauchte Kim Jong Ryul wieder aus der Versenkung auf und stellte Kontakt zu einer österreichischen Journalistin her, die das vorliegende Buch verfasst hat. Herausgekommen ist ein interessanter Einblick in ein Land, aus dem nur wenig Insiderwissen nach außen dringt. "Im Dienst des Diktators" ist somit nicht nur ein spannender Bericht über ein Einzelschicksal, sondern eben auch ein Zeitzeugnis, ein Portrait eines Staates, der in unzähligen Punkten auf westliche Demokratien geradezu irrsinnig wirkt.
Die Autoren Ingrid Steiner-Gashi und Dardan Gashi haben sich entschieden, Kim Jong Ryuls Leben in Form einer in der dritten Person erzählten Biografie zu verarbeiten, die immer wieder lange Abschnitte zu Nordkoreas Geschichte und seinem politischen System enthält. Teilweise noch interessanter und authentischer wäre sicher (zumindest stellenweise) die direkte Wiedergabe einiger aufgezeichneter Gespräche mit dem Flüchtling gewesen; so bleibt vieles etwas oberflächlich, man vermisst mehr persönliche Momente, die hin und wieder durchblitzen und einen Einblick in Ryuls Innenleben und seine Gedankenwelt geben. Aber auch so ist es eine flüssig erzählte Dokumentation eines ungewöhnlichen Lebens geworden, zusätzlich aufbereitet mit vielen Fotos aus dem Privatbesitz von Kim Jong Ryul.

Das Buch steigt mit einem Bericht der geglückten Flucht unmittelbar in das Geschehen ein; nach diesem ersten, geradezu dramatischen Kapitel schlagen die Autoren einen weiten Bogen in die Vergangenheit, berichten von Ryuls von Armut geprägter Kindheit, seinem Maschinenbau-Studium in der ehemaligen DDR (wo er perfekt Deutsch lernte), seiner Rückkehr nach Nordkorea und seinem Aufstieg zu einem bedeutenden und geachteten Mann in einem gefährlichen, extrem repressiven politischen System. Der heute 75-Jährige organisierte viele Jahre lang in aller Welt Konsumgüter und Waffen für die beiden nordkoreanischen Diktatoren Kim Il Sung und Kim Jong Il. Auch Deutschland gehörte zu den Ländern, die Ryul vielfach bereiste, um dort Waren für die nordkoreanische Elite einzukaufen, zum Beispiel massenhaft hochwertige Autos bei der früheren Daimler-Benz AG. Heute hält die deutsche Industrie sich nach eigenen Angaben an das "Luxusembargo", das es seit März 2007 verbietet, Luxusgüter an Nordkorea zu verkaufen.

"Im Dienst des Diktators" ist keine Geschichte von einem, der auszog und dann umgehend ein neues, glückliches Leben fand. Zwar lässt sich den Schilderungen entnehmen, dass es dem Überläufer natürlich besser geht als damals im Dienste der kommunistischen Diktatur, dass er nicht mehr hungert, dass er glücklich und dankbar ist, dem System entronnen zu sein, und dass er viele Freiheiten genießt, die in Nordkorea unmöglich sind. Man liest aber auch Verbitterung und Einsamkeit heraus, Wut auf das ehemals bewunderte Regime und seine Machthaber, auf den "geliebten Führer" bei jemandem, der seit vielen Jahren mit der ständigen Furcht vor Entdeckung lebt und nie ungezwungen seine anonyme Freiheit genießen kann, natürlich kein Wunder, zumal ja jeder, der sich von Nordkorea abwendet, damit rechnen muss, dass die dort zurückgebliebene Familie in einem Gulag verschwindet und getötet wird. Ein Leben voller Lügen und Täuschung kann natürlich an niemandem spurlos vorbeigehen, zumal Ryul ein so striktes Doppelleben führte, dass nicht einmal seine Familie etwas von seinen Fluchtplänen ahnte.

"Im Dienst des Diktators" ist ein spannender und interessanter Einblick in ein vollkommen anderes, bewegtes Lebensschicksal, in ein fremdes und für uns befremdliches politisches System, basierend auf Erfahrungen aus allererster Hand.
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Produkt-Bild: Warum tötest du, Zaid?

Warum tötest du, Zaid? von Jürgen Todenhöfer

Taschenbuch von Goldmann Verlag
Angebote bei Amazon: ab EUR 6,95

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3442155649, Erscheinungsdatum: August 2009
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Schon in seinen früheren Büchern Wer weint schon um Abdul und Tanaya? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror und Andy und Marwa. Zwei Kinder und der Krieg ist es Jürgen Todenhöfers Anliegen gewesen, den Motiven der Menschen ?auf der anderen Seite? nachzuspüren. Über diese ?andere Seite?, so die Überzeugung des Burda-Managers, erfahren wir aus den Medien hierzulande nämlich viel zu wenig. Dieses Mal ist er in den Irak gefahren, um zu erfahren, was die Menschen dort antreibt, die immer noch erbitterten Widerstand gegen diejenigen leisten, die nach ihrem eigenen Verständnis das Land von der Diktatur Saddam Husseins befreit haben. Fein säuberlich unterscheidet Todenhöfer zwischen den Terroristen der Al-Qaida, die nach dem Sturz des Baath-Regimes im Irak neue Kämpfer für ihren angeblichen Dschihad gegen alle Ungläubigen rekrutieren und die selbst keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Militärs machen, und den ?Widerstandskämpfern?, deren Aktionen sich allein gegen die amerikanischen Truppen und deren Verbündeten richten.
Im Mittelpunkt steht dabei der junge Iraker Zaid, der sich niemals den Dschihadisten anschließen würde -- und der auch mit dem Krieg niemals etwas zu tun haben wollte. Erst nachdem er durch die Gewehrsalven amerikanischer Soldaten auch seinen zweiten Bruder verloren hatte, entschloss sich der 21-Jährige dazu, sich dem Widerstand anzuschließen, um sein Land von den als Besatzern empfundenen Amerikanern zu befreien. Und man kann kaum umhin, Verständnis für diesen jungen Mann in seinem tiefen Schmerz zu haben. Und man beginnt auch zu begreifen, weshalb sich andere lieber gleich der Al-Qaida anschließen, deren kompromissloser Kampf ihnen in ihrer Verzweiflung aussichtsreicher erscheint.
Warum tötest du, Zaid ist ein bewegendes Buch, das nicht nur, aber vor allem auf einer emotionalen Ebene Todenhöfers Überzeugung einleuchtend macht, dass der ?Krieg gegen den Terror?, wie die Bush-Regierung sich nach dem 11. September 2001 entschlossen hat ihn zu führen, den Terrorismus eher befördert statt ihn einzudämmen. -- Hasso Greb, Literaturanzeiger.de
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5 Kundenrezensionen:

Selektive Sichtweise - schlechter Beitrag zur Debatte
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Selten hat man so etwas Dummes gelesen, wie dieses Buch von Jürgen Todenhöfer.
Als "Medienprofi" versteht er es genau, Fakten mit Fiktionen so zu vermengen, dass eine pseudorealistische Sichtweise auf den Irakkrieg zutage tritt. Todenhöfer nennt Zahlen und Fakten, ohne dass er je genau sagt, woher er seine Informationen bezieht bzw. inwiefern bestimmte Merkmale definiert sind (was ist denn nun ein Terrorist?). Genau genommen tut er so, als sei seine "Meinung" wissenschaftlich unterfüttert - und das ist sie nicht. Eigentlich kotzt er lediglich seinen Antiamerikanismus aus, wofür er sich feiern lassen will.
Beispielhaft ist schon das Umschlagbild: Todenhöfer mit Block und Stift notiert, was jener unkenntlich gemachte Zaid ihm - dem "neutralen Chronisten" - berichtet. Die Realität sieht etwas anders aus: Fünf Tage war Todenhöfer angeblich im Irak - genug Zeit, um wirklich aussagekräftige Informationen zu sammeln? Genug Zeit, das ihm Zugetragene zu verifizieren? Sicher nicht!
Das Buch eignet sich für jeden, der Wuttiraden auf George Bush lesen will. Mehr verstehen von dem, was ihm Irak vor sich geht, wird nach der Lektüre dieses Werkes sicher keiner. Es stellt vielmehr einen Beitrag zur Volksverdummung dar, wie Todenhöfers Besuch bei der Kerner-Talkshow aufs Schönste belegte.
Reportage ohne Gewähr
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Älteren Lesern ist der Autor noch aus seiner Zeit als MdB der CDU/CSU bekannt; seit zwanzig Jahren ist er Publizist und Medienunternehmer und beschäftigt sich vornehmlich mit der Problematik des Nahen Ostens und der sogenannten westlichen Welt. In seinem neuesten Buch geht er von der Annahme aus, westliche Gewalt und Ignoranz gegenüber der muslimischen Welt seien allein verantwortlich für den Terrorismus. Um dies zu belegen, begibt er sich von Damaskus auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg nach dem berüchtigten Ramadi. Dort interviewt er auf Vermittlung von irakischen Bekannten fünf Tage lang eine Handvoll Widerstandskämpfer, um schließlich den jungen Zaid nach der Motivation für seine Gewaltbereitschaft zu befragen. Es gibt wohl viele Familien in Irak, die in der Folge der Intervention persönlichen oder materiellen Schaden genommen haben, Folter und Demütigung, oft genug mit tödlichem Ausgang. Und so mögen die tragischen Einzelschicksale glaubwürdig erscheinen, auch wenn die Protagonisten so wenig Authentizität besitzen wie die Aussage eines anonymen GI. Die Echtheit der Antworten ist sozusagen symbolisch auf dem Buchumschlag dargestellt, wo der Autor mit seinem Notizbuch einem in Tüchern vermummten Zaid (?) gegenübersitzt. Was erfährt der Autor unter fast lebensgefährlichen Umständen? Schauerliche Geschichten über 100.000 echte" Widerstandskämpfer. Sie gruppieren sich aus baathistischen und gemäßigten Islamisten und tun keinem Zivilisten etwas zuleide. Sie haben nichts mit den 10.000 Al-Quaida zu tun, die für die täglichen Selbsmordattentate ohne Rücksicht auf die Bevölkerung verantwortlich sind und ohnehin ausschließlich von Ausländern begangen werden. Beweis: Zaid bricht einen Anschlag ab, weil ein Mann gerade vor einen Panzer läuft. Aber er fragt auch Grundsätzliches ab: Warum sind die Straßen in Damaskus und Teheran sicherer als in New York? Beruft sich auf offizielle Statistken aus Syrien und Iran, über die selbst die lachen, die sie selber gefälscht haben! Er rechnet die Besetzung von Lehrstellen an westlichen Universitäten damit auf, daß in Ägypten 60% der Professoren Frauen sind, ohne darauf einzugehen, was in Ägypten ein Professor ist. In den letzten zweihundert Jahren habe der Westen" 4 Mio. Moslems getötet, und nur" 5.000 die Gegenseite, 9/11 inklusive. Zögen die Amerikaner ab, würde der irakische Widerstand" Al-Quaida hinauswerfen. Dies führt zum zweiten Teil des Buches in Form von zehn Thesen zu den Fehlern des Westens. In einem dritten Teil, quasi als Füllsel, kann der Leser dann erfahren, was aus Abdul und Tanaya geworden ist, Protagonisten aus einem früheren Buch. Zur Untermauerung all seiner Theorien scheut sich der Autor nicht, fast sechzig Seiten lang willkürlich Zitate aus Koran und Bibel anzufügen, deren beliebige Interpretation seit jeher unendlich viele Geister und Ungeister beschäftigt hat. In seiner selektiven Wahrnehmung der Geschichte, seinem legeren Umgang mit Zahlen und der vollkommenen Ausklammerung der innerarabischen und -irakischen Geschehnisse - ehemalige Parteigänger des Baath-Regimes gehen in den Widerstand! - verbreitet er die Mär vom edlen Wilden" (H. Broder). Er spricht von einer muslimischen Welt, die es so gar nicht gibt, meint mit Westen die USA und die Briten, und klammert in altachtundsechziger Manier Rußland aus; China und Japan haben scheinbar noch keinen überregionalen Einfluß. Todenhöfer macht sich unter dem Deckmantel eines populistischen Toleranzbegriffs todtraurige persönliche Geschichten ungeprüft zu eigen, um den aktuellen Volksmund zu bedienen.
Eye Opener
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein grossartiges Buch für all diejenigen, welche ihre kleine und westlich geprägte Welt hinterfragen möchten und nicht mehr bereit sind, die Aussagen der guten Christen über die bösen Islamisten für bare Münzen zu nehmen.
Sollte jeder lesen!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Einer der besten Bücher, die ich über diese Thematik gelesen habe! Sehr empfehlenswert und ausschlussreich.
Opium fürs Volk
4 Punkte 4 von 5 Punkten
... und abermals mimt Jürgen Todenhöfer den Orator des Volkes. Rhetorisch nah am Hintern desselben beginnt er mit der Geschichte eines Märchens aus 1000 und einer Nacht. Und siehe da, es funktioniert. Man kann den frischen Minztee geradezu riechen, sieht dunkelrote Teppiche mit goldenen Stickereien, wie man sie aus alten Sindbad-Filmen kennt, und fühlt sich selbst inmitten des "Reichs des Bösen" dort an diesem kleinen Brunnen willkommen, an dem er, vom Augenblick ergriffen, am liebsten ein Lied geträllert hätte, auf dass es ein jeder hörte.

Todenhöfer liebt den Orient sehr, was man auch seinem Buch über die gesamte Lektüre hinweg anmerkt. Für ihn ist die Frage nach dem "Warum ...?" vielmehr als Geldmacherei; er kämpft an der Seite des Widerstands eben auf seine Weise. Polemisch proklamierend einer-, fast krampfhaft um Rechtfertigung bemüht andererseits. Sein Werk gliedert er dabei in drei Teile.

Im Ersten berichtet er von seiner Reise in den Irak, einem Bußgang symbolischen Charakters. Was er vor Ort in Erfahrung und dem Leser näher bringt, ist schließlich nichts Neues. Hier galt es offenbar, ein Zeichen zu setzen, sich selbst in Gefahr zu begeben, um Legitimation und Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Teil zwei versucht die aktuelle politische Situation - und aktuell ist sie noch immer - in den historischen Kontext zu setzen. Mit Blick auf die Vergangenheit und die Rolle der Briten und Franzosen ergeben sich neue Sichtweisen, die ich überaus informativ und anregend fand. Gerne hätte er derart sämtliche Seiten füllen dürfen.

Im Letzten listet er schließlich Zitate aus dem Neuen und Alten Testament sowie aus dem Koran, die von gesellschaftskritischem Interesse sind. Ziel dieses Parts sei es, aggressive Stellen aus den drei großen heiligen Schriften anzuführen, um den Islam als "Terrorglauben" zu entlasten. Korankundige Wissenschaftler kommentieren die Auszüge und erklären, was seinerzeit tatsächlich gemeint war. Äußerst interessant, aber den meisten Muslimen sicherlich nicht zugänglich.

Summa summarum: Kaufen, wenn Interesesse am Thema besteht! Viel von dem, was Todenhöfer als "Die echte, wahre Wahrheitheit" entdeckt zu haben glaubt, wissen erwachsene Menschen mit kritischem Standpunkt zur Weltpolitik bereits, aber er hält auch Neues parat. Misslungen erschien mir hingegen der zuweilen hilflos wirkende Mix aus volksnaher Form seiner Argumentation (ganz selbstverständlich lieben und bewundern viele Iraker und Iraner die USA beispielsweise, kritisieren lediglich die Besatzung; westlicher Irrglauben wird zudem meist halb höhnisch "verlacht") und einem Wust an Fußnoten und Quellen, durch die sich wohl nur ein marginaler Prozentsatz seiner Leser gewühlt haben wird. Wer sich damit arrangieren kann, darf sich gerne versuchen.
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Bittersüße Heimat: Bericht aus dem Inneren der Türkei von Necla Kelek

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