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Der Mann, der Günter Wallraff ist: Eine Biographie von Jürgen Gottschlich

Zoom Produkt-Bild: Der Mann, der Günter Wallraff ist: Eine Biographie
Gebundene Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 3462039261, Erscheinungsdatum: August 2007
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Im Schwedischen gibt es das Verb ?wallraffa?, das das gesellschaftliche Durchleuchten von Missständen bezeichnet. Es zeigt, wie stark die Undercover-Tätigkeit des Journalisten Günter Wallraff auch (und vor allem) im Ausland wahrgenommen wurde und wirken konnte. Immer wieder ist Wallraff in Masken geschlüpft, um Ungerechtigkeiten zu demaskieren. Als Hans Esser arbeitete er bei der Bild-Zeitung und deckte in Büchern wie Der Aufmacher deren Praktiken auf. Als ?Türke Ali? war er Ganz unten im Arbeitsalltag von Industriekonzernen und Fast-Food-Ketten und machte sensibel für die beizeiten verbrecherische Ausbeutung der Konzerne.

Wie stark Wallraff unser demokratisches Leben noch immer unterschwellig bestimmt, zeigte die Politiker- und Medienreaktion auf Vorwürfe gegen den Autor wegen seiner vermeintlichen Arbeit als Stasi-Spitzel 2003, die der Autor, wohl zu Recht, als ?Pressehysterie? bezeichnete. Da wurde man auch als neutraler Beobachter den Verdacht nicht los, dass viele dankbar waren für die Gelegenheit, endlich nachtreten zu können. Umso wichtiger ist diese gut geschriebene (und blendend recherchierte) Biografie aus der Feder des taz-Mitbegründers Jürgen Gottschlich, die rechtzeitig zum 65. Geburtstag des Autors von der Kölner Kindheit angefangen über dessen prägende Bundeswehrzeit bis zu seiner journalistischen ?Wiedergeburt? für Reportagen in der Zeit 2007 ausführlich aufzeigt, wie aus Günter Wallraf der Mann der tausend Masken wurde -- und wie es ihm gelang, die deutsche Demokratie und den deutschen Journalismus für immer zu verändern.

Nun ist es nie unproblematisch, wenn die Biografie eines Autors im Hausverlag eben jenes Autors, in diesem Fall also, wie alle Bücher Wallraffs, bei Kiepenheuer & Witsch erscheint. Es ist auch psychologisch schwierig, sich dem Leben eines Menschen unbefangen zu nähern, der -- wie Gottschlich in seiner Danksagung am Ende seines Buches schreibt -- ?mir einen großen Vertrauensvorschuss gegeben und sich viel Zeit genommen hat, um in intensiven Gesprächen Auskunft über sein Leben zu erteilen?. Ist da nicht die Versuchung groß, Biografisches zu beschönigen, um den doch so freundlichen und zuvorkommenden Autor nicht zu enttäuschen? Gottschlich ist dieser Versuchung nicht erlegen. Auch Kritisches, etwa zum Schreibstil Wallraffs, hat er nicht ausgespart. So ist das ausgewogene Porträt eines im besten Sinne investigativen Journalisten entstanden, der für hehre Ideale auch Anfeindungen von Rechts (und Links!) in Kauf genommen hat -- auch wenn sie ihn bisweilen mit einer gewissen Naivität überraschten. Der Mann, der hinter seinen vielen Masken Günter Wallraff ist, kommt mit vielen seiner Züge zum Vorschein. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de

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